Druckschrift 
1 (1914) Von Ägypten bis zur Renaissance in Italien, Spanien und Portugal
Entstehung
Seite
31
Einzelbild herunterladen
 

2. KAP.

Sargons Park gleich dem Hamanusgebirge'

31

unter denen die Palme am deutlichsten erkennbar ist, hin und wieder auchWeinstöcke 8 . Neben diesen Versuchen einer realistischen Pflanzendarstellung gehtdie sakrale Versinnbildlichung heiliger Bäume einher, die ganz ornamental ge-halten sind und daher hier nur noch als ein Zeichen der Gesinnung dieser Völkerden Bäumen gegenüber in Betracht kommen kann (Abb. 28). Erst von der zweitenHälfte des VIII. Jahrhunderts an beginnen die jüngeren assyrischen Großkönige nichtnur ihre Parkanlagen in den Inschriften zu rühmen, sondern sie auch auf denSchmuckreliefs ihrer Paläste darzustellen. Zunächst zeigen die sehr häufig auftreten-den landschaftlichen Hintergründe, daß das Interesse der bildenden Kunst sich nichtmehr allein auf den Menschen konzentriert. Bei den üblichen Szenen von Jagd,Krieg, Gelage und Palastbau bemüht man sich, die Landschaft darzustellen, dieBerge und die sorgfältig gezeichneten Bäume und andere Pflanzen, allerdings ganzauf Kosten der Größenverhältnisse und Perspektive. Die frühesten dieser Bilderstammen aus dem Palaste, den sich der kühne und mächtige Sargon erbaute. Ergründete oberhalb Ninive eine Stadt Dur-Sharukingemäß dem Befehl der Götterund nach dem Wunsche meines Herzens". Er umgab sie miteiner großen Mauer und legte zugleich einen Park angleichdem Hamanusgebirge, worinnen alle Gewächse der Flora desHethiterlandes und die Kräuter des Gebirges allesamt ge-pflanzt sind" 9 . Wahrscheinlich hat dieser Park neben demPalast gelegen, dessen Trümmer man unter dem DörfchenKhorsabad gefunden hat und der sich nördlich an die Stadt-mauer anlehnte 10 . Der Amanus, der in dieser und allen fol-genden Parkinschriften eine so große Rolle spielt, liegt an deräußersten Nordostküste des mittelländischen Meeres undzieht sich zum cilicischen Taurus empor. In allen weiterenKönigsinschriften, die sich ihrer Parks rühmen, kehren fastwie ein Epitheton ornans die Worte wiedergleich demAmanusgebirge". Solch eine halb gedankenlose Übernahme des Wortlautes einerInschrift in die andere findet sich in diesen Denkmälern nur zu häufig, und die Fragekann nur sein, worin ursprünglich die Ähnlichkeit oder Nachahmung des Amanus-gebirges bestanden haben kann. Der Amanus ist das Gebirge des Hethiterlandes, undvon den Hethitern haben die Assyrer zweifellos großen Einfluß in ihrer Baukunst er-fahren 11 . In denselben Inschriften heißt es ebenso typisch von gewissen Palastteilenicherbaute ein Chilani nach Art eines Palastes der Hethiter". Da man unter diesem Chilaniwohl eine auf Säulen ruhende offene Halle verstanden hat, die jedenfalls auf Parkanlagengeschaut oder in einem Park gelegen hat, so wäre es nicht ausgeschlossen, daß auchder Stil der Parkanlagen von den Hethitern entlehnt oder beeinflußt sein könnte 12 .Wahrscheinlicher aber ist es und auch dem Wortlaut der Sargoninschrift gemäß, daßman die schöne Flora des bäum- und wasserreichen Gebirges in der babylonischen Ebeneakklimatisiert hat, ähnlich wie Hatchepsut in ihrem Tempelgartenein Punt" an-legt. In letzter Zeit hat man auch den Versuch gemacht, den Zedernberg des Humbabaauf das Amanusgebirge zu verlegen 13 . Jedenfalls gehören Zedern immer wieder zu demHauptausfuhrartikel dieser Gegend. Ganz abzuweisen aber ist die Ansicht, als wolltendie assyrischen Könige mit demgleich dem Amanusgebirge" eine Nachahmung des

Abb. 28Sakraler Baum

NachRawlinson