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1 (1914) Von Ägypten bis zur Renaissance in Italien, Spanien und Portugal
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4. KAP.

Apollinaris Sidonius ,,burgus'

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die Apollinaris Sidonius uns von seiner Villa Avitiakum in der Auvergne gibt 162 . DasBestreben mit Plinius zu wetteifern, ist offenbar. Ganz nach dem Schema seines Vor-bildes wird zuerst die Annehmlichkeit der Lage nach Süden und die herrliche Aus-sicht gepriesen. Bei den Bädern verweilt er, besonders bei einer Piscina, die man ohneUnbescheidenheit mit einem öffentlichen Werke vergleichen könne. Sie wird vonKanälen mit Löwenköpfen als Ausfluß gespeist. Eine lange Portikus möchte er zwarnicht Hippodrom, aber doch Kryptoportikus nennen 163 . Man sieht, er weiß nichtsRechtes mehr mit den Begriffen anzufangen. Weiter schildert er einen grünen Hof(area), den er auch am liebsten Hain (nemus) nennen möchte. Dieser liegt am Ausgangder Portikus neben dem See, der mit seiner Insel in der Mitte der Stolz seiner Besitzerist. In der Area verschlingen zwei herrliche Linden ihre Kronen zu dichten Schattenmiteinander. Das ist der Körper der sehr wortreichen Schilderung. Das antike Gewandsitzt ihm schon gar lose.

Die offene Villa der alten W T elt wird in jenen Gegenden und Zeiten, in denen Sidoniuslebt, mehr und mehr von den Fluten der Völkerwanderung bedroht. Die große Unsicher-heit des Lebens verlangte festere Wohnplätze, und Sidonius selbst zeigt uns in einer un-schätzbaren Schilderung, wie damals der Übergang vollzogen wurde von der Villa zummittelalterlichen Ritt erschloß. Der Burg (burgus") des Pontius Leontius, seines Freun-des, widmet er ein Gedicht 164 . Weithin sichtbar auf hohem Berge am Zusammenflußder Garonne und Dordogne erhebt sie sich in mehreren Terrassen am Abhang, vonhohen Mauern und Warttürmen umgeben, die Schmuck zugleich und Wehr sind.Einen Wallgraben, der sich längs der Befestigung hinzieht, nennt er Thermen, vielleichtum anzudeuten, daß er für das Kaltbad benutzt wird, denn ein W T armbad innerhalbder Mauern wird noch erwähnt. Die Gliederung der Teile im Innern bilden verschiedenePortikus, die sich nach verschiedenen Himmelsrichtungen öffnen und von denen zweials oval geschildert werden, von gekrümmten Wegen durchschnitten, so daß wir außer-halb dieser Wege die übliche Bepflanzung der Portikus voraussetzen dürfen. Ebensowie ein Sommer- und Winterportikus wird auch das Winterhaus der Herren, die schöneFrauenwohnung und eine Kapelle genannt. Die Kornspeicher müssen hier natürlichauch innerhalb der Befestigung liegen. Das Bild dieser Befestigung wird durch einenBergfried, der auf der höchsten Spitze liegt, vervollständigt, oben hat er einen Söller,der einen weiten Ausblick gestattet. Neben einer der großen ovalen Doppelportikuswird ein fließender Kanal Euripos genannt, der aus einem höher gelegenen hängendenSee 164a seine Fluten herabführt, jedenfalls in ein nicht erwähntes Bassin auf einerniederen Terrasse. Ein Lorbeerboskett fehlt nicht, um dem Spaziergänger Schatten zugewähren und ebenso ein liebliches Xymphäum, es ist ein Quell, der ohne Kunst nichtin prächtigem Marmor, sondern in porösem Tuffstein gefaßt und rings umgeben vonGrottenwerk ist, außerhalb der Mauern ist der ganze Burghügel mit Reben bepflanzt.So finden wir alle Bestandteile der Villa hier wieder, und deutlich erkennbar sind auch dieverschiedenen Teile der Ritterburgen späterer Zeit aus den Villengebäuden hervorge-gangen. Alles ist enger zusammengerückt, um Platz zu sparen und um nach außenhin den wehrhaften Anblick zu zeigen. Auf diesen Herrensitzen des stolzen gallischenAdels mit seinem Vasallengefolge bereitete sich der mittelalterliche Feudalismusin Lebens- und Wohnweise vor. Sidonius' Briefe und Werke geben uns manche Probein lebendigen Bildern von dieser Entwicklung.