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1 (1914) Von Ägypten bis zur Renaissance in Italien, Spanien und Portugal
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Garten auf dem Prachtschiff des Hieron

S.KAP.

zierwege im Verhältnis zur Größe des Schiffes angelegt. In diesem waren mannigfacheRabatten, Pflanzungen, die von Bleistreifen umgeben waren. Die Spazierwege warenvon Lauben von Efeu und Weinstöcken überschattet, deren Wurzeln ihre Nahrung inmit Erde gefüllten Kübeln fanden. Sie erhielten die gleiche Bewässerung wie die Ra-batten. Im Anschluß daran wurde ein Aphrodision, dessen Fußboden mit kostbarenSteinen und Achat ausgelegt war, erbaut. Die Wände waren aus Zypressenholz, dieTüren aus Elfenbein und Weihrauchholz. Es war mit Bildern und Statuen über-schwänglich geschmückt, hatte aber nur Raum für drei Ruhesitze. Ein anderes, ebensokostbar ausgeziertes Gartenhaus enthielt eine kleine auserlesene Bibliothek. Wo diebeiden Wasserbassins angelegt waren, von denen die Schilderung weiter noch spricht,ist nicht bestimmt zu sagen. Das eine, mit Meerwasser angefüllt, in dem Fische gehaltenwurden, wird offen, also auf dem obersten Deck, wahrscheinlich in Verbindung mitder Gartenanlage, zu denken sein.

Man muß gestehen, daß Hieron hier auf dem beschränkten Räume eines Schiffdeckesein köstliches kleines Gartenkunstwerk geschaffen hat. Der griechische Baumeister hatalle Bestandteile, die wir für einen Garten kennen, angebracht. Das unerläßlich Wich-tigste sind Gymnasium und Spazierwege. Diese Peripatoi stehen hier wie auch sonstwohl als zusammenfassende Bezeichnung nicht nur für die Wege, sondern den ganzenTeil des Gartens, den man zum Spazierengehen einrichtet. Die Rabatten in den Blei-kästen können natürlich nur Blumen und flach wurzelnde Sträucher getragen haben;Efeu und Wein, die tiefere Wurzeln haben, erhalten hohe Kübel. Die Pergolen, die siebilden, geben den nötigen Schatten, der sonst bei Mangel hoher Bäume diesem Schiffs-garten ganz gefehlt hätte. Zwei kostbar geschmückte Gartenpavillonsund ein Fischteichvervollständigen diese Anlage, die aufs neue die enge Verbindung des Gymnasiumsund Lustgartens zeigt. Das erstere ist natürlich als ein kleiner, vielleicht von einerleichten Portikus umgebener Spielplatz zu denken, der inmitten der Blumenrabattenliegt. Solche Nachrichten geben uns eine Vorstellung, wie die Privatgärten und Parksder Fürsten und Großen des weiten, der hellenistischen Kultur offenen Ländergebietesangelegt waren. Leider besitzen wir keine ausführliche Schilderung eines vorhandenenVillengartens jener Zeit, auch hier müssen wir mehr Rückschlüsse von der römischenKaiserzeit, wo die Quellen reichlicher fließen, auf jene Kultur machen, die auch aufdiesem Gebiete die Lehrmeisterin Roms ist.

Erst bei sehr späten griechischen Schriftstellern finden sich in typischer WiederkehrSchilderungen von Gärten: in den Liebesromanen der rhetorisch-sophistischen Fabu-listen, die etwa ihre Blütezeit vom IL bis VI. nachchristlichen Jahrhundert haben 107 .Wenn aber auch diese Denkmäler aus so junger Zeit stammen, so sind sie doch typischeNachahmer einer Dichtungsart, die ebenso wie das Idyll in alexandrinischer Zeitentstanden ist. Wie dies letzte die freie Landschaft, so nimmt der Roman gerne denGarten als Hintergrund seiner Liebesszenen. Die steten Wiederholungen und stereo-typen Wendungen solcher Schilderungen weisen auf Vorbilder viel früherer Art undandererseits zeigen Nachahmungen aus später byzantinischer Epoche, wie die Garten-kultur in diesen Gebieten in ungebrochener Tradition aus der antiken Welt sich indas byzantinische Mittelalter hinüber gerettet hat. Allerdings repräsentiert der Gartendes griechischen Romans eine besondere Gruppe. Es ist nicht der öffentliche Park,auch nicht der Sitz fürstlicher Pracht, sondern der ländliche Farmgarten, der nur hier