Druckschrift 
1 (1914) Von Ägypten bis zur Renaissance in Italien, Spanien und Portugal
Entstehung
Seite
89
Einzelbild herunterladen
 

4. KAP.

Zerstreuung des Grundbesitzes

89

wo er bewundernd die Regelmäßigkeit und Ordnung orientalischer Parks preist, nurvon reihenweiser Pflanzung, erst Cicero 12 interpretiert dies als Quincunx, weil er keineandere Pflanzung vor Augen hat, als diese rationelle, die Plinius 13ganz allgemein undnotwendig nennt".

Natürlich war nicht nur in der Übergangszeit, sondern bis in späte Tage eine Ver-mischung der beiden Typen sehr häufig. Columella 14 verlangt für eine vollständigeAnlage zu den beiden genannten Teilen noch einen dritten Gebäudekomplex, die villafructuaria, die die verschiedenen Fruchtspeicher umfaßte. Daß aber auch diese Ge-bäude gelegentlich, selbst in eleganten Villen, mit Wohnräumen verbunden werden,wird die Schilderung des Laurentinum des jüngeren Plinius zeigen.

Eine auffallende Erscheinung des römischen Grundbesitzes ist seine vielfach örtlicheZerstreuung. Cicero kaufte im Laufe seines Lebens zu seinem Erbgute noch 17 andereVillen, die zum Teil durch Zusammenlegung kleinerer Gartengrundstücke gebildetwurden, und er machte damit durchaus keine Ausnahme. Wir werden verschiedeneGründe dafür annehmen müssen: die ursprünglich einzige Kapitalanlage des Römers,der Grundbesitz, war zu dieser Zeit auch noch die allein vornehme; sie erschien denStaatsmännern so durchaus notwendig zum Volkswohl, daß, sobald sie nachzulassenschien, sie durch Senatsbeschluß gestützt wurde 15 . Man kaufte nun die Güter so zer-streut, einmal um seine Einkünfte nicht der Unbill einer Witterung auszusetzen, oderauch, um an jedem der Plätze die dort am besten gedeihenden Produkte zu erzielen,nicht zum letzten aber, um die Schönheit der verschiedenen Punkte des Berg- undHügellandes und des Meeres zu genießen und bei seinen Reisen sicher zu sein, in be-stimmten Etappen immer wieder unter eigenem Dache übernachten zu können. Natür-lich brachte schon dieser zerstreute Besitz es mit sich, daß es unmöglich für den Be-sitzer war, selbst die Landwirtschaft zu besorgen, oder auch nur zu beaufsichtigen.Sie wurde mit dem ganzen Betrieb der villa rustica dem Villicus überlassen, währendder Herr in der villa urbana mit ihren Gärten wenig davon gestört sein wollte.

So unaufhaltsam sich auch diese Entwicklung gezeigt hat, so sah ihr der Römer vonAnbeginn mit schlechtem Gewissen zu; das Gefühl, daß in der Abkehr von der Guts-wirtschaft der Anfang zum Verderben für das römische Volk lag, war tief in das Be-wußtsein seiner Besten eingedrungen. Schier zahllos sind die Warnungen, Moralpredig-ten und Satiren, die gegen den Luxus in Häusern, Gärten und Villen kämpften. Nichtalle freilich konnten sich dabei wie der ältere Cato völliger persönlicher Bedürfnislosig-keit rühmen, seine Ansicht aber, die Plinius in dem berühmten Worte zusammenfaßte:Die Latifundien haben das Verderben über Italien gebracht" 18 , beeilte sich jederauszusprechen, mochte es einer der Schriftsteller über Landbau sein, wie Varro undColumella, oder ein Naturforscher, wie Plinius, oder ein Dichter, wie Horaz, oder einMoralphilosoph, wie Seneca, alle sind sie laudatores temporis acti, die als loci communesdie Predigt über das Thema halten: Größe und Einfachheit gehen zusammen.

Aus diesem Zeitbild des Luxusübermaßes aber erfahren wir, wie gerade die Garten-kunst von der späteren Republik an mit Riesenschritten sich entfaltet, und wiederknüpft sich an Ciceros Namen die deutlichste Erkenntnis der ersten Stufe dieserEntwicklung. Zwar eine ausführliche Beschreibung einer einzelnen seiner Villen be-sitzen wir nicht, da aber ein großer Teil seiner Gespräche seine eigenen oder eine Villaeines Freundes mit ihren Gärten als Hintergrund hat, so kristallisiert sich doch das