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1 (1914) Von Ägypten bis zur Renaissance in Italien, Spanien und Portugal
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Garten des Alkinoos

3. KAP.

3. KAP.

Abb. 48

Mykenisch.es

Silbergefäß

mit Blumen-

omament.

Museum in

Athen

Nach Gillieron

solch einfachste Formen des Gartens gekannt hat, die weder mit der ägyptischen nochmit der orientalischen Gartenentwicklung sich messen können.

Der Dichter muß zu ganz anderen Mitteln greifen, um ein Bild feenhafter Prachtinnerhalb dieses primitiven Planes zu entrollen: Der Garten steht das ganze Jahr hin-durch in unveränderter Fülle von Blüte und Frucht zugleich, kein Mangel, kein Miß-wachs schädigt ihn. Birne reift auf Birne, Feige auf Feige, vom sanften Zephyr um-fächelt. Diese Schilderung wiederholt sich in allen Teilen, am ausführlichsten imWein-garten, wo die Traube von der Blüte bis zur Kelter gleichzeitig vor Augen geführt wird.Zweifellos haben dem Rhapsoden hier die sagenhaften Gärten der Hesperiden vorge-schwebt. Das Märchenhafte liegt in dem Zeitlosen von Blüte und Frucht derselbenGattung, denn die Forderung, daß ein schöner Garten stets etwas Blühendes aufweisenmüsse, haben alle Zeiten und Gegenden aufgestellt, und jenes glückliche Klima konnte

sie leichter und reicher er-füllen als unsere nordischenStriche, und doch verlangtselbst ein Bacon das gleichefür einen englischen Garten.Von eigentlicher Blumen-pflege hören wir in diesemWundergarten noch garnichts, denn dieschön ge-ordneten Beete" sind nurGemüsebeete. Wie hätteauch sonst der Dichter, deruns den blühenden Anger infreier Natur mit so reichenFarben zu schildern versteht,gerade hier von diesem herr-lichsten Schmucke spätererGärten geschwiegen. Manwar augenscheinlich noch gar nicht auf den Gedanken gekommen, diese lieblichenKinder der Wiese in Gärten zu pflegen. Erst eine spätere Zeit hat dann gerade dieGemüsegärten mit blühenden Gewächsen geziert, so daß aus diesem Teile des Nutz-gartens sich der Blumengarten entwickeln sollte. Dieser Mangel einer Blumenzucht inhomerischer Zeit erklärt sich daraus, daß man Blumen noch wenig zum Schmucke derKleidung und des Hauses verwandt hat 6 . Weit häufiger schmückt Homer seine Gefäßemit Blumen, doch ist diesesblumig" wohl durchweg als Blumenomament zu denken,denn es sind nicht Vasen, in die man nach ägyptisch-orientalischer Weise Blumenhineinsteckt, sondern Opfergefäße für das Weihwasser oder auch Mischkrüge 6 . Einehübsche Illustration für solche homerischen Gefäße gibt ein mykenischer Silberbecher(Abb. 48), der in dreifacher Wiederholung einen Blumenkübel, in dem Blumen gepflanztsind, zeigt. Das Ornament selbst ist wohl aus ägyptischem Einflüsse hervorgegangen,wo solche Blumenschalen zum gewöhnlichsten Schmuck des Hauses gehörten. DasOrnamentallein aber genügt nicht, um, wie man wohl getan hat 7 , auf eine ausgedehnteBlumenzucht der mykenischen Kultur zu schließen.