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1 (1914) Von Ägypten bis zur Renaissance in Italien, Spanien und Portugal
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4. KAP.

Das goldene Haus des Nero

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mals der Luxus nicht in Gold und Edelsteinen, das war gemein geworden, sondern inländlichen Gefilden und Parkanlagen mitten in der Stadt, wo in tiefster Einsamkeitbald schattige Bosketts, bald offene Plätze wechseln, bald Weinberge, Viehtriften undJagdgründe" 70 . Diese Anlage, die mit letztem Raffinement das Landgut in das HerzRoms zog, muß sich über die Traj ansthermen südlich der Portikus der Livia bis zuden Maecenatischen Gärten erstreckt haben. Es war gewiß ein Ausfluß der wahnwitzigenMaßlosigkeit dieses Herrschers, solch ein ungeheueres Gebiet verkehrshemmend wieeinen Riegel in die Stadt hineinzuschieben. Er selbst nannte dies,endlich einmal wieein Mensch leben", und dazu mußten seine Baumeister mitKunst zwingen, was dieNatur versagte". Kein Wunder, daß diese Herrlichkeit als Ganzes Nero nicht lange über-lebte. Die späteren Kaiser hielten es für gut,Rom sich selbst wiederzugeben". Aufdem Bassin wurde das flavische Amphitheater errichtet, Titus erbaute über dem öst-lichen Palast seine Thermen 71 .

Doch was Nero hier so übertrieben aufführte, war im Prinzip jener nach immerneuen Reizen strebenden römischen Gesellschaft schon zum unerläßlichen Bedürfnisgeworden. Ein Stadtpalast, der nur vier Morgen umschloß, galt ihr als eine sehr engeWohnung 72 . Martial schildert eine Villa seines Freundes und Gönners Petilius aufdem Zuge des Janiculus 73 . Er nennt sie königlich: das auf dem höchsten Punkte ge-legene Haus genoß die herrlichste Aussicht; dort hatte man das Land in der Stadt, dieWeinernte war größer als in den Falerner Bergen; man hatte Raum genug, um inner-halb der Mauern zu fahren; tiefe Stille herrschte hier, so daß das Geräusch der Stadtnicht den der Ruhe und des Schlafes Bedürftigen störte. Solche privaten Villen er-strebten im kleineren Maße doch etwas Ähnliches wie der Kaiser, nur daß sie an derPeripherie der Stadt lagen und sich nicht in den dichtesten Verkehr hineinschoben.

Die eigentliche Kaiserwohnung, seit Augustus auf dem Palatin, konnte Nero freilichnicht genügen, denn hier herrschte noch des ersten Kaisers maßvoller Geist. Das Gebiet desApollotempels hatte, wie schon erwähnt, große Gartenanlagen. Der Kaiserpalast selbstaber hatte wohl nur kleine Gärten. Ovid 74 rühmt vor der Türe ein anmutiges Eichen-boskett mit Lorbeer umgeben. Der langgestreckte Garten, der westlich von dem eigent-lichen Palast liegt, mit seiner großen überragenden Exedra, gehört erst zu den gewal-tigen Umbauten des Domitian 75 .

Südlich des Kapitols lag das eigentliche Plebejerviertel, das, eng zusammengebaut,jede Gartenentfaltung ausschloß. Erst in späterer Zeit hat auch dies seinen Prachtbauin den Caracallathermen erhalten. Ganz im Süden an der Peripherie wird wieder einVillenviertel zu suchen sein. Jedenfalls müssen hier an der ostiensischen Straße dieServilianischen Gärten gelegen haben, die unter Vespasian mit herrlichen Kunstwerkengeschmückt waren 76 . Sueton läßt Nero hier seine letzte Zuflucht nehmen, ehe er seinenunglücklichen Fluchtversuch nach Ostia machte 77 .

Wenn man aber trachtete, in der Stadt Landgüter anzulegen, so glichen die Villendraußen kleinen Städten" 78 . Diese Bemerkung Sallusts bezieht sich in erster Liniemißbilligend auf ihren großen Umfang, doch die ganze Art der Anlage römischerVillen mit ihrer gelösten Bauweise muß, von ferne gesehen, ein städtisches Bild gegebenhaben. Die starke Neigung der Römer zu fortwährendem Wechsel der Behausungsprach sich nicht nur im Besitz zahlreicher Villen an verschiedenen Orten aus, sondernauch darin, innerhalb einer Villa, bald hier, bald dort, je nach der Jahres-, ja derTages-