Druckschrift 
[2] (1916) Kommentar. Hälfte 1
Entstehung
Seite
139
Einzelbild herunterladen
 

XXV. Züricher Arzeneibuch. 139

doch schliesst das nicht aus, däss sie noch gefundenwerden kann. Aus medizinischen Hss. des 12. und13. Jhdts. lässt sich zeigen, dass die Rezepte desZüricher Arzeneibuches diesen Zeiten allgemein ge-läufig waren.

Es wird auffallen, dass in dem zum Vergleichherangezogenen Hss. sich oft Rezeptgruppen in ähn-licher oder gleicher Anordnung finden wie in demZüricher Arzeneibuch 1 ) Doch darf das nicht zu vor-eiligen Schlüssen, bezüglich der Rezeptanordnungnach der einen oder anderen Seite hin führen. DieUeberlieferungsverhältnisse sind so kompliziert, dasserst jahrelange Durchforschung der lat. med. Hss. undderen Veröffentlichung durch den Druck einigermassenLicht in die Zusammenhänge bringen werden. DasRezept nimmt in der med. Literatur des Mittelalterseine ähnliche Stellung ein wie das Kirchenväterzitatin der geistlichen. Aber während dieses einmal ausdem Zusammenhang herausgerissen und von seinemAusgangspunkt, etwa einer Sammlung dicta patrumgelöst, in der Ueberlieferung frei umherschwirrt, ist demRezept infolge seiner Marke der Weg vorgeschrieben,der es sogar oft zu seinem Ausgangspunkt zurückführt.

Die Anlage und die Anordnung der mittelalter-lichen Arzeneibücher wird, sofern sie nicht Lehr-bücher waren, vielfach auf Zufall beruhen. Ihre Ent-stehung wird vielfach der bei unseren Hausfrauen ge-bräuchlichen hslichen Kochbüchern ähnlich gewesensein. Sie enstanden allmählich. Lernte man ein neuesRezept kennen, und schien es brauchbar, so schriebman es zu den andern. Bei Anlage der Kladde wirdman nach dem seit über 1500 Jahren üblichen Schema* capite ad calcem Unterabteilungen mit Raum fürNachträge gemacht haben. Reichte der Raum nichtmehr aus, so schrieb man an anderer Stelle weiter.So kam Unordnung in die ursprüngliche Ordnung,die dann beim Abschreiben weiter überliefert und ver-breitet wurde. Oder aber: entschloss man sich zuerneuter, erweiterter Anlage des Arzeneibuches, dann

') Meine Blattzitate lassen das deutlich erkennen.