ULB Düsseldorf +9006 550 01 MÜNCHENER TEXTE Herausgegeben von Friedrich Wilhelm Heft 8 DENKMALER DEUTSCHER PROSA DES 11. UND 12. JAHRHUNDERTS (ABTEILUNG B: KOMMENTAR) Herausgegeben und mit Kommentar und Einleitung versehen von FRIEDRICH ^WILHELM KOMMENTAR 1. HÄLFTE. GEORG D.W. CALLWEY IN MÜNCHEN 1916. Da wegen des Krieges der Druck des seit Oktober 1914 im Manuskript abgeschlossenen Kommentars der Denkmäler nur langsam gefördert werden konnte, ziehen es Verlag und Verfasser vor, die erste Hälfte des Kommentars einstweilen im Buchhandel erscheinen zu lassen. Das Erscheinen der zweiten Hälfte wird durch den weiteren Gang der Ereignisse bedingt sein. : LAMDliS- UND STADT- BIBLIOTHEK l. OTLOHS GEBET. zr VfterUeferung: Clm. 14490, Rat. SEmm. 490 (olim t 113) Xl.Jhdt. Bl. 161 v bis 163v unter dem Rubrum: Oratio theutonica ex fuperiori oratione edita. Die Hs gilt als Autograph Otlohs. Vgl. A. Chroust Monu- menta paleographica I 1. Lief. 3 Taf. 7j8; E. Petzel- Glaunmg Schrifttafeln Nr. 13 (dazu F. Wilhelm, Berliner philol. Wochenschrift 31 [1911] 84 f.). Abweichend, aber A. Chrousts Ausführungen gegenüber 1»«J mehr über zeugend E. Dümmler BSB 1895 11 1087 Anm. 4. Literatur: B. Pez, Thesaurus anecdotorum novissi- "%nJ, (1721 l'> 41 ? bis 420; 111(1721) 2,253 bis 544; f m L ~ E - G - Gra ff> Diutiska 3 (1829) 211. - H. {/cri SS 1i ann ' Abschwörungs.. .formein 1839 Nr. 60. — MSD Nr. LXXXIII. _ W. Braune, LB. Nr. XXVI. on C ß 7 e /^9 F ^. 12 ( 1875 ) 34 ' 74 >- - F - Vogt, PBB. iJl-oi 262 J ls 264 - — P- Piper, ZfdPh. 15 (1883) $ I; ~ Edw - Schröder, ZfdA. 30 (1886) 82 bis 84. — L bteinmeyer bei R. Bethge, Ergebnisse u. Fortschritte dergerm. Wissenschaft, Leipzig 1902 S. 219.- hcot' 2' l 50 ~ M - Triwunatz, PBB. 38 (1913) 358 f. —H. Naumann, QF. 121 (1913) 92. — Ana- lecta hymnica 50, 320 Nr. 248. , Aeusserlichkeiten des hslichen Textes: Fettes T in Trohtin, Z 1, sonst keine fetten Buchstaben und Absätze. Für das kleine Stück verhältnismässig viele Nachträge in den Textlinien und am Rand von gleicher Hand. Desgleichen Rasuren. Akzente:3'und7". Vgl.p.SieversPalaestra57,28. Interpunktion: Satzanfang wird durch Majuskel gekennzeichnet (abgesehen von den Eigennamen, die Münchener Texte VIII, B, , 2 I. Otlohs Gebet bald mit Majuskel, bald mit Minuskel geschrieben sind), sonst wird für syntaktische Untergruppen der Punkt verwandt. Quellenfrage: Wie das Rubrum über dem deutschen Gebet Otlohs aussagt, beruht der deutsche Text auf dem lateinischen. Von der lat. Oratio kenne ich vier Niederschriften, die von Otlohs Hand selbst herrühren oder von ihm durchgesehen wurden: A Clm. 14490 Rat. S. Emm. 490 (olim. E 113) Bl. 158r bis 161 v unter dem Rubrum: Oratio cuiufdam peccatorif. C Clm. 14490 Bl. 51 r bis 54r unter dem Rubrum: Oratio eius qvi et suprascripta et sequentia edidit dicta. D Clm. 14756 Rat. S. Emm. 756 (olim b.l 0) Bl. Wlv bis 106 r. E Clm. 18937 Teg. 931 Bl. 246 v bis 249 r unter dem Rubrum: Oratio cuiufdam peccatoris qui et supra- fcripta et fubfequentia uerba edidit. Ueber dieses und ein in CD auf die lat. prosaische Oratio folgendes Gebet in lat. Hexametern, lässt sich Otloh im über temptationum, eben der Hs. D (vgl. MG. SS. XI 392), folgendermassen aus: Ad huc pro- fere libet duarum orationum uerba. Attendenf enim fepivf quia plurimof exemplif prauif feduxi ' talia orationif uerba fcribere ftudui ■ in quibus unufquifque fatif doceri poteft quomodo et pro fe et pro aliif orare debeat. Que fcilicet orationef quamuif a quibufdam habea D tur ' ego tarnen haf (aus hanc gebessert) in hoc opufculo decreui fcribere pro monimento. Premiffif igitur quibufdam precibuf intimif ex pfalterio fumptif ■ ita incipit una. Es folgt D. Aus diesen Worten ergibt sich, dass zur Zeit als D in den über temptationum aufgenommen wurde, das Gebet schon in den Händen einiger Bekannter Otlohs war. Daraus aber folgt, dass — da A, C und D wohl niemals St. Emmeran verlassen haben — ausser E noch einige Exemplare der lat. Oratio vor D existiert haben müssen. Die Ueberlie- ferung des Gebetes ist also verwickelter als dies auf den ersten Blick aussieht. Dies zeigt sich auch bei den erhaltenen lat. Texten. Sie bieten zwei Bearbeitungen, von denen A die längere Fassung, C,D und I. Otlohs Gebet 3 E eine kürzere bieten. Da C im Clm. 14490 der Fassung A 107 Blätter vorausgeht, so folgt daraus, dass die Niederschrift von C in eine frühere Zeit fällt als die von A. Diese Tatsache berechtigt allerdings nicht ohne weiteres zu dem Schlüsse, dass die Fassung A jünger sei als die Fassung CDE. Für die Priorität von A Hesse sich sogar beibringen, dass Otloh in der oben zitierten Stelle ausdrücklich bemerkt, dem eigentlichen Gebete gingen den Psalmen entnommene Bittformeln voraus. Tatsächlich finden sich unmittelbar vor dem Rubrum über A folgende sechs Zeilen: Dne libera animam meam a labiif iniquif * et a Hngua dolofa. (= Ps. 119, 2) Fiant aureftug intendentefin uoceindeprecationifmee^Ps. 129,2) Dirigatur oratio mea ficut incenfum in confpectu tuo ( = Ps. 140.2) Pone dne cuftodiam ori meo ■ et oftium circumftantie (= Ps. 140,3) Non intref in iudicium cum feruo tuo d qvia non iuftificabiturf^ Ps. 142, 2) Dne exaudi orationem meam et clamor meuf ad te ueniat (= Ps. 101,2) Aber, da Otloh seiner Vorbemerkung in D die kürzere Fassung CDE folgen lässt, so muss man annehmen, dass mindestens in einem von Otloh als authentisch anerkanntem Exemplar die sechs Psalmenbitten der kürzeren Gebetsfassung ebenfalls vorausgingen. Wir müssen darauf verzichten, über das Altersverhältnis der längeren Fassung zur kürzeren eine Entscheidung zu treffen. Diese Zurückhaltung ist um so mehr geboten, als bei dem auf die kürzere Fassung folgenden poetischen tat. Gebet sich ebenfalls sehr unklare Beziehungen zwischen C (Clm. 14490) und D (Clm. 14756) ergeben. 1 ) Keine der beiden Niederschriften kann aus der andern geflossen sein. In C sind die Hexameter 7, 9, 11, 24, 31 und 32 erst nachträglich hineinkorrigiert, während in D die Verse 7, 11, 24, 31 und 32 zu gleicher Zeit wie der übrige Text geschrieben sind. Nur V. 9 ist wie in C Nachtrag. Ausserdem ist nach V 32 in D ein Hexameter als Nachtrag eingeschoben, der in C sich nicht findet. Bedenkt man, dass diese Korrekturen, wenn nicht von Otloh selbst herrühren, so doch unter seinen A ugen vorgenommen wurden, so wird man verstehen, dass hier von der Aufstellung eines Hssslemmas für ACDE abgesehen werden muss. ') Von D Bl. 159rf. seh ich dabei noch ab ! S. Anal. hymn. a. a. 0. 4 I. Otlohs Gebet Für das deutsche Gebet (B) ist man zunächst geneigt, einfachere Ueberlieferungsverhältnisse anzunehmen, zumal im Rubrum dazu ausdrücklich bemerkt wird ex superiori oratione edita. Man wird diese Worte auf das dem deutschen Gebet unmittelbar vorhergehende Gebet A beziehen. Aber superius bedeutet nach den mittelalterlichen Glossatoren oben, vff taafz, nicht „unmittelbar vorhergehend" und eingehendere Prüfung zeigt, dass auch hier die Dinge nicht einfach liegen. Mit CDE bietet B das Fehlen von A 6,18—24 f— B 25); A7,2-6(=B 42); A7,1J-14(-B 45) und den Passus 8, 1 perque omnium fcorum tuorum (= B 59) gemeinsam. Mit A dagegen teilt B, oder setzt wenigstens voraus, die Worte omni bis omnibus (8, 7 f. — B 62) und sed bis adipifci (8,20 /. = B 75). Z.45 bietet B eine deutliche Kombination von A und CDE. B beruht also auf beiden Fassungen, unter stärkster Anlehnung an die kürzere. Die Möglichkeit, dass eine B ganz entsprechende tat. Fassung bestanden hat, ist nicht ausgeschlossen, aber mir keineswegs wahrscheinlich. Ich lasse jetzt den lat. Text der Oratio nach ACDE folgen, indem ich A zugrunde lege und die CDE gemeinsamen Auslassungen durch [] im Text kennzeichne, die übrigen Abweichungen der Gruppe aber in den Varianten anführe. Das soll keine Stellungnahme zu Gunsten von A sein, sondern nur eine kurze, übersichtliche Formulierung der Gesamtüberliefcrung. An dieses ACDE gemeinsame Prosagebet schliesse ich die in CD daran angefügte Oratio metrica. Die Nachträge in C sind durch Petitdruck kenntlich gemacht, die 'Lücken' in D durch []. Oratio cuiusdam peccatorif. 1 ) O SPES UNICA . O SALVS eterna ■ et refugium omnium in te fperantium d's miferere mihi mil'ero et pecca- tori • gratie tue prefidium inquirenti. Adiuua me diie et ad precef meaf attende ■ ■) quaf pro nulla meritorum meorum fiducia • fed in fola pietatif tue inmenf itate confifuf ftudeo 8 ) iam proferre. Inlumina quefo inprimif cor meum • ut boni- l ) üeber die Rubren vgl. oben S. 1 f.: Die Absätze nur in A. ») intende D. 8 ) cupio CD. I. Otlohs Gebet 5 tatif tue atque prauitatif mee multitudinem aliquatenuf attendenf ■ ea que contra te hactenuf commifi ' lugere femper et emendare digno penitentie luctu ualeam. De- inde precor dne ' ut quicquid impuritatif ■ quicquid uani- tatif aut errorif nequiffimuf hoftif in 1 ) me ftudeat accen- 5 dere extinguaf - meque ad tui timorif 2 ) et dilectionif 8 ) feruorem femper accendaf et ut cordi meo illam famem et fitim inmittaf. qua ad mandatorum tuorum obferuan- tiam et ad uite perennif gaudia defideranda eftuare poffim. Nam quamuif per gratie tue dona fciam uite 10 perennif gaudia omni prefentif uite iocunditati effe pre- ponenda ■ licet etiam ad hec defideranda et exquirenda uariif mo (Bl. 158 v) dif inftructuf f im. nulla tarnen huiufmodi fcientia mihi prodeft - nifi infpirationif tue fupplemento iugiter me illuc trahaf ' et affectum nee- 18 non occafionem pariterque uiref bene uiuendi 4 ) tribuaf. Facilif enim infirmitaf ac defidia me fragilem neglegen- temque pro dolor ualet impedire a totiuf religionif pro- pofito. Ideoquc clementiffime d'f hanc infirmitatem in me profpicienf ' ita me fanum ualidumque in utriufque 20 hominis uigore effice ' ut in omni feruitutif tue ftudio letuf et promptuf exiftam ■ laboremque totum qui in hoc feculo et pro laudif tue impenfione 6 ) et pro peccatorum meorum penitentia ■ neenon pro aliorum neceffitate iugiter agenduf eft mihi fuftinere ualeam. Scio denique 25 quia multof militef tante uirtutif tanteque deuotionif habef. ut licet infirmitatibuf anguftiifque plurimif äfflicti detinean- tur. 6 ) nihilominuf 7 ) tarnen 8 ) in preeeptif tuif promptiffimi et conftantiffimi inueniantur. Hi quidem dfie gratia tua preftante funt perfecti atque potentie tue armif electi. 30 Aft ego omnimoda fragilitate et ignauia peccatif meif exigentibuf depreffuf • uix in aliquantulo 9 ) feruitutif tue ftudio perfifto. fi mihi fanitaf . profperitafque omnif aderit. Unde quefo clementiffime d'f ■ ne me infirmi- tatif aut aduerfitatif moleftia permittaf pluf [ag]grauari ' 35 quam conuenire feiaf mee qualitati. Suftine me precor pufillanirnem 10 ) et pigrum. expeeta me fragilem et in l ) ftudeat in me CD in me nachgetr. nach ftudeat E. ') amorif CD. 8 ) et dilectionif /. D. *} agendi DE. h ) reue- rentia CDE. 6 ) teneantur CDE. 7 ) /. CD. 8 ) nach pereeptif 40 CD. •) aliquo D. w ) pufillanimum CDE. 6 I. Otlohs Gebet (Bl. 159 r.) firmum. quoufque ad te conuertar aliquan- tulum. Fide igitur et fpe tali me confirma. per quam de promiffionibuf tuif certiffimuf ' in nulliuf diffidenti§ mefticieque noxi§ pericula incidam. Ad hec quoque 5 caritatem et timorem atque humilitatem • nöcnon patien- tiam et obedientiam talem mihi precor prefta ■ qualem primituf tibi d'o omnipotenti. dehinc hominibuf cunctif inter quof umquam conuerfari me contigerit exhibere debeo. Ambitionem fimul et delectationem totiuf fecu- 10 larif glori§ auf er a me dne ' et da mihi aliquam partem fapienti§ fpiritualif. ut mecum fit et mecum laboret ■ ut fciam quod acceptum fit coram te x ) omni tempore. Ne reminifcarif quefo delicta iuuentutif et ignoranti§ me§ • fed fecundum mifericordiam tuam memento mei 15 dne. 2 ) Mundiciam quoque mentif et corporif ita mihi quefo uigilanti uel dormienti concede ■ ut ad altarif totiufque feruitutif tug officium digniuf accedere. ipfumque accepta- biliter poffim peragere. [Nihil enim boni a memetipfo habeo ■ fed neque ab homine ullo uirtvtif alicuiuf donum 20 accipere valeo. Quamobrem tu dne d'f qui foluf omnia potef • et nof temet pro neceffitatibuf noftrif iugiter inuocare iubef. exaudi me miferum tibi pro miferia mea fupplicantem • et concede ut et illarum uirtutum quaf iam orando nominaui • et omnium] 3 ) fine quibuf nulluf tibi 25 placere poteft particepf fieri merear. Sed quoniam tarn magna pietatif tu§ do (BL 159 V.) na nullif conatibuf [propriif • nulloque labore condigno aquirere et] 4 ) obtinere ualeo • per fciffimam natiuitatem et paffionem tuam dne ih'u xpe . necnon per uenerandam crucem in qua pro 5 ) 30 mundi falute pendere dignatuf ef ' perque refurrectionem et afcenfionem tuam ' tum etiam per fei fpf gratiam mihi precor 6 ) concedaf. Adiuua etiam 7 ) me per merita et precef fciffime genitricif tu§ et perpetuf uirginif marie. • necnon per fei michahelif omniumque c§leftium uirtutum 35 atque per fei iohannif baptifte ■ et per fcörum ap'lorum tuorum Petri et pauli ' andre§ ■ iacobi' [fpecialiterque per dilecti tuij 8 ) iohannif ' et per omnium ap'lorum tuorum ») coram te nachgetr. E. •) dne /. CD. *)[]== Deinde precor dne. ut omnium uirtutum CDE. ') [ ] = meif CDE. 6 ) pro] 40 pro totiuf D. •) quefo CDE. ') fimul CD. 8 ) [ ] = et CD I. Otlohs Gebet 7 fuffragia ' fed et per illorum feiffimorum infantium patro- cinia • qui pro tuo nomine trucidati funt ab herode. [Et ficut eofdem infantef nulliuf meriti aut uirtutif noticiam habentef fola et ineftimabili gratie tue potentia ad uitam eternam eligifti ' ita etiam me indignum per illorum quefo 5 interceffionef ad uite. perennif confortium elige.] Suc- curre quoque mihi per 1 ) fcorum martyrum tuorum Ste- phani atque 2 ) laurentii. Viti et pancratii. Georgii et em- merammi. Quirini et caftuli ' Sebaftiani et uincentii ■ nec- non per mauricii et dionifii. Gereonif et kyliani. Boni- 10 facii et ianuarii. Ypolitii 3 ) et cyriaci una*) per fociorum fuorum [merita fpecialiterque per fcorum tuorum patro- cinia cum quibuf locum prefentem fublimare dignatuf ef • fed et per] 5 ) fcorum confefforum tuorum Silueftri atque martini. Remigii et gregorii. Nicolai et benedicti. Wolf- 15 kangi 6 ) atque (Bl. 160 /'.) ödalrici. perque fclrum uir- ginum Petronelle et ceciliae ■ Scolaftice et margarete. ' necnon per illorum fcorum quorum in hoc monafterio uel in hac [proxima] ciuitate reliquie. confiftunt 7 ) ' deinde per omnium fcorum tuorum fuffragia me precor adiuua • 20 ut 8 ) propter nulla 0 ) peccata mea [preterita uel inftantia feu futura] in manuf perfequentium animam meam tradar ' led folita pietate tua femper 10 ) et ubique defendar. Deinde inmenfam pietatem tuam 11 ) dfie ih'u xpe fupplicter de- pofco pro [fratribuf noftrif] cenobii[que] noftri loco ■ ut 25 quia peccatif noftrir exigentibuf tarn a noftratum 1 *) quam ex 13 ) alienorum 14 ) [effectu] pro dolor intuf [fimul] et foril deftructuf eft.*) per gratiam tuam [atque per illorum fcorum quorum corpora uel reliquiaf hie pofitaf amore ) Die Unmöglichkeit aus diesen Angaben einen Schluss 30 auf die Abfassung des Gebetes zu ziehen, zeigt eine bei Pez a. a. 0. 111 S. XI f. aus dem über temptationum abgedruckte Stelle, die ganz ähnliche Ausdrücke für die Anfeindungen des Stiftes durch den Regensburger Bischof gebraucht. ') per] per precef CD precef nachgetr. E. s ) et CDE. ') Svxti 35 CDE. *) una bis merita nachgetr. und übergeschr. A. ») [ ] = patrocinia fed et per precef CDE. ") Ödalrici et (atque D) Wolfkangi CDE. 7 ) continentur CDE. 8 ) ne CDE. ») ulla CDE. 10 ) femper bis defendar übergeschr. und nachgetr. A. ll ) f. C. ") noftratibuf CDE. l >) ab CDE. ») alienis CDE. 40 8 I. Otlohs Gebet promptiffimo ueneramur] 1 ) interceffionem ■ ad laudem [et gloriam] nominif tui ' atque ad neceff itatif noftre ■ [nec- non ad] 2 ) eorum qui nobif iugiter deferuiunt • quique huc pro aliqua falute 3 ) obtinenda [ad]ueniunt ufum repare- 5 tur. [Non 4 ) nobif dne non nobif' fed nominif tui da gloriam. Vince tu in nobif' regna tu in nobif • non malignuf hoftif.] Ad h§c quoque precor pro [omni utriuf- que fexuf congregatione qu§ in hac urbe confiftit • deinde pro ceterif omnibuf] 5 ) qui in fca ecclefia in nomine tuo 10 ufquam congregati conuerfantur ■ ut et fpiritalif uit§ nor- mam quam habitv profitentur moribuf fi ) fequantur' et corporalif uit§ fubfidia prout indigent a te accipere mereantur. Da eif quefo paftor (jterne paftoref et rec- toref talef ' qui illof per exempla fua non ad interitum. 