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1 (1914) Von Ägypten bis zur Renaissance in Italien, Spanien und Portugal
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4. KAP.

Gärten im kaiserlichen Rom

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das er erbaute, hatte, wie zu erwarten, Säulenhallen und Gartenanlagen. Er besaß aberhier auch Privatgärten, wie denn überhaupt der Süden des Marsfeldes in der letztenZeit der Republik ein elegantes Villenviertel war; der ältere Scipio hatte hier eine Villaund die gens Aemilia ausgedehnte Besitzungen 54 . Wären Cäsars große Baupläne nichtdurch seinen jähen Tod unterbrochen worden, so wäre dieser Teil Roms durch Umleitungdes Tiber ganz umgestaltet worden. Agrippa hat wenigstens einen kleinen Teil dieserPläne ausgeführt. Die Bauten des Pantheon und besonders der Thermen umgaben schöneGartenanlagen; ein großes Bassin befand sich dort innerhalb eines Haines, Nero rudertedarauf bei seinen ausschweifenden Festen auf einem Floß von Ebenholz und Gold 55 :auch von einem Euripos hören wir 56 . Auf der andern Seite der via lata war der schonerwähnte Campus mit den verschiedenen Portikus, zwischen denen Lorbeerboskettegepflanzt waren 57 .

Der eigentliche Gartenhügel, der diesen Namen collis hortorum das ganze Altertumhindurch trug, liegt im Norden der Stadt. Die gute Luft, die herrliche Aussicht mußtedie Wohlhabenden zum Anbau locken. Schon Lucullus hatte hier einen seiner berühmtenGärten, später waren diese in den Besitz des Valerius Asiaticus übergegangen. IhreSchönheit erregte die Habsucht Messalinas, die durch ihre Ränke ihren Gemahl, denschwachen Kaiser Claudius, zu einer Verurteilung des Besitzers zwang. Valerius trafdas Los, sich selbst den Tod zu geben; er kehrte in seine Gärten zurück, öffnete sichdie Adern und suchte sterbend noch einen Platz für seinen Scheiterhaufen, wo dieFlammen den uralten Bäumen nicht schaden sollten. Messalina durfte sich des Besitzesnicht lange freuen, auch sie ereilte dort der Tod durch Mord 68 . Diese Gärten nahmenwohl den am meisten südlich vorspringenden Teil des Hügels ein. Nordwestlich lagendie Gärten derDomitier mit dem Grabmal der Familie, in dem die Asche des Nero vonseiner Geliebten Acte und seinen Freigelassenen beigesetzt wurde 59 . Noch nördlicher,wahrscheinlich auf dem Gebiete der heutigen Passeggiata publica und der Villa Medici,lagen die Gärten der Acilier 60 . Ob jener kleine achteckige Bau, der heute unter demZypressenhügel der Villa Medici begraben liegt, zu diesen Gärten gehört, ist nichtsicher. Ebenso unbestimmt ist die Zugehörigkeit einer imposanten Exedra, von dersich Spuren im Garten des Klosters Sacre Cceur erhalten haben; beide Bauwerkezeigten im XVI. Jahrhundert noch bedeutende Reste, wie der Plan von Bufalino auf-weist. Die Exedra bildete vielleicht den Abschluß einer Portikus, die hier das Tal über-ragte 61 . Erst im Ausgange des IV. Jahrhunderts hat die gens Pincia den Hügel besessenund ihm den heutigen Namen Monte Pincio verliehen.

Von besonderer Größe und Ausdehnung müssen die Gärten gewesen sein, die sich derGeschichtsschreiber Sallust in dem Tale zwischen dem Pincio und dem Quirinal nahe derPorta Salaria von den Schätzen, die er in Numidien erpreßt hatte, anlegte. Früherscheint hier Cäsar Gärten besessen zu haben, die Sallust dann aufkaufte, vergrößerteund höchst kostbar ausschmückte. Sie blieben bis 20 n. Chr. in seiner Familie und gingendann in kaiserlichen Besitz über. Für Vespasian wurden sie ein Lieblingsaufenthalt;Xerva starb dort, und noch Aurelian zog sie dem Palatin als Aufenthalt vor. Er erbauteoder schmückte dort eine Portikus aus, die einen Umfang von 1000 Schritt hatte. Siediente dem Kaiser als Reitbahn, in der er täglich sein Roß und sich ermüdete 62 . Wahr-scheinlich war diese Portikus als Mittelpunkt der Talgärten mit Alleen bepflanzt, wirwerden solche Anlagen auch später kennen lernen. Terrassen, alle wohl mit verschiede-

7 Gothein, Gartenkunst I