4. KAP.
Cicero — Renaissance der griechischen Philosophengärten
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ein Nymphäum sehen, wie es so häufig in den hellenistischen Gärten erwähnt wurde.Auch das Amaltheion, das sich Cicero in Arpinum nach dem Vorbilde eines anderen,das er bei Atticus aufs höchste bewundert, anlegte, ist ebenfalls ein Nymphäum ge-wesen. Das Amaltheion des Atticus lag im Parke seines Landgutes in Epirus; es warvon Platanen beschattet und hatte die Wasser des Thyamis augenscheinlich in die An-lage hineingezogen. Cicero bittet den Freund, ihm alles zuzusenden, was er an Literaturdarüber besäße 23 . Als eine literarische Reminiszenz gibt also Cicero sein Amaltheionselbst, das heißt nach den griechischen Traditionen dieses Kreises eine möglichst ge-naue Anlehnung an ein geschildertes, oder noch damals vorhandenes Heiligtum derZeus nährenden Nymphen; auch beweist jenes Amaltheion des Gelon, daß so benannteAnlagen in Gärten seit längerer Zeit bestanden. Da Cicero keinen weiteren Anhalt gibt,so kann man nur vermuten, daß es eine Grotte, von Quellen durchrieselt und von Bäumenbeschattet, war. Wie solche Grotten in römischen Villen aussehen, zeigt eines der Wand-gemälde in Bosco reale 21 (Abb. 57), wo rechts und links unter rosenberankten Pergolenje eine Grotte aus unbehauenen Blöcken ausgeführt zu sehen ist: ein Quell schäumt ineinem schön verzierten Brunnen und fällt weiter in ein schimmerndes Bassin herab;grüner Efeu umrankt die Grotte, und Vögel zwitschern in das Rauschen des W'assers. Inetwas größerem Stile werden die beiden Grotten angelegt sein, die Seneca 25 in der VillazuVatiasah, die bedeutend „wie zwei breite Atrien" aufgeführt waren, was wohl heißensoll, mit Oberlicht versehen, wie sie heute noch sich in italienischen Gärten finden.Das Innere solcher Grotten verkleidete man mit Tuffstein oder Bimsstein und Muscheln,und der Boden, besonders um das Wasser herum, wurde mit weichem Moos belegt 26 .Solches Moos wuchs auch auf den Rändern der Wasserbassins, der Inpluvien und inHäusern, man spannte dann zum Schutz vor der sengenden Sonne rote Vorhängedarüber 27 . Ursprünglich sind wohl auch die Musenheiligtümer ähnliche Anlagen ge-wesen, auch die Musen wurden wie die Nymphen in Grotten verehrt. Doch da sich diePhilosophen früh bei ihren Heiligtümern zu Lehrvorträgen versammelten, werden stattdieser dann Hallen entstanden sein. So haben sich die Museen der Philosophengärtenallmählich umgestaltet. Anders ist es mit den Nymphäen; daß sie ihren Charakter desEinsamen, Lauschigen, Schattig-Kühlen bewahren, spricht aus der Poesie, die sichschon in hellenistischer Zeit an sie knüpft und immer gerade diese Eigenschaften hervor-hebt. In Horaz' schöner Ode vom banausischen Quell erklingt auch in römischer Dich-tung eine Schilderung solch eines lieblichen Nymphenheiligtums.
Ein großer Vorzug des Arpinum Ciceros war das reiche natürliche Wasser, das ihnzu der Errichtung eines solchen Nymphäums geradezu aufgefordert haben mochte.Der Fibrenus umrauscht in brausendem Fall eine kleine Insel, um sich dann ineinem Delta in den Liris zu ergießen. Hier 28 , wahrscheinlich unterhalb der Insel,muß die Villa gelegen haben, jedenfalls hat die Insel zum Garten gehört. Cicerohatte sich darauf eine Palästra angelegt, wie wir nun sagen müssen, eine Gartenanlagemit schattigen Bäumen und bequemen Ruhebänken, ähnlich vielleicht wie die vondem Euripos umflossene Platanistas in Sparta. Daß Cicero hier auch einen Spiel-platz gehabt hat, ist nicht sehr wahrscheinlich; denn hier war der Lieblingsplatz desRedners, wohin er sich zurückzog, wenn er für sich allein denken und lesen wollte,dorthin auch führte er die Freunde in seinem Gespräch über die Gesetze 29 . Bei solcheiner Fülle von Wasser konnte Cicero wohl mit verächtlichem Spott auf diejenigen