7 ) 15 fed ad 8 ) eterne falutif inftruant [meritum]. Pro hif etiam 9 ) qui femetip (Bl. 160 v) fof confeffione uel aliqua inter- ventione in mei peccatorif orationem commendare cura- bant bonitatem tuam dne fuppliciter exoro ■ ne[fcilicet] propter ulla peccata mea. confeffionif fu§ caffetur remif- 20 fio fperata. [fed per gratiam tuam et ipfi ueniam quam confeffionif humilitate fideliter expetebantmereantur confe- qui • et ego uirtutum illarutn dona qu§ idem orationil mee fuffragia querentef iam ineffe mihi credunt. fed pro dolor necdum in me funt ' per illorum quefo fidem quan- 25 doque merear adipifci]. Recordare precor in nobif miferi- cordi§ tue • uerborumque ap'li tui iacobi dicentif (5,16). confitemini alterutrum peccata ueftra et oratö pro inui- cem ut faluemini * et concede ' ut et illorum confeffio et mea 10 ) quam pro eif prof ero oratiuncula 11 ) fibimet profit. 30 Peto etiam pro papa et cefare uel rege noftro ' nec- non pro cunctif rectoribuf atque principibuf noftrif • ut illof in amore et timore tuo ita perfectof faciaf • qua- tenuf fe fibique fubditof ualeant regere 1 ac 12 ) congruil exemplif preeffe. Ad h§c quoque pro parentibuf et pro- 35 l ) [ ] perque omnium f cörum tuorum CDE. ') [ 1 et CDE. ") gratia CDE. *) = Ps. 113, 1. [] Am unteren Rande der Seite nacheetr. und durch Verweis zeichen als an dieser Stelle einzuschieben gekennzeichnet. A (vgl. M. Franz Die Messe 751). 6 |[] = cunctil CDE. •) moribuf/ moribuf congruif CD, 40 congruif nachgetr. E. ') perditionem CDE. 8 ) ad eternam inftruant falutem CDE. ■) quoque D. 10 ) nach mea ist oratio nachgetr. D. ") oratio CE,f. D. ») atque CDE. T. Otlohs Gebet 9 pinquif ■ necnon pro illif qui ab initio uit§ mee ufque in hanc horam qualemcumque pro me laborem pertulerunt. quique in efu aut potu uel in ueftitu aut in doctrina ■ feu [etiam] quolibet modo mihi 1 ) prodefTe ftuduerunt ' pro illif ergo omnibuf pietatem tuam dfie. vnice depofco. 2 ) 5 ut qvia ego nullam ipfif recompenfationem 3 ) debitam im- pendere poffum (Bl. 161 r.) [gratia tua] 4 ) illif ubicum- que opuf cft fiue in prefenti fiue in futuro feculo recom- penfare dignetur. 5 ) Deprecor fimul pro illif quof umquam fine caufa contriftaui uel aliquibuf meif actibuf de- 10 prauaui • quatenuf per bonitatif tuae effectum aliquomodo corrigi 6 ) et reparari mereantur. Deinde uero communiter pro omni populo xpiano maieftati tu§ dne fupplico ■ ut eif pacem ' aerif temperiem ' frugumque copiam iuxta neceffitatef fuaf tribuere dignerif • 15 et licet infidiif diabolicif uel etiam fragilitate humana circumdati a xpianitatif cultu uariif modif difcedant • ipfa tarnen quefo [tanti] tui 7 ) nominif agnitio " tantgque maieftatif profeifio cui fe fide congrua commendant ■ et in qua fpem 8 ) maximam uiuendi collocant 9 ) illif 10 ) profit 20 in «jternum. Ad hgc [quoque] inmenfam pietatem tuam dne [ih'u xpe] poftulo unice 11 ) pro omnibuf [fidelibuf con- gregationif noftr§ defunctif 12 ) fratribuf] 13 ) ■ necnon pro hif quibuf ex fraternitatif communione feu quacumquc commendatione uel elemofinarum largietate umquam de- 25 bitor orandi factuf fum ' deinde [communiter] pro cunctif in fide fcä defunctif [pro quibuf uidelicet cuiquam orare licet * ] ut eof a locif penalibuf liberare et in requie per- petua dignerif collocare. Haf igitur precef quof ego peccator [qui nee pro memetipfo orare fufficio confidenf 30 tarnen in tua mifericordia pro aliif] tarn 1 *) uiuif quam 15 ) defunctif ad te dne protuli dignanter fufeipe ■ et ut illif fimul et mihi aliquant-('i?/. /tf/v^ulum profint concede. Ad extremum uero nulla orationif me dü S fi' Wl ^Quelle diente/Der lext auf dem unsere Ueberlieferung der Bearbeitung fusst, War bereits nicht fehlerlos (vgl. z BS 3 fT 2) /ÄÄÄ?? mrden ^weniger durch 2l Tdmthfn fr üh gekehrt der lateinische durch lateinLhti P"? i Uerm Ph y s ^gus diente ein OriZal d P rR as .? r ™dlage, der entweder dem ÄtÄ?^ Sehr nahe stand ^r eng mit der Gruppe PEp verwandt war (vgl zu II 1 9f- ü^wZrlr' '^ ° P b - dem ^erseler, dernachYl oderZrTür^T 5 ? P ? CSter war > ein vollständiger SÄ m W/ ^ lässt sich mit dem gegen- MÄÄ*» Materlal nicht entscheiden, bereits im KfaL M *"% Ph y siolo gl abbreviati dem Verfasser/1 *?/*"' £ er ver ^zte Text, der ist jedenfalls nfrZ alte ™ Physiologus etwa vorlag, wesen ■ denn F^, * b . estimmt tendenziös wie E ge- legungfnund £?Ä alle alogischen äL rituilss^^t fSÜ** ^ BeHCht ^ ö'anebLZttffn V .*[ferbnisse noch nicht kannte. heanZ- 8 r/ ielle! f ht den Physiologus Theobalds 35f,20 2 n f.) eiHe Gl0SSe < V &> ZU UL JI > L CO ÜE LEONE. Car^n^r^^ 00 benedice ^ filium fuum iudam dicebat Catulu£)je 0nif i„da filiuf de germine meo ■ quif ££- a ) Igitur bis eum f. E. «Wi /e«ct^ 9;C ; at rK U ^ 1 , e0ni 7 Uda: ad P raedam - fili ^ a-cen- requiefccnf accubifti ut leo, et quaf, leann, quif fufcitaWt eum? Munchener Texte VIII, B. 18 It. und III. t>er ältere und der jüngere Physiologus tabit eum ~r Phyl iologuf dicit. Tref naturaf habetleo. Prima cum ambulat in montibuf uel filuif'et") fi euenerit ut queratur a uenatoribuf et ueniet ei odor uenatorif ad nafum b ) ■ ftatim cum cauda delet poft c ) fe ueftigia fua • 5 quocumque ierit' ut non fecutuf uenator ueftigia capiat eum. Sic d ) et dnf nofter ih'c xpc fpiritalif leo 1 ) de tribu iuda radix dauid miffuf a fempiterno patre cooperuit in- telligibilia deitatif fue ueftigia ' defcendenfque in uterum uirginif f aluaturuf ") erranf genuf humanuni. Et*) uerbum 10 caro factum eft et habitauit in nobif. Propterea') igno- rantef eum infernalef poteftatef defcendiffe fcilicet dicebant. Quif eft ifte rex glorie^ Refponderunt fuperne dicentef ■ quia ipfe eft dominuf uirtutum et ipfe*) elt rex glorig. 8 ) De fecunda eiuf natura. 15 Cum dormierit leo uigilant oculi eiuf in aperiendo ' ficut et in cantico canticorum teftatur fponfuf de fe ipfo. Ego 4 ) dormio et cor meum uigilat. Et enim h ) corpo- raliter caro quidem dni quieuit * diuinitaf autem femper ad dexteram patrif uigilat ut 1 ) illud. Ecce non 6 ) dormitabit 20 neque dormiet qui cuftodit ifrael. De tertia natura. Cum k ) leena peperit 1 ) catulum mortuum eum generanf cuftodit tribus diebus ■ donec uenienf pater eiuf die tertio fufflat in faciem eiuf et uiuificat eum. Sic m ) et deuf 25 omnipotenf pater filium fuum dnm noftrum tertia die fufcitauit a mortuif ut iacob ante prophetabat. Accubanf 6 ) requiefcet ut leo" et ficut catuluf leonif ■ quil fufcitabit eum -r ») et f. FGLNOVW. *)n*Te{ FGLNOVW. «)poft tef.EP. 4)Sic bis glorie /. E. «) faluanf N, faluauit FGLOVW. 1 Proptera bis 30 quia/. FGLNOVW. Vgl. Epiphanius MSG 43, 517D f. ») iple /. FGLNOVW. h ) Etenim bis ifrael /. E. ») ficut fcript— -*» P. k ) Dum E. ') parit P. m) Sic bis eum /. E. :um eft l ) Apoc. 5, 5: ecce uicit leo de tribu Juda, radix Dauid, aperire Hbrum, et foluere feptem lignacula eiuf. *) Joh. 1, 14: Et verbum 35 caro factum eft et habitauit in nobif. *) Ps. 23, 10: Quif eit ifte rex glorie? Dominus virtutum ipfe eft rex gloriae. *) Cant. 5, 2: Ego dormio, et cor meum vigilat. *) Ps. 120, 4: Ecce non dormitabit neque dormiet, qui cuftodit Ifrael, •) 4. Mos. 24, 9: Accubanf dormlvlt ut leo et quafi leaena, quam fufeitare nullui 40 audebit. H. und III. Der ältere und der jüngere PhysiologUs 19 2. (XXIV) DE PANTHERA. Eft et animal quod dicitur panthera • uario quidem colore • led ipeciofum nimif et ualde manfuetum.») Phifiologuf d lC it quod inimicum fit folif draconibuf. Cum b ) come- derit et faciauerit fe diuerfif uenationibuf recipitur in 5 lpeluncam 0 ) f ua m ponenfque fe dormit per triduum Surgenf autem a fomno ■ ftatim emittit rugitum peraltum iimulque odorem nimie fuauitatif emittit cum rugitu ■ ita ut odor jftiuf modi precellat omnia aromata et pigmenta Cum ergo audierint uocem eiuf omnef beftie que prope 10 «? vT.nV n *Jr°ngregantef fe omnef nimiam fuauitatem oaor.i ) ühuf fecuntur. Soluf autem draco cum audierit uocem emf abfcondit fe in fubterraneif cauernif.') Ibi autem nee ferenf uim odorif eiuf ■ in femetipfo contractuf ODltupelcit • et ) remanet inmobilif inanifque uelut mortuuf. 15 J-eter» uero animalia fecuntur pantheram*) quoeunque uadit. Sic") et dfif nofter ih's xpe ueruf') panthera omne humanum genuf*) quod a diabolo captum fuerat et morti erat obnoxium • per incarnationem fuam ad fe trahenf ■ K™ ) duxit captiuitatem ■ dedit dona hominibuf. 20 ornni P otenfT u rd ne - Cai :- enf , in , ter P retat " r - Sic et ***>) a demon"bu caotuT /, fr °—humanum genuf») fimul nn™,i cof P ydohfque maneipatum ■ omnefque cum n, P m P n } PrCda diaboli effectof defeendit de celo ZTranZ ^ Car _ nacion tf *ue odore • et eripuit nof • fequi- 25 orXt l d ?«f' EgnUm q-ocumque ierit. Impleturque SÄ A ^^ fum inc l uit P ant ^ra huic effraim • et ™ te ° i 0mU1 lude - q > Ac per hoc fignificabatur iamtunc quando effrem ydohf feruiebat quod uocatio gentium et Plebif mdeo rum debuerat per aduentum spi') impleri. 30 S„fi f ri°uw L GLN 9J W - e )fP«lunclf FGLNOVW. <) et remanet /. GL VW. *) eum FGLNOVW. ») Sic bis dfii ulrtutum / *•• ) uera f. *) genuf humanum FGLNOVW. * dnf FGW : Z7oTT7bLNnVW V ^ ") g -uf humanum FOLNOVW. 35 f ) xp° / p/' FGLN0VW - p ) e«m /. FGLNOVW. 1) iuda /»f. dedit H A ' u' * ; Afcend enfin altum captiuam duxit captiuitatem- " e au dona hominibuf Vßl. Ps 67 10 *\ De 5 U ■ JZ l . m ■ 4 an leana Ephraim, et quaü catuluf leonif domui Juda. 20 II- ur >d ni. Der ältere und der jüngere Physiologe Et quia panthera uarium animal eft' fignificat xpm qui*) eft inconprehenfibilif fapientia * totuf fimplex ■ totuf bonuf" mitif et clemenf' firmuf et ftabilif'et diuerfa fapientia fulgenf. Nam') et fpeciofum eft animal panthera. Ita 5 et xpc ueluti dauid dicit in fpiritu. Speciofuf 2 ) forma pre f iliif hominum. Ergo et manfuetum eft animal b ) ficut yfayf de xpo dicit. Gaude 8 ) et letare filia fyon quoniam rex tuuf ueniet tibi manfuetuf' et faluanf. Et quia illud animal b ) cum faciatum fuerit ■ ftatim quiefcit et dormit' 10 ita et dnf nofter ih'c xpc poftquam fatiatuf eft iudaicif illufionibuf • id eft flagellif") * alapif • iniuriif' contumeliif . fpinif fputaminibuf ad ultimum cruce fufpenfuf • clauif affixuf' feile et acetopotatuflanceaqueperforatuf eft.Hifitaque d ) mu- neribufiudeorum faciatuf xpc dormiuit ac requieuit in fepul- 15 cro defcendenfque in infernum religauit illic draconem mag- numhumani 6 ) generif maximum etantiquiffimum') inimicum. Quod autem tercia die illud animal poft facietatem et fomnum furgit • et rugitum magnum emittit' et flagrat odor fuauitatif ex ore eiuf ■ fignificat quod dnf nofter*) 20 ih's xpc tercia die refurgenf h ) a mortuif impleuit pro- phetiam de eo per 1 ) Dauid fcriptam. Excitatuf*) eft in- quienf k ) dfis 1 ) dormienf tamquam potenf™) crapulatuf a uino. Statim 11 ) exclamat ita ut in 5 ) omnem terram audiretur uox et in fines orbis terre uerba eiuf dicendo. Gaudete 6 ) 25 iam et nolite timere ego uici mundum. Et iterum. Pater quof 7 ) dedifti mihi cuftodiui' et nemo ex hif periit ■ nifi filius perditionif. Et rurfum. 0 ) Vado 8 ) ad patrem meum ") Nam/. FGLNOVW. b ) animal/. P. °) flagellif K«tf etaceto/. P. d) namque FGNOVW. e ) generif humani FGLNOVW. ') antiquum 30 FGNOVWJ. L. t) nofter bis xpc /. P. ») fureenf FGLNOVW- l) per bis fcriptam /. P. k) inquit FGOVW / /. LN. ') dn(f. PLO. m ) potenl) potenf et quafi FGOVW; et quafi auch N. °) Statimque P. «) iterum FGLNOVW. *) Vgl. Sap. 7, 22 f. *) Ps. 44, 3: Speciofuf forma prae 35 filiif hominum. *) Thren 4, 21: Gaude et laetare filia Edom. Matth. 21, 5: Ecce rex tuuf venit tibi manfuetuf. Js. 62, 11: Ecce, Saluator tuuf uenit. *) Ps. 77, 65: Et excitatuf eft tamquam dormienf Dominuf, tamquam potenf crapulatuf a uino. 5 ) Ps. 18, 5 (= Rom. 10, 18) • In omnem terram exivit fonul 40 eorum et in finef orbif terrae verba eorum, •) Joh. 16, 33: confi- dete: ego vici mundum. 7 ) Joh. 17, 12: Quof dedifti mihi cnfto- divi et nemo ex eif periit, nifi filiuf perditionif. ') Joh. 20, 17: Afcendo ad patrem meum et patrem veftrum, deum meum et deum veftr-im. vgl. Joh. 14, 12: quia ego ad patrem vado. II. und III. Der ältere und der jüngere Physiologus 21 et patrem ueftrum • d'm meum et d'm ueftrum. Iterum 1 ) autem ueniam ad uof ■ et non dimittam uof orphanof. Item in fine euangelii ■ fic dicebat. Ecce s ) ego uobifcum fum omnibuf diebuf ufque ad confummationem feculi. Et quid odori») huic fuauiuf uel b ) dulciuf effe poteft 5 odori 0 ) dni noftri ih'u xpi odorari") • ita ut omnef qui prope per fidem et per opera funt et qui adhuc fragilitate grauati • longe funt audiant uocem eiuf repleti et recreati fuauiffimo odore mandatorum eiuf • requiri- muf eum femper fequendo • clamantef cum propheta. 10 Quam 8 ) dulcia faucibuf meif eloquia tua dne fuper mel et fauum ori meo. Et in canticif canticorum. In*) odore ungentorum tuorum currimuf ■ adolefcentule 6 ) dilexerunt te mmif. Et paulo poft. Introduxit 6 ) me rex in cubi- culum fuum• exultabimuf et letabimur in te*). Oportet 15 ergo nof ficut adolefcentulaf») ideft in h ) xpo animaf in- novatai ) et per baptifmum ad nouitatem uite ueninentef poft ungenta*) mandatorum eiuf 1 ) currere, m ) ut n ) a terre- ml ad celeftia migremul et 0 ) ut nof introducat rex in pa- latram fuum. ideft in celeftem hierufalem ibique exul- 20 tantef dicamuf. Gloriofa 6 ) dicta funt de te ciuitaf dei. »icut audiuimuf ita et uidimuf in ciuitate dni uirtutum. 3. (XVI) DE VNICORNI. ft et aliud animal quod grece dicitur monocerof ■ la- tine uero unicornif. Phifiologuf dicit hanc unicornem») 25 habere naturam*) et quod fit pufillum animal • et eft rteoojimile ' acerrimumque habet etiam r ) in capite unum PGl °VWl h f c f-pNNOVW. b) aut FGNVW. ac L. et 0. •) odori fr,„ h . /• r, 'f;°^ re N0 - d )odorari /. FGLNOVW. •) adole- te™^\ellS mrnrff. FGLNOVW. «) in te PLN- cum eo FGOVW. 30 ') adolefcentnlaf] laf lotaf P. h) in xpo /. P. •) innouataf /. P. Fr n r g Mnuur FGLN0VW - Viuf/.P. ^JurramufFGLOVW.^ct rjfJ-NOVW. o) et /. FGLNOVW. v) unicornum PE. «) naturam ^hanc PE. r) etiam f FGLNOVW. „ r .' J°k- J4 > 3: iterum venio. Joh. 14, 18: Non reliquam vos 35 orphanof: veniam ad rot. «) Matth. 28, 20: et ecce, ego vobis- »\ p /?„ ommbuf . diebuf, usque ad consummationem faeculi. ) s. 118, 103: Quam dulcia faucibuf mei eloquia tua fuper Trah 0 " me °' 4) Qant '' 2 f- : ideo adolefcentulae dilexerunt te. et h mC : P ° ft te curremuf in odorem unguentorum tuorum. 4 10 • 40 ! ° a ° r un S ue ntorum tuorum fuper omnia oramata. 6 ) Cant. 1,3- •1P, ii tmerei '" cellaria fua: exultabimuf et laetabimuf in te 1 rs. Ü6, 3: Gloriofa dicta funt de te, civitaf dei. 22 H. und III. Der ältere und der jüngere Physiologus comu • atque nulluf uenator eum capere poteft. Sed hoc argumento capiunt illum ' ducunt puellam uirginem in a ) illum locum ubi moratur' et dimittunt eam ibidem folam. Ille autem ut b ) uiderit eam • falit in finum uirginif'et S complectitur eam • ficque comprehenditur et perducitur ad 0 ) palacium regif. d ) Sic*) et dnf nofter ih'f xpc fpiri- talif unicornif de quo Dauid dicit. Et*) dilectuf f icut filiuf unicornium ' et iterum') Exaltabitur s ) ficut unicornif cornu meum. Et Zachariaf. Sufcitauit B ) eum in nobif 10 cornu falutif in domo Dauid. Et in deuteronomio moyfef benedicenf tribum iofeph ita: Filiuf 4 ) meul primitiuuf h ) tauri fpecief eiuf • cornua rinocerotif) cornua eiuf. Quod autem unura cornu habet fignificat hoc quod xpc dicit. Ego 5 ) et pater unum fumuf. Caput 6 ) autem xpc d'f. 15 Acerrimum autem quod dicit eum k ) id eft quem neque 7 ) prin- cipatuf neque poftatef ■ nee troninec dominationef intellegere potuerunt. nee infernuf tenere ualuit. Pufillum eft animal propter incarnationif eiuf humilitatem" dicente ipfo. Difcite 8 ) a rae quia mitif fum et humilif corde. Qui in tantum eft 20 acerrimuf') ut fubtilifTimuf diaboluf intellegere et inuefti- gare eiuf incarnationif™) myfterium non ualeat. n ) Sed fola uoluntate patrif defeendit in uterum uirginif et 9 ) uerbum caro factum eft et habitauit in nobif. Quod autem fimilif eft hgdo unicornif • fignifiact faluatorem qui ut ait°) apo- 25 ftoluf * factuf 10 ) in fimilitudinem p ) carnif peccati dampna- uitque in carne peccatum. a ) locum in illum E. b ) ut] mox ut FGLOV. •) regif ad palacium P. d ) regum E. e ) Sir. bis in carne pecatum f. E. ih'f xpc /. P. ') rurfum FGLNOVW. «) Sufcitabit enim in P. »>) pr i m0 - 30 genituf NO primitiuf GW. ') monocerotif FNO- k ) eum vor quod P. 1) acer P. ■») incarnationif eiuf FGLNOVW. n ) ualuit P, ua- leat NV, ualet FGOW, ualeret L. °) apoltoluf ait FGNOW. P) fimili- tudine PVW. ')Ps.28, 6:et delictuf quemadmodum filiuf unicornium. ') Ps.91, 35 11: Et exaltabitur licut unicornif cornu meum. *) Luc. 1, 69: et erexit cornu falutif nobif in domo Dauid. *) 5. Mos. 33, 17: Quafi primogeniti tauri pulchritudo eiuf, cornua rhinocerotif coruna illiuf. s ) Joh. 30, 10: Ego et Pater unum sumuf. °) /. Kor. 11, 3: caput vero Chrifti, deuf. 7 ) Kol. 1, 16: fWe throni, five domi- 40 nationef, five. prineipiatur five poteftatef. 