4. KAP.
Die Tusci des jüngeren Plinius
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Wiese, dort erscheint er selbst in tausend verschiedenen Gestalten. Dazwischen Buch-staben, die den Namen des Herrn oder des Künstlers verkündigen. Hier sehen wir ihnals Kegel verschnitten, dort umschließt er eine Apfelpflanzung um neben dem aus-geklügelten Werke der Kunst gleichsam ein ländliches Motiv nachzuahmen. Den Mittel-raum umschließen Zwergplatanen und danach der bewegliche, glatte Akanthus. Dannwieder Figuren, wieder Namen. An einem Ende wird ein Stibadium (eine offene aufSäulen ruhende Laube) aus weißem Marmor von einer Weinrebe beschattet, der vierSäulen aus karystischem Marmor als Stütze dienen. Aus diesem Ruhesitz wird dasWasser in kleine Strahlen, gleichsam wie durch die Last der darauf Ruhenden ausge-preßt, von einem Marmorbecken aufgefangen, das eine verborgene Vorrichtung hat,um gefüllt und geleert zu werden. Beim Mahle stellt man die schweren Gerichte aufden Rand, während die leichteren in kleinenSchiffcheninVogelgestaltumherschwimmen,dem gegenüber wird ein Springquell in die Höhe geworfen und fällt, aufgefangen undfortgeleitet durch miteinander verbundene Spalten. Dem Stibadium gegenüber liegt einPavillon mit einem Wohngemach, dem das Stibadium ebensoviel Schmuck verleiht, wiees von ihm erhält. Es glänzt von Marmor, seine Flügeltüren gehen ins Grüne und durchalle Fenster schaut das Grün. Ein Alkoven ist herausgebaut, zum Wohngemach gehörigund doch wieder für sich. Hier befindet sich ein Ruhebett, ringsum sind Fenster, unddoch ist das Licht gedämpft durch Schatten. Eine heitere Weinrebe nämlich hat sich biszum Dachfirst hinaufgezogen. So ruht man wie in einem Hain, nur daß man den Regenhier nicht wie dort fühlt. Hier auch entspringt der Quell und wird sogleich unterirdischweitergeleitet. Überall sind Marmorbänke angebracht, die den ermüdeten Spaziergängernals Ruhesitze dienen. Durch den ganzen Hippodrom sind Wasserröhren geleitet, die da-hin folgen, wohin die Hand sie leitet, wodurch der Garten und alles bewässert wird."Das ist die ausführlichste und anschaulichste Gartenschilderung, die das Altertumhinterlassen hat. Der Grundplan ist bedingt durch die Form des Hippodrom und dessenuranfängliche Bepflanzung, er ist höchst einfach: die Hauptachsen bilden auch hierdie mehrfachen Alleen, die gewiß breit genug gewesen sind, um auch mit den kleinenWagen der Alten befahren werden zu können. Der freie Raum in der Mitte, der dasGanze gliedert, macht diesen Plan höchst übersichtlich. Er ist mit Akanthus be-pflanzt wie einst die elische Rennbahn des Herakles, darüber schaut der Ein-tretende hinweg auf den Rosengarten, der, nach Süden ganz offen, seinen Duft zuihm herüberschickt, hinter ihm erheben sich die schlanken weinumrankten Säulendes Stibadiums mit dem Springbrunnen und, noch weiter zurück, der anmutigePavillon. Das ganze Bild schließt die dunkle Mauer der Zypressen ab, und rechts undlinks ziehen sich die Reihen der Alleen hin. Wie fein sind die Laubmassen verteilt,nach außen hin die mächtigen, schattenspendenden Lorbeer und Platanen; je weiternach innen, um so zierlicher werden die verschnittenen Buchsbäume und Zwerg-platanen, die zuletzt die Akanthuspflanzen einfassen. Und jedes der Einzelbosketts, diemit von Buchs eingefaßten Wegen umgeben sind, ist in reichster Abwechslung behandelt.Erst der französische Garten kann sich rühmen, an Reichtum der Erfindung der ein-zelnen Bosketts dieses Bild noch übertroffen zu haben. Hinter den Pavillons, an höch-ster nördlicher Stelle, entspringt die Quelle, die zuerst den Springbrunnen, dann dieWasserkünste des Stibadions, endlich die zahlreichen Kanäle speist, von denen der großeGarten durchrieselt ist.