3. KAP.
Entwicklung des Xystos
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Die Gymnasien innerhalb der Städte waren naturgemäß immer kleinere Anlagen.Die vier großen Gymnasien Athens lagen alle außerhalb der Stadt und waren alle mitParkanlagen reich geschmückt. Im III. Jahrhundert werden die drei Gymnasien — dasvierte bestand noch nicht — als blühende Gärten geschildert, reich an Bäumen, mitRasen bedeckt, ein Ort für mancherlei Philosophen, der Seele ein froher Ruheplatz 61 .Und schon eine Generation nach Kimon schildert Aristophanes in den Wolken 62 dieAkademie als einen baumreichen Park: Der Geist der Gerechtigkeit fordert denJüngling auf, vom schalen Treiben zu lassen: dann werde er umherwandelnd unterden Ölbäumen der Akademie sich mit weißem Rohre kränzen und Wettlaufen mitden verständigen Genossen. Bei süßduftender Eibe, unter dem zitternden Laub derPappel, wird er sich freuen in der Frühlingszeit, wenn die Platane mit der Ulmeflüstert.
Von Anbeginn hatte man die Gymnasien als öffentliche Versammlungsorte ange-sehen, man traf sich dort, um den Übungen zuzuschauen, man traf sich aber auch, umdort geistigen Austausch in Gesprächen zu finden. So waren es vor allem die Philo-sophen, die mehr und mehr in regelmäßigen Zusammenkünften ihre Freunde und Schü-ler hier versammelten. In Piatons Dialogen und Xenophons Schriften sehen wir, wie sichüberall die Szene auf dem Hintergrund eines Gymnasiums abspielt.
Zu Piatons Zeiten waren Gymnasium und Parkanlagen so zusammengehörig, daß derPhilosoph verlangt, man solle Gymnasien nur an wasserreichen, von der Natur bevor-zugten Plätzen anlegen 63 . In Rhegium wird ein solches im Paradies des älteren Diony-sius errichtet 64 , und in Elis hat früher an Stelle der Gartenanlagen um das Gymnasiumein wilder Wald gestanden 65 . Daß wir aber auch in späterer Zeit den Anschlußder Gymnasien an Heroenheiligtümer festhalten dürfen, zeigt uns die Entstehung einesGymnasiums in Syrakus im hellen Lichte der Geschichte: die Stadt errichtete ihremBefreier Timoleon ein Grab auf der Agora und stiftete ihm ein Heroon mit jährlichenFestspielen. Aus diesen entstand später ein prächtiges Gymnasium mit Hallen, Übungs-plätzen, Gartenanlagen und ein Odeon für musische Festspiele 66 .
Erst Vitruv 67 lehrt in römischer Zeit das Aussehen eines für gymnasiale Spieleeingerichteten Baues. Er nennt ihn ausdrücklich griechisch, nicht römisch, und zwarPalästra und nicht Gymnasium. Ihn interessieren zudem in erster Linie die Gebäude,nur wo er nicht umhin kann, erwähnt er auch die Gartenanlagen. Er unterscheidetzuerst einen Peristyl, um den die verschiedenen Räume, in denen sich die Philosophenzu ihren Gesprächen vereinigen, angeordnet sind. Daran erst schließt sich die eigent-liche Ringschule; eine Säulenhalle, „Xystos" genannt, wo im Winter bei schlechtemWetter die Spiele abgehalten werden können. Neben diesem Xystos sind Spaziergängeunter freiem Himmel, die die Griechen Nebenbahnen, die Römer aber Xysta nennen,in welche die Athleten im Winter bei heiterem Wetter hinausgehen und wo sie sichüben können. Die Xysta sind als Bosketts oder Platanenpflanzungen zwischen zweiPortikus angelegt, unter den Bäumen an Promenadenwegen sind Ruhesitze an-gebracht, am Ende der Xysta liegt meist das Stadion. Vitruv kann sich nicht genugwundern 68 , daß der griechische und römische Sprachgebrauch über Xystos so ausein-ander gehe. Die Römer aber müssen das griechische Wort in einer Zeit aufgenommenhaben, als auch die Griechen die offnen Spielplätze Xystos nannten. In dem altenGymnasium zu Elis, wo die Vorübungen für die olympischen Spiele stattfanden,