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1 (1914) Von Ägypten bis zur Renaissance in Italien, Spanien und Portugal
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Gärten im kaiserlichen Rom

4. KAP.

Mit den öffentlichen Anlagen wetteiferten die privaten, die Kaisergärten unddie der Reichen, die immer wachsend der Weltstadt ihren unübertroffenen Schmuckverliehen. Man hatte in Rom die Bezeichnung hortus beibehalten für die Stadt- undVorstadtvillen, der Garten war und blieb im Bewußtsein die Hauptsache, doch war injedem dieser Gärten mindestens ein Wohnpalast, so eingerichtet, daß auch der Kaisermit seinem Hofstaat sich dort zeitweilig aufhalten konnte.

Kam man vom Meere her und nahte sich der Stadt im Südwesten auf der portuensischenStraße, so traf man zuerst die Gärten des Cäsar. Dort hatte der Diktator einst Kleopatraempfangen, als die jugendliche Ägypterin ihn in Rom besuchte, an deren Stolz sich Ciceronicht ohne Schmerz erinnerte 46 . Zur Kaiserzeit waren auch sie ein öffentlicher Park ge-worden, da Cäsar sie in seinem Testamente dem Volke vermacht hatte 47 . Kostbare Fundevon Statuen und Marmor zeugen von der prächtigen Anlage. Ein Heiligtum des Herakles,das hier ausgegraben ist, legt die Vermutung nahe, daß auch gymnastische Spielplätzesich darin befanden. Ihnen benachbart lagen die Gärten des Antonius. Dieses ganzeGebiet des rechten Tiberufers, vom Janiculus überragt, muß besonders in seinem nörd-lichen Teile mit Gärten bedeckt gewesen sein. Vor allem hatte auch hier Augustus eineöffentliche Anlage gemacht. Der Kaiser hat im Jahre 2 v. Chr. dem Volke das Schau-spiel eines Seekampfes geben wollen und zu diesem Zwecke ein 250 m langes und350 m breites ovales Bassin ausgraben lassen, in dessen Mitte eine Insel lag. Dieserbeträchtliche Wasserspiegel der Naumachie war mit Gartenanlagen, nemus Caesarumgenannt, umgeben. Die Naumachie wird in das Gebiet zwischen Villa Lante und dieLungara verlegt 48 . Nicht weit nördlich davon beginnt das vatikanische Gebiet. Hierhatte die Mutter des Caligula, die ältere Agrippina, Gärten, die bis an den Tiber reichten,dort war ein Xystus durch eine Portikus vom Fluß getrennt 49 . Caligula ließ auf demGebiete der heutigen Peterskirche einen Zirkus erbauen, in dem ein ägyptischer Obeliskaufgerichtet wurde, der sich bis zum Jahre 1586 an seiner Stelle südlich der alten Peters-kirche erhalten hatte, bis er dann in die Mitte des neuen Petersplatzes versetzt wurde.Dieser Zirkus gelangte unter Nero zu der traurigen Berühmtheit, der Schauplatz derersten, von Tacitus mit so lebendiger Anschaulichkeit geschilderten Verfolgung derChristen zusein, diealsAnstifterdesgroßenBrandeshingemetzeltwurden 50 . Der Kaiserliebte es, hier seine Künstlerschaft zu üben und benützte bei nächtlicher Fahrt dieOpfer als lebende Fackeln. Wandern wir nordöstlich am Flusse weiter, so erreichen wirdie Gärten der Domitia, die auch kaiserlicher Besitz waren und wahrscheinlich mit denender Agrippina in Verbindung standen. Später baute Hadrian sein Grabmal in diesenGärten 51 , mit ähnlicher Wirkung wie das des Augustus auf der andern Flußseite. DerZypressenhügel scheint allerdings als Bekrönung gefehlt zu haben. Das gewaltige Bau-werk mit seinem Marmor- und Bronzegitter, das eine Seitenlänge von 120 m hatte,wird in seiner Umgebung von Alleen, alten Bäumen, Portikus und anderen Garten-bauten einen mächtigen Eindruck gemacht haben. Der kaiserliche Palast muß hierbedeutend gewesen sein, daAurelian ihn als Residenz bevorzugt haben soll 52 . Noch imV. Jahrhundert hatten sich diese Gärten, gerade wohl weil sie das Kaisergrabmal bargen,erhalten. Auf der andern Seite des Flusses lag das Marsfeld mit seiner Fülle öffentlicherGebäude und Gärten. In der Villa Publica, dem Staatsmeierhof, in dem die fremden Ge-sandten untergebracht wurden, unterhielt man später mehrzur Erinnerung einen Garten 53 .Pompejus hatte hier prächtige öffentliche Anlagen gemacht; das erste feste Theater,