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Alexandrinische Gärten
3. KAP.
Pasargadae bei seiner Rückkehr fand, daß das Grab des Cyrus, das in dem königlichenParadiese lag, vernachlässigt und ausgeraubt war, strafte er die Magier, die erblichenWächter, hart 87 . Um die Gärten der Semiramis am Fuße des Berges von Bagistanoszu sehen, machte er einen Umweg auf seinem Zuge von Kelonai nach den nysäischenPferdeweiden 88 . Der König liebte es — auch hierin übernahm er die Gewohnheiteines orientalischen Fürsten —, in den Paradiesen seine Geschäfte zu besorgen, seineFeldherrn zu empfangen: dann saß er auf goldenem Throne und seine Getreuen aufsilberfüßigen Sesseln 89 . Und als er krank nach Babylon kam, ließ er sich in den großenKönigspark jenseits des Euphrat bringen, um dort zu sterben 90 .
Die Nachfolger Alexanders fühlten sich durchaus als die Erben der orientalischenGroßfürsten und pflegten den Luxus der großen Parks und Gärten mit Vorliebe, auchsie versuchten, die Akklimatisation fremder Pflanzen mit Glück in großem Stile zu be-treiben. Die Seleukiden pflanzten den Zimmetbaum in Syrien, Anemone und Nardusin Arabien an 91 . Ägypten vollends, das sich jetzt ebenso wie Westasien der griechischenKultur eröffnete, brachte durch die hohe Blumenkultur, die dort seit Jahrtausendenheimisch war, einen ganz neuen Glanz in die weitausgedehnten Gärten und Parks.Die Griechen sahen mit Bewunderung, daß man dort das ganze Jahr frische Blumenzog, und die Ptolemäer unterstützten diese Kunst durch einen verschwenderischen Ver-brauch bei ihren Festen. Man begnügte sich nicht mehr mit Kränzen für Haupt undBrust, sondern der Festsaal selbst wurde nach ägyptischem Vorbilde mit Blumen ver-ziert. Ptolemäus Philadelphus ließ bei einem großen Feste, das er im Winter feierte,auf den Boden seines Zeltes Blumen streuen, in solcher Mannigfaltigkeit und Pracht,daß man in Wahrheit den Anblick einer himmlischen Wiese hatte 92 . Zu diesem Ein-flüsse des Orients kam als ein weiterer Umstand, der das Aufblühen der Gartenkunstförderte, die Entwicklung der großen Städte in der hellenischen Welt. Der Umfang desdicht bebauten Terrains, die Schwierigkeit für die Bewohner, hinaus auf das flacheLand zu kommen, drängte bei wachsendem Reichtum dazu, die Natur, der manaußerhalb stärker entfremdet wurde, mehr und mehr in die Stadt zu ziehen und da-selbst bedeutende, große Gartenanlagen zu machen. Fremd war dies ja auch dengriechischen Städten nicht gewesen. Nun aber wurde alles in großem Stile ausge-führt. In Alexandrien nahmen die öffentlichen und königlichen Gärten ein Vierteldes Stadtumfanges ein; sie hingen alle unter sich zusammen, und zwar sowohl dieinnerhalb, wie die außerhalb der Mauer gelegenen. Besonders genannt wird der Gartendes Museums, wo die Gelehrten lustwandelten, das große Gymnasium und der Hain desDikasterion, der in der Mitte der Stadt gelegen war 93 . Südlich davon lag das Paneion,eine seltsame Anlage: ein künstlicher Hügel mit schneckenartig ansteigenden Wegen,von dem man das Panorama der Stadt genießen konnte. Von einer Bepflanzung wirdnichts berichtet, doch spricht dafür der Zweck einer angenehmen Promenade, wieähnliche Anlagen späterer Zeit, die bis auf unsere Tage sich erhalten haben und die immerdie Aussicht auf einem schattigen Anstieg erreichen. Daß in den Vorstädten und außer-halb der Stadt eine Fülle der schönsten Gärten lag, versteht sich von selbst. Strabosieht auch bei der Nekropole viele Gärten, in denen sich Familienbegräbnisse befun-den haben. Auch hier hat orientalische Sitte den griechischen Gebrauch beeinflußt undausgedehnt. Einst hatten die Griechen nur die besonders verehrten Gräber mit Hainenumgeben, um die Kultstätte vor dem profanen Lebenslärm zu schützen. In klassischer