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1 (1914) Von Ägypten bis zur Renaissance in Italien, Spanien und Portugal
Entstehung
Seite
87
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4. KAP.

Res rustica Villa des älteren Scipio

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'AS Erbe der hellenistischen Entwicklung des Villengartens tratendie Römer an. Sie empfingen es zu einer Zeit, in der jener Zu-stand des Lebens auf dem Lande, der den Griechen vorzeitigabgeschnitten wurde, in Italien noch durchaus der herrschendewar. Die Landwirtschaft, dieres rustica", war ursprünglich dereigentliche, ja einzige Lebensberuf des vornehmen Römers. Erbezog nur vorübergehend das Haus in der Stadt; doch auchnachdem Rom schon eine ganz andere Entwicklung genommen undwohl längst vergessen hatte, daß es ursprünglich ein Marktplatz für ackerbautreibendeBürger gewesen war, wollte man die alte Bodenständigkeit und Zugehörigkeit zurScholle der Väter nicht lassen. Mit welchem Stolze betont der vielbeschäftigte AdvokatCicero, wenn er in seiner Villa in Arpinum weilt, daß dort seine Heimat sei 1 . Dort nämlichstammten die Tullier von ältester Zeit her, dort seien ihre Heiligtümer, dort ihr Geschlecht,dort viele Spuren ihrer Vorfahren. Und als der Freund ihm einzuwenden wagt, daß erdoch in Rom seine Heimat habe, antwortet er mit dem ganzen Bewußtsein, aus welchemdas uralte Werden der Urbs spricht: ,,Wohl, ich und jeder Bürger, wir haben zweiHeimstätten, die eine von Natur, die andere durch den Staat; wenn jener Cato inTusculum geboren und im Staate des römischen Volkes aufgenommen wurde, so ister von Abstammung Tusculaner, von Staats wegen Römer und hat darum eine Heimatdes Ortes und eine des Rechtes."

Das ursprüngliche Bauerngut wird im Zwölf-Tafelgesetz noch gar nichtVilla",sondernHortus" genannt 2 . Auf den Einkünften der Ackerflur und des eingezäuntenGartens, in dem Obst und Gemüse gezogen wurden, lag durchaus der Reichtumdes Römers. Daher hielt man auch in alter Zeit von Staats wegen auf gute Pflegedes Landguts. Auf Catos Autorität stützt sich das Wort, daß jemand in Strafe ge-nommen wurde, der seinen Acker vernachlässigte und verschmutzen ließ und seinenBaumgarten nicht ordentlich pflegte 3 . Die Gebäude waren unbedeutend, nur vomStandpunkte der Unterkunft für Früchte, Vieh und Mensch erbaut, und noch Catopredigt durchaus,erst anpflanzen, dann bauen". Spärlich fließen daher die Nach-richten über diese frühen Villenanlagen. Bei dem alten Cato ist es schon ein absicht-licher Gegensatz gegen den gerade zu seiner Zeit mächtig eindringenden Luxus, wenner betont, daß seine Villa ganz einfach und ungepflegt sei und nicht einmal getünchteWände habe 4 .

Aber auch die Villa des Mannes, der zuerst sich ganz der edelsten attischen Bildunghingab und von dem aus dieses Licht in seiner Heimat sich verbreitete, das Landhausdes älteren Scipio, war noch ganz von ihm in der Weise der Väter gelassen, ohneden Anspruch hellenistischer Lebensweise zu zeigen. Seneca besucht in Liternum beiCumae die Stätte, auf der der große Mann seine letzten Jahre zugebracht hatte 5 : dasHaus ist aus Quadersteinen erbaut; mit Bollwerken und Türmen versehen, muß esganz den Eindruck eines mittelalterlichen Ritterschlosses gemacht haben. Der Parkwar von einer hohen Mauer umgeben, unterhalb der Gebäude und des Hofes befindetsich ein sehr großes Bassin, groß genug, um ein Heer damit zu versorgen, das Bad aberist eng und finster nach alter Art,denn unsern Vorfahren erschien nur warm, wasauch dunkel war". Wenn wir uns ein Bild von dem äußeren Anblick dieses Landhausesdes Scipio machen wollen, so müssen wir vorausschauend an die frühen italienischen