9 ) Matth. 11, 29: et difcite a nie, quia mitif fum et humilif corde. 9 ) Joh. 1, 14, vgl. S. 18,9. 10 ) Rom 8, 3: Deuf filium fuum mittenf in fimilitudinem carnil peccati, et de peccato damnavit peccatum in carne. II. und III. Der ältere und der jüngere Phyiiologus 23 4. (XIX) DE YDRO. Eft et animal aliud") • quod eft in nilo flumine et uoca- tur ydrif.*) Phyfiologuf dicit de eo quoniam fatif hoc animal inimicum eft corcodrillo') et hanc habet confue- tudinariam naturam. Cum uiderit corcodrillum in litore 5 numinif dormientem ore aperto ' uadit et uolutat fe in luto quo poffit faciliuf inlabi in faucef ■ uenienfque inf iliet in of corcodrilli • qui fubito uiuum tranfgluciet. Hidruf d ) autem dilanianf omnia uifcera eiuf exit uiuuf de") uifceri- buf eiuf corcodrillo iam mortuo ac difruptif omnibuf 10 intraneif eiuf. Et') fignificatmortem etinfernum uel unum- quemque inimicum faluatorif • qui tarnen affumpta noftra mortali«) carne defcendit in infernum et difrupit omnia uifcera eiuf eduxitque pene omnef qui ab eo deuorati tenebantur in morte exprobranfqueilli h )' ubi 1 ) eft inquienf 15 uictoria tua °T et iuxta prophetam. O») morf ero morf tua • morfuf tuuf ero inferne. Quia 3 ) et corpora multo- rum fcorum cum xpo eo tempore furrexerunt. 5. (XII) DE SYRENIS ET ONOCENTAURIS. De 1 ) fyrenif et onocentaurif ita dicit yfaiaf k ) pro- 30 pheta. Sirene 4 ) et demonia faltabunt in 1 ) babilone ■ et firene et onocentauruf habitabunt in domibuf eorum. Vniufcuiufque figuram ita m ) phifiologuf difieruit. Sirene inquit animalia funt mortifera' que a capite ufque ad umbilicum figuram femin? habent. Extrema parf uique 25 ad pedef uolatilif imaginem tenet atque muficum quod- dam dulciffimum melodig carmen canunt per quod homi- ») aliud (f. F) animal FGLNOW. *) ydrof F, ydruf OV, hidruf GW. °) cocodrillo FLNV, SO immer. *)hydrif E, ydriiN, ydrof F. •Jdeuifceribufeiuf/.Pf. ») Et Ötslurrexerunt/. E; tarnen/. P. ')mor- 30 tali carne] mortalitate P. h ) mortl FGLNO VW. ') De bis eorum/. E. k ) Ifaiaf/. P. 1) in bis habitabunt /. FGLNO VW. m ) phifiologuf ita (f. F; ita igitur G) EGLOVW. l ) I. Kor. 15. 55. Ubi eft morf victoria tua. ') Os. 13, 14: ero morf tua, o morf morfuf tuuf ero, in ferne. •) Matth. 27, 52: 35 et multa corpora fanctorum, qui dormierant furrexerunt. ») Is. 13, 21 f.: Sed requifcent ibi (sc. Babylon) beftiae et replebuntur domus eorum draconibuf, et habitabunt ibi struthionef, et pitofi falta bunt ibi: et relpondebunt ibi ululae in aedibuf eiuf, et firenel in delubrif voluptatif. 34, 11: Et poffidebunt illam onocratuluf et 40 encius . ... 34, 14: et occurrent daemonia onocentauris . . . 24 II- un< I HI. Der ältere und der jüngere Physiologus nef nauigantef decipiuntur . ita ut fepe a ) per b ) auditum demulcentef fenfumque delinientef") in foporem uertun- tur. Et tunc ille uidentef eof cffe fopitof inuadunt et laniant d ) carnef") eorum. Sic 1 ) igitur decipiuntur et illi 3 qui diabolicif pompif et theatralibuf uoluptatibuf delectati uel tragediif muficif foluti et uelut fomno mentif grauati efficiuntur aduerfe uirtutif auidiffima preda. Eodem B ) autem h ) modo onocenthauruf duabuf conftat') naturif ut phifiologuf' afferit. k ) Nam fuperior parf homini fimilif 10 eft • pofteriorque afino 1 ) fimilif m ) " et natur;i eiuf ualde agreftif. Per") hunc affimilantur bicordef 0 ) ■ et bilinguef hominef ■ moribuf informef p ) habentef l ) fpeciem pietatif . uirtutem'eius abnegantef • ut q ) propheta r ) dauid dicit Et') homo 2 ) cum in honore effet non intellexit comparatuf eft 15 iumentif infibientibuf et fimilif factuf eft illif. 6. (XVIII) DE HYENA. Eft et aliud animal quodgrcce*) dicilur") hiena • latine v ) uero belua. De w ) qua lex dicit. Non 3 ) manducabif hienam ■ neque quod fimile eft ei. Dictum eft et per 20 efaiam prophetam. 4 ) Spelunca 1 ) biene hereditaf mea. Phifiologuf hinc y ) narrat quoniam") duaf naturaf habeat. a ) Aliquando quidem mafculuf ■ aliquando femina b ) eft et ideo immundum animal") eft. Cui fimilef eftimati funt d ) filii ifrael qui primum d'm") uiuum f ) coluere ' poftea 25 ») perfepc FGL VW. b ) per/. FL. °) dilaniantef PE. d ) laniunt PE. e ) corpora E. ') Sic bis preda / E. «) Eo GLNO VW. h ) autem f.FGLNOVW. ') naturif conftat FGLNO VW. k ) dicit PN. I) afini PV. m ) fimilif eft P. n ) Per bis illif f. E. °) uecordef GLVW. P) biformef P. ij ficut GLVW; f. 0; ut bis dicit /. NE. r ) pro- 30 pheta bis dauid /. P. — fcriptum eft GL VW; in P wohl alter Fehler, der dem Archetypus angehörte, oder stand ursprünglich dicitur? s ) Et /. PL. ») greci FNVW. u ) dicunt FGNVW. T ) la- tine bis belua /. FGLNOVW. w . De bis mea/. E. *) Spelunce FGLNOVW. 5") hunc P, narrat/. P. «) quod FGLÖVW. a ) habent N, 35 habet P. t>) femina] quidem femina GNOVW. *) animal/ P; eft bis uiif fuif/. E. d ) / P. e ) dnm FGLNOVW. f ) fuum GW. l ) 2. Tim. 3, 5: habentef fpeciem quidem pietatif, vii tutem autem eiuf abnegantel. *) Ps. 48, 21; homo, cum in honore effet, non intellexit: comparatuf eft iumentif infipientibuf et fimilif factuf 40 eft illif. ») Wo? *) Vgl. Jer. 12, S: Facta eft mihi heredltos mea quafi leo in filva. II. und III. Der ältere und der jüngere Physiologus 25 luxuria et uoluptatibuf dediti • ydola coluerunt' uel qui nunc auaricie J ) ftudent quod eft feruituf») fimulacrorum • comparantur beftie huic. b ) Sic et inmunda 0 ) fulica que nee uir nee femina effe dicitur ■ id eft ■ nee fidelif) nee perfiduf-Sed ficut falomon ait.*) Vir») duplex corde 5 mconftanf eft in omnibuf uiif fuif. 7. (XXI) DE ONAGRO. Eft et aliud animal quod dicitur onager. Phifiologuf dicit fic') de eo.s) Q u j a XXV. h ) die menfif faminoth 1 ) qui eft martiuf duodecief in nocte rugiet fimiliter et in k ) 10 die tuneque cognofeitur quod equinoctium fit et dief noc- telque ex numero horarum adequantur. Onager 1 ) figuram gent J diaboli. Q u i cum feiret noctef coequari hoc eft cum uideret quod gentium populuf 8 ) qui ambulabat in tenebrif conuerfuf eft ad integram lucem 11 ) ■ xpm feilieet • 15 rugit per fingulaf horaf die 0 ) noctuque querenf efeam luam quam perdiderat. Neque rugiet aliquando nifi quando efeam querit. Sicut p ) iob dicit. Numquid*) fine caufa clamabit onager agreftif • nifi pabulum defideranf 1 ^ et apoftuluf. Vigilate") 5 ) inquit quia aduerfariuf uefter 20 diaboluf cireuit querenf quem deuoret ■ ficut') leo rugienf. 7a. (XXII) DE SIMIA. Similiter") fimia*) figuram habet diaboli ■ quia ficut limia caput habet et caudam non habet • et licet fit tat- piifimum animal ■ tarnen per pofteriora eiuf turpior et 25 hornbihor e rit. Ita ») et diaboluf caput quid em habuit cum «) fimulacrorum (ydol. 0) feruituf FGNO VW.', f. L. *) huic beftie P. ) »»munde fulice P *) perfldufnec fidelif F. •) dicit FGLNOVW. ) lic f. tULNOVW. e) eo] eo ita FGVW. h ) XXI PF, ulce fima C. ') phamynöth L, faminolt G, faminoht W. k ) in /. GLOVW. 30 l °-^ a Af\n,i S ™S ienf /• E -> Onager igitur FGLNVW.' m ) diaboli '} / ' 3 ' 5: et avaritiam ' quae eft fimulacrorum fervituf. *\ l'a' 8 ' V " du P lex animo in conftanf eft in omnibul viif fuif. na u 2: Po P uluf ' 16 - *> J° b - 6 > S: Num quid rugiet onager, cum habul 40 uerf r r am - 6) L Petr - ö > 8: Sobrii eftote et vi g« a te, quia ad- dev t Vefter ai,lbolu, ' tamquam leo rugienf, cireuit, quarenf quem 26 n. und III. Der ältere und der jüngere Physiologus effet angeluf archangeluf a ) in celif ■ fed quia ypocrita et dolofuf erat intrinfecuf perdidit • caput nee*) caudam habet * quia ficut ab inicio a celo proiectuf perierat' ita et in fine totuf peribit ' cum omnibuf 0 ) qui feeuntur eum. Sicut d ) et 5 preco xpi pauluf dicit de eo. Quem 1 ) interficiet dns e ) nofter') ih'c xpe fpu orif fui. 8. (XXXIV) DE ELEPHANTE. Item eft beftia elefanf nomine. Phif iologuf dicit de eo quoniam intellectum magnum habet in fe * Concupifcentiam 10 vero coituf*) minime in h ) fe habere dicitur. Tempore autem fuo cum uoluerit filiof proereare ' uadit in orientem cum femina fua ufque in proximum paradyfi. Eft autem ibidem 1 ) herba mandragora nomine de cuiuf fruetu femina prior deguftat ' et tunc mafculum illuc deducet ■ ut per- 15 fuafuf manducet. Poftquam uero manducauerint ambo conueniunt fibi ftatimque coneipit. Cum autem uenerit tempuf pariendi pergit ad lacum magnum et ingreditur ufque ad ubera fua k ) " et ibidem parturit fuper 1 ) aquam • et hoc propter draconem facit qui m ) infidiatur pullif 20 eiuf et Uli") ipfi. Mafculuf uero 0 ) non recedit a femina fua • fed cuftodit eam fuper ftagnum aque parientem propter ferpentem qui eft inimieuf elefantif. Ifti p ) enim q ) duo elefantef mafculuf et femina figuram habent adam et eu§ qui erant in paradyfo d'i ante preuaricationem 25 gloria circumdati nefeientef ullum malum non coneupif- centie defideria nee cornmixtionif coitum/) Cum ergo de interdieta arbore guftauit mulier dedit uiro fuo') • qui manducanf feduetuf eft. Tunc preeipitati funt de paradyfo in hunc mundum quafi in ftagnum aquarum multarum. 30 *) archangeluf] et arch.N;f. 0; archangelufque FLV, archange- lorum GW. b ) nee caudam] caputque nee P. c ) hominibuf FGLOW- *) Sic P. •) döf /. P. f ) nofter /. PGLVW. «) carnif FGLOV. h) in fe /. PL, nach habere E. «) ibi PO. k ) eiuf FLVW; f. NO. ') fuper aquam /. E. m ) qui infidiatur /. PE. n ) illiuf PE. 35 °) autem FGLNOVW. D ) Ifti bis quaeunque parte /. E. i) enim] ergo GLNOVW; f. E. ') cogitum GW. ') f. P. l ) 2. Thess. 2, 8: Et tunc revelabitur ille iniquuf, quem domi- nuf Jefuf interficiet fpiritu orif fui. II. und ITI. Der ältere und der jüngere Physiologus 27 Quod aque») aliquando prefenf feculurn fignificat b ) propter diuerfaf perturbationef et uoluptatef • dauid inf inuat cum dicit. Saluum 1 ) me fac°) d's quoniam intrauerunt aqu? ufque ad animam meam. Et alibi. Expectanf *) expectaui dnm et refpexit me et eduxit me de lacu miferie et de 5 luto fecif. Cum ergo profecti d ) funt in hunc miferie lacum cognouit 3 ) adam uxorem fuam euam") et genuit cain f )Jn luto fecif. Ideoque piuf et mifericorf dnf nofter*) ih'c xps defcendenf de finu patrif affumpf it carnem noftram et ) eduxit nof de lacu miferie et de luto fecif ■ ftatuenfque 6 ) 10 luper petram pedef noftrof. Inmifit in of noftrum canticum nouum dicenf. Sic 6 ) orabitif. Pater nofter qui ef in celif et cetera. Hoc") ymnum docuit nof ipfe qui ftatuit 1 ) fupra 7 ) petram pedef noftrof, Petra autem erat xpc dicente k ) apoftolo. D'f 8 ) autem pacif fancti- 15 ficet uof ad perfectum • ut integer fpc uefter et anima et corpuf fine querela in aduentu 1 ) dni noftri ih'u xpi feruetur. Quid autem offa et pellif elefantif faciant dicam. In quocunque enim loco uel domo fuerint fuccenfa m ) odor eorum expellit inde ftatim") omncm ferpentem uel quod- 20 cunque animal uenonofum. Sic denique mandata dei et Pia 0 ) opera faciunt fi accenduntur in corde hominif effu- gant omne opuf ueneniferum diaboli in quacunque parte. 9. (II) DE AVTVLA. ™ et animal p ) autula nomine accerrimum nimif' ita 35 a ) aliquando aque GLNOVM. *) fignificat /. P. •) fac /. P. j£ r °J! cti P - e ) euam f. P. l) cain /. P. er) nofter bis xpc. /. P. 1>) Hunc fULNOVW. 1) ftatuit nach petram FGONW;f. V. k ) dicente apoftolo /. FGLNOW. l )&ü\izntumFGW.™)™ceni?LFGLNOVW. n )fta- 30 tim omnem /. P. oj p i a et P. p) animal] animal aliud E, aliud animal O. ) Ps. 68, 2: Salvum me fac deuf, quoniam intraverunt aquae ufque ad animam meam. ') Ps. 39, 2 f.: Expectanf expectaui dominum et intendit mihi. Et exaudivit preces meas et eduxit 35 me de lacu miferi§ et de luto faecif. ») /. Mos. 4, I: Adam vero cognovit uxorem fuam Hevam; quae concepit et peperit Cain. ' v gl< Anm. 2. 6 ) Ps. 39, 3: Et ftatuit fuper petram pedef meof, «\ M reXit greffus meof et immifit in of meum canticum novum. .) Matth. 6, 9: Sic ergo vos orabitif: Pater nofter, qui ef in caelif. 40 ) vgl. Anm. 5. 8 ) /. Thess. 5, 23; Ipfe autem Deuf pacif fanctl- ncet Tof per omnia ut integer fpirituf vefter et anima et corpuf fine querela in adventu domini noftri Jefu Christi fervetur. 28 H- un d HI- Der ältere und der jüngere Hhysiologus ut nulluf*) uenatorum ei poffit b ) appropinquare. Habet enim cornua longa in fimilitudinem ferre quibuf fecare 0 ) poteft maximaf d ) quercuf. Condenfa et fuperflua queque arborum incedendo fecat in nullo refiftenf. Quando 5 vero fitierit nenit ad flumen magnum eufraten et bibit. Sunt autem ibi e ) uirge uiticee fubtilef et mollef. Incipit autem illud f ) animal ludere s ) cum uirgulif illif et inlu- dendo h ) femetipfum 1 ) obligat cornu " obligatufque am- bobuf cornibuf uociferat cum rugitu quia euadere non 10 poteft gracilibuf uirgulif) circumfeptuf ■ et tunc quilibet uenatorum abfconfe 1 ) audienf uocem eiuf currit ■ et ligatum inuenienf occidit eum. m ) De qua re et tu n ) qui profitearif abftinentiam confifuf cornibuf tuif ■ abfcidifti forte detrac- tionef') ' cupiditatef * libidinef • ideft 0 )' fecularem p ) f iluam 15 et pompam diaboli' congaudent tibi angelice uirtutef. Duo cornua duo funt teftamenta ' fed noli ludere cum uino in quo eft luxuria ne q ) te obligef") et") incidaf in mufcipulam 2 ) diaboli') qui te uidenf obfeptum uitio occidit • Vir autem fapienf et prudenf a uino et muliere fe 20 auertit. u ) (III) Sunt autem v ) duo lapidef w ) ignari mafculuf et femina. Tu autem x ) profeffor intellige multof periiffe 3 ) propter uinum et feminam 7 ) et 1 ) cautuf efto ut faluuf fiaf. 10 (IV) DE SERRA. Eft et animal in mari quod dicitur ferra fpinaf habcnf 25 prope fe Iongioref ' et cum uiderit nauef uelificantef enatat ad eaf erigenfque pennaf et caudam uelificat ficut nauif et contendit econtra. Cum autem diu fecerit talia pennaf ad fe reuocat quia et laffitudine et unda a ) •)nec ulluf EFGLVW. h )poteft EFGW. °) fecari PE. «) ma- 30 xima (I) P. •) ibi /. PE. f J illud animal] et illud an. NOV; et an. illud GLW; et /. L. f?) ludere vor illud E. >>) ill u - dendo PE. ') obligat femetipfum FGNOVW. k ) uirgultif PE. ') ab- fconfuf LV; abfcondituf GW. m ) cum bis faluuf fiaf f. E; cum /. FGLNOVW. n ) tu] tu homo GW. ») ideft /. FGLNOVW. 35 P) filuam fecularem FGLNOVW. 1) nee FGLNOVW. ') obligaf P. ») ne L, ut NO. ') aduer farii FGNVW. u ) auertet P. t) e „im FGLNOVW. ")laquei V. x ) ergo FGLNVW. T) feminas FGLNOVW. *) et /. P. ») unde PE. ') Vgl. 2. Kor. 12, 20; I. Pet. 2, 1? 2 ) Vgl. Sap. 14, 11t 40 •) Vgl. Ecclus. 19, 2. II. und Hl. Der ältere und der jüngere Physiologus 29 reuocatur in priftinum locum. Mare a ) itaque fignificat hunc mundum Nauef funt b ) prophete et apoftoli qui tran- fierunt hunc mundum et uicerunt aduerfariaf poteftatef aerif huiuf. Serra uero que non potuit perfeuerare cum nauibuf fignificat eof qui tcmporaliter profitentur abfti- 5 nentiam fed non perfeuerant ufque in finem cum fcif - qui ad portum 0 ) celeftif patrie mari uicto peruenerunt. d ) //. DE UIPERA. Aliud") item exemplum dictum eft ad pharifeof huiuf- cem °di f j rem protendenf. Progenief l ) uiperarum quif 10 oitendit uobif fugere a uentura ira f Phifiologuf dicit') de uipera ita. h ) Quando coitum facit mafculuf infert of e 'uf in feminam ' et illa deglucienf fernen abfeidit uirilia ei ufdem') mafeuli et moritur ftatim. Intellege ergo quid k ) taciat coneubituf meretriciuf. 1 ) Cum autem creuerint ca- 15 tuli in uentre uipere m ) * perforant mordentef latuf eiuf ' et iic exeunt mortua") matre. Vipere 0 ) autem p ) comparati lunt pharifei obfcenif operibuf et defideriif feruientef occiderunt parentem xpm ■ et matrem ecclefiam perfecuti funt. Item in euangelio dnf q ) dicit. Eftote 2 ) ergo pru- 2C dentef f icut ferpentef et reliqua. Phifiologuf ita r ) dicit. Iriafunt generaferpentium s )adnocendum. Primum quando fenuerit inpedimentum habet oculorum ut non uideat. Sed*) uide quid faciat.°) Jeiunat enim T ) XL diebuf et XL noctibuf • donec laxetur pellif eiuf"tunc*) uadenf querit 25 excifum 1 ) petre et per ipfum tranfitum facit fieque ex- poliatur y ) et iuuenefeit. Angufta 2 )') porta") et arta uia a ) Mare bis peruenerunt/. E. b ) funt /. P. e ) portam GN. rt ) perue- nere P. ») Aliud bis ita /. E. ') huiufmodi P. «) dicit /. P. ") ita] fic L, fua FGW,f.hOV. ') eiufdem mafeuli] eiuf/». k ) quod 3ü P- l ) mertrieif GOW. m ) uiperam FGLNOVW. n ) matre mortua P- °) Vipere bis reliqua /. E. P) autem /. FGLNOVW- «) dnf /. FQOVW, vor in L =ipfe N. *) iterum E.; f. FGLOVW. ") fer- pentium ad nocendum] uiperarum nocencium FGLNOVW. ') fed uide]fine P, fedue E, uide /. O. u ) f aciat] f aciat aduerte PF. T ) enim 35 /• PEO. w ) tuneque FGLNOVW, *) exciflum FGLNVW, feiffuram 0. T) exfpoliatur PELW. *) Angufta bis uitam /. E. ») porta /. P. l ) Matth. 