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Gartenzimmer im Haus der Livia
4. KAP.
Sitte. Bis in Caligulas Zeit stand auf dem Palatin der heilige Kirschbaum, der aus derLanze des Romulus entsprossen war 83 . Lukan entwirft ein schönes Bild einer altenabgestorbenen Eiche, die nur noch mit ihrem Stamme Schatten wirft und doch alsheiliger Baum allein verehrt inmitten grünender Wälder steht 84 .
Die Landschaftsbilder malte man auf die Wände der Zimmer meist als Ausblickedurch eine ebenfalls gemalte Architektur oder auch als Hintergrund kleiner Gärten; inbeiden Fällen wollte man den Raum erweitern. Doch begnügte man sich in Zimmernnicht allein mit solchen Durchblicken, die Wände selbst sollten einen Garten darstellen,und durch alle Mittel wurde die Täuschung festgehalten, daß man sich inmitten grünerWipfel befände. Versuche fanden wir schon im alten Ägypten: jener Vorsteher derGärten des Ammon wollte auch im Tode unter seiner Weinlaube ruhen und schuf seineGrabkammer dazu um. Denkmäler fehlen zu sehr, um in römischer Sitte direkten
Abb. 62Gartenzimmeraus der Villader Livia vorPrima Porta,Rom
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Aus AntikeDenkmäler
ägyptischen Einfluß zu sehen, doch ist es wohl wahrscheinlich, daß, was man den Totenzuliebe tat, eine spätere Zeit in Ägypten auch den Lebenden gönnte. Eines dieserrömischen Gartenzimmer haben wir schon in dem sogenannten Auditorium des Maecenaskennen gelernt. Das schönste unter ihnen ist in der Villa der Livia ad Gallinas vorPrima Porta in Rom gefunden worden 85 (Abb. 62): wir befinden uns in einem fast 3 munter dem antiken Erdgeschoß liegenden unterirdischen Raum. Der Römer liebte es,sich vor der heißen Sonne in solche Kellerräume zu flüchten, die er aber dann so aus-zierte, daß auch ein verwöhnter Geist sich mit Freuden darin aufhalten konnte. UnserZimmer hat vielleicht Oberlicht von der Decke erhalten, doch finden sich in der Villades Hadrian bei Tivoli sogar ganz dunkle unterirdische Räume, die so reich ausge-stattet sind, daß man sie für Wohnräume mit künstlicher Beleuchtung halten muß.Der ausgesprochene Zweck in der Villa der kaiserlichen Frau vor den Toren Roms wares, in dieses kühle Sommerzimmer den Garten, aus dem die Sommerhitze sie vertrieben,hineinzuzaubern. Alle vier durch kein Fenster unterbrochenen W T ände sind als blühen-der, grüner Garten gemalt. Der Eintretende ist selbst mitten darin. Die Einrichtung