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Peristylgärten in hellenistischer Zeit
3. KAP.
Aber nicht nur das griechische Asien legte solchen Wert darauf, das Innere seinerStädte mit Gärten zu schmücken, auch in den weit kleineren Verhältnissen des Mutter-landes eiferte man jetzt diesen Vorbildern nach. In den Bildern griechischer Städte, dieHerakleides im Anfang des III. Jahrhunderts zeichnet, ist von Gärten viel die Rede, be-sonders rühmt er Theben 100 , das von allen am meisten mit Gärten geschmückt sei,und im Sommer besonders um seines Wasserreichtums, seiner grünen Hügel undGärten halber einen köstlichen Eindruck gemacht habe.
Im Verhältnis zu den öffentlichen Anlagen scheint das Privathaus in hellenistischerZeit immer noch bescheiden genug gewesen zu sein. Zwar klagt schon Demosthenes,daß die private Bautätigkeit heute die öffentliche überträfe, aber das war nur einVergleich mit der alten Zeit. Einzelne größere Gärten, wie jene des Piaton und Epikur,mag es gegeben haben; schon im IV. Jahrhundert hatte sich ein wohlhabender Athenerdurch Niederlegen eines Nachbargrundstückes einen Garten geschaffen, aber das wirdAusnahme gewesen sein. Man braucht nur den Stadtplan einer Stadt wie Priene, das imIV. Jahrhundert neu gegründet wurde, anzusehen, um die unglaublich enge Wohn weiseder Griechen zu begreifen. Und doch müssen wir im griechischen Wohnhause die Ent-faltungsmöglichkeit für die in späterer Zeit so bedeutsamen Hof gärten suchen. Dasgriechische Haus ist ein Hofhaus, d. h. die Wohnräume öffnen sich auf einen offenenHof, an dessen einer Seite eine durch Säulen geschützte Halle liegt; aus dieser Säulen-stellung hat sich dann das in späterer Zeit in allen wohlhabenderen Häusern durch-geführte Peristyl, d. h. der rings von einer Portikus umgebene Hof entwickelt. In denmeisten Privatwohnungen, die bisher ausgegraben sind, ist dieser Hof gepflastert, alsosicher nicht unmittelbar bepflanzt gewesen. Doch kennt ja schon die homerischeZeit bepflanzte Höfe. Was aber hier für den Königspalast j ener Herrenkultur gilt, ist fürdie bescheidenen Privatwohnungen der griechischen Bürger noch lange nicht anzu-nehmen. In Priene selbst sind alle Höfe gepflastert. Immerhin lassen die Statuen-funde in den Höfen einiger wohlhabenden Häuser, so besonders in dem Hause in derTheaterstraße 101 , in dessen Hof ein bärtiger Hermes und ein Löwe aus Terrakottasich wahrscheinlich an alter Stelle fanden, darauf schließen, daß man auch Topf-pflanzen dazwischen aufgestellt hat, um den Hof zu einem angenehmen Aufenthalte zumachen. Ein anderes Haus in Priene hat sich eine Möglichkeit eines Gartenstreifensgeschaffen, durch eine schön gezierte Portikus, die sich hinter dem Hause auf einemschmalen Streifen öffnet, der höchst wahrscheinlich als Gartenterrasse bepflanzt war.Das sogenannte Haus des Priesters in Olympia zeigt aber ganz deutlich, daß bei etwasgrößeren Anlagen diese Höfe auch bepflanzt waren, wie hier Spuren bei der Ausgrabungbewiesen haben. Es ist klar, daß bei wachsendem Wohlstand und wachsender Abge-schlossenheit der Vornehmen gerade das Peristyl, das nach Bedürfnis ausgedehntwerden kann, da es kein hinderndes Dach über sich hat wie das römische Atrium,zur Bepflanzung einladen mußte. Wir können diese Entwicklung und den Gegen-satz zu dem italischen Atriumhause, das dieser Gartenmöglichkeit völlig entbehrte,erst verstehen, wenn wir Pompeji betrachten, das aber zu weit in die römische Kaiser-zeit hineinreicht, als daß man schon hier näher darauf eingehen könnte.
Doch wie zu erwarten ist, hat der Hellenismus bereits das Peristyl zu einem prächtigenGartenhof umgeschaffen. Was die Ausgrabungen noch versagen, müssen wir aus litera-rischer Überlieferung herauslesen. In der Diadochenzeit, wo wieder der ganze Einfluß des