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1 (1914) Von Ägypten bis zur Renaissance in Italien, Spanien und Portugal
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Adonisgärtlein

3. KAP.

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Abb. 49A donisgärtlein

A ryballos

im Museum

Karlsruhe

Gottheiten gezogen. An der Mündung des Alphaios 27 lagen Blumenhaine der Artemis,den Nymphen heilig. Besonders aber war Aphrodite, die früh dieVeilchenbekränzte"heißt, eine Schützerin der Blumen und Gärten.

Einer uralten Sitte im aphrodisischen Kult, wie er schon im VI. Jahrhundert inGriechenland heimisch und vielleicht aus Syrien mit dem Adoniskult herüber gekommenwar, darf hier gedacht werden, da hier Keime späterer Gartenentfaltung liegen. Essind dies die Adonisgärtlein 28 : Am Adonisfeste, das im Hochsommer die FrauenAthens mit Klageliedern um den Tod von Aphroditens Liebling feierten, bahrten sieauf den Dächern ihrer Häuser eine Puppe als Adonis auf. Rings umher stellten sieirdene Scherben mit Erde gefüllt auf, in die Fenchel, Lattich, aber auch Weizen, Gersteund Salat gesät wurden. Schnell sproßte der Samen auf, um ebenso schnell wiederhinzuwelken, als ein Symbol für das Welken der Vegetation, die nach der üppigenSchönheit des Frühlings in den südlichen Ländern frühzeitig im heißen Sommer ver-dorrt. Die Trauer darüber verkörpert sich in dem frühen gewaltsamen Sterben des

schönen Knaben Adonis.Frauen feierten dieses Fest,das niemals eine offizielle An-erkennung erhalten hat, undhielten es als Volksgebrauchteuer, wie bei uns die Mai-feier. So hat sich auch dieKleinkunst, die Vasenmale-rei, mit Vorliebe der Dar-stellung dieses Stoffes be-mächtigt. Ein Aryballos inKarlsruhe 29 (Abb. 49) schil-dert mit naiver Anmut dieSzene: Aphrodite selbst isterschienen, die Nacktheit verrät ihre Göttlichkeit. Eine Leiter, auf deren untersterSprosse sie steht, soll andeuten, daß sie auf das Dach steigt, um eine der blühendenScherben, die Hälfte eines zerbrochenen Krugs, die Eros ihr reicht, hinaufzutragen;die andere bepflanzte Krughälfte und eine weitere Schale harren noch am Boden.Rechts und links davon stehen athenische Frauen mit Gebärden des Erstaunens überdie Epiphanie. Auf einer anderen Vase begießen Aphrodite und Eros die Scherben fürdas Fest, um die Saat zu schnellem Aufgehen zu bringen (Abb. 50). Später, in alexan-drinischer Zeit, wurden die Schaustellungen prächtiger und erhielten einen mehr offi-ziellen Charakter: Als die Gemahlin Ptolemaios' IL das Fest feierte, wurden in pomp-haftem Aufzuge im Palast zu Alexandrien Aphrodite und Adonis auf silbernem Bette,unter blühender Laube, umgeben von Blumen und Früchten, aufgebahrt 30 . Der alte ein-fache Kultgebrauch aber war lange in den Hintergrund gedrängt und zum Kinderspielgeworden: die Knaben pflanzten sich in bauchige Gefäße schnellsprossenden Samenund freuten sich der grünenden Keime. Wenn die Adonisgärten so oft in alten Schrift-stellern, auch bei Plato 31 erwähnt werden, so danken sie das dem sprichwörtlichenGebrauch, wonach man leichte Dinge, die keine Früchte tragen und zu kurzem Ver-gnügen dienen, mit ihrem Namen nannte. In Kultgebrauch und Kinderspiel aber dürfen

S.KAP.

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