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Der Hippodromgarten auf dem Paladin
4. KAP.
DerHippodrom-
garten auf dem
Palatin
Und Plinius war der Mann, die Freuden und Schönheiten des Villenlebens mit be-glückter Innigkeit zu genießen. Welch eine frohe Sehnsucht danach spricht sich in denFragen aus, die er dem Freunde Cannius Rufus in einem kurzen Gruße zuruft 104 :„Was macht dein Comum, dein und mein Entzücken? Was diese anmutige Vorstadt-villa? Was jene immergrünen Portikus? Was das schattendichte Platanenboskett, wasder grüne, wie Edelstein glitzernde Euripus? Was der See, der ihn speist und ihn auf-fängt? Was jene weichen und doch festen Spazierwege? Was jene Bäder, die von Sonneerfüllt sind? Jene großen und kleinen Speisesäle, jene Schlaf- und Wohnzimmer? Mögestdu bald (denn es ist Zeit) dich aller niedrigen und schmutzigen Sorgen entschlagen, dichin dies frohe und fruchtbare Versteck zurückziehen zu deinen Studien."
Nur eine seltsame Lücke läßt diese Schilderung des Plinius. Der plastische Schmuckfehlt vollkommen, und das ist durchaus keine Vergeßlichkeit, oder eine rhetorischeBerechnung, sondern ein merkwürdiger Geschmacksmangel dieses Mannes. Mit welcherraffinierten Berechnung gibt er uns in seinen Briefen eine Vorstellung davon, daß er einSpiegel der höchsten Kultur seiner Zeit ist. Die bildende Kunst aber ist ihm völlig
j S -----------------------------pr--------------------------gleichgültig. Als er einst eine Bildsäule
erbte, konnte er nichts Besseres damitmachen, als sie weiter zu verschenken. Inkeiner der Villen aber erwähnt er etwasvon dem Schmuck plastischer Werke. Unddoch hatte seit Ciceros Zeit, wenn auchnicht das Verständnis für plastische Kunst,jedenfalls die Mode und damit die Lustan ihrem Besitz sehr zugenommen. WennCicero dem Verres 105 bittere Vorwürfemachte über den Luxus an Bildwerkenin seinem Garten, was ist das gegen dieErzählung eben unseres Plinius 106 , daß der kürzlich verstorbene Domitius Tullius einreicher Mann gewesen sei. Er habe ganze Scheuern voll Bildwerken gehabt und habegewaltig große Gärten noch am Tage ihres Ankaufes mit einer Menge von Bildwerkenschmücken können. Gerade solch protzenhaft unkünstlerische Neigungen zeigen dieAllgemeinheit des Gebrauches, die Gärten mit plastischem Schmucke aller Art aufdas reichste zu zieren. Die beste Bestätigung aber sind die Ausgrabungen. Seit derRenaissance sind gerade die Gärten die Fundgruben für plastische Werke, sowohldraußen auf der villa urbana, wie mehr noch in Rom selbst, denn die besten Stücke,die Originale griechischer Kunst, behielt man doch für die Hauptstadt, so daß Pliniusund Martial mit Verachtung auf die Bildwerke draußen im Vergleich zu Rom herab-schauten 107 .
Eine anschauliche Vorstellung von einem Garten-Hippodrom gewährt der früherStadion 108 genannte Platz neben dem Palaste desDomitian auf dem Palatin (Abb. 68). DieGestalt ist die uns von Plinius bekannte. Domitian, der diesen Garten zuerst anlegte, um-gab ihn nur mit einer Mauer, die mit Nischen versehen war. Die Portikus, die heute herum-läuft, gehört einer späteren Zeit an, ganz spät ist der ellipsenförmige Einbau, während diebeiden Brunnen an den beiden Seiten wohl der ersten Anlage angehören. Die ursprüng-liche Bepflanzung wird auch Alleen mit verschiedengestaltigen Bosketts, wahrschein-
Plan nachMichaelis
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