3, 7: Progenief viperarum, quif demonftravit vobif fugere a Ventura ira? ') Matth. 10, 16: Kftote ergo prudentef ficut ferpentef et fimplicef ficut columbae. *) Matth. 7, 14: Quam 40 a, igufta porta et areta via eft, quae duclt ad vitam: et pauci "Klt| qui inreniunt eam. 30 tk und III. Der ältere und der jüngere Physiologus eft*) que ducit ad uitam. Secunda natura draconif eft quando pergit ad bibendum euomit b ) omne priuf uenenum fuum in fpelunca uel°) fouea. Imitemur d ) et nof huiuf- cemodi draconem ut quando ueniamuf aquam bibere ' id 5 eft " diuinof fermonef in ecclef ia dei audire non äff eramuf nöbifcum puluereaf et maculofaf fecularefque concupif- centiaf ■ fed emundatif") concupifcentiif noftrif per humi- lem et per') ueram confeffionem ingrediamur templum dni orantef et pfallentef in cordibuf noftrif dno. Tercia 10 uero B ) natura draconif talif eft ut cum uiderit hominem h ) nudum timenf fugit 1 ) eum ' Si autem ueftitum pro- fpexerit infiliet fuper eum. Et k ) nof prudentef intelle- gamuf quando erat 1 ) pater nofter in paradifo nuduf non preualebat aduerfuf eum diaboluf ferpenf antiquuf. 12. DE LACERTA. Eft et uolatile animal quod lacerta dicitur darum ut fol. Phif iologuf dicit de eo quia quando fenuerit utrifque oculif impeditur ■ ita ut nee folif lumen uideat. Sed fue nature huiufmodi m ) preftet") medicamentum. 0 ) Inquirit 20 parietem attendentem contra ortum folif et p ) per fo- ramen exienf q ) apertif oculif renouatur fic. Et r ) tu homo qui ueteri tunica indutuf ef quando oculi tui") cordif cali- gentur') •jquere locum intellegibilem ■ fed") ad orientem uerfuf et ad folem iufticie xpm dnm noftrum te conuerte. 25 cuiuf 1 ) nomen orienf dicitur quatinuf oriatur in corde tuo per l'pm fem et lucem') mifericordie fue oftendat tibi qui 8 ) illuminat omnem ueinentem T ) hominem in hunc mundum. ») eft vor porta FGLNOVW- b ) euomet;omne /. PE. ») uel] fua FGLNOVW. d ) Imitemur bis noftrif dno /. E. e ) mundatif 30 FGLNOVW. 0 per ueram] puram P. «) uero /. P. h ) nudum hominem FGLVW. l ) fugiet EGL. k ) Et bis antiquuf/. E. ») pater nofter erat FGLNOW, erat, /. V. m ) huiufeemodi FGLNOVW. D ) preftat L W, prat FN. °) medicinam P. p) et per foramen /. PE. 1) exieul] exientem et PE, exieuf et F, exit et LGW, exiit 35 et V. ») Et bis mundum /. E. ») tui /. P. *) caligantur V, calin- guntur 0, caligant LN, caligent F. u ) fed ad nur P; uerfuf orientem die Uebrigen. T ) uenientem f. P; nach mundum FGVW, hominem uenientem LNO. *) Zach 6, 12: Ecce Vir Orienf nomen eiuf. J ) Eccli 36, 1: 40 et oftende nobif lucem mifferationum tuarum. ') Joh. I;9: Erat lux vera, qua« illuminat omnem hominem venientem in hunc mundum. II. und III. Der ältere und der jüngere PhysiologüS 31 13. (XXX) DE CERUO. Legimuf») in pfalmo 1 ) • Ceruuf») defiderat ad fontef aquarum et cetera. 0 ) Duo enim funt d ) genera ceruorum. Vnum eiuf) quod') ftatim«) ut inuenerit ferpentem ■ in cauernam h ) ubi latitat flatum inmittit ut exeat et etrre S dientem') a d k ) Collum eiuf 1 ) percutienf hinc et inde oc- cidit ferpentem et ra ) deuorat. Poftea autem propter tumorem") currenf ad aquaf puriffimaf uenenum euomit Sed propter hoc") tarnen») püof mutat et cornua abicit. Nee non et a paribuf fuif proieitur ■ ufque dum iterum 10 reuemtur Ifte*) ceruuf fig Uram penitentium tenet ■ quia pemtentef conftringuntur intrinfeeuf confeientia pecca- torum • et uadunf) ad fontef- id eft • ad doctrinam ferip- turarum) fonfque proieientur») • quia legregant fe per pemtentiam a corpore et fanguine xpi ufque dum reci- IS pmntur per reconciliationem facerdotif. Aliud genuf ceruorum eft qui fi inuenerit ferpentem oeeidit eum et ltU UlC l m r pCtit adT ) montem ubi Pabulum inueniat. oic ) et unufquifque fSf-ut afentit diabolum in fe uel aiiol uenena male perfuafionif infundentem cum uir- 20 3 C " m lnt erncere ■ id eft ■ a fe proieere ftudeat et«) i« ) ad ) montem • id eft ■ 5q3iH pabulum anime querat.») 14. (XX) DE CAPREA. caprel** D^^ l"° d grece dicitu r b ) dorcon, latine autem - ' _ hac PhiHologuf dicit quia amat montef altof 25 ceruul l '/y lm o U i f r tv ge ?f, ra J Duo g en e ra funt E. *) ceruuf] Heut ceruorum £ ft 0 f L1 ™ W ' d ) «52« ^ OOW, funt nach FGLNOVW swta f U F==eCt GN0V > eif W - *> 1 ui E >- f- FGLNCi hl .. 1 m Ut] ut cum FGL W > cum 0 V, ut N. ») cauerna fGLNnvw S n - e ^} S GN0 Regredient! L, egreoienf FV. ") ad /. 30 f. PE X f ] eiuf £ F GLNOVW; percutientL PE. ■») et deuorat rern Ö 1 V^T P °OVW. °) hoc tarnen] hunc tumorem (timo- /. Fni\rniÄi,' ! amen nach Sed p !f- 1" q ) Nec bis reuertitur FGLW ? W \ \) Ifte f' P ' Ifte 6« facerdotif/. E. •) cadunt SSV™' ^gYnoTw^ k GL ? w - a) *w p > proi - 35 FGIVW l\ '■' (jI -NOVW. ") Sic bis querat /. E. *) et /. S'J^^' f - R *> ad J et ad V, q" e L - •) An querat Des J- Chtn L ein län Serer Passus (Inc.: Dlcuntur cerui.. -» ^"°«" 36 > 466 f b ) dorcon dicitur FGNOVW. 40 •qu2rum' S "ita / d P nrf- Q . Uemadra0dum defiderat cervuI ad fontef * ' lta defiderat amma mea ad t«, Deuf. 32 EL ,3Ii <* HI, Der ältere und der jüngere Physiologus et pafcitur*) in conuallibuf 1 ) montium. Eft enim b ) fatif preciofum animal preuidenf omnia a longe nimif bene * ita 6 ) ut fi in alia regione hominef uiderit ambulantef mox recognofcit f i f int uenatoref uel uiatoref. Sic d ) et dnf 5 nofter ih's xpc amat excelfof montef hoc eft patriarchaf prophetaf et e ) apoftolof omnefque fanctof. Et ut in can- tico canticorum dicitur'). Ecce 8 ) fratruelif meuf ficut*) caprea uenienf hoc eft dnf nofter ih'f xpc qui pafcitur in ecclefia • per opera pietatif qug faciunt fidelef'ut in 10 euangelio fuo dicit. Efuriui 3 ) et dediftif mihi mandu- care h ) et reliqua que ibidem enumerantur laudabilia. Conuallia uero montium ecclefiam per diuerfa locafigu- rant ut in canticif canticorum. Conuertere 4 ) fratruelif meuf et fimilif efto capree hinnuloque ceruorum ' fuper 15 montef conuallium. Quoniam igitur acutiffimam aciem oculorum 1 ) habet caprea profpicienfque a longe uena- torum infidiaf. Significat xpm dilm nostrum ut fcrip- tura dicit. Quoniam 5 ) d's fcientarium dnf eft. Et alibi. Excelful *) dnf et humilia refpicit et alta a longe 20 cognofcit et ficut prudentiffimuf prouifor creaturarum k ) quaf creauit ad honorem fui nominif profpicit uidet et regit. Et antequam in laqueum 7 ) incidamuf diaboli nof intentiuf prouidendo contegit. Sed ne telif cogitationum premamur annuit nobif alta montium petere ' ideft fenfuf 25 diuinorum eloquiorum difcutere ut inde quafi in fpeculo confideremuf quid 1 ) placeat quidue m ) difplaceat in nobif ipfif conditori noftro. Nam ficut caprea uenatorem ' ita ») pafcetur PE. l>) »utem FGLNOVW. ") ita /. PE. d ) Sic bis filium hominif /. E. e ) et /. PLO. ') dicit GLNO VW. «) ficut 30 caprea] in capita P. h ) oibum FLNV. ') aciem oculorum FGVW, aciem habet ocul. NO. k ) creaturam quam FGLNOVW. ') quod PG. m ) quidue difplaceat /. P. ') Vgl. Ps. 103, 10. ') Cant. 2, 8 f.: Vox dilecti mei, ecce, ifte venit falienf in montibuf, tranfilienf collef: Similif eft dilec- 35 tuf meuf capreae hinnuloque cervorum. ") Matth. 25, 35 f.: efurivi enim, et dediftif mihi manducare: fitivi, et dediftif mihi bibere: hofpef eram, et collegiftif me: nuduf, et cooperuiftif me: infirmuf, et vifitaftif me: in carere eram et veniftif ad me. Vgl. ib. 25, 42 f. «) Vgl. Anm. 1. J ) /. Reg. 2, 3: Nolite multipli- 40 care loqui fublimia, gloriantef: re-edant vetera de ore veftro, quia Deuf fcientiarum Dominuf eft, et ipfi pneparantur cogita- tionef. •) Ps. 137, 6: Quoniam excelfuf üominuf et humilia refpicit, et a'ta a longe cognofcit. ') Vgl. 1, Tim. 3, 7; 6, 9. II. und III. Der Uta u„d 4« jang „. c Ph ,,,„, ogn< 33 75. (XV) DE VVLPE. Vulpif eft animal dolofum et fraudulentum nimif Cm, s efunent et non inuenerit^ n „~A j * ™,' Um 5 terram') ac*) uolutat l* r manduC ^ et * re 37. Tollenf ergo Jacob virgaf populeaf viridef, et am ygdalinaf, et ex platanif, ex parte decorticavit eaf; detracifque 40 corticibuf, in hif, quae fpoliata fuerant, candor apparauit; illa vero quae integra fuerant viridia permanferunt; atque in hunc inodum color effectuf eft vnriuf. 8« 36 II. und III. Der ältere und der jüngere Physiologus et tolle 1 ) corticef earum ficut fecit iacob " et ita decorti- cataf mitte in aquaf ut pariant ouef tue fpiritalef f§tuf b ) ' non carnalef ac uiciofof fed purof et uniformef. Hec autem fpiritalibuf intelligibilia funt. Si autem non cre- 5 dideritif non intelligetif. Item natura formice tertia ' cum enim tempore meffif in fegetem ambulauerint ■ ex olfactu proprio 0 ) intelligunt utrum ordeum uel triticum fit in agro ordeum fi fuerit tranfit ad aliam fpicam oderaturque d ) et fi fenferit fpicam triticeam afcendit in cacumen") illiuf 10 colligenfque *) granum ex eo deportat humerif propriif ad habitaculum proprium. Ordeum*) enim h ) brutorum animalium eft cibtlf}) Fuge enim ordeum o homo dci hoc eft doctriham k ) hereticorum ■ Ordeacia enim funt pro fqua- loribuf proicienda que difrumpunt moref et interficiunt 15 animaf hominum. Fuge igitur fabellium feu marcionem 1 ) fuge manicheum caue nouatianum et montanum fuge m ) ualentinum") bafilidem macedonium fotinum et omnem 0 ) arrii p ) ftirpem qui omnef) fetorem r ) draconif fpargunt ubique. Horum 8 ) omnium') dogmata falfa atque inimica 20 funt ueritati. 18. (XIII) DE ERICEO. Philiologuf dicit de ericio") ita. Erinatiuf autem T ) habet lactei circuli quandam fimilitudinem et eft deforif fpinofuf. Tempore autem uindemiarum ingreditur in w ) 25 uineam et ubi uiderit uuam bonam feandit ' per 1 ) uitem et exaeinat uuam ita ut cadat in terram. Tunc y ) ille defeendenf uolutat fe fuper acinof ita ut fpinaf fuaf com- pleat 1 ) acinif fieque efeam portat filiif fuif. Tu tt ) ergo homo dei b ) cuftodi 1 ) uineam tuam diligenter") et omnel 30 *■) tolle /. P. b ) fruetuf P. «) pruprium P. d ) oderaturque bis fpicam /. PE. •) culmen FGLNOVW. ') eolligenfque bis proprium /. FGLNOVW. «) Ordeum bis ueritati /. E. h ) enim /. FGLNOVW. l ) eibuf/. allen Hss. k ) doctrina/. FGLNW. ') mar- tianum P. m ) fuge f. P. n ) ualentinianum P. °) omnem f. P. p) arii 35 ftirpem] arufpicem FGLNOVW. 1) omnif 0, omnem N. ') fetoref GW. •) eorum JV = horumque GVW. *) hominum FGLNOVW. u )iricio£. ") autem f. FGLNOVW. w ) in/. P. «) fuper FGLNOVW. *) Tunc bis fuif auf R. P. z ) repleat FGLNOVW; acinif/. P. ») Tu bis fpiritalium /. E. b ) dei /. FGLNOVW. °) diligenter/. FGLNOVW. 40 ») Vgl. Cant. 1, 5. II. und III. Der ältere und der jüngere Physiologus 37 fructuf fpiritalef nee ta oecupent iftiuf feculi follicitu- dinef et corporalium uiciorum uoluptatef ne forte fpinofuf diaboluf exfpargat omnef fructuf tuof ut cor affigat») aculeif fpinarum • id eft uiciorum et faciat te efeam beftiif terre et remaneat uinea b ) tua nuda et uacua. Congrue 5 igitur phifiologuf natural* animalium expofuit cum") in- telligentia d ) feripturarum fpiritaliurn. 19. (VIII) DE AQUILA. Dicit") dauid in pfalmo CIL 1 ) Renouabitur ut aquile f ) iuuentuf tua. Phifiologuf dicit Aquilam talem naturam 10 habere ut quando fenuerit grauentur«) ale eiuf et h ) oculi eiuf obdueuntur caligine. Tunc uero qugrit 1 ) fontem aqu§ uiue et contra fontem euolat in altum ufque ad aethereum k ) ignem folif ibique incendit alaf fuaf fimul et caliginem 1 ) oculorum fuorum emendat. Surgenf autem de radio folif 15 demum defeendit in fontem ac tertia m ) uice 11 ) fe mergit ftatimque renouata eft. Ergo 0 ) et tu homo dei iudeuf fiue gentilif quia p ) ueftimentum habef uetuf 9 ) et cali- gantur oculi tui r ) cordif quere 8 ) fenfum fpiritalem dni qui dixit. Nifi 2 ) quil renatuf fuerit ex aqua et fpu fco 20 non poteft introire in regnum dei. Si ergo baptizatuf fuerif ex aqua et fpü fco tunc renouabitur ut aquile') iuuentuf tua. Item feuf auguftinuf 3 ) de aquila ita") dif- feruit dicenf. Cum autem fenuerit aquila crefeit Uli roftrum fuperiufid eft beccuf T ) ex w ) quo tunc impeditur mandu- 25 & ) affligat LNO. b ) "ita P. °) cum] ad FL, feeundum V;f. GWNO. d ) intelligentiam FGLNOVW. °) Dicit bis tua /. E. ') aquila PO. ' ) grauantur P (vielleicht das Echte vgl. Mann Kap. V11I). h ) et oculi f. P. 1) requifierit PE. k ) aethereum ignem] aerem PE, ignem FGLNOVW(vgl. 38,7 aberauch44,3undMannKap. V7//adethe- 30 reamfolif). 1 caliginem vor emendat P. m) tribuf LGOVW. n ) uicibuf LGO VW— in eo E. °) Ergo bis tua /. E. P) qui FGLNO VW. 1) ue- terem P *\ tui f P *) feeundum FGLNOVW. ') aquila P. ») ita] et ita E v) id eft beceuf (vgl. A. Holder, Altkeit. Sprachschatz 1 364, W. Meyer-Liibke Rom. etym. Wb. Nr. 1013)] peceuf N, 35 ad pectuf F, ufque ad pectuf 0. w ) et P. ** '. ') Ps. 102, 5: renovabitur ut aquilae inventuf tua. *) Joh. 3, 5: J«fl quif rHTätuf fuerit ex aqua et fpiritu (aneto, non poteft introire w regnum dei. ') Augustinus zu Ps. 102, S (= MSL. 37, 1323 f.). s 40 38 D. und III. Der ältere und der jüngere Physiologus carc. Pergenf autem ad petram frangit a ) illum ficque manducat et uiuit quam diu d's uult. Sic b ) et nof per- cutimur ad petram 0 ) ideft xpm. Per roftrum intellegitur uetuf tunica quam de adam taximuf. Renouamur autem 5 in baptifmo et poftea poffumuf corpuf dni fumere. d ) Item hieronimuf 1 ) refert quod quando aquila fenuerit petit altiora celi hoc eft ufque ad ignem gthereum fumenfque de illo comburit alaf fuaf. Sicque cadenf in nidum fuum arefcit per pennaf fuaf' et pafcunt eum pulli fui ufque 10 dum renouatur.") Sic et f ) nof per graciam fei fpf con- burimur et arefcunt uitia et peccata noftra Interim*) ufque dum ueniamuf in futuro ad renouationem perpetuam. 20. (VI) DE PELICANO. De pellicano dicit dauid in pfalmo CI h ) Similif factuf 15 fum pellicano in folitudine. Phifiologuf dicit de eo quod nimif fit 1 ) amanf filiof fuof. Cum autem genuerit natof fuol et ceperint crefcere percutiunt k ) parentef fuof in faciem. Parentef) vero repercutiunt m ) eof n ) et occidunt filiof fuof. Tercia autem die mater eorum percutienf 20 coftam fuam aperit latuf fuum incumbitque °) fuper pullof fuof et infundit fanguinem fuper corpora p ) mortuorum ■ ficque cruore ipfiuf fanantur refufcitati pulli. q ) Ita et diif nofter ihc xpc per efaiam prophetam dicit ■ Filiof 3 ) genui r ) et enutriui") ipfi autem me fpreuerunt. Quof) igitur 25 auctor et conditor nofter omnipotenf d's creauit et cum non effemuf fecit nof ut effemuf' nof uero econtrario percuffimuf eum in") faciem/) Et quomodo non w ) per- cutimuf 1 ) eum* cum 7 ) in confpectu eiuf potiuf creatur§ ») frangit] et frangit E. *>) Sic bis fumere /. E. °) petram id 30 eft /. P. d ) fumere] comedere vor corpuf FGNOVW; communi- care corpori dni L. e ) Mit renouatur bricht E ab. ') et /. FGNO W; que V. *) interim /. P. h) CI /. PN. ') amanf fit LNVW = amat O. k ) percutiunt] percutientef lacerant FGLNOVW. ') Parentef uero] Uli autem FGLNOVW. m ) repercutientes P, repercu- 35 «endo FGLNOVW (vgl. Mann Kap. VI). n ) eof et/. FGLNOVW. o) incumbitque bis fuof /. FGLNOVW. p ; corpora mortuorum] eof P. q) pufilli P. r ) genui et /. P. ») exaltaui FGLNO VW. ») Nol FGLNOVW. u ) in faciem /. P, in bis eum /. L. T ) faciem bis in /. GW. ■*) non /. 0. x ) percutimur P, perculfimuf FNOV. 40 y) cum in confpectu] qula 0, •) Hieronymus in Is. 40, 27 (*x MSL. 24, 426 D f.). ») Ps. 101, 7: Similif factuf fum pellicano folitudinif. ') Is. 1 } 2: Filiof enutrivi et exaltavi: ipfi autem fpreverunt me. II. und III. Der ältere und der jüngere Physiologus 39 feruimuf*) quam creatori. Idcirco in crucem afcendere dignatuf eft percuflbque latere eiuf exiuit 1 ) fanguif et aqua in falutem noftram et uitam eternam. 