2. KAP.
Parks in Medien und Persien
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I
die Nacht hinbringen zu können. Welch eine Bewunderung und Ehrfurcht eines ganzenHeeres für die Majestät der Bäume spricht sich in der schlichten griechischen Er-zählung aus. Eine Vorstellung aber gibt sie auch von der Größe und Ausdehnung dieserParks, daß ganze Heere sich in ihnen sammeln und übernachten konnten. Und dies warkeine Ausnahme, im Gegenteil, immer wieder hören wir davon, daß Heeresmusterungenin den Parks vorgenommen wurden, augenscheinlich boten sie zu gleicher Zeit dennötigen Schutz und Schatten. So hatte der jüngere Cyrus zu Kelainai einen großenPark, der sich an beiden Ufern des Flusses oberhalb der Stadt erstreckte. Cyrus jagtedarin zu Pferde, um sich zu üben. Der Park war reich an Wild und so groß, daß er darindie Heeresschau über die 13000 Griechen abhalten konnte 37 . Ebenso wie Musterungenveranstalteten die Könige in ihren Parks auch große Volksfeste. So läßt im BuchEsther der König Ahasverus in dem Garten seines Palastes den Großen und allemVolke ein Fest geben, das 180 Tage dauerte 38 . Und in jenen Ländern, in denen sichGebräuche und Sitte so leicht über Jahrtausende forterben, haben auch heute dieParks weder ihre Größe, noch ihre Bedeutung verloren. In den jüngsten Unruhen desJahres 1908 hat der Schah in seinem Park bei Teheran seine Truppen gegen die Auf-ständischen zusammengezogen und wie einst Artaxerxes und Cyrus gemustert. Und ineinem Lustschloß inmitten eines großen Parkes tagte das aufständische Parlament undhielt dort seine stürmischen Versammlungen ab.
Die Freude und der Stolz, die der Perser an seinen Parks hatte, setzte er auch bei denanderen Völkern voraus. Als der Satrap Tissaphernes den Alkibiades besonders ehrenwollte, gab er seinem Park, den er mit Brunnen, anmutigem Rasen und königlicherPracht ausgestattet hatte, den Namen Alkibiades 39 . Auch die unterdrückten Völkerwissen sehr wohl, daß sie den persischen Zwingherrn, wenn sie zu einer Empörungschreiten wollen, keinen größeren Schimpf antun und ihre Rache nicht besser aus-drücken können, als durch die Verwüstung dieser Parks. Die Phönizier 40 begannenihre Feindseligkeit gegen die persischen Bedrücker, die zu ihrem Abfall führte, damit,daß sie den Park, den der König in Sidon als Absteigequartier angelegt hatte, durchAbholzen der Bäume verwüsteten. Überall in Medien und Persien fanden die Griechennoch herrliche Parks vor, ihre Größe und Schönheit verlieh ihnen ein sagenhaftes An-sehen, und mit Vorliebe glaubte man sie von Semiramis begründet. So der große Park imTale von Bagistana unter der mit Inschriften des Darius gezierten Felsenwand 41 oderein anderer in Chaucon, der rings um eine ragende Felsklippe angelegt war, auf derein die Gegend beherrschendes Lustschloß lag 42 . Diese Parks waren im Bewußtseinihrer Besitzer so sehr die Hauptsache, daß das eigentliche Wohnhaus, der Palast, darinverschwand und man die Residenz nur mit dem Worte Paradies bezeichnete. Xenophonsah ihrer viele auf seinem Zuge durch Asien und bewunderte sie aufs höchste, „überall",belehrt Sokrates seinen Schüler 43 , „wohin der Perserkönig sich begibt, ist er eifrig be-sorgt, daß er dort Gärten findet, die sie Paradiese nennen, die voll sind von allem,was die Erde an Gutem und Schönem hervorbringt. Hier hält er sich den größten Teilder Zeit auf, wenn es die Jahreszeit nicht verbietet". Xenophon ist der erste, der dieBezeichnung „Paradeisos" für die persischen Gärten in die griechische Sprache ein-führt. In den persischen Inschriften kommt das Wort nicht vor, nur im Avesta in derForm pairadaeza. Erst in hellenistischer Zeit hat das griechische Wort dann auch indie Bibel Eingang gefunden 44 .