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1 (1914) Von Ägypten bis zur Renaissance in Italien, Spanien und Portugal
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Cicero Renaissance der griechischen Philosophengärten

4. KAP.

Bild. Dieser Garten hat sich völlig von dem Nutzgarten der villa rustica getrennt.Es sind Zier- und Parkanlagen, die um das Herrenhaus liegen, in denen Cicero unddie Freunde, in philosophische Gespräche vertieft, wandeln, wie von alters her.Denn Cicero, der ja auch als Philosoph so gerne eine griechische Renaissance herauf-führen und sich als den unmittelbaren Erben der großen Philosophen ansehen möchte,verrät unmittelbarer als irgendein anderer Schriftsteller, daß wir es hier mit einerRezeption griechisch-gymnasialer Anlagen im römischen Villengarten zu tun haben.Nicht nur Plinius berichtet, daß Cicero bei Puteoli am Avernersee eine Villa gehabthabe, die durch ihre Portikus und ihren Park berühmt gewesen sei, und die er Akademienach dem Vorbilde der athenischen genannt habe 17 , sondern er selbst spricht fort-während von so benannten Anlagen, die wahrscheinlich in keiner seiner Villen fehlten.In seinem Tusculum heißt ein Teil seines Gartens ebenfalls Akademie 173 , einen anderen,höher gelegenen, nennt er Lyzeum 18 . Auch bei Crassus, in dessen Villa zu Tusculum einTeil der Gespräche über den Redner stattfindet, sind die Gärten in unmittelbarer An-lehnung an griechische Vorbilder gestaltet. Selbst wenn der Freund daran zweifeln sollte,daß heute Zeit, Ort und die menschliche Vernunft zu philosophischen Studien neige, somüsse er doch zugeben, daß diese Portikus, diese Palästra und alle die anderen Teile desGymnasiums sie zu Disputationen bewegen müßten 19 , und ebenso freut er sich ein ander-mal, als er im Platanenboskett des Crassus einherwandelt und daran denkt, daß auchSokrates den labenden Schatten solcher Bäume genossen, daß aber die wohlgepflegte An-lage des Freundes ihnen bequemere Ruhebänke gewähre, als dem griechischen Philo-sophen, der dazu sich ins Gras niedersetzte 193 . Daß diese Gymnasien keine Einrich-tungen waren, um dort agonale Spiele auszuführen, versteht sich aus Ciceros Wortenvon selbst, auch wenn nicht Vitruv ausdrücklich betont hätte, daß die griechischenPalästren in Italien nicht gebräuchlich waren 20 . Die hellenistischen Philosophen hattenzuerst in größerem Maßstabe die Formen der gymnasialen Parkanlagen in ihre Privat-gärten übertragen, und daran knüpft der römische Philosophenkreis um Cicero in be-wußter Anlehnung an.

Auch über den Schmuck dieser Gärten erfahren wir manches, da ihr Ankauf in derKorrespondenz mit Atticus eine bedeutende Rolle spielt. Ja, sie haben dafür einenbesonderen Ausdruck geprägt. Cicero bittet den Atticus, ihm dochornamenta yvfivaoiwdt]zu senden, soviel er für die Orte, die er wohl kenne, passend finden werde" 21 . Nach grie-chischem Vorbilde stellte man vorzüglich plastische Werke in diesen Gärten auf. MitUngeduld erwartet Cicero eine Sendung, die ihm der Freund versprochen hat, und diefür sein Tusculanum bestimmt ist 22 . Als er dann eine Atheneherme erhalten hat,schreibt er entzückt, sie sei so schön aufgestellt, daß das ganze Gymnasium nur ihret-wegen da zu sein scheine 223 . Das Tusculanum scheint er besonders reich mit Kunst-werken ausgeschmückt zu haben, denn auch Bildchen, die in die Stuckwände desAtriulums eingelassen werden sollten, soll Atticus ihm senden. Leider ist der Ort, aufdem die Villa gestanden hat, noch immer unbestimmt; ob das, was dort heute die Villades Cicero heißt, dem Philosophen gehört hat, ist wohl ebensowenig sicher, wie dassogenannte Amphitheater unterhalb als Gartenbauwerk zu bestimmen ist. Eher könnteman eine schwer erklärbare Anlage hinter dem Theater als zu einem Garten gehörigansehen: Ein großes Bassin mit geradem Abschluß nach der Bergseite und rundemnach vorne, zeigt in der Wandung verschiedene Grotten. Hierin könnte man wohl