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Des Ausonius Moselgedicht
4. KAP.
hang mit einer Villa. Da neben den eigentlichen Baderäumen auch noch eine ganzeReihe von Wohnzimmern vorhanden ist, und auch die Baderäume selbst als Wohn-zimmer benutzbar sind, so könnte es vielleicht ein kleines Landhaus eines großenGrundbesitzers, der es in der günstigen Jahreszeit bewohnte, sein. Auch hier ist wiein der Villa des Hadrian eine Vorliebe für Exedren und hemizyklische Anlagen zubemerken. Besonders reizvoll ist das sogenannte Atrium: ein unbedeckter, oder viel-leicht halbbedeckter Raum, der an einer Seite halbrund abschließt, hat auf beiden Sei-ten je eine kurze Portikus. Dem Halbrund gegenüber führen drei hohe Stufen in einegroße Exedra, in der sich ein Bassin befindet. Möglicherweise waren diese Stufen wiein dem sogen. Nymphäum der Hadrianvilla eine Wassertreppe. Um diese Exedra legtsich ein Hemizyklium, das ein Schwimmbassin ausfüllt, zugänglich durch die Seiten-räume ebenfalls auf Stufen. Außen herum führt eine große halbrunde Portikus, und umdiese werden wir uns Gartenanlagen denken müssen, wozu nach dem Plan reichlichPlatz war. Südlich von dieser mit kunstvollem Mosaik geschmückten Badeanlage lagendie Wohnzimmer. Ein Triklinium öffnet sich durch eine Säulenstellung auf einen wohl un-bedeckten Vorraum, dessen entgegengesetzte Seite wieder durch Säulen, die auf einemkleinen Sockel stehen, auf einen Garten, der sich vor dieser Zimmerreihe hinzieht, geht.Sehr ungleich ist das Bild der Villen, die sich die römischen Kolonisten in dennordischen Provinzen überall, wo sie Fuß faßten, erbauten. Die Provinz Gallien hatdurch das griechische Marsalia zweifellos schon früher dem unmittelbaren hellenisti-schen Einfluß des Villenstils in den Mittelmeergebieten offen gestanden. Der allerKultur geneigte, vornehmen Lebensgewohnheiten sehr zugängliche gallische Adel hatsich gewiß, soweit es die Sicherheit seiner Wohnplätze zuließ, dem doppelten Einflußgriechischer und römischer Lebensweise nicht entzogen. Leider aber haben gerade indiesen Gebieten die Ausgrabungen für die frühen Zeiten unserer Kunst wenig Ergeb-nisse zutage gefördert. Erst in ganz später Zeit, schon an der Schwelle des Mittel-alters, weisen Nachrichten auf eine bedeutende Entwicklung. Besser können wir ver-folgen, wie sich die Mosel- und Rheingebiete unter römischer Herrschaft schnellmit reichen Herrenvillen bedeckten. Des Ausonius Moselgedicht schildert freilich erstden Zustand am Ende des IV. Jahrhunderts, wie er ihn als Augenzeuge erlebte 152 . Dochwählt er, wie jene Literatur überhaupt, die rhetorischen Ausdrücke nach Vor-bildern viel früherer Zeiten, er preist die lieblichen Ufer der Mosel, deren Hänge mittürmegeschmückten Villen bedeckt waren, die, von Gärten, Bosketts und Wiesen um-geben, die köstliche Aussicht auf Fluß und Tal genossen. Erst die sorgfältigen Aus-grabungen aber lehren, wie ein stolzes, reiches Herrengeschlecht sich hier angesiedelthatte, das in seinen Villen, was Ausdehnung und Schönheit der Anlage, soweit sieder Grundplan verrät, betrifft, in nichts dem üppigen Mutterlande nachstand. Jaerst diese Grundrisse erschließen auch für manche literarische Nachricht klassischerZeit ein anschauliches Verständnis. W T ann eine Reihe vornehmer Villen, die im Gebietedes heutigen Metz ausgegraben wurden, erbaut sind, läßt sich schwer feststellen 153 .Die Grundrisse erinnern so durchaus an die italischen der ersten Kaiserzeit, die auchfür diese Gegenden eine Zeit verhältnismäßig friedlicher Ruhe war, daß man, wennnicht andere Beweise zu erbringen sind, in ihnen Bauten des ersten und zweiten nach-christlichen Jahrhunderts sehen darf. Fast alle der hier, wie weiter hinauf am Rheingefundenen Villen entfalten sich in drei Flügeln, von denen der mittlere die Repräsen-