21. (VII) DE NOCTICORACE. In eodem pfalmo b ) dicit dauid ' Factuf*) fum ficut 5 nocticorax in domicilio. Nocticorax inmunda auif eft et magif tenebraf amat quam lucem. Ergo conuenientef fignificat iudeof qui adueniente dno ih'u xpo a fe repu- lerunt prefentiam eiuf dicentef. Non 8 ) habemuf regem nifi cefarem hunc autem 0 ) nefcimuf quif fit. Ideoque 10 pluf dilexere d ) 4 ) tenebraf quam lucem • et propterea dnf dignatuf eft ad gentef fe conuertere et inluminauit") nof fedentef in tenebrif 5 ) et in regione umbre') mortif lux orta eft riobif. De hoc populo faluator per prophetam dicebat Populuf 6 ) quem non cognoui feruiuit mihi. Et alibi' 15 Vocabo 7 ) non plebem meam plebem meam et non dilectum dilectum. Econtra de populo iudeorum dictum eft ■ Filii 8 ) alieni mentiti funt mihi et claudicauerunt a femitif fuif. 22. (XXIII) DE FULICA. /, Eft et uolatile quod dicitur fulica ' fatif intelligibile 20 et prudentiffimum fuper omnia uolatilia que uolant fuper terram. Nam nee ullo cadauere uefeitur neque aliunde uolanf uel oberranf fed in uno loco commoratur*) ibique permanenf ufque in finem fuum h ) in eodem loco efeam et quietem habenf ficut 1 ) et dauid dicit Fulice 9 ) domuf dux 25 ») feruiuimuf FGLNOVW. *) pfalmo /. P. e ) nefcimuf autem qui P. 4) dilexerunt GV, dilexerint L. ') illuminat P. f ) umbre f P. 8) commoratur bis loco / PO. k ) fui FNVW. l ) Sic P. ') Vgl. Joh. 19, 34. s ) Ps. 101, 7: factuf fum ficut nyeticorax in domicilio. 8 ) Joh- 19, 15: Non habemuf regem, nifi Caefarem. 30 *) Joh. 3, 19: et dilexerunt hominef magif tenebraf quam lucem. s ) Vgl Anm. 3 auf S. 25. 6 ) Ps. 17, 45: Populuf, quem non cognovi, lervivit mihi: in auditu aurif obedivit mihi. ') Rom. 9, 25: ficut in Ofee dicit (vgl. Osee. 1, 10; 2, 24): Vocabo non plebem meam, plebem meam: et non dileetam, dileetam: et non mifericordiam 35 confecutam. mifericordiam confecutam. 8 ) Ps. 17, 46: Filii alieni mentiti funt mihi, filü alieni inveterati funt, et claudieaverunt a femitif fuif. ») Ps. 103, 17: fulicae domuf dux eft eorum, vgl. inten xu 111 22, 1 f. 40 II. und III. Der ältere und der jüngere Physiologua eft eorum. Sic ergo") omnif b ) fidelif habet agere id eft ut non oberret 0 ) cibum hereticorum querenf nee fecularibuf defideriif inhereat ut auef auiditati d ) que carnibuf uef- euntur • fed 6 ) femper in uno loco id eft in ecclefie catholice 5 domo cum omni puritate ufque in finem permaneat ibique pafeitur *) non folum pane fed et omni uerbo dei. 23. (XXVI) DE PERDICE. Eft item uolatile quod perdix 1 ) dicitur fraudolentum nimif. Sicut et fpf fcf per hierimam prophetam dicit g ) ■ 10 Clamabit 2 ) perdix et congregabit ea que non peperit faciet fibi diuiciaf non cum iudicio. In medio autem dierum derelinquent eum et in nouiffimif fuif erit ftultuf. Phifiologuf dicit fatif aftutam efle perdicem ■ que aliena oua diripiat hoc eft perdieif alteriuf que corpore fouit 15 proprio. Sed cum ad lumen perdueuntur pulli h ) audiunt- que uocem matrif recedunt ab ea qua foti funt et ue- niunt ad propriof parentef amore feilieet quodam modo inftineti. illa uero perdice a qua foti 1 ) funt nichilominuf inani et ftulta permanente. k ) Sic et diaboluf nimif frau- 20 dolentuf • dum creatori omnium crealuram 1 ) ad imaginem fui m ) formatam rapere conatuf eft eofque aliquo modo rapienf qui fenfu carebant fpiritali fouit n ) eof in diuerfif uitiif. 0 ) Sed mox ut uocem predicantif audierunt redierunt ad propriof parentef ad xpm feilieet et ecclefiam ibique 25 eterno amore complexi diabolo ftulto et inani ab hac preda relicto fouentur. p ) 24. (XXVIII) DE ASSIDA. Item eft animal quod affida dicitur quodque gr§ci ») ergo] que FNOW. f V. b l oFnf fidelef debent P. °) oberrat 30 P. d ) auiditate N, auide GLOVW. •) fed / FGLNOW. *) dicitur perdix FGANOVW- *) dixit FNVW. h ) pufilli auditaque uoce P. ') foti /. P. k ) remanente FGLV, remanet NO, remanente W. ') creaturarum PGO- m ) luarn FGLNOVW. n ) fouit] ac fouit P. o) uitiif] diuitiif FNOW, deliciif V. P) fouentur /. P. 35 *) Maith. 4, 4: Non in folo pane vivit horao. fed in omni verbo, quod procedit de ore dei a ) Vgl. Jer. 17, 11: Perdix forit, qiine non peperit; fecit divitiaf. et non in indicio; in dimidio dierum fuorum derelinquet eaf, et in noviflimo fuo erit infipianf. II. und III. Der ältere und der jüngere Physiologus 41 ftruciocamelum *) nominant ■ latini autem camelum uocant. De ifto ftrutione hieremiaf propheta dicit. Et 1 ) affida in celo cognouit tempuf fuurn. Phifiologuf dicit quod uolatile fit fed non uolanf' pedef quidem habet camelo b ) fimilef ideoque greci ftruciocamelum 0 ) uocant latini d ) 5 camelum. Hoc ergo animal ita facit ut quando tempuf uenerit ut oua pariat eleuat oculof fuof in celum et in- tendit diligenter ftellai illaf ") que uergilie*) dicuntur ui- denfque eaf afcendentef et fic ponit oua fua. De hif ftellif dicit et iob. Qui 2 ) fecit uergiliaf*) ad dextram h ) 10 et feptentrionalem et promptuaria auftri. Eo enim tempore ideft quando fegetef florent et eftuf nimiuf') eft apparent ftell§ ifte. Tunc k ) affida uidenf uergiliaf) af- cendiffe ' fodit in terram et abfondit oua fua fub fabulo illiuf heremi. Cum uero fecefferit a loco illo obliuifcitur 15 et non redit ad oua fua. Eft enim hoc animal naturaler obliuiofum et ideo tempore eftatif generat oua et obruit m ) ea harenif ■ ut quod ille n ) facere debuerat ideft federe fuper oua fua et flatu proprio pullof coram pro- ducere. hoc 0 ) temporif p ) tranquillitaP») et r ) aerif*) tem- 20 perief) preftare") uidentur T ) ut w ) ftatim ut ab eftu cale- facta harena excoquat oua et excludat pullof. Si ergo affida cognofcit tempuf fuum et eleuat oculof fuof obli- uifciturque pofteritatif fue quantomagif nof oportet agnof- cere tempuf noftrum ~f Eleuatifque oculif cordif noftri 25 que retro 3 ) funt obliuifcentef ' iuxta apoftolum ad defti- "■) ftrucionem FGLOVW, ftructionem N. b ) fimilef camelo FGLNOVW. °) ftrucionem FGLOVW, ftructionem N d ) latini camelum /. P. •) illaf /. P. ') dicuntur uirgilie GNOVW. «) uir- giliaf FGLVW, uirgilia NO. h ) dexterum FGLNOVW. ') eft ni- 30 miuiFGLNOVW. k ) Tuncque PN. Ouergilia/'uirgiliafFGZ.jVOKW/; n ) obiuet P. n ) illa GLVW. °) Hoc] Hoc eft N. P) temporif] tempore PN, tempus GL VW, temperie F, arena 0. q ) tranquilli FGLNOVW. ') et /. allen Hss. ») aerif /. F. «) temperief/. GLNVW, temporif F, tempore 0. a ) facere O. T ) uideatur 35 FGLNVW, uidetur 0. w ) ut ftatim] uidelicet FGLNOVW. *) Jer. 8, 7. ') Vgl. Job. 9, 9: qui facit arcturum, et Oriona, et hyadaf et interiora auftri. ') Phil. 3, 13: Unum autem, quae quidem retro funt oblivifcenf ad ea vero, quae funt priora* extendef meipfum, ad deftinatum perfequor, ad bravium supernae 40 vocationis dei in Christo Jefu. 42 H. und III. Der ältere und der jüngere Physiologus natum tendamuf brauium fupern§ uocationif. Et dilf in euangelio. Qui 1 ) arnat inquit patrem aut*) matrem auf) fratref b ) fororcfque 0 ) uxorem aut filiof pluf quam me non eft me dignuf ' Et alibi ■ Sine 2 ) mortuof fepelire mortuof 5 fuof' tu autem annuntia regnum dei. 25. (X) DE VPUPA. d ) Scriptum eft 8 ) quippe in lege honora 8 ) patrem tuum et matrem et reliqua. Phifiologuf dicit Eft auif que dicitur upupa cuiuf filii cum uiderint quod parentef eorum 10 fenuerint et pro') caligine cernere non potuerint delin- gunt K ) oculof parentum ac fouent eof fub alif fuif ufque dum renouantur in ftatum priorem et qua mente funt qui parentibuf propriif honorem debitum non perfoluant. ^ 26. (V) DE CALADRIO. h ) 15 Eft et uolatile quod dicitur caladriul hie feribitur in deutronomio *) non manducanduf. Phifiologuf dicit de eo quia totuf albuf eft nullam partem nigri habenf. Cuiuf interior fimuf oculorum caliginem curat. Quifquif autem egritudine detinetur 1 ) per hunc uolucrem agnofei folet 20 utrum uiuere an mori debeat. Si ergo infirinitaf aderit k ) ad mortem mox 1 ) faciem fuam caladriuf auertit ab nomine illo et non dubitant™) quin moriatur homo ille. Sin autem fpaffare 11 ) debet intendit in 0 ) eum diligenter p ) a ) aut /. P. *>) fratres] fratres aut GNOW. c ) que] aut NO 25 /• G. d ) Das Kapitel De upupa /. P. e ) quippe eft GW. h pre GN, poft L. «) diligent G, delingent FL. h ) caradriuf FGLNOVW (so immer). l ) detinebitur P, tenebitur GW. k ) erit P,additur L, eft O. ') mox /. P. ■>>) dubitent GVW, dubitetur F, dubitur L. n ) fpaffare bedeutet nicht fpafmum habere, wie 30 EDUmmler MG. Poet. tat. II 718 zu fpaffat in Heitos Visio Wettini erklärt, sondern „mit dem Leben davon kommen"; vgl. die Glosse fpaffat kinifit bei Graff. ahd. Sprachschatz II 1098 und Mann Kap. V : fi . . infirmitaf . . non pertingit ad mortem)] fupereffe jV euadere 0. °) in eum /. FGLVW. p) dili- 35 genter /. P. l ) Matth. 10, 37: Qui amat patrem aut matrem plus quam me, non est me dignus, et qui amat filium aut filiam fuper me, non eft me dignus. Vgl. Luc 14, 2b. 5 ) Matth. 8, 22: Sequere me, et dimitte mortuof fepelire mortuof fuof. s ) 2. Mos. 20, 12: 40 honora patrem tuum et matrem tuam, ut fif longaevuf fuper ter- ram, quam dominuf deuf tuuf dabit tibi. *) 5. Mos. 14, 18. II. und III. Der ältere und der jüngere Physiologus 43 caladriuf et accedenf of fuum ponit fuper of hominif ac flatu fuo extrahit omnem infirmitatem hominif 8 ) intra fe uolanfque b ) tunc in itinera folif et acubanf °) in infirmitate difpergit infirmitatem et fit incolomif. Sic et xpc de fe ipfo teftatur. d ) Venit 1 ) enim princepf mundi e ) huiuf 5 et in me non inuenit quicquam. Quippe') qui 2 ) peccatum non fecit nee inuentuf eft doluf in ore eiuf. Venienf autem ipfe ad infirmum populum iudeorum diuertit fe ab eo et conuertit faciem fuam ad gentef noftraf*) tollenf infirmitatef portanfque peccata noftra exaltatuf in h ) cruce. 10 afcendenl autem') in altum captiuam duxit captiuitatem dedit dona hominibul. 8 ) In fua uenit et fui eum non reeeperunt. Quodquot autem reeeperunt eum dedit eif poteftatem filiof dei fieii. Nam fi k ) eft aliquif dubitanf cur inmunda animalia ad xpi fignificationem referantur 15 ut ferpenf • draco ■ leo ■ et aquila et hif fimilia ' (ciat quod quando 1 ) fortitudinem et regnum xpm ' quando uero m ) rapacitatem diabolum fignificant. 27. (IX) DE FENICE. Eft et uolatile quod fenix dicitur cuiuf figuram gerit 20 dnf nofter ihc xpc qui dicit in euangelio fuo. Poteftatem 4 ) habeo ponendi animam meam ' et n ) iterum fumendi eam. Nemo eam tollet a me. Propter hcc°) uerba irati funt iudei. Eft p ) itaque q ) hec auif in indie partibuf De ea dicit pbifiologuf quia expletif quingentif annif uite fue 25 intrabit in lignum libani r ) repletque ambaf alaf fuaf di- ») hominif /. P. *>) que /. GLNOVW. °) aceubenf FLOVW; aecumbenf N. d ) proteftatuf eft FGLNOVW. e ) huiuf mundi FGLVW. f ) Quippe /. FGLNOVW. *) tollenf noftraf FGLNOVW. h ) in] eft in FOW. ') autem /. FGW. k ) fi eft] ficut GLO. ') quan- 30 do bis xpm /. P. m ) uero /. PN. ») et] et poteftatem habeo GW. °) hec] hec enim LG VW. P) Eft bis in] Eft enim aquata uel itaque ignotum in P. Die La. von FGLNOVW. ist aber auch kaum richtig, vgl. Plin. n. h. 10, 3 f. «) itaque] autem N. ') libarii P. l ) Joh. 14, 30: venit enim princepf mundi huiuf, et in me non 35 habet quicquam. s ) /• Petr. 2, 22: qui peccatum non fecit, nee inventuf eft doluf in ore eiuf. *) Eph. 4, 8: Afcendenf in altum captivam duxit captivitatem : dedit dona hominibuf. Joh. 1, 12: quotquot autem reeeperunt cum, dedit eif poteftatem filiof dei fieri. *) Joh. IC, 18: poteftatem habeo ponendi eam, et poteftatem habeo 40 iterum fumendi eam. 44 H. un d HL £> er ältere und der jüngere Physiologus ucrfif aromatibuf eiufdem ligni ' facienf) uariif de pig- mentif clufum b ) nidum et congregat farmentorum aceruum maximum fubtuf ponenf 0 ) domum. accedenfque ad aerem folif ignem attrahit fecum et incendit farmenta ac ingre- S ditur in nidum fuum menfe faminothi d ) id eft marcio et conburit fe ipfum et cinif prima die uertitur") in uermem • fecunda die in uolucrem. Tercia uero die reuocatur in priftinum ftatum. Hec auif fignificat xpm utrifque alif odore fuauiffimo repletif f ) id eft ueterif et noui teftamenti. 10 Sic*) 1 ) erit et fcriba in regno celorum qui profert de thefauro fuo noua et uetera. M facienfque FGLNOVW. b ) claufum FGLOVW. ») domum ponenl FGLNOVW. d ) faminoth GW, famoth F, phaminoth L, faminoth V. •J primo die uertetur P. ! ) repletif/. P. «) Sic bis uetera/. G. Mit Ka- 15 pitel 27schließen GVW, F schließt noch zwei Kapitel (De fala- mandra undDe cerafte) an, ebenso P (De pauone «»dDecoruo); N sieben Kapitel: (de fimia, de uulture, de turture. de ceto, Sunt lapidef pyropoli, Agatif lapif, Adamantinuf lapif). Aehnlich auch L und 0. 20 l ) Matth. 13, 52: Ideo omnif Scriba doctuf in regno eaelo- rum, fimilif eft homini patrifamiliaf, qui profert de thefauro fuo nova et vetera. Heimat und Verfasser Nr. II • Ob man aus den MSD IP 411 zusammengestellten sprachlichen Unterschieden zwischen Kap. 1 — 8 einerseits und Kap. 9 — 12 andererseits auf zwei „Verfasser" schliessen darf, lasse ich dahingestellt. Man könnte auch an zwei „Schreiber" der Vorlage denken. Jedenfalls ist die Heimat der Ueber- setzung auf alemannischem Sprachgebiet, möglichst nah der südrheinfränkischen Sprachgrenze zu suchen. Kelle LG. 11 62 trifft wohl ganz das Richtige, wenn er auf die Schwarzwaldklöster und vor allem Hirschau als Pflegestätten der Physiologusliteratur hinweist. Einige sprachliche Eigentümlichkeiten des älteren Physiologus weisen auf Grund der von H. Fischer im Atlas zur Geographie der Schwäbischen Mda. verzeichneten modernen Verhältnisse in die Hirschauet Gegend, so die Assimilationen von hs zu ss in wahfen 8,5 (vgl. Fischer Karte 20, doch auch AfdA. 21, 261 f.) von nd und ng zu n(n) (Fischer Karte 19, vgl. auch II. und III. Der ältere und der jüngere Physiologus 45 W. Braune ahd. Gram* §§. 126 Anm. 4 und 128 Anm. 3) und das g für älteres w in uzfpiget //, 17 (Fischer Karte 16). Nr. III : Der jüngere Physiologus gilt allgemein als bayrische Arbeit, doch sprechen dagegen die Formen der 2. Pers. Flur, auf -ent Kapp. 7, 13; 16, 16 f.; 17, 7. In der Wiener Genesis fehlen solche Formen ganz, in der Wiener Exodus findet sich eine einzige 97, 34 wizzend (wohl Schreibfehler). Diese Formen auf -ent müssen als ein Hauptkennzeichen des Schwäbisch- Alemannischen angesehen werden. Sie treten regelmässiger seit Notker auf, finden sich in Sangallner Glaube und Beichte II, im St. Trudperter Hohen Lied, in den Münchener alemannischen Predigtfragmenten, den Züricher Predigten, den Basler Predigtbruchstücken, der alemannischen Evangelienübersetzung, Alkuins Traktat, den Rheinauer Gebeten, den Gebeten und Benediktionen von Muri und Engelberg, Nokers Memento mori, im Scopf nach demL ohne, in der schwäbischen Trauformel und in den alten Reinhartbruchstücken. Auch in Keiles Speculum ecclesiae steckt schwäbisch-alemannische Arbeit. Die vereinzelten Formen auf -en in den Windberger Psalmen (vgl. P. Wallburg, Ueber die Windberger Interlinearversion der Psalmen, Berlin 1888 S. 58) erklären sich aus der alemannischen Endquelle des Werkes. Die auf bayrisch- österreichischem Gebiet geschriebene Milstäter Hs. kennt in Genesis und Exodus keine 2. Pers. PI. au] -ent. Im Gedicht vom Recht 4, 19 wird vernement = vernemen zu fassen sein (vgl. 13,12; 16, 1 ; 21, 22), dagegen ist in der Hochzeit mugent 19, I ; 19, 22 und wellent 40, 24 belegt. Im gereimten Physiologus und im verlohrenen Sohn fehlen wieder die -ent-Formen. In der Voraucr Hs. weist das Gedicht von der himmlischen Jerusalem am Schluss 372, 4 habent und 372, 9 wol- tent auf. Das Gedicht mit V. Michels für nordbayrisch zu. erklären, halte ich angesichts der Tatsache, dass wir nicht einmal scharf zwischen Schwäbisch und Bayrisch im 12.Jhdt. scheiden können, für zu kühn. Scheinbar sind die -ent-Formen nur in der Vorauer Kaiserchronik: 11, 31 wellent (gegenüber wellet samt- 46 n. und III. Der ältere und der jüngere Physiologus licher anderen Hss.J: zellen ist ein Reim fürs Auge und 385, 25 redent ist abgeschwächt aus redinot und in dieses schon des Verses wegen wieder zu ändern. Dagegen weist der Vorauer Alexander -ent-Formen auf: 194, 7; 196, 11; 203, 17; 204, 1; 210, 4; 210, 7; 221, 25; 225, 18. Diese fallen aber nicht dem Vorauer Schreiber zur Last, sondern stammen aus der rheinfränkischen Vorlage, denn in Rheinfranken und den daran angrenzenden Teilen des Ostfränkischen finden sich seit alter Zeit -en(t)- Formen. Besonders aufdringlich erscheinen sie im rheinfr. Hamburger Jüngsten Gericht. (Vgl. ferner J. Franck, Afr. Gr. § 200 Anm. 2 und W.Dobbek, Untersuchungenz. Würzburger Liederhs. Greifswald 1910 S. 35). In sämtlichen übrigen Stücken der Vorauer Hs. finden sich nur 2. Ps. Flur, auf -et. K. Weinholds Satz Bair. Gr. § 337 „Die 2. Fl. in -ent begegnet allerdings in bair. älteren Schriften, aber selten, und der Zweifel an der dialektischen Begründung ist erlaubt", hat also volle Berechtigung. Daher trifft die Charakterisierung Schwäbische Arbeit in bayrischer Umschrift wohl das Richtigere. Literarisches: Von einer literarischen Nachwirkung von Nr. II ist nichts bekannt. Dagegen war Nr. III die Quelle für eine ziemlich stümperhafte assortierende bayrisch-österreichische Umarbeitung, die in der Mil- stäter Hs. erhalten und von Th. G. v. Karajan Deutsche Sprach-Denkmale des zwölften Jhdts. Wien 1846 S. 73 bis 106 herausgegeben ist. Das Gedicht ist illustriert; Reproduktionen bei Karajan auf 32 Tafeln. Der Text von Nr. III, der dem Verfasser der assonierenden Bearbeitung vorlag, war noch fehlerfreier als der der Wiener Hs. und enthielt wohl auch die in der Wiener Hs. fehlenden Bilder. — Ein anderer, ebenfalls kümmerlicher Versuch, der vielleicht auch auf Nr. III fusst, aber nicht weit gedieh, findet sich auf Bl. 436 v. der Schäftlarer Hs. Clm. 17195 von einer Hand des ausgehenden 12. Jhdts. eingetragen. Ich lasse das kleine, wohl assonierende Stück folgen: Der onoccntauruf bezeichinot def wir haben michele not. die zwifkelen zungen an unfern ebenchriftenen die da fint unftate. unde machenz gerne gebage. daz pilede II. und 1U. Der ältere und der jüngere Physiologue 47 der göte fi habent. unde auer der werche niht ne pfie- gent. Nu fculen wir iu zellen. fon dem ainhurnen. er | ift ein tier lucil gelich ainine cizze iz ift fnel unde chune. unde ift mit eineme hörne. Iz nemach nehain man. mit nihte geuahen. wan mit fogetanen liften alfo ich iu nu wil fagen. Man nimet ein maget. ude. Erläuterungen: Zu Nr. II. 1, 1—3 fehlen im lat. Text; sie gehen vielleicht auf ein in der Quelle befindliches Rubrum zurück. — 1, b ti bis bezeichenint wohl unter Einfluss von 1,2. — 1,9 bis 11 setzt die Fassung der Gruppe P der lat. Quelle voraus. — uuaz = uuas vgl. W. Braune Ahd. Gr. 3 § 168 Anm. 2. — 1,12 mit MSD IP 409 eine Lücke im lat. Text anzunehmen, ist unnötig. — menisgemo, zur Schreibung MSD zur Stelle, J. Kelle, Otfrid Band II 507; W. Braune § 146 Anm. 3; Scoph. 