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1 (1914) Von Ägypten bis zur Renaissance in Italien, Spanien und Portugal
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Heilige Haine

3. KAP. 3. KAP.

die Erzählung des Odysseus von der geheimnisvollen Einrichtung seiner kunstvollenBettstatt beweist 10 . Um einen Ölbaum, der weitschattig, mit einem Zaun umgeben, ineinem der hinteren Höfe stand, baute Odysseus sich sein Schlafgemach. Er benutzteden Stamm des Baumes als Säule, um darauf ein Bett zu fügen, das er unlösbar mitder Erde verband. Wahrscheinlich waren die Höfe der Frauenwohnungen mit Bäumenbepflanzt gewesen. Auch noch in später Zeit waren die Vorhöfe meist gepflastert.Lukian schildert ein Haus der Aphrodite: der Vorhof war hiernicht wie gewöhnlich"gepflastert, sondern wie es der Herrin des Hauses entsprach, mit herrlichen schattigenBäumen, Blumen und Lauben bepflanzt.

Weit häufiger als der Gärten ist in den homerischen Epen der heiligen Haine Er-wähnung getan. Wir müssen sie uns noch als Hauptstätten der Gottesverehrung denken,da der Tempeldienst der Götter, obgleich im Epos schon vorhanden, gegen den in denHainen noch sehr zurücktritt. Ob diese Kultstätten immer umfriedet, also ein Te/uevogwaren, ist nicht mit Sicherheit zu behaupten, da sie meist nur Hain aXaog genanntwerden; gewiß ist nur, daß der Altar von schattenspendenden Bäumen umstanden ist,denn baumreich, schattenspendend sind die Beiworte, die das Epos diesen Hainen gibt.Fast immer wird auch eine Quelle erwähnt, die Baumarten werden selten genannt, dannaber sind es zum Unterschiede von Gärten immer unfruchtbare Waldbäume. Häufigwird ein heiliger Baum neben Quelle und Altar herausgehoben, so die herrlich ragendePalme im Apollohain auf Delos, die Odysseus in den Sinn kommt, als ihm Nausikaagegenübersteht 11 . Ebenso opfern die Achaier auf einem Altar neben einer Quelle, dieaus einer schönen mächtigen Platane entspringt 12 . Am berühmtesten war die Eiche zuDodona, aus deren Gipfel Odysseus die Stimme des Donnerers vernimmt 13 . Ebensohäufig sind auch die bildlichen Darstellungen auf kretisch-mykenischen Monumentenvon heiligen Bäumen in kleinen Gehegen oder steinernen Umfriedungen 14 . Diese Baum-verehrung teilten die Griechen mit den Orientalen, sie überdauerte die hellenistischeZeit und erbte sich in das Römertum fort.

Doch fehlt es auch nicht an ausführlichen Schilderungen, die zeigen, wie man zuHomers Zeit mit Absicht und Kunst solch eine Stätte der Gottesverehrung schmückte.Der Athenahain auf Scheria bei dem Landgute des Alkinoos liegt am Wege, er hat eineWiese ringsum von Quell umflossen, auf der der Altar stand, dunkle Schwarzpappelnumschatten ihn 15 . Reizvoller noch ist das Heiligtum der Nymphen auf Ithaka geschil-dert 16 . Odysseus wandert mit dem Sauhirten der Stadt zu. In ihrer Nähe gelangen siezum kunstreich gefaßten, schön fließenden Brunnen, der das kühle Wasser auffängt,das hochschäumend vom Felsen herabfällt, ringsumher überall kreisrund war ein Hainwasserliebender Pappeln gepflanzt, auf der Höhe stand ein Altar, wo die Wandererallen Nymphen zu opfern pflegten. Es war das Werk dreier Bürger von Ithaka, derenNamen der Dichter ausdrücklich nennt, so lieblich dünkt ihm selbst das Heiligtum.Diese erste Schilderung eines Nymphäums zeigt uns schon ein vollendetes Bild einerAnlage, wie sie im späteren Altertum, und mehr noch in der Renaissance, von derGartenkunst mit besonders künstlerischer Freude ausgestattet wurde.

Bei diesen Schilderungen handelt es sich ausdrücklich um eine Anlage und Pflege vonMenschenhand. Etwas anderes ist es mit der Grotte der Kalypso. Hier ist nur eine an-mutige Naturszene gegeben; kein Hain wächst um die Grotte, sondern nur ein Waldvon Erlen und Pappeln und wohlriechenden Zypressen, in denen breitfiedrige Vögel: