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Villa urbana
4. KAP.
zeit zu weilen. Schon Lucullus konnte ja wie ein Kranich zu jeder Zeit eine andereWohnung beziehen. So wurde dann auch das eigentliche Herrenhaus, die Villa urbana,in verschiedenartige einzelne Wohnpavillons zerlegt. Wie weit die römische Villa ihrVorbild in der hellenistischen gefunden hat, wird sich mit völliger Sicherheit nicht eherbestimmen lassen, als es nicht gelingt, eine hellenistische Villa ganz auszugraben. Dochkann man wohl mit einiger Bestimmtheit sagen, daß die Römer auch hier den völlig fertigenTypus übernahmen. Die gelöste Bauweise, d. h. verschiedenste Häuser und Gebäude ineiner Gartenumgebung vereint, fanden wir schon im griechischen Gymnasium und Philo-sophengarten. Betrachten wir dazu die einzelnen Villenformen "(Abb. 60) auf den pompe-janischen Wandmalereien, so ist allen gemeinsam als immer wiederkehrende Fassade die
Portikus, am häu-
Abb.eom.
Römische Villa, IWandgemäldePompeji
NachRostowzew H
figsten dreiflüge-lig, oder doch mitstark vorspringen-den Eckpavillons.Im Innern herrschtso sehr das Peri-styl vor, daß dasAtrium schon imersten Jahrhun-dert etwas ganzVeraltetes ist, spä-ter völlig ver-schwindet. Auf denGegensatz des rö-mischen Atrium-hauses zum grie-chischen Peristyl-hause werden wirnoch inPompej i zu-rückkommen. Hieraber tritt das reinegriechische Peristyl — denn auch die dreiflüglige Fassadenportikus kann man alsoffenes Peristyl ansehen — so unmittelbar in die römische Anschauung, daß der Schlußzwingend ist, daß nicht nur die Gärten in ihrer Richtung von den hellenistischenbestimmt wurden, sondern die ganze Anlage als ein fertiges Produkt griechischerForm von den Römern übernommen wurde. Man darf sich dadurch nicht täuschenlassen, daß erst auf Wandgemälden römischer Zeit Darstellungen, die diesen Villen-typus aufweisen, bekannt sind. Wandmalereien hellenistischer Zeit haben wir noch sowenig, daß das Material gar nicht verglichen werden kann. Wenn Plinius berichtet,daß zu Augustus' Zeit ein gewisser Tatius oder Scudius als erster auf die Wände Villengemalt habe, und Häfen und opera topiaria, Haine, Wälder, Hügel, Fischteiche, Euripos,Flüsse, Gestade und alle wünschenswerte Abwechslung von Meer- und Gartenvilla 80 ,so kann das ja für römische Zeit stimmen. Dieser Maler von Ruf hat jedenfalls unterAugustus die kaiserlichen Villen ausgemalt. Und diese Bilder lehren nicht nur die Ge-