6, 16; 7, 17. 2, 6 ez in er zu ändern ist bei der Freiheit, mit der hier der Uebersetzer waltet, nicht nötig. — 2, 9 uordtal wäre vielleicht doch zu belassen und als vortal (vgl. z. B. 1, 6 trotinin) zu fassen. — 16 fchonero, anders C. v. Kraus Deutsche Gedichte zu I 107; doch hat Sandhi zur Voraussetzung, dass fch noch sk gesprochen wurde; s. ferner ders. Zs. f. östr. Gym. 1892 S. 1104. 3, 4 min vgl. Weinhold mhd. Gr.* § 493, K. v. Amira MSB. phil. Cl. 1903 S. 218; Scoph. 5, 34. 4, 9 = lat. Text 23, 15 bis 16. 5, 2—4 = lat. Text23,23 bis 27. „Das Missverständnis des deutschen Bearbeiters setzt einen Text voraus, in welchem a capite fehlte und an der Stelle von extrema parte usque ad pedes einfach inde stand". (MSD.) Ich weiss nichts Besseres, obwohl mir die Erklärung nicht ganz behagt. — Nach G. Milchsacks freundlicher Mitteilung bietet der Cod. 148 Gud. Lat. 4° (Weissen- burg) an Stelle des Kapitels über die Sirenen: De firenif (rot). Sirene funt marinae puell§ que nauigantef pulcherrima forma et cantu dicipiunt dulcedinis. et a capite ufque ad umbilicum funt corpore uirginali et humano generi fimillime fcamofaf tantum pifcium caudaf habent quibus in gurgite femper latent. Es handelt sich um ein Stück aus dem über monstrorum (vgl. M. Haupt, opuscula II 224). Der Passus ist geeignet, auf das 48 II. und III. Der ältere und der jüngere Physiologus meremanniu des deutschen Textes Licht zu werfen. F. Wilhelm, St. Servatius München 1910 S. 125, 32 f. — 5, 5 Lies dazfiu. 5, 7 birihit vgl. die Zusammenstellungen bei]. Schatz abair. Gr. § 54, G. Waag PBB. 11,120; 131; 147; H. Polzer-van Kol, Arnolds Siebenzahl S. 83 § 39; W. Schaper, Zur Laut- und Flexionslehre des Speculum ecclesiae (Diss.) Halle 1891 S. 29; VII, 1 u. IX, 8; 39. 6, 3 bis Schluss = lat. Text 25, 3 bis 6; vgl. unten zu III 22, lf. 7, 2 zuenzigoftimo = XXI FE. 8, 3 geruma = geruna 8, 13; um = ung im späteren Bayrisch. Vgl. Andreas v. Regensburg hg. G. Leidinger ausrichtum 596, 2; 601, 23; becherum 596, 7; taylum 645,19. — 8, 5 chindilina uurz = Männleinwurz oder Wurzel, die Kinder erzeugt? Vgl. 1. Mos. 30, 14 f.; Isidor Etym. XVII 9, 30 und Hrabanus De universo 19,8; Hovdrka-Kronfeld, Vergleichende Volksmedizin I 14. ~8,7Zu phaet vgl. MSD zu LXXXII 3,11; Edw. Schröder Kaiserchr. 11641 und Anm. in den Laa. — 8, 10 obez halb i, halb e. 9, 3 zöge, s. Graff Sprachschatz 5, 625, zu eläss. zauk bei Martin-Lienhart 11, 899 ? 10,7 giuuel vgl. Graff Sprachschatz 1,794. 11, 16 Lies fih. — 11, 17 Lies däz. 12, 4 an eina heiffci gan = inquirere; eifci abgeschwächt aus eifca. Erläuterungen zu Nr. HI: 1, 5 f. Dieselbe fehlerhafte Uebersetzung Karajan 74, 7 f.: nu wer fol erwechen ■ uon dinem geflaehte einen man ■ ane got ' nieman — 1, 16 f. Man beachte die Uebereinstimmung mit der 2. Hss. Gruppe des lat. Textes. — 1, 21 f.: Lauchert erblickt in lebite eine Verderbnis, unter Hinweis auf Karajan 75,1 f.; wände er in dem uleifche entflief • div gotheit in anrief ' do er- wachot er aber ' zeder zefwe f inef uater. M. E. liegt für diese Annahme ein zwingender Grund nicht vor. Uebrigens ist flafen = quiefcere aus mhd. Glossen mir nicht bekannt. 2, 14. Man beachte das Homoioteleuton chrift : ift. Solche Reime finden sich öfter in Nr. III : gut, l'rüt II. und III. Der ältere und der jüngere Physiologus 49 2,22; gnadig: ftatig 2, 23; chrift: ift 3, 10; glich: glich: wildlich 5, 14 ; chrift: ift 8, 31; genahen: geuahen 9, 2 ; hürluft: achuft 19, 3 , brunnen: funnen 19, 6; eingnote : brote 22, 10, sie waren wohl ein zufällig sich bietender Schmuck, der aber mit Bewusstsein als solcher angewandt wurde. Vgl. zu 1X8. — 2, 19 bis 23: Diese sinnlose Stelle lag schon dem Verfasser von Karajan 76, 16f. vor: Dem panthera ich gelich bin . und dem hiwifch Effraim • gelich bin ich da ' dem hi- wifche luda. Da mit bezeichnot er • do Effraim dienot den Apgotern ■ daz bfizzot got an im ■ alf er uerdient het umb in. — 2, 46 lies minnoten. 3, 31 Pauluf = apoftoluf. 4, 3 Die Uebersetzung nikhuf deutet auf Benutzung eines Glossars; vgl. zu III 20, 2. —4, 6 Das dem lat. uenienfque Entsprechende fehlt, vgl. Karajan 80, 6: daz er wol f Iieffen mege • fo uert er lebentich von ime — 4, 10 Die Lücke ist Karajan 80, 10 geschickt ergänzt: unde fuor zehelle ze brac div mit fchalle ' unde die fine darinne waren ' die leitot er von danne zware. 6, 4 Zu holi vgl. Graff Sprachschatz 4, 847; Karajan 82, 5 holde. 6a, 4 herzen = Karajan 82, 17: an finef muotif ge- danchen. Vgl. Stricker Karl 2f.: fwaz in des mannes herzen ift, daz wir da heizen der muot. 7, 13 Pauluf vgl. zu III 3, 31, nur hat hier dei Uebersetzer daneben geraten; Karajan 83, 11 Sanctuf pauluf! 8, 6 def nach Karajan 84, 7. — 8, 33 Die Lücke auch bei Karajan 85, 16 f: fwa man fi prennet • elliv ubil uon danne ulichent ■ elliv uientlichiv dinch • uon def mennifchen herzze uliehunde fint. 9, 2 Karajan 86, 2f. genahen: geuahen, vgl. daselbst 78, 9 f. nahen: geuahen und Schäftlaret Physiologus oben S. 47 Zeile 8. — 9, 20 f. Der lat. Text weist hier einen versehentlich stehen gebliebenen Rest aus der alten lat, auch die Steine behandelnden Bearbeitung des Physiologus auf, der natürlich so wie er da steht sinnlos ist. Der deutsche Uebersetzer suchte einen Sinn in das Sinnlose hineinzulegen und mag sich da dunkel an Stellen wie Js. 8, 14 ; 28, 16 f.; Mlichener Texte VIII, B. 4 50 II. und III. Der ältere und der jüngere Physiologus Ps. 118, 22; Rom. 9, 33; Eph. 2, 20; 1. Petr. 2, 6 erinnert haben. Ich zweifle aber, dass in seinem tat. Physiologus text „angulares oder angularü", wie Laucherl S. 288 Anm. vermutet, gestanden hat. Die Ueber- lieferung ignari ist zu einstimmig. Vgl. Mann PBB. 11, 328; Karajan 86, 24 nach der Prosa; Rehtez wip unde guot man fint alein ■ alfo ein winchelftein ' in der chriftenheite. 10,2. Vgl. oben S. 14. 11, 35 f. Der tat. Physiologus bietet an dieser Stelle nichts Entsprechendes, wohl aber finden sich in den Glossen zu Theobalds Physiologus, der ein beliebtes Schulbuch war, ähnliche Gedanken; vgl. Theobaldus Hain * 15470. Bl. 5 V. : Quem (vir vt vincat) perfequiturque multum Colligens corpus ' facit inde scutum Uerticis vero tenet usque curam ' ne moriatur. Glosse : Quarta natura serpentis est quod quando per- cutitur vel timet interfici tunc plus custodit caput suum quam totum corpus. Unde pro maiori defensione com- ponit de toto corpore suo scutum • et in medio ponit caput ■ exponendo sie totum corpus vt tantum saluificet Caput suum, quia quamdiu caput suum manet illesum potest viuere, quia in capite ipsius est tota vita sua. ferner: Bl. 6 V. : Unde serpentem imitare prudens verticis auetor Uis nouam vitam sine fine dignam Semper illesum caput est habendum Hocque caput dico, quod habes in principe christo. Glosse: Item serpens totum corpus suum exponit lesioni • vt caput obtineat illesum ad finem, ne moriatur. Simili modo debet et vtique tenetur vnusquifque chri- stianus totam vitam temporalem exponere pro capite • i • pro christo. Unde christus est omnium christianorum caput et christiani econtra sunt membra ipsius. Si ergo aliquis vellet inpugnare fidem christianam homo chri- stianus deberet exponere totum corpus pro ea' et potius mori quam christum denegare. Multi enim sanetorum mortui sunt pro fide christiana' sed eternam reeeperunt retributionem. Aehnlich Epiphanias MSG. 43, 527 (Kap. XV); vgl. Lauchert, Gesch. S. 243 u. M. Goldstaub und R. Wendriner, Ein tosco-venezianischei Bestiarius, Halle 1892 S. 278 f. II. und III. Der ältere und der jüngere Physiologus 5t 13, 2. Vgl. die verbessernde Version Karajan 90, 18 f.: Zwei geflaehte an dem hirzze fint. 14, 3 f. Vgl. Williram 59, 7 (=J. Seemüller QF. 28, 26) = Schilter Thesaurus I 29. 15.1 Karajan 93,5; Div uohe ilt unchuftich. — 15,8 alfi = alfe 17, 2—5. Vgl. obenS. 17. — 17, 6; 8 brutegöm (brovt- govm Karajan 95,14; 17) eine Form, die vorwiegend westdeutsch ist (vgl. mhd. Wb. I. 554 b; Lexer 1, 356), aber auch in östlichen Gebieten vorkommt: Diemer D. Ged. 131, 7; H. Polzer-van Kol, Arnolds Siebenzahl 86 (= Diemer D. Ged. 325, 14). 17,33 f. Laucherts Ansatz einer Lücke überzeugt mich nicht mehr. — 17,38: Auffällig ist hier Arrius an erster Stelle; lag dem Uebersetzer noch das unversehrte Arii ftirpem statt harufpicem FGLNOVW vor? Sonst stimmt die Reihenfolge der Häretiker, abgesehen von Verderbnissen in den Namensformen, zum tat. Text. Karajan 97, 2 f.: Arriuf • Sabelliuf • Marcedoni 9 ■ Mani- chen' ■ Nouicianvf ' Montanuf ' Valentin' • Bafiles ' Mace- doniuf • Fortinuf ' Vnde andir irraere. 18, 2 wintmode vgl. Williram hg. J. Seemüller 145, 2; 7; St. Trudp. Höh. Lied 140, 32; 141, 13. 19, 1. Vgl. Notker Ps., hg. P. Piper II 428, 17 f., der dieselbe Augustinstelle benutzt (s. E. Henrici QF. 29, 261). 20.2 f. Ueber fifegoum D. v. Kralik GGA. 1914 Nr. 3 S. 164 bis 168. Zum Ganzen Notker Ps. hg. P. Piper II 421, 14 f. (E. Henrici QF. 29,258), der hier aber wohl nach Isidor Elym. XII 7, 26 gearbeitet hat (s. H. Naumann QF. 121, 64). 20, 10 irbrüte Siehe zu XI 23. — 20, 14 zu gewerdon vgl. K. v. Kraus D. Ged. zu V 10 und Cantilena, hg. A. Leitzmann 9,34. 21, 1 f. Vgl. Notker Ps., hg. Piper II 421,19 f. (vgl. E. Henrici QF. 29, 258). 22, 1 f. Das gerade Gegenteil III 6a, entsprechend dem 'lat. Text. Darüber Mann PBB. 11, 327 f. Interessant ist Notker an dieser Stelle, Ps. hg. P. Piper II 437,16—438,5 (E. Henrici QF. 29, 266), s. aber auch 52 IV. Klosterneuburger Gebet Walahfrid MSL 113, 1016 D f. — 22, 5 f. Aehnlkh Karajan 101, 10: daz hovf der fulice • bezeichent der gelovbe. 24, 1. Karajan 102,19 f.: Ditzze tier heizzet ftrovz ■ Afida nennet ez fich chriefchin ovz. — 24, 5. Ueber walh — latinus vgl. Graff Sprachschatz I 842; seit dem 13.Jhdt. scheint diese Verdeutschung nicht mehr üblich zu sein. H. Leyser, Predigten 77,38: porta latina, die latenifche phorte oder die weilifche wird kaum hierher zu ziehen sein. Karajan 102, 26: die walhe heizzent ez Camelum. — 24,10 berichet: vgl. F. Bech, Germ. 8 (1863) 478; der Misener HMS 3,101a (XII 2, 3) : er (SC. der ftrfiz) rechet finiu eier in dem oufte under den fant (zur Stelle A. Frisch, Unters, über die .. . mhd. Dichter, welche ... den Namen Meissner führen [Jenaer Diss. 1887] S. 49); Karajan 103, 6: bedechet. — 24, 13 wirme, bayrische Form. Vgl. Himmelriche (A. Leilzmann Kl- geistl. Gedichte) 22, 40; 25, 5; Himml. Jerus. (Diemer D. Ged.) 363, 3. Mhd. Wb. III 525, 37 a f., Lexer Mwb. 3, 930. 26, 8 gnefen: Der Uebersetzer kannte also die Bedeutung von fpaffare! IV. KLOSTERNEUBURGER GEBET. Ueberlieferung: Cod. Nr. 987 der Stiftsbibliothek, Klosterneuburg 10.Jhdt.,Pfalterium sei Leopoldi genannt, auf der Rectoseite des letzten Blattes von einer Hand des ll.Jhdts. eingetragen. Auf der Versoseite des Blattes eine Tradition, deren Datum von M. Fischer, Merkwürdige Schicksale des Stiftes und der Stadt Klosterneuburg, Wien 1815 II 6: Anno dominici incarnationis MCX1II indict. V. gelesen wurde. Literatur: E. G. Graff, Diutiska 2 (1827) 382.— . Grimm, Deutsche Grammatik 2 (1826) 544 Anm. — MSD* LXXX1V. — F. Vogt, H. Pauls Grundriss II* 184. Aeusserlichkeiten des hsllchen Textes; Gedrängte steile Schrift, wohl durch spärlichen Raum veranlasst. V. Regensburger Augensegen 53 Akzente: Fehlen. Interpunktion: Majuskel wird als Interpunktionszeichen nicht verwandt, der Punkt nur spärlich, und beides im Sinne unseres heutigen Punktes und Kommas. Quellenfrage: Sicher handelt es sich beim Kloster- neuburger Gebet genau so, wie bei Otlohs, um Ueber- setzung oder Bearbeitung einer tat. Vorlage, die der Zufall in irgendeiner der vielen Missale- oder Brevier- hss. aufdecken wird. Der Anfang wird gelautet haben: „Dne qui me miferum ad imaginem fimilitudinif tue fecifti et tuo facrofancto fanguine liberafti, libera me miferum ab omnibuf peccatif meifpreteritif prefentibuf et futurif. Dem weiteren Text hat eine Formel zugrunde gelegen, die der von XXXII 82 f. ähnlich war. Vgl. dazu noch das Missale Romanum, Ratisbonae 1884 Editio III S. 238, und A. Fianz, Die Messe 750 f. Heimat und Verfasser: Bayerisch-österreichisches Sprachgebiet. Erläuterungen. 1 Vgl. zu 1 1. — biüdie, dieses Endungs-ie kommt nur vor dentalem Verschlusslaul vor (vgl. 2; 5 ; 9), aber auch nicht regelmässig. Das Denkmal steht mit dieser Erscheinung allein. — 2 irlöfe wohl Andeutung des Umlauts, vgl. Fi. Polzer-van Kol, Priester Arnold S. 73 § 24. — 3 minan nach MSD.; zum nn vgl. zu 1 82. — giunftiemo vgl. J. Schatz, Abair. Gr. §90; K. Weinhold B. Gr. § 176. - 7. Vgl. C. v. Kraus D. Gedichte II 132. — 8 dinaf vgl. K Weinhold mhd. Gr.* §471; 473; Wiener Notker 108, 31. — 9 gemeidie, zum fehlenden n K. Weinhold, B. Gr. §166; mhd. Gr. 3 § 215. v. REGENS BURGER AUGENSEGEN. Ueberlieferung: Clm. 14472 Bl. 166v am Ende der Seite, dem Schlüsse eines Computus folgend von einer Hand des 11. Jhdts. eingetragen. Herkunft der Hs. : St. Emmeran in Regensburg. Literatur: J. Schlecht ZfdA. 46 (1902) 303 bis 54 VI. Rezept gegen Lähmung 304. — E.v. Steinmeyer,Jahresber.... dergerm. Philol. 24 (1902) 66. — Unten Nr. XXIII. Aeusserlichkeiten des hsliehen Textes. Rote Anfangsinitiale. Akzente: Ein Akut. Interpunktion: Als Interpunktion wird der Punkt verwandt. Quellenfrage und Erläuterungen: 2 demo felben fegena USW. Vgl. Matth. 