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Buddhagärten auf Ceylon — Der heilige Baum
2. KAP.
wesen, und Anathapinta konnte ihn nur nach langen Unterhandlungen mit dem PrinzenJeta erhalten, als er ihm soviel Gold versprach, wie nötig sei, den ganzen Boden da-mit zu bedecken 63 . Sein Lohn bestand dann darin, daß der heilige Buddha ihn zuseinem Lieblingssitze erkor. Wie dieser Kaufmann weihten auch Könige, die der Buddhaseiner Lehre gewann, solche Gärten den gelbgekleideten Mönchen, denn dadurch fessel-ten sie sie länger an ihre Stadt. Und jede weitere Bekehrung, die die Sendboten desBuddha nach seinem Tode vollbrachten, endet mit der Schenkung eines heiligen Gartens.Wenig über zwei Jahrhunderte, nachdem der Buddha in das Nirwana eingegangen war,wurde Ceylon zu der Lehre bekehrt. Dort gibt nicht nur das große Chronikwerk, dieMahawansa, manchen Aufschluß über die wunderbaren Königsparks, die dort im Laufeder Jahrhunderte entstanden, sondern die Trümmer, die, vom Urwald lange bedeckt,in den letzten Jahrzehnten ausgrabende Engländer wieder aufgedeckt haben, lassenunter dem Sagengespinnst der Reimchronik die sicheren und örtlich erstaunlich zu-verlässigen Berichte der buddhistischen Erzähler feststellen. Das erste, was der bekehrteKönig Tissa tat, war die Schenkung eines großen Lustparks. Der Apostel Mahinda hattezuerst in dem Garten Naudama, d. h. Garten des Himmels, gepredigt. Gleich wollteder König diesen den Mönchen schenken, aber sie verschmähten die Gabe, da derGarten zu nahe der Hauptstadt Anuradhapura dicht bei dem Palaste des Königs lag.Darauf bot ihnen der König den Mahamighagarten an, den sein Vater angelegt, „nichtzu nahe der Stadt und nicht zu weit, ein köstlicher Aufenthalt, wohl versehen mitSchatten und Wasser". Gleich am nächsten Tage wurden mit höchstem Gepränge dieGrenzen des Besitzes abgesteckt, die der König selbst mit goldenem Pfluge umpflügte 64 .Tempel und Reliquienschreine wurden erbaut; das größte Kleinod aber war ein Zweigdes Feigenbaumes, unter dem Gotama einst die Erleuchtung empfangen hatte, einWunderzweig, der in wenigen Minuten zum Baume erwuchs 65 . Er behauptet noch heuteseine Tradition, um ihn sind die Trümmer der prächtigen Schutzbauten, Schranken,Hallen und Tore noch erhalten (Abb. 43). Die Schößlinge dieses Baumes sind rings zumheiligen Haine erwachsen 66 . Henry Cave schildert den Bau, der einst den heiligen Baumumgeben hat: Eine Mauer aus mächtigen Granitquadern, die Vorsprünge und Abdach-ungen eingelegt mit dem dem Elfenbein gleichenden Chunam, umschließt den weitenmarmorgepflasterten Hof, zu welchem vier Eingänge von hoher architektonischerSchönheit Zulaß gewähren. Jeder dieser Zugänge ist überdeckt von einem baldachin-artigen Dach aus Erz, welches auf 20, je aus einem Block gehauenen Steinsäulen ruht.Der fortlaufende Sockel mit seinen mächtigen Vorsprüngen besteht aus ungeheuerenGranitplatten. Eine Anzahl von Stufen führt zu dem Unterbau hinan. Reiche Bild-hauerarbeit ziert dieselben, besonders die unterste Stufe, welche im Halbrund vor-springt, ist in wundervoller Weise ausgehauen, zu ihren beiden Seiten erheben sichPrellsteine, geschmückt mit Bildwerken in Basreliefs. Innerhalb des Hofes befindensich reichgeschmückte Hallen, in denen Buddhabildnisse teils aus Stein gehauen, teilsaus kostbaren Metallen angefertigt, aufgestellt sind. Eine innere Umwallung wird ausdrei Steinterrassen gebildet, welche den heiligen Baum selbst umschließen 67 . DieserBaum und seine Umgebung blieb das vornehmste Heiligtum der Insel. Die Mahavansaweiß von einer Nachbildung dieses Baumes in kostbarem Material zu erzählen, die derKönig Dutthagamini im 2. Jahrhundert v. Chr. in der großen Ruanweli oder GoldstaubDagaba 68 , deren Trümmer noch heute wie ein großer baumbewachsener Hügel sich