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1 (1914) Von Ägypten bis zur Renaissance in Italien, Spanien und Portugal
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3. KAP.

Garten des Alkinoos

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Odysseus überschaut den ganzen Garten, an der Schwelle des Hauses stehend. Sollenwir den Dichter wörtlich nehmen, so muß er ein ansteigendes Terrain vor sich haben.Dafür spricht auch die Anordnung seiner Bewässerung.Zwei Quellen", heißt es zumSchluß,gibt es, die eine ist durch den ganzen Garten geleitet, die andere unterder Schwelle des Hofes hindurch nach dem hohen Hause hin." Von hier schöpftendie Bürger. Über die künstliche Bewässerung von Gärten gibt Homer in der Ilias aus-führliche Auskunft. Wir hören dort von einem besonderen Wassermeister, der die Quellenüber Pflanzungen und Gärten leitet, augenscheinlich in Kanälen, in denen das Wassergestaut bleibt, bis man es braucht; dann entfernt der Aufseher die Hindernisse, unddas Wasser strömt brausend heraus und ergießt sich über das Land 8 .

Solch eine Art der Bewässerung, die auch dem Phäakengarten seine Fruchtbarkeitsichert, ist nur durch eine ansteigende Lage zu erreichen. So erklärt sich auch am bestendie Verteilung der beiden Quellen; wenn die eine gestaut werden soll, so kann sie zueinem Brunnen, der fortwährend fließendes Wasser braucht, nicht verwendet werden.Darum leitet man die zweite direkt in den Hof unter der Schwelle durch, wo sie, denBürgern auch zugänglich, nach der Außenmauer eine Mündung haben muß. Noch einPunkt der homerischen Schilderung läßt einen Zweifel über seine Anlage zu. Von denTrauben im Weingarten heißt es: die einen dörrten in der Sonne auf dem Trockenplatzeauf ebenem Boden. Liegt dieser Trockenplatz im Garten selbst, so müßten wir uns, daer dem mittleren Teile angehört, nicht nur ein ansteigendes Terrain, sondern Terrassen-anlagen denken. Da wir in dieser Märchenschilderung aber auch hören, daß die Traubenhier geschnitten, dort gekeltert werden, so könnte der Trockenplatz auch da sein, wodie Kelter ist, bei den Wirtschaftsgebäuden.

Der reiche Phantasieeindruck dieser Schilderung, unterstützt von der Autorität ihresDichters, läßt den Garten des Alkinoos das ganze spätere Altertum hindurch sprich-wörtlich alles Höchste und Schönste auf diesem Gebiete ausdrücken. Auch als dieseKunst eine von Homer nie geahnte Höhe erreichte, blieb sie den Dichtern ein Ideal, dasihrer Sehnsucht lockend wie die Gefilde der Seligen vorschwebte 9 .

So sehr des Alkinoos Garten an überschwänglicher Fruchtbarkeit sich auszeichnete,so wenig wird ein Palastgarten an sich eine Ausnahme gewesen sein. Wahrscheinlichwird jeder der Großen der homerischen Zeit solch einen Garten, der seine Tafel mitallem Nötigen versorgte, bei seinem Palast gehabt haben. Am Hause des Odysseus wirdausdrücklich ein solcher erwähnt. Penelope erzählt, daß ihr Vater ihr als Brautgabe denerfahrenen Dolios mitgegeben habe, damit er den Garten, den baumreichen, ihr be-sorge (Odyssee IV, 737). Dolios wohnt jetzt draußen auf dem Lande bei Laertes,Penelopes Garten aber müssen wir uns bei dem Palast denken, ihrer besonderen Auf-sicht unterstellt. Schon damals also war es Rittersitte, daß der Garten der Schloßherrinbesonderes Eigentum war, da er ihr Früchte und Gemüse für die Küche lieferte, wiewir es später das ganze Mittelalter hindurch unter ähnlichen sozialen Bedingungenfinden werden.

In den offenen Höfen der Paläste, die in der weiteren Entwicklung der Gartenkunsteine so große Rolle spielen, darf eine bedeutsame Anpflanzung weder in mykeni-scher, noch homerischer Zeit gesucht werden. Der vordere Hof war immer gepflastert,enthielt den Altar und wohl häufig auch einen Brunnen, der, schön in Marmor gefaßt,eine Zierde des Platzes war. Doch gab es auch in homerischer Zeit bepflanzte Höfe, wie