9, 29 : Secundum fidem veftram fiat vobif. Marc. 10, 52: Vade fidef tua te falvum fecit. Luc. 18, 42: Refpice, fidef tua falvum fecit. odei Joh. 9, 7: Vade, lava in natatoria Siloe (quod inter- pretatur Miffuf), was dem Eingang des Segens entsprechen würde. Auch dem caecum a nativitate Joh. 9, 1 entspricht am besten das hier zuerst belegte regen- blint 3, wozu ausser KG. Andresen, Volksetymologie« 415 f. undM. Höfler Deutsches Krankheitsnamenbuch 54 noch Schweizer Idiotikon 5, 112 zu vergleichen ist. Vgl. A. Franz, Die Messe S. 111. Heimat: Vorlage aus Niederdeutschlandf vgl. die Laa. ') und 8 ). Doch macht der bayrische Schreiber überhaupt einen unbeholfenen Eindruck. vi. REZEPT GEGEN LÄHMUNG. Ueberlieferung: Clm. 23479 (ZZ. 479) Bl. 1 v. mitten in lat. Rezepten, die von einer Hand des 11. Jhdts. geschrieben sind. Darunter eine Confectio . . oftenfa a ualerio pb'ro. Die Hs. selbst ist Fragment. Literatur: F. J. Mone, Anzeiger für Kunde der teutschen Vorzeit 8 (1839) 93. Aeusserlichkeiten des hslichen Textes: Recept- überschriften rot. Akzente: Fehlen. Interpunktion: Satzanfang wird durch grosse Initiale gekennzeichnet, im übrigen wird der Punkt verwandt. VII. Geistliche Ratschläge 55 Heimat: Oberdeutschland. Literarisches: Das Recept ist interessant wegen seiner Vermischung von Deutsch und Latein. Der Zweck ist: möglichst deutlich zu werden, auch für den des Medizinerlateins nicht vollkommen mächtigen Helfer. VII. GEISTLICHE RATSCHLÄGE. Ueberlieferung: Cgm 5248J4 fol. ll.Jhdt.;laut Vermerk auf dem unteren Rande der Versoseite „gefunden am 13. May 1842 vom Vorderdeckel der Inc. s. a e - 209 m Mr. 4." Es handelt sich um die aus Wesso- brunn stammende Incunabel Armanduf de Bellovifu, De declaratione difficilium terminorum v. J. 1499 (Hain Nr. *1793); vgl. F. Keinz ZfdA. 26 (1882) 178. Das Bruchstück ist ein einzelnes Foliobl. in der Mitte quer durchgeschnitten. Literatur: I. A. Schmeller ZfdA. 8 (1851) 1111112. — MSD. LXXXV. — F. Keinz MSB. 18691537 bis 539) — P. Piper, Die Schriften Notkers III S. L und 4441445. — J. Kelle, LG II. 52. — F. Vogt, Pauls Grund- riss in 184 f. Aeusserllchkeiten des hsllchen Textes: Absätze durch rote Majuskel gekennzeichnet und teilweise auch durch ihr Hinausrücken über den Schriftspiegel. Zeile 34 besonders grosse rote Majuskel. Akzente: 1' und 2* ; vgl. P. Sievers Palaestra LVII33f, der hier offenbar die Signaturen nicht verstanden hat. Interpunktion: Der Satzanfang fällt durchweg mit dem Absatz zusammen, weist also rote Majuskel auf; der Satzschluss wird fast durchweg mit • ; bezeichnet, aber auch durch Punkt. Sonst dient der Punkt zur Kenntlichmachung kleinerer syntaktischer Einschnitte. Quellenfrage: Die Endquellen für VII 1—32 waren Gregors des Grossen in Ezechielem liber II homi- lia III 21 (= MSL. 76, 969 Cf.) und Praefatio zum 56 VII. Geistliche Ratschläge I.Buch der Moralia (MSL 75, 524B). Ich lasse die beiden Stücke folgen: 1. In Ezechielem über II homilia III 21. Ad fervandam itaque innocentiam etiam laefi ä proximo perdurare in humilitate feftinamus ? Abel ante oculos veniat, qui & occifus a fratre fcribitur, & non le- gitur reluctatus. Mentis munditia etiam in conjugali 5 copula eligitur? Enoch debet imitari, qui & in conjugio pofitus ambulavit cum Deo, & non inveniebatur, quia tranftulit illum Deus. Praicepta Dei feftinamus prsefenti noftrae utilitati prajponere? Noe ante oculos veniat, qui cura domeftica poftpofita, ex juffione omnipotentis 10 Domini, per centum annos ad arcae fabricam vixit occu- patus. Subire obedientiaj virtutem nitimur? Afpicere Abraham debemus, qui relicta domo, cognatione, patria, obedivit exire in locum quem accepturus erat in heredi- tatem: & exiit nefciens qu6 iret: qui paratus extitit, ut 15 pro aiterna hereditate dilectum quem acceperat, occideret heredem. Et quia unicum Domino offerre non diftulit, universam multitudinem Gentium in femine accepit. Morum fimplicitas placet? Ifaac ad mentem veniat, quem in omnipotentis Dei oculis vitse fuae tranquillitas ornavit. La- 20 boriofa fortitudo, ut obtineri debeat, quseritur? Jacob ad memorium deducatur, qui poftquam fcivit fortiter fervire homini, ad eam quoque virtutem perductus eft, ut non potuiffet ä luctante Angelo fuperari. Conamur carnis illecebram vincere ? Jofeph ad memoriam redeat, qui ten- 25 tante fe domina ftuduit carnis continentiam etiam cum vita: periculo cuftodire. Unde factum eft, ut quia membra fua bene noverat regere, regendaj quoque omni iEgypto pr»ficeretur. Manfuetudinem atque patientiam obtinere qua^rimus? Moyfen ante oculos deducamus, qui exceptis 30 parrulis ac mulieribus, fexcenta millia armatorum regens, mitis fuiffe defcribitur fuper omnes homines qui habitabant fuper faciem orbis terr». Rectitudinis zelo contra vitia accendimur? Phinees ante oculos deducatur, qui coeuntes gladio transfigenf, caftitati populum reddidit, & iram 35 Dei iratuf placavit. De fpe omnipotentif Dei pra^fumere in dubiif qucerimuf? Jofue ad memoriam revocemuf, qui VII. Geistliche Ratschläge 57 dum dubia ccrtamina certa mente fubiit, ad victoriam fine dubietate pervenit. Jam mentif inim icitiaf ponere cupimuf, in benignitate animum dilatare? Samuel in cogi- tationem deducatur, qui de principatu dejectuf ä populo, cum idem populuf peteret, ut pro eo Domino precef 5 effunderet, refpondit dicenf: Abfit ä me hoc peccatum in Domino, ut ceffem orare pro vobif. Culpam quippe vir fanctuf perpetrare fe credidit, fi eif quof adverfariof pertulerat ufque ad dejectionem, benignitatem gratise non reddidiffet in prece. Qui rurfus cum jubente Domino 10 mitteretur ut David ungeret in regem, refpondit: Quo- modo vadam? Inveniet enim me Saul, & occidet me. Et tarnen quia iratum Deum eidem Saüli cognoverat, in tanto fe luctu afllixerat, ut ei per fe Dominus diceret: Quoufque tu Saulem luges, cum ego illum abjecerim? 15 Penfemuf ergo ejuf animum quantuf ardor caritatif in- cenderat, qui & illum flebat ä quo timebat occidi. Ca- vere autem volumuf quem timemuf? Sollicita nobif mente penfandum eft, ne fi locum fortalfe reperimuf, malum pro malo reddamuf ipfi quem fugimuf. David ergo ad 20 memoriam redeat, qui perfequentem fe regem & invenit ut potuiffet occidere, & tarnen in ipfa feriendi poteftate pofituf, elegit bonum quod ipfe deberet facere, non autem malum quod ille merebatur pati, dicenf: Abfit a me ut mittam manum meam in Chriftum domini. Et cum 25 idem Saül poft ab hoftibuf fuiffet interemtuf, cum quem perfecutorem dum viveret pertulit, flevit occifum. Erranti- buf hujuf mundi potentibuf libere loqui decernimuf ? Jo- hannif auctoritaf ad animum reducatur, qui Herodif ne- quitiam reprehendenf, pro verbi rectitudine occidi non 30 timuit. Et quia Chriftuf eft veritaf, ipfe ideo pro Chrifto, quia pro veritate, animam pofuit. Carnem jam noftram pro Deo ponere in morte feftinamuf? Petruf ad mentem veniat, qui inter flagella gaudet, qui ccefus principibuf refiftit, qui vitam fuam pro vita defpicit. Cum mortif 35 appetitu difponimuf adverfa contemnere? Paulum ante oculof deducamuf, qui non folüm alligari, fed & mori paratuf pro Chrifto, non facit pretiofiorem animam fuam, quam fe. Succendi cor noftrum igne caritatif quaerimuf? Johannif verba penfemuf, cujuf omne quod loquitur, cari- 40 tatif igne vaporatur. 58 VII. Geistliche Ratschläge 2. Praefatio zu den Moralia. Clm. 3739 (A ug. eccl. 39) Bl. 5r am Rande: Item alio loco dicit: Ad oftenden- dam innocentiam uenit. abel . ad docendam acüonif raun- diciam uenit enoch. Ad inf/rauandam longanimitatem fpei et operif uenit noe. Ad manifeftandam obedientiam uenit 5 abraham. Ad demonftrandam coniugalif uitg caftimoniam uenit ifaac. Ad infinuandam laborif tolerantiam uenit iacob. Ad rependendam pro malo bon§ retributionif gra- tiam uenit iofeph. Ad oftendendam manfuetudinem uenit moyfef. Ad informandam contra aduerfa fiduciam uenit 10 iofue. Ad oftendendam inter flagella patientiam uenit et iob. Schmeller fügt noch folgende Stelle bei: Clm. 5978 (Ebersberg 178) Bl. 44: Abel mori pro iuftitia. Enof pietatem. Enoch munditiam. Lamech regnum. Noe recti- tudinem. Sem uerecundiam. Eber ftabilitatem. Melchife- dech deuotionem. Abraham fidem. Loth hofpitalitatem. 5 Ifaac obedientiam. Jacob tolerantiam. Jofeph caftitatem. Moyfef manfuetudinem. Fineefzelum. Jofue conftantiam. Job patientiam. Gedeon fidentiam. Samuel temperantiam. Dauid humilitatem. Salomon prudentiam. Ezechiaf obfer- uationem. Jofiaf religionem. Heliaf abftinentiam. Elifeuf 10 honorificentiam. Jfaiaf fcitatem. Jeremiaf finceritatem. Ezechiel benignitatem. Daniel fidelitatem. Tref pueri laudationem. Tobiaf eleemofinam. Hefter honeftatem. Judit modeftiam. Machabaii fufferentiam . virgo Maria humilitatem caftitatem. Johanne! poenitentiam. xpc cari- 15 tatem nobif prefignauerunt. Die Unmittelbare Quelle war wohl ein kurzer Auszug aus den beiden ersten Stellen. Thomasin von Zirclaria 6055f. benutzte ebenfalls diese Stellen oder auf sie zurückgehende Excerpte. Für Zeile 34 bis 44 war folgendes Stück, welches sich im Clm 536 Bl. 85 v und der Hs. 652 der Ins- brucker Universitätsbibliothek Bl. 76r findet, Quelle: Dauid Spc timorif. Beati pacif Dief iudicii. Pat. fir. Moyfef S. pietatif. B. mundo c. Afcenfiod. Aduen. Jacob S. fcienti§. B. mifericord. Refurrect. Fiatuol. VIII. Himmel und Hölle 59 Ifaac S. fortitud'. B. q' efuriunt Sepultura Pane n. Abrahä S. confilii. B. q 1 lug. PaflTio xpi. Et dimit. Noe S. intellect 9 B. mitef. BaptifWxpi Etnenof. Adam S. fapientig. B. paupef. Natiuitafd. Sedlib'an. Mit der Schrift des Albinus de feptem figillif, die in MSD II 3 262 f. veröffentlicht ist, stimmt nur die Zeile: Haec funt feptem dona fpirituf fancti, Worte, die sehr wohl als Ueberschrift für die vorstehende Zusammenstellung verwandt werden konnten. Heimat und Verfasser; Die Hs. stammt höchstwahrscheinlich aus Wessobrunn. Weiter westlich darf man die Heimat des Stückes kaum suchen wegen ken 3. Vgl. H. Fischer Atlas zur Geogr. der schwäbischen Mda. Karte 8. Dass der Verfasser ein Geistlicher war, versteht sich von selbst. Erläuterungen: 1 uradriez vgl. zu II 5, 7; eine Hand des 15. Jhdt. schrieb zur Erklärung des Wortes wider- driez darüber. — 10 Oder ist koberon aufzulösen? — vleizlichen vgl. Weinhold mhd. Gr.* § 206 ; 210. — 14 Vbe ist einzurücken (Druckfehler). — 18 Lieber das gram. Geschlecht von haz FLK. Weigand DWb. /» 818. — 20 liben vgl. J. Diemer Gen. II 176 a, Lexer HWb. 1 1895. — 25 todlichen = mortificare (carnem) nur an dieser Stelle; zur Bildung s. Graff Sprachschatz II 109. — 40 keuuizde, nach wiederholter Prüfung der Hs. bin ich zur ersten Lesung von MSD. zurückgekehrt. VIII. HIMMEL UND HÖLLE. Ueberlieferung: Clm. 4460 Bl. 111 v bis 114 r. von einer Hand des 12. Jhdts. Die Hs. aus der Bibliothek des 1310 von Bischof Wulfing von Bamberg gegründeten Dominikanerklosters zu Bamberg ist ein Sammelband, der Hss. aus dem 11.12.14. und 15. Jhdt. 60 VIII. Himmel und Hölle enthält. Die weitere Herkunft des Bandes oder seiner Teile ist unbekannt. Faksimile bei E. Petzet-O. Glau- ning, Deutsche Schrifttafeln Taf. XVII. Literatur: Reuss, Serapeum 1841 S. 64. — Ders. ZfdA. 3 (1843) 443 bis 445. — W. Wackernagel LG. (1848) 83; I* (1879) 107f. 349. -A. Vollmer inK. Roths Kl- Beiträge zur deutschen Sprach-, Geschichts- und Ortsforschung 2 (Heft 8,1853) 198 bis 201. — M. Haupt, Monatsberichte der k. preuss. Akademie d. Wiss. zu Berlin 1856 S. 568 bis 580. — 0. Schade Veterum monumentorum theodiscorum decas. Hallenser Dissertation Weimar- 1860 S. 9 bis 15. — MG. LL. III 5 und 174 — MSD XXX (vgl. XCI). — W. Scherer QF. 7 (1875) 75 — ders. QF. 12 (1875) 27; 55; 57. — W. Wackernagel, Altdeutsche Predigten und Gebete aus Hss. Basel 1876 S. 323 f. — Luppe, Himmel und Hölle, das Schlusslied der vier F)vangelia nach Ezzo's Redaktion, Jahresber. über die Realschule in Kiel 1876177. S. 3 bis 32. — P. Piper, Die Sprache und Literatur Deutschlands bis z. 11. Jhdt. I (1880) 143; II 192 f. und Glossar. — P. Piper Notker III (1883) S. XIX bis XXI. — Ders. Die älteste deutsche Literatur 458. — Ders. Die geistliche Dichtung des MA. I 25 bis 31. — J. Kelle LG 11 49\50. — F. Vogt in Pauls Grundriss IP 183. — BQ. Morgan PBB. 38 (1912) 343 bis 353. — H. Naumann QF. 121 (1913) 92. Aeusserlichkeiten des hslichen Textes: Zwei deutliche durch Absätze und rote Anfangsinitiale gekennzeichnete Abschnitte. Pergament sehr dünn, infolgedessen Tinte durchgeschlagen und Lesung schwierig. Akzente' 31' und 146". Der Gebrauch ist im wesentlichen derselbe wie bei Notker und Williram. Bei Diphthongen ist oft unsicher, ob der A über dem 1. oder 2. Buchstaben stehen soll, eine Erscheinung, die bekanntlich allen akzentuierten hslichen mhd. Texten gemein ist. Interpunktion: Im Gebrauch der grossen Buchstaben, deutlicher Unterschied zwischen 1. und 2. Abschnitt. In letzterem, abgesehen von der roten Anfangsinitiale, nur zweimal verwandt (58; 72). VIII. Himmel und Hölle 61 Im 1. dagegen viel öfter, aber kaum als Bezeichnung eines Satzanfangs, sondern einer Sinneseinheit, die vielleicht der Strophe der tat. Quelle entspricht. Sonst wird der Punkt verwandt, nur am Schluss des Ganzen das Semikolon. Quellenfrage: Weber die Quellen dieses rätselhaftesten Stückes der älteren deutschen Literatur ist bis jetzt noch nichts Sicheres ermittelt. Fest steht nur soviel, dass für die Schilderung der Himmelsfreuden Apokalypse Kapitel 21 Endquelle war. J. Kelle hat einen Hymnus als Quelle vermutet und druckt zwei dem Petrus Damianus zugeschriebene Hymnen (U. Chevalier Repert. hymol. Nr. 229, 13500 = MSL 145,980 A). zum Vergleich ab. Aber nur der erste, die Paradieseswonne besingende, zeigt auffällige Uebereinstim- mungen mit dem deutschen Text. Der Stoff wurde in Hymnen des Mittelalters öfters besungen z. B. Ana- lecta hymnica VII 134 ; XXXIII 303; XL VI 229f.; XL VIII; 476—478; 484; 485; 492; L 411; 489; 499. Für eine oder zwei Hymnen würde der häufige Gebrauch der Anapher sprechen (vgl. Diu... bürg 2; 5; Sin 11; 14; 17; Da 18; 21; 22; 23; 24; 26; 28; 29; 32; 34; 35; 36; 37; 39), wobei zu beachten ist, dass diese Stilform nur im ersten Teil 2—45 auftritt. Doch bedient sich auch die Predigt ihrer, besonders die griechisch-orientalische. Der im frühen Mittelalter viel benutzte und beliebte Syrer Effrem hat das Thema von Himmel und Hölle oft behandelt und unter seinen nicht gedruckten Schriften in lateinischer Uebersetzung könnte sich wohl ähnliches finden. 1 ) Auch Luppes Hinweis auf die Visionenliteratur (S. 8) war keineswegs so töricht, wie MSD. seine Arbeit hinstellen; gerade in den Visionen werden Hölle und Himmel vergleichsweise behandelt. Wenn sich in dem von C. Pritsche RF2 (1886) 247 f. gesammeltem Material Entsprechendes nicht findet, so ist trotzdem die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, dass eine Visionsschilderung dem deutschen Text zugrunde liegt. Eine grosse Zahl unbekannter l ) Vgl. auch Haymo MSL. 118, 881 f. 62 VIII. Himmel und Hölle Visionen findet sich in den Miracula post mortem eines Heiligen. Der Stil dieser meist in direkter Rede mitgeteilten Schilderungen, bedient sich ebenfalls gern der Anapher und des in unserem Stück so beliebten Asyndetons. Die Aufregung der Erzählenden wird so am besten gekennzeichnet (vgl. F. Wilhelm, St. Ser- vatius 126, 9 bis 130, 11; 131, 17 bis 138, 21). Ueb- rigens hätte Luppe zugunsten seiner Hypothese (s. unten) anführen können, dass Günther von Bamberg selbst Visionen hatte (vgl. Lampert von Hersfeld Annalenz. Jahr 1056). Auf Morgans Hypothese, dass dei Verfasser von Himmel und Hölle „dieses Werk nicht frei dichtete, sondern nach einer jedenfalls sehr alten alliterierenden Dichtung, welches (sie !) er in Prosa umzuarbeiten versuchte", wird noch eingegangen werden. Für eine lateinische Vorlage im allgemeinen sprechen Wortbildungen wie himelmeregriezzon — celimargarite aufgefasst wie celicola, furfthelido 1 ) etwa protathleta, protagonifta oder primipilarif (vgl. MG. scr. rer. merov V 465, 34f. : Ipfof etiam primipilaref chriftianorum et ecclefiae columnaf ac caeli ianitoref Petrum dico et Andream, Jacobum et Johannem . .. imitatuf eft und G. Diefenbach Gl. lal. germ. 459 b. s. v. primipuluf; nov. Gl. 303 a), trifohuf = gazophylacium aerarium, ftatuarium {Graff Sprachschatz IV 1056; Diefenbach Gl. tat. germ. 207 b, 258 b; 550 c; nov. Gl. 189 b; 154 b) und funder- gebiuwe = manfio. Ich lasse das Vergleichsmaterial folgen : 1. Apocalypfe Kapitel 21, 10 f. 10. Et fuftulit me in fpiritu in montem magnum et altum et oftendit mihi ciuitatem fanetam Jerufalem, def- cendentem de c§lo a deo, 11. habentem claritatem dei; et lumen eiuf fimile lapidi pretiofo tamquam lapidi iafpidif, ficut cryftallum. 12. Et habebat murum magnum et altum, habentem portaf XII; et in portif angelof XII, et nomina in- feripta, que funt nomina XII tribuum filiorum Ifrael. 13. Ab Oriente porte III; et ab aquilone porte III; et ab auftro porte III ; et ab occafu porte III. 14. Et muruf ciuitatif habenf fundamenta XII, et in ipfif XII nomina XII apoftolorum . V Vgl. furiftfizzento Tatian4b, 7 und dazu PBB39(1913) 11. VIII. Himmel und Holle 63 agni. 15. Et qui loquebatur mecum, habebat menfuram arundineam auream, ut metiretur ciuitatem, et portaf eiul et murum: 16. et ciuitaf in quadro pofita eft, et longi- tudo eiuf tanta eft, quanta et latitudo; et menfuf eft ciuitatem de arundine aurea per ftadia XII millia; et longi- tudo et altitudo et latitudo eiuf equalia funt. 17. Et menfuf eft murum eiuf centum quadraginta quatuor cubi- torum, menfura hominif, que eft angeli. 18. Et erat ftruc- tura muri eiuf ex lapide iafpide; ipfa uero ciuitaf aurum tnundum fimile uitro mundo. 19. Et fundamenta muri ciuitatif omni lapide pretiofo ornata. Fundamentum primum iafpif; feeundum fapphiruf; tertium chalcedoniuf; quartum fmaragduf; 20. quintum fardonyx; fextum fardiuf; feptimum chryfolithuf; oetauum berylluf; nonum topaziuf; deeimum chryfopraffuf; undeeimum hyacinthuf; duodeci- raura amethyftuf. 21. Et XII porte XII margarite funt, per fingulaf, et fingule porte erant ex fingulil margaritif; et platea ciuitatif aurum mundum, tamquam uitrum per- lucidum. 22. Et templum non uidi in ea, dilf enim deuf omnipotenf templum illiuf eft et agnuf. 