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1 (1914) Von Ägypten bis zur Renaissance in Italien, Spanien und Portugal
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Jüdische Gärten

2. KAP.

Abraham schon einen Baumgarten, wo er Gott opferte 553 , später aber war man, ins-besonders die eifrigen Propheten, aufs äußerste dagegen, denn bei diesem Opfern imFreien fielen die Juden immer aufs neue dem heidnischen Aberglauben zu 56 . Und ebensowie Opfer und Gottesdienst wurden auch die Gerichtssitzungen im Freien, in den Parksder Reichen abgehalten. Der begüterte Jojakim, der die schöne und keusche Susanna alsGattin besaß, wohnte in der Diaspora in Babylon. Er besaß einen schönen Park nebenseinem Hause. Hier hielten die beiden Gerichtsältesten ihr Gericht ab, dort sahen sietäglich, wenn das Volk sich verlaufen hatte, die schöne Frau lustwandeln und entbrann-ten in Liebe zu ihr. Ein großes Badebassin unter freiem Himmel war ebenso wie imbabylonischen Königsparke, in dem Alexander starb, ein Schmuck des Gartens; Eichenund Mastixbäume wuchsen darin, denn die falschen Richter verraten sich dadurch, daßjeder sie unter einem andern dieser Bäume hatte freveln sehen wollen. Von einemPalmenhain, der in der Ebene von Jericho lag, erzählt Strabo, er war wohlbewässertund mit vielen Gebäuden angefüllt, auch ein Königspalast lag darin und ein berühmterBalsamgarten, in dem das sehr kostbare Gewürz gezogen wurde 57 . Den Palast des Salo-mon schildert Josephus 58 zwar eingehend genug, aber wenig sagt er von den Gärten, alsdaß sie schön anzuschauen waren. Eines der Gemächer aber war wie ein Gartensaal aus-geziert. Der Schmuck war reihenweise angeordnet, die drei ersten aus kostbarer Stein-bekleidung, in der vierten aber folgte eine wunderbare Zierde: Bäume und alle Sortenvon Pflanzen sah man, deren herabhängende Zweige und Blätter Schatten warfen; dieBäume und Pflanzen bedeckten den Stein, der darunter war, und ihre Blätter waren sowundervoll dünn gearbeitet, daß sie fast in Bewegung schienen. Es war also ein plastischerSchmuck, der, natürlich bemalt, höchst eindrucksvoll gewirkt haben muß, als schautendie Bäume über die Mauer und beschatteten diese. Entsprungen war die Zier dem gleichenWunsche, aus dem Sennofri in Ägypten sein Grab als Weinlaube gestaltet hatte, manwollte auch im Zimmer die Schönheit des Gartens genießen. In Jerusalem selbst zogensich rings um die Mauern weite Gärten, sowohl Baum- als Nutzgärten. Sie durften in derheiligen Stadt selbst nicht angelegt werden, da kein Dünger, nichts Unreines in ihreMauern gebracht werden durfte, nur Rosengärten waren erlaubt 5 9 . Daß die Juden Blumenpflegten und liebten, dürfen wir aus der Poesie, die, wie im Hohen Liede, ihre Vergleicheso häufig den Blumen entlehnt, schließen. Zum Gottesdienst und täglichen Gebrauchsind sie auch bei ihnen nicht in großem Umfange verwendet worden. Die Gärten außer-halb der Stadt waren mit Mauern und Türmchen umgeben, in denen Wächter wohnten.Aus diesen Nachrichten schaut uns überall ein ähnliches Bild des Gartens wie bei denumwohnenden Völkern entgegen.

Wenn wir nun noch Indien in den Kreis der westasiatischen Gärten ziehen, so heißtdas nicht nur geographisch die Grenzen überschreiten, denn auch vieles in der Kulturdieses merkwürdigen Volkes verbindet es mit den ostasiatischen Staaten: vor allemdie Straße, die die große, von hier ausgehende religiöse Bewegung, der Buddhismus,gezogen ist, und mit dieser religiösen Bewegung hängt fast alles zusammen, was wirüber die indischen Gärten der alten Zeit wissen. Wenn nun Indien hier trotzdem von denostasiatischen Kulturländern China und Japan abgesondert und dem westasiatischenZyklus zugeteilt werden muß, so zwingen uns dazu alle Nachrichten über Gärten. Nichtsfindet sich hier, was entfernt darauf hinwiese, daß die indischen Länder wie China undJapan einen malerischen Stil gepflegt hätten. Auch den fremden Eroberem, wie Alexan-

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