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Philosophengärten
3. KAP.
Philosophen scheinen hier den anderen vorausgegangen zu sein, wohl aus dem begreif-lichen Grunde, daß der öffentliche Ort ihnen für ihre Zusammenkünfte zu laut und zusehr der Zudringlichkeit der Menge ausgesetzt war. Zuerst hören wir von Plato, dessenName eng mit der Akademie verbunden ist, in der er anfangs seine Lehrvorträge hielt,daß er seine Schule in seinen eigenen Garten verlegte. Er besaß ein Grundstück ganzin der Nähe dieses Gymnasiums, das er dann der Schule vermachte, in deren Besitz esJahrhunderte verblieb, bis es Kaiser Justinian im Jahre 529 n. Chr. einzog. Man nannteden Garten später ebenfalls Akademie, wie das Gymnasium, so daß sich der Name auchauf die Schule übertrug. Auch dieser Garten muß mehrere Gebäude gehabt haben.Von einer Exedra und einem Museum ist die Rede. Plato selbst und mehrere Schul-häupter wohnten dort ganz; unter einem derselben, Ptolemon, errichteten die Schülersich kleine Lauben oder Hütten, um in der Nähe der Exedra und des Museums zuwohnen 77 . Eine Generation später kaufte sich Epikur sogar innerhalb der Mauern derStadt, in der Nähe des damals noch nicht lange erbauten Dipylontores, ein großes Grund-stück für 80 Minen, um darauf einen Garten für sich und seine Schüler in großem Stileanzulegen. In stolzer Abgeschlossenheit gegen die Außenwelt, zog er sich dorthin mitallen seinen Schülern und Schülerinnen zurück. Plinius 78 schreibt ihm gewissermaßendie Erfindung der Stadtgärten zu. Doch benutzt er die Tatsache, daß Epikur den Garteninnerhalb der Mauern besaß, zu einer Polemik gegen den Vielgeschmähten. Er willseinen Römern, die zu seiner Zeit unter dem Namen Gärten in der Stadt Villen mitgroßen Lustparks besaßen, nur zeigen, daß sie an diesem Meister der Muße (magisterotii) ihr Vorbild hatten, „weil", so fährt er fort, „es bis dahin nicht Sitte war, das Landin die Stadt zu ziehen". Leider wissen wir über die Anlage des Gartens des Epikur garnichts. Zu gleicher Zeit legte sich auch Theophrast einen Garten an, den er testamenta-risch seiner Schule vermachte, „den Freunden, um dort vereint zu philosophieren".Der Garten lag neben dem Lykeion, und Theophrast bezog ihn, nachdem sich Aristoteles,der in diesem Gymnasium lehrte, entfernt und ihn zu seinem Nachfolger ernannthatte. Wir hören aus diesem Testament, daß sich darin ein Musenheiligtum befand undeine Halle mit geographischen Lehrmitteln, geschmückt mit einer Statue des Aristo-teles; ferner, daß eine zweite ebenso schöne erbaut werden sollte und daß dem Praxi-teles die Statue des Nikomachos, die sie schmücken sollte, zu übertragen sei. Die Häuser,den Garten mit den Spaziergängen und das Grabmonument, das er darin errichtethaben wollte, übertrug er der Obhut seines philosophischen Sklaven Pomphylos 79 . Eswurde allmählich Brauch, daß jedes Schulhaupt, das sich mächtig genug dünkte, seineneigenen Garten anlegte. Einem Philosophen der Akademie Lakydes schenkte der KönigAttalos I. einen Garten, der Lakydeion genannt wurde 80 . Lukian, der alle Philosophenmit ihren Gärten bedacht sah, empfand es als ein Unrecht, daß Sokrates so ganz leerausgehen sollte; so läßt er denn Sokrates auf der Insel der Seligen für seine Verdienstemit einem Garten (er nennt ihn Paradeisos) belohnt werden; Sokrates nennt ihnTotenakademie, dort pflegt er sich mit seinen Freunden zu unterhalten 81 . Wie sehres zu Theophrasts Zeiten Mode wurde, daß die Reichen sich in ihren Gärten Spielplätze,Palästren usw. anlegten, zeigt der Spott, den er 82 über den „Gefallsüchtigen" aus-gießt, der seine kleine Palästra den Philosophen anbietet, dann bei ihren Zusammen-künften als letzter eintritt, damit jeder dem anderen sage, das ist der Herr der Palästra.Allerdings beginnt gerade in der Zeit des peloponnesischen Krieges, wo die Oligarchie