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1 (1914) Von Ägypten bis zur Renaissance in Italien, Spanien und Portugal
Entstehung
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In der Völkerwanderung

4. KA P.

Germanen zurückzuziehen. Die offenen Villen und Gärten werden als erste Opfer derVölkerfluten gefallen sein, und jahrhundertelang hatten diese nordischen Länder zu war-ten, ehe aus kleinen Anfängen ihnen aufs neue eine Gartenkunst erblühen sollte. Hierim Norden zerriß der Faden, und nach dunklen und wilden Zeiten werden wir erst eineneue Spur, wieder vom Süden herleitend, aufsuchen müssen. In den eigentlichen Mutter-ländern der antiken Kultur kann man in diesem Sinne von völligem Aufhören und Ver-wischen jeglicher Kontinuität kaum sprechen, aber einzelne Gebiete, insbesondere indem schwer heimgesuchten westlichen Italien, scheinen allerdings lange Zeitstrecken hin-durch in völliges Dunkel zu sinken. Diese Länder werden nicht nur für die Gartenkunstsondern für jede Kultur überhaupt geschichtslos. Dafür hält nicht allein Byzanz die

Abb. 97

Römisches

Bassin in

Welschbillig,

rekonstruiert

Nach F. Hetiner M MM^ i

Tradition der Garten- und Villenkunst lange aufrecht, bis sie ihm von anderen Völkernaus der Hand genommen wird, sondern auch in Spanien, Südfrankreich und Italienselbst können wir doch an einzelnen Punkten immer wieder, schwächer und deutlicher,bis ins VI. Jahrhundert ein Fortwirken der antiken Kultur nachweisen. Gerade auchdurch ihre Überwinder, die germanischen Eindringlinge, wird diese hier durch Anlage vonBauten und prachtvollen Gärten festgehalten. Gerne nehmen sie von den Villen undGärten ihrer römischen Vorgänger Besitz, wie die in Nordafrika verweichlichten Van-dalen, von denen Prokop 160 erzählt, daß sie es sich Wohlsein ließen in den herrlichen,wasserreichen und schattigen Paradiesen, die sie bei Karthago vorfanden. Daß dieseGärten noch ähnlich ausschauten wie zur klassischen Blütezeit, erfahren wir von Luxo-rius, der in zwei seiner Epigramme die aussichtsreichen Türme, die klaren lauschigenQuellen, die köstlichen Lusthäuser lobt, sich an den duftigen Blumen und dem Vogel-gesang erfreut 161 . Freilich ist damals und früher schon der Geschmack und der Ausdruckder Schilderung verwildert und abgeleitet. Das sehen wir besonders in der Beschreibung,