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Cicero — Renaissance der griechischen Philosophengärten
4. KA P.
herabsehen, die in ihren weit prächtigeren Villen einen künstlichen Kanal gleich Nilusoder Euripus nennen 30 . Wo es aber notwendig ist, sorgt Cicero selbst eifrig für künst-liche Bewässerung. Im Euphidanum seines Bruders Quintus will er eine Piscina undeinen Springbrunnen angelegt haben, und in einer anderen Villa hat Bruder Quintus selbstseinen Kanal Nilus genannt. Dort fehlen ihm auch, als er während der Abwesenheit desBruders im Felde sie inspiziert, Bosketts und eine Palästra, die er ihm anzulegen rät.In einem ausführlichen Briefe 31 gibt Cicero Quintus Bericht über diese Inspektions-reise, viele wertvolle Einzelheiten werden dort erwähnt, überall sind die Portikus,oft reich mit Statuen geschmückt, hervorgehoben, sie öffnen sich auf Palästren, Xystaund andere Parkanlagen. Auch Vitruv verlangt von einer villa urbana unbedingt solcheAnlagen 32 . Da man die Villen gerne am Fuße eines Abhangs anlegte und das Hausmeist in etwas erhöhter Lage, so lag es nahe, die Gärten terrassenförmig aufzuführen;daß man dies auch schon zu Ciceros Zeiten tat, zeigt die Schilderung des Tusculanum,wo er nicht nur von dem oberen und unteren Teil spricht, sondern auch in die Akademie„herabsteigt" 33 .
Diese Nachrichten des Cicero zeigen, daß es nicht eine durch den Hellenismusschon verblaßte Tradition war, die diesem römischen Kreise der Höchstgebildetenum Cicero ein Gartenbild vermachte, das einzelne seiner Anlagen aus den griechischenGymnasien herleitete, sondern sie selbst wollten unmittelbar an den Philosophen-garten der griechischen Blütezeit anknüpfen. Wohl möglich, daß diese Männer besondersfür die Rezeption des griechischen Gartens in Italien gewirkt haben. Jedenfalls zeigtkeine der späteren Garten- oder Villenschilderungen ein so lebendiges Bewußtsein derVerbindung. Allerdings rügt auch Columella den Luxus, daß man damals in den Ge-bäuden eine Menge Abteilungen haben müßte, große Säulenhallen, weitläufige Bade-anstalten und „fast alle Anlagen, die die Griechen in ihren Gymnasien hatten", dazuBibliotheken, Museen, Türme für Aussichten, Teiche, Springbrunnen und Wasserfälle.Also auch hier deutlich die Anlehnung an griechische Gymnasien, und nach Kenntnisder ciceronianischen Villen dürfen darunter auch hier in erster Linie Gartenanlagenverstanden werden.
Der Stil von Ciceros und seines Bruders Villen zeigt diese griechische Renaissancenoch in verhältnismäßiger Einfachheit. Die große Prachtliebe in den römischenGärten sollte noch kommen, doch auch schon vor Cicero hören wir vereinzelt vonbedeutsamem Luxus. Die Villen des Metellus und des Lucullus streiten mit den öffent-lichen Gebäuden, sagt Varro 34 , und besonders der Bauten des Lucullus wird immerhalb bewundernd, halb mißbilligend gedacht. Bei Tusculum besaß dieser eine MengeVillen, sie trugen hohe Warten mit weit in die Ferne reichenden Aussichten, zahlreicheschöne Alleen und Pavillons, und dabei hatte er die Einrichtung getroffen, daß er, wieer selbst äußerte, gleich einem Kranich oder Storch zu jeder Zeit eine andere Wohnungbeziehen konnte 35 . Mehr noch weiß man zu erzählen von den großen Bassins, zu denener, um Meerwasser für seine Fischzucht zu erhalten, einen Damm durchstach.
Die Jagdleidenschaft, die seit der Zeit des jüngeren Scipio, von Griechenland kommend,die Römer ergriffen hatte, forderte die Einrichtung von Parks in bis dahin unerhörterAusdehnung. Schon zu Varros Zeit 36 hatte Qu. Hortensius einen Park von über50 Joch mit einer Mauer umgeben. Dort hatte er ein hochgelegenes Jagdschlößcheneingerichtet, wo er in eigenartigerweise für die Unterhaltung seiner Gäste sorgte. Ein