23. Et ciuitaf non eget fole neque luna, ut luceant in ea; nam claritaf dei illuminauit eam et lucerna eiuf eft agnuf. .... 2. De gloria paradifi. /. Ad perennif uitg fontem menf fitit nunc arida, Clauftra carnif prefto frangi claufa querit anima: Glifcit, ambit, eluetatur exul frui patria. 2. Dum preffurif ac erumnif fe genit obnoxiam, Quam amifit, cum deliquit, contemplatur gloriam, Prtjfenf malum äuget boni perditi memoriam. 3. Nam quif promat, fumm§ pacil quanta fit letitia, Vbi uiuif margaritif furgunt edificia, Auro celfa micant teeta, radiant triclinia? 4. Solif gemmif pretiofif hec ftruetura nectitur. Auro mundo tanquam uitro urbif uia fternitur: Abeft limuf, deeft fimuf . luef nulla cernitur. 5. Hiemf horrenf, eftuf torrenf . illic nunquam feviunt, 64 VIII. Himmel und Hölle Flof perpetuuf rofarum, uer agit perpetuum. Candent lilia, rubefcit crocuf, fudat balfamum. 6. Virent prata, vernant fata, riui mellif influunt, Pigmentorum Ipirat odor liquor et aromatum, Pendent poma floridorum non lapfura nemorum. 7. Non alternat luna uicef fol uel curfuf fiderum: Agnuf eft felicif urbif lumen inocciduum, Nox et tempuf defunt, euum diem fert continuum. 8. Nam et fancti quique velut fol preclaruf rutilant, Poft triumphum coronati mutuo coniubilant Et proftrati pugnaf hoftif iam fecuri numerant. 9. Omni labe defecati carnif bella nefciunt, Caro facta fpiritalif et menf unum fentiunt, Pace multa perfruentef fcandalum non perferunt. 10. Hif mortalibuf exuti repetunt originem Et prefentetn ueritatif contemplantur fpeciem, Hinc uitalem uiui fontif hauriunt dulcedinem. 11. Inde ftatum femper idem exiftendi capiunt, Clari, uiuidi. iucundi nullif patent cafibuf: Abfunt morbi femper fanif fenectuf iuuenibuf. 12. Hinc perenne tenent effe; nam tranfire tranfiit: Inde uirent, uigent, florent: corruptela corruit, Immortalitatif uigor mortif iuf abforbuit. 13. Qui fcientem cuncta fciunt, qui nefcire nequeunt; Nam et pectorif arcana penetrant alterutrum, Unum uolunt, unum nolunt, unitaf eft mentium. 14. Licet cuique fit diuerfum pro labore premium charitaf hoc fuum facit, quod amat in altero, Proprium fic fingulorum fit commune omnium. 15. Ubi corpuf, illic iure congregantur aquil§, quo cum angelif et fancte recreentur animg, uno pane uiuunt ciuef utriufque patri§. VIII. Himmel und Hölle 65 16. Auidi et femper pleni, quod habent, defiderant, non fatietaf faftidit, neque famef cruciat: inhiantef femper edunt et edentef inhiant. 17. Nouaf femper harmoniaf uox meloda concrepat, et in iubilum prolata muleent auref Organa, digna, per quem funt uictoref, regi dant preconia. 18. Felix, c§li qug pr§fentem regem cernit anima et fub fe fpeetat alterni orbif uolui machinam: folem, lunam et globofa bini curfuf fidera. 19. Chrifte, palma bellatorum, hoc in munieipium Introduc me poft folutum militare cingulum, Fac confortem donatiui beatorum ciuium. 20. Pr§be uiref inexhaufto laboranti prelio Nee quietem poft procinetum denegef emerito: Teque merear potiri fine fine prgmio. Heimat und Verfasser: Himmel und Hölle lässt man gewöhnlich In Bamberg entstanden sein. Der Grund für diese Annahme Ist wohl darin zu suchen, dass die Hs. aus dem 1310 gegründeten dortigen Dominikanerkloster stammt. Da sie aber 250 Jahre älter als das Kloster Ist, so verliert das Argument an Ueberzeugungkraft.SprachllchgehörtdasDenkmalnach Ostfranken, könnte aber so gut wie In Bamberg, z. B. In Würzbuig oder Oehrlngen entstanden sein. Dass der Verfasser ein Mann von gelehrter Schulung war, hat wohl niemand bezweifelt. Literarisches; Die literarische Bedeutung des Denkmals hat zuerst W. Wackernagel erkannt und dafür den Ausdruck „deutscheReimprosa"geprägt. Erglaubte in Ihm das „Hauptstück einer Beichtrede" erblicken zu dürfen und wollte es von dem in der Hs. unmittelbar vorhergehenden katechetischen Denkmal, Bamberger Glaube und Beichte (MSD. XCI), nicht getrennt wissen. Schwerlich hat Wackernagel Im letzteren Punkte recht. In der Hs. Ist nach dem Amen von MSD. XCI die Zelle freigelassen und die Anfangszelle von Himmel und Hölle mit roter Initiale ver- Mlinohener Texte VIII, B. 5 66 Vllt. Himmel und Hölle sehen, also ein deutlicher Schlussabsatz. M. Haupt erblickte in dem Stück ein Gedicht, bemerkte aber, dass in den 190 Versen „nur hin und wieder ein Reim vernehmbar" werde und, da keine Regel wahrzunehmen sei, so sei „weder Reim noch Allilteration beabsichtigt." 0. Schade suchte Haupts Konstruktion zu stützen, indem er die alliterationes und die con- sonantias finales zusammenstellte. MSD. brachten einen Abdruck der Hauptschen Arbeit. Welche Rücksichten hier mitgespielt haben, entzieht sich der Betrachtung; Tatsache aber ist, dass Scherer in seine/ Geschichte der deutschen Dichtung im 11. und 12.Jhdt. QF 12 das Stück keineswegs mehr ausdrücklich ein Gedicht nennt, wie er dies noch 1875 QF 7,75 tat. S. 27 heissl es: „In der Beschreibung des Himmels und der Hölle nimmt die begeisterte Rede geradezu regelmässigen Verstact an". Luppe wollte in dem Stück den Abschluss des uns verlorenen Gedichtes von den vier Evangelien Ezzos erblicken und stellte die gänzlich unbeweisbare Hypothese auf, dass die „Bamberger Schule" ursprünglich „reimlos" gedichtet habe; er kommt demnach, was die Form betrifft, auf Haupts Standpunkt zurück. Auf das Bedenkliche „ein in unserer Literatur singuläres reimloses Gedicht" zu kreiren, hat E. v. Steinmeyer MSD. II 3 162 f. mit allem Nachdruck hingewiesen. Trotzdem ist der Forschung eine neue Hypothese durch Morgan beschert worden. Nach ihm ist unser Stück die Prosabearbeitung einet sehr alten alliterierenden deutschen Dichtung. Das Umsetzen in Prosa gelang dem Verfasset nicht recht; deshalb lassen sich grosse Partien, ohne dass man „viel" streicht, mit Sieversschen Typen analysieren deshalb zeigen von 190 Versen 64 Spuren von Variation und deshalb findet sich eine Menge altertümlicher Wörter in dem Stück, über deren Seltenheit die Belegzahl bei Lexer entscheiden muss. Aber triftig sind diese Gründe nicht. Die Tatsache der Alliteration, die, wie Morgan selbst zugibt, „bei gewöhnlichem Lesen .. einem so gut wie gar nicht auffällt", berechtigt noch nicht zum Schluss, dass dem Verfasser ein alliterierendes deutsches Gedicht vorgelegen VIII. Himmel und Hölle 67 habe. Das Parhomoeon, wie det mittelalterliche Ausdruck lautet, wurde in dem Kapitel De fchematibuf bei den Grammatikern gelehrt (vgl. H. Keil, Gram, tat. IV 398, 20; V 303, 28; VI 458, 29) und zwar unmittelbar vor dem Homoeoteleuton. In der lateinischen Dichtung des Mittelalters wurde auch dieser Schmuck angewandt, ich erinnere an Aldhelm, an den wahrscheinlich von Alcuin stammenden Hymnus Sancte fator (Chevalier Rep. hymnol. 18506; MSD. LXI) und an die Spielerei Hugbalds in seiner Egloca de calvif in qua habetur paranomoeon uerfuum CXXXV1 (MG. PL. IV 267f. Vgl. ferner P. v. Winterfeld Mrotsv ithae opera S. XVI; R. Kopke, Ottonische Studien II 151; K. Bartsch, die tat. Sequenzen des Mittelalters S. 240). In der lateinischen Prosa tritt das Parhomoeon ebenfalls auf: Schon beiFortunatus (s. W. Meyer, Gesammelte Abhandl. z. mlat. Rhythmik II 366 f.), in Willibalds Bonifatiusvita (hg. W. Levison S. 1, 1; 13, 14 ; 17, 10 und in Hrotsviths Dramen (z. B. 107, 13 f.; 141, 7; 174, 19). Virtuos ist seine Verwendung in den Gesta Servatii (vgl. F. Wilhelm St. Servatius 3, 1 f.) Auf eine deutsche alliterierende Quelle kann also aus diesem Grunde nicht geschlossen werden. Gleiches gilt von der Variation; sie ist nicht einmal bloss germanisch (vgl. R. Heinzel QF. 10, 10; P. Pachaly Die Var. im He Hand u. i. d. as. Genesis S. 2 f.). Ich verweise hier nur auf die herrliche mit unserem Stück ungefähr gleichzeitige Vita Heinrici IV. imperaloris, in der es von Variationen nur so wimmelt. Dazu kommt, dass die Reste vorliterarischer deutscher Alliterations- und Variationsformeln, verschmolzen mit ähnlichen, aus der antiken Rhetorik und Prosodie überkommenen Formen, bereits bei Notker als schul- mässige Stilmittel für die deutsche Prosa verwandt werden (vgl. H. Naumann QF. 121, 86 bis 103); an sich könnte also der Verfasser von Himmel und Hölle von selbst unbeeinflusst von seiner tat. Vorlage darauf fekommensein, Alliteration und Variation anzuwenden. Inter den von Morgan aufgezählten altertümlichen Worten schliesslich findet sich kein einziges, das für die deutsche Alliterationspoesie charakteristisch wäre. 68 VIII. Himmel und Hölle Morgans Statistik stimmt ausserdem nicht: er war nicht nur zu faul, Graf/s Sprachschatz nachzuschlagen, sondern prüfte auch Lexers Zitate nicht nach. W. Wackernagel hat unser Denkmal für ,.Reim- prosa" erklärt, damit aber, nachdem der Ausdruck einige Zeit anerkannt war, gründliche Ablehnung erfahren. Es war ein unglücklicher Zufall, dass er den Ausdruck für dieses Stück prägte. Denn von Reimen, wenn man von den vollen Endungsvokalen und der bedenklichen Annahme sehr dissonierender Assonanzen absieht, ist recht wenig zu bemerken. Die Bezeichnung aber ist nicht schlecht und hat sich für die mittelalterliche lateinische, mit Homoeoteleuton geschmückte Prosa eingebürgert (vgl. E. Norden, Antike Kunstprosa II 760f.) Aber Wackernagel hat kaum etwas anderes gemeint, als was Scheret in die Worte kleidete: „die begeisterte Rede nimmt geradezu regelmässigen Verstakt an", d. h. rhythmische Prosa (s. Norden a. a. O. 757f.; 847f.; 909f. C. v. Kraus D. Gedichte S. 202 f.). Darin liegt die literarische Bedeutung des Stückes: es überträgt mit gutem Erfolg ein von den lateinschreibenden Prosaisten der Zeit fast durchweg angewandtes Stilmittel auf die deutsche Prosa. Auch Williram hat das getan, aber so wirkungsvoll ist es ihm nicht gelungen. Ob das Denkmal ein in sich abgeschlossenes Ganze oder nur Ausschnitt aus einem umfangreicheren Stück ist, wird sich schwer unter den gegenwärtigen Ueber- lieferungsverhältnissen entscheiden lassen. Manches spricht für ein Bruchstück: das Fehlen jeder Einleitung und jedes Schlusses, das besonders auffällig wird durch die Sätze 45: So ift taz himelriche einif teilif getan und 72: So ift taz helleriche einif teilis getan. Aber das sind Kriterien, die subjektivem Empfinden des Einzelnen weiten Spielraum gewähren. Eine Erinnerung an Himmel und Hölle findet sich bei Frau Ava; s. unten zu Z. 38. Erläuterungen! 1 himilifge s. zu II1, 12. — 3 derluhtet nach Haupt, es wäre der älteste Beleg für das später in Bayern und Ostfranken häufig erscheinende der. — 5 f. Vgl. Appendix zu Augustinus (MSL. 35,2450 f.) : VIII. Himmel und Hölle 69 Oftendit XII portaf et XII angelof apoftolof effe et pro- phetaf (patriarchaf), quoniam ficut fcriptum eft, coedifi- cati fumuf fuper fundamentum apoftolorum et prophe- tarum (Eph. 2, 20) ..... (2451) ideo diuerfitatem gemmarum in fundamentif nominare uoluit, ut dona diuer- farum gratiarum, que apoftolif data funt, demonftraret; ficut de fpiritu fancto dictum eft: ,diuidenf fingulif prout uult (1. Cor. 12, 11). Et duodecim margarite fingillatim: et unaqueque porta erat ex una margarita' et in iftif margaritif, ficut dictum eft, apoftolof defignauit, qui ideo portg dicuntur, quia per doctrinam fuam eterne uite ianuam pandint. Vgl. Himmlische Jerus. Diemer 362, 15 f.; geiftgimma == fpiritalif gemraa; gemma myftica ? — 9 eingehelüft, vgl. unten Z. 21 und 1X84. — 14 MSL. 35, 2451: Vitrum autem ad puritatem fidei retulit, quia quod forif uidetur, hoc eft et intuf, et nihil eft fimula- tum, fed totum perfpicuum in fanctif ecclefie. — 17 wole- wille, vgl. C. v. Kraus D. Gedichte zu XII 39 und Rennet 22299f. — 21 pfleg Haupt ändert in pflega, möglicherweise handelt sich es aber um eine nicht belegte Form pflec. — 22. „ Vielleicht ist ftäter zu setzen." Haupt. — 28. Vgl. Haymo MSL. 118, 881D: pax cuncta continet et letitia. — 32. Vgl. Haymo: Non est ibi fenectuf nee fenectutif miferia. — 35. Vgl. Haymo: Tranquilla funt omnia et quieta; dass rawa eine ausschliesslich bayrische Form ist, wie V. Müller, Studien über das St. Trud- perter Hohelied S. 82/. behauptet, wiederlegt Graff Sprachschatz II 554 — 37 fundergebiuwe Vgl. Cae- sarius von Arles MSL. 39, 2210: Et tunc feparabit Dominuf fanetof fuof de inter peccatoref et mittit eof in manfionef celeftef; ferner Gregor. Dial. MSL. 77, 380 D; 384 C: Ibi manfionef diuerforum fingule. — 38 Vgl. Frau Ava, Diemer D. Ged. 291, 7f.: Do habe wir daz ewige lieht ' neheinef fichtümes niht ' da ift diu uefte winefeapht" diu milteft trutfeapht' diu chunechlic ere ■ die haben wir iemer mer • daz unfagelich Ion ' in dem himelifchen trone' habent die gotef erben. (= AH. Hoffmann, Fundgruben I 204, 1 f. ; P. Piper, ZfdPh. 19 [1887] 315 V. 347f.) Bemerkenswert ist die La. wunnefchaft der Görlitzer Hs. Scherer QF. 7 (1875) 75 und Rödiger AfdA. I, 66 nehmen Bekanntschaft Avas mit unserem Stück an. 70 IX. Alcuins Traktat de rirtutibus et vitüs 46 f. Die Einzelheiten der folgenden Höllenschilderung finden sich in allen Visionen wieder, in denen die Seele die Hölle durchwandern muss. — 48 def tödef fcategiuoba, vgl. das in der Bibel häufige umbra mor- tif. — 50. ftredema vgl. verftretten X 38, 19. — 51 dot- bant = laquei mortif. 2. Reg. 22, 6; Ps. 17, 6; Prov. 21, ö. — ureiffam, vgl. A Schönbach zu Arnolds Juliania 505, WSB 101 (1882) 533. — 54 urfuoch vgl. 69 und zu X 63. — 62 itniugiv, zum g s. K. Weinhold AGr. § 216; BGr. § 178; Schmeller-F rommann bayt. Wb. 1 1709. — 67 balef, bemerkenswert ist das Fehlen des w. — 69 Haupt ändert unbigebenlich, eine Aende- rung, die nicht nötig wäre, wenn auch das Wort, wie H. meint, „nicht bei seile zu bringen, unablässig" bedeutet. — flör vgl. XXXII 53 A. IX. ALCUINS TRAKTAT DE VIRTUTIBUS ET VITIIS. Ueberlieferung: Clm. 7637 (Ind. 237) XII. Jhdt. Bl. 46r. bis 48 r. Die Hs. enthält 1. Julianus von Toledo Prognosticon Bl. 1 r bis 44 v. 2. Notkers Pater Nosler Bl. 45 rv. (HF. Massmann, Abschwörungs... formein Nr. 56; Notker hg. P. Piper II 633f.). 3. Jeronimus. Clamat fcriptura bis eiuf oftendere Bl. 45 V (ich habe die Stelle bei H. nicht finden können.) 5. Die Ueber- setzung von Alcuins Traktat. 6. Alcuin de virtutibui lateinisch Bl. 48 v bis 65 v. 7. Defensor, über scintil- larum (Inc.: Majorem caritatem nemo — MSL. 88, 599B; des.: iuftuf autem = MSL. 88, 634 A), Bl. 65 v bis 84 v. Der Hs. war früher Clm. 7638 (Ind. 238) 11. Jhdt. vorgebunden; das geht aus einem Inhaltsverzeichnis vom Jahre 1466 hervor, welches der Verso- seite des Vorsetzbl's. von Clm. 7638 aufgeklebt ist. Das erste Stück des Clm. 7638 beginnt Bl. lr mit dem Rubrum: De fancta Trinitate dem eine Hand des 14. Jahrhunderts hinzufügte : Incipit fermo beati Auguf- tini epifcopi. Der Text selbst beginnt: Dominuf iehfuf xpc qui nof exaudit usw. Möglicherweise bezieht sich daher auf CCIm 7638+7637 Nr. 11 des ältesten Inders- IX. Alcuim Traktat de virtutlbu« et vitiis 71 darf er Bibliothekskatalogs: Item Liber refectionalis et fic incipit: Dominuf Jefuf (vgl. M. Manitius Cbl. f. Bibliothekswesen 20 [1908] 163/.). Literatur: E. G. Graff Diutiska 1 (1826) 281 bis291 — W. Wackernagel Lb. 1,190 f. — Ders. LG. 1* 401. — H. Rückert, Geschichte der nhd. Schriftsprache 1 (1875) 126f. — W.Scherer AfdA. 1 (1876) 190 = Kl. Schriften 1, 302. — W. Scher er QF. XII 78. — Ders. ZfdA. 21 (1877) 414. — P. Piper Notker II S. II bis IV. — /. Kelle LG. II 81 (grundlegend) — F. Vogt, H. Pauls Grundriss II 2 184 f. Aeusserlichkeiten des hslichen Textes: Ueber- schriften der ersten drei Absätze in Capitalis rustica rot getüpfelt, ebenso die Anfangsinitiale des Textes; von da an beides rot, aber nicht mehr ausschliesslich Capitalis (im Druck genau wiedergegeben.) Wirkliche Absätze erst vom Schluss des Kapitels 2 an. Akzente: 35' und 63". Notkers Akzentuations- prinzip ist noch erkennbar. Vgl. unter Heimat und Verfasser. Interpunktion: Prinzip ist, den Satz (oder ein Bibelzitat) mit grossem Buchstaben beginnen zu lassen. Neben dem Punkt wird wie bei Notker das Fragezeichen verwandt. Quellenfrage: Seit E. G. Graffs Veröffentlichung gilt Nr. IX als Uebersetzung eines Traktats de virtuti- buf des hl. Norbert (f 1134). Es handelt sich aber, wie der gründliche J. Kelle nachwies, um eine Verdeutschung der ersten neun Kapitel des Alcuinischen De virtutibuf et vitiif liber ad Widonem comitem (hg. Frobenius II [1777] 129f.) Dieses Werk, das selbst ein Konglomerat aus Augustin, Caesarius von Ar- les und Defensor ist (vgl. M. Förster, Herrigs Archiv 122, [1909] 257; 260 f.; und 129 [1912] 49) folgt im Clm. 7637 auf die deutsche Uebersetzung. Wir geben daher unten den Quellentext nach dem Clm. 7637. Graff wurde wohl durch die von einer Hand des 15. