3. KAP.
Prachtzelt des Ptolemäus Philadelfihus
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Orients sich geltend macht, sind diese Hof gärten, auf die sich die Prachträume des Hausesöffnen, mit großem Luxus eingerichtet gewesen. Selbst so ephemere Bauten, die nurfür ein Fest errichtet scheinen, wie das Prachtzelt 102 des Ptolemäus Philadelphus, dasdieser sich außerhalb der Burg von Alexandrien errichtet hatte, wurden mit reichenGartenhöfen geschmückt. Der große Speisesaal, der mit aller erdenklichen Kostbarkeitfür 300 Personen eingerichtet war, öffnete sich auf ein Peristyl. Die Wände der Portikuswaren mit Teppichen und seltenen Fellen behängt, der freie Raum in der Mitte aber warmit Buchs, Myrten und anderen geeigneten Sträuchern bepflanzt, zwischen denenBlumen prangten. Zu diesem Zelte führte ein Festzug, der auf verschiedenen Wagenden Triumph des Bacchus darstellte. Einer dieser Wagen trug Semele, die Mutter desGottes, sie ruhte in einer prächtigen künstlichen Grotte, die mit Efeu und anderenSchlingpflanzen bewachsen war, um die Tauben flatterten. In der Grotte selbst befandensich zwei Quellen, aus denen Milch und Honig floß. Auch über dem Kolossalbilde desBacchus wölbte sich eine Laube aus Efeu und Weinranken und Herbstfrüchten.
Grotten legte man damals in allerlei Gestalt an. Plinius 103 erzählt von einer Platane,einem Baum, der zu seinem Gedeihen mit seinen Wurzeln das Quellwasser sucht, derin Lykien zu solchem Umfange erwuchs, daß in seinem hohlen Stamme eine Grotte mitBimsstein und Moos zierlich ausgelegt sich befand, so daß 18 Personen dort speisenkonnten. Solche Grotten baute man auch in künstliche Felsen im Parke. Selbst in einembescheidenen Park, wie ihn Alkiphron 104 in der Nähe einer griechischen Stadt, vielleichtKorinth, schildert, erhebt sich ein efeuübersponnener Fels, der mit Lorbeerbäumenund Platanen bewachsen und rings von Myrtengebüsch umgeben ist. Auf den Absätzensind Nymphen aufgestellt, hinter ihnen ragt Pan auf, der die Nymphen betrachtet.Nach diesem Schmuck wird man in diesem Fels auch Grotten vermuten. Die übrigenGartenanlagen bei dieser Villa sind ganz bescheiden, nur Zypressen- und Myrten-bosketts und ein kleiner Blumengarten sind noch da. Zu welch einem imponierendenParkanblick wird unsere Phantasie beflügelt, wenn wir uns etwa in dem Park einesrhodischen Großen einen Grottenberg vorstellen dürfen, dessen Spitze ein Kunstwerk,wie der farnesische Stier (Abb. 56), krönt. Erst, wenn man dieser geistreichen Hypo-these 105 folgt, gewinnt dieses Werk, das im Museumssaale unruhig, kapriziös, und da-her trotz seines monumentalen Eindrucks verwirrend wirkt, Leben und Verständnis,dann wächst der durchbrochene grottenartige Sockel mit malerischer Kraft aus dergrünen Bepflanzung heraus. All das Beiwerk, Hirte und Tiere, versteht sich dann inder natürlichen Umgebung von selbst, über die, dem Auge ganz anders geschlossen, diegewaltige Hauptgruppe gegen den freien Himmel sich abhebt.
Solche Gärten, in denen dies Bild nur einen Zug bildet, brauchten die hellenistischenGroßen als Hintergrund und Schauplatz für ihre schwelgerischen Feste, wie für ihr täg-liches Leben. Hieron IL, der in Sizilien wahrscheinlich an eine ununterbrochene Tradi-tion fürstlicher Gärten anknüpfen durfte, waren diese ganz unentbehrlich geworden.Wie die orientalischen Fürsten besorgte er alle seine Staatsgeschäfte im Garten, aberselbst auf dem Wasser wollte er ihn nicht entbehren 106 . Als er sich ein riesiges Pracht-schiff erbaute, das augenscheinlich als ein Symbol seiner Herrschergröße höchstePracht und kriegerische Macht vereinen sollte, legte er auch dort einen Garten an.Meister Archias aus Korinth erbaute dieses Schiff, für das Archimedes seine bedeut-samsten Erfindungen machte. Auf dem obersten Deck ward ein Gymnasium und Spa-