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1 (1914) Von Ägypten bis zur Renaissance in Italien, Spanien und Portugal
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Villen des Cicero villa urbana

4. KAP.

Villen denken, die noch auf der Grenze zwischen Mittelalter und Renaissance stehen.Die Mediceervilla in Caracci wird vor ihrem ersten Umbau, als sie noch ihr zinnen-gekröntes Dach hatte, mit ihrem hohen, auch zinnengekrönten Turme, ihren Boll-werken, dem mit hoher Mauer umgebenen Garten, nicht unähnlich der Villa der Scipionenin Liternum gewesen sein. Freilich erzählt auch Seneca 6 von den Villen des Marius,Pompejus und Cäsar, die auf den Höhen über Bajä lagen, daß es nicht Villen, sondernSchlösser seien und gleich Warttürmen aussähen. Und sie scheinen mit diesem kriege-rischen Äußern nicht mehr scipionische Einfachheit verbunden zu haben, wenigstenswerden gerade die Villen des Marius bei Misenum besonders prächtig und weichlichüppig im Gegensatz zu ihrem kriegerischen Besitzer genannt 7 . Marius gehörte schoneiner Generation an, die Seneca im Gegensatz zu scipionischer Lebensweise geißelt.Wer würde es heute aushalten, sich so wie Scipio zu waschen, arm und schmutzigwürde sich heute jeder dünken, dem nicht von den Wänden kostbare Steine entgegen-blitzten, wenn dort nicht alexandrinischer Marmor und numidische Inkrustation an-gebracht und die Fenster nicht mit Glas versehen wären. Fledermauslöcher nennt manheute Bäder, wo nicht ganz breite Fenster den vollen Tag aufnehmen und die Badendenzugleich eine Aussicht auf Flur und Meer haben" 8 .

Gerade die letzte Zeit der Republik hat den Villenluxus zu einem allgemein herr-schenden gemacht. In der Familie des Cicero hat z. B. die Generation vor dem großenRedner mit dem alten Brauche des dunklen und engen Wohnens gebrochen. Cicero,der als erster ausführlichere Nachrichten über seine Villen gegeben hat, verdankt esder Baulust seines Vaters, daß seine Stammvilla zu Arpinum jetzt ein bequemes,helles Haus ist, während es noch zu seines Großvaters Zeit eine kleine Villa nachWeise der Väter war, wie man noch heute die Villa des Curius in den Sabinerbergensehen könne 9 . Cicero selbst aber bietet das beste Beispiel, wie damals ein wahresFieber der Kauf- und Baulust die Römer ergriff 10 . Eine erste Folge dieser Ent-wicklung war die Scheidung in villa rustica = Meierhof und villa urbana = Herren-sitz, die sich in dieser Zeit vollzog. Die villa urbana bezeichnet nicht etwa die Lagein der Stadt oder in der Nähe derselben, hierfür brauchte man wohl die Bezeichnungvilla suburbana, sondern nur eine Luxusvilla, am besten mit dem französischen maisonde plaisance zu übersetzen. Ciceros Villa Arpinum war ursprünglich nur eine villarustica, und erst einige Anlagen, die er und der Bruder daran machten, gaben ihreinen mehr urbanen Charakter. Vitruv geht zwar noch oberflächlich über die Einrichtungder villa urbana fort, weniger, weil man sie damals noch selten anlegte, als weil in denLehrbüchern, aus denen er seine Weisheit schöpfte, ein fester Stil dafür sich noch nichtentwickelt hatte. Über die Anlagen der villa rustica dagegen sind wir auf das eingehend-ste unterrichtet, nicht nur durch Vitruv, sondern durch alle Schriftsteller, die wie VarrooderColumella über die Landwirtschaft geschrieben haben. Sie umfaßte die Wirtschaf ts-gebäude, den Nutzgarten, Wein-, Obst- und Gemüsebau. Über den Lageplan des Nutz-gartens wird freilich nicht viel gesprochen, nur über die Art der Einzäunung macht mangenaue Vorschriften 11 . Daß der Garten der Villa zunächst liegen muß, versteht sichaus praktischen Gründen, ebenso daß ein Brunnen oder Fluß für gute Bewässerungsorgen muß. Die Pflanzung der Bäume, Sträucher und Weinstöcke im Quincunx, d. h.in versetzten Reihen, scheint eine spezifisch römische Erfindung gewesen zu sein,wenigstens sprechen griechische Schriftsteller nicht davon. Auch Xenophon erzählt,