1. KAP.
Totenfeier in Gärten
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Leben vollbrachte, kam unmittelbar seiner Seele im Jenseits zugute. Vor allem suchtejeder Privatmann, wenn es irgend anging, seine Wohnung mit schattenspendendenBäumen zu umgeben, denn was er hier pflanzte, um sich im Schatten zu ergötzen undam Dufte der Blumen zu erlaben, das ist eine Wohltat, die er seiner Seele erweist. Siedarf dann in der heißen Jahreszeit heraustreten aus dem Grabe, wo sie wohnt, und denkühlen Schatten genießen. Dies betonen die Grabinschriften immer aufs neue: „Daßich mich dann ergehen kann jeden Tag ohne Aufhören am Ufer meiner Teiche, daß meineSeele sich ausruhe auf den Zweigen der Bäume, die ich gepflanzt habe, und mich erfrischeim Schatten meiner Sykomore" 49 . Ganz tatsächlich und buchstäblich dachte sich derÄgypter diesen Vorgang. Zu diesem Zwecke und doch wieder als eine Art symbolischerHandlung malte man ihm seinen Garten, den man ihm doch nicht wirklich mitgebenkonnte, auf die Wände seines Totenhauses, denn wir müssen im Auge behalten, daßder größte Teil aller Gartenbilder, die wir kennen, aus Totenkammern stammt. Seltenerversucht man die Grabkammern selbst mit Hilfe der Malerei zu einem Teil des Gartenszu machen. In dem Grabe des Sennofri, des Vorstehers der Scheunen, Herden undGärten des Ammon, überzieht ein Weinstock das ganze Grabgewölbe, es so in eineWeinlaube umschaffend. Dürfen wir die Sitte von der Grabkammer auf einen wirk-lichen Wohnraum übertragen, so haben wir hier einen frühen Versuch, sich durchMalerei von Pflanzen an den Wänden ein Stück Garten in den Innenraum zuzwingen; immer wieder vom Altertum bis in die Neuzeit werden wir diesem Versuchbegegnen 493 .
Wie wichtig der Garten für den Toten war, zeigen auch die sehr häufigen Darstel-lungen, in denen die Mumie oder die Statue des Toten von diesem liebsten BesitztumAbschied nimmt, indem sie noch einmal über den Teich gerudert wird, von den Dienernbegleitet und empfangen 50 (Abb. 20). Dies gehört wohl zu der besonderen Totenfeier, dieim Garten vorgenommen wurde 51 ; man stellt den Sarg an den Platz, wo der Lebendeam liebsten geweilt hat, etwa in das Gartenstück vor der Vorratskammer oder auf dieInsel im Teich samt den Opfergaben, während sich das Trauergeleit am Ufer versam-melt. Man errichtet für die Opfergaben auch besondere Lauben in den Gärten. Immeraber ist es der wirkliche Garten, der hier dargestellt wird, das Besitztum, das der Lebendesich selbst bereitet hat, auch wenn der Tote schon als Herrscher darin abgebildet ist.In dem Grabe des Schreibers Innj, der, wie oben erzählt, in langer Liste sich der vonihm gepflanzten Bäume rühmt, ist auch sein Garten samt seinem Hause abgebildet. Inmehreren Reihen übereinander ist unten zuerst das Haus mit einem Kornspeicher, voneiner Mauer mit zwei Eingangstüren umgeben, dargestellt, dann inmitten von Bäumenein Bassin, darüber mehrere Reihen von Bäumen, endlich oben ein offener Kiosk, indem der Tote mit seiner Frau sitzt, begrüßt von einem vorübergehenden Diener. Innjhat hier erreicht, was er in seiner Inschrift sagt, „er beschreitet sein Terrain in derWestregion und erfrischt sich unter seiner Sykomore, er besichtigt seine Baumanlagen,diese herrlichen, welche er angelegt hat" 52 . Er beschaut sich also sein wirkliches Be-sitztum, in dem daher auch die Arbeit ruhig weitergeht, die lebenden Gärtner denGarten pflegen und bewässern.
Aber außer diesen Gärten, die in den Gräbern gemalt wurden, um anzuzeigen, daßdie Seele sich ihres Besitztums jederzeit bedienen dürfe, legte man auch vor den Gräbernselbst kleine Totengärtchen an. In der Erzählung des Sinuhe kommt der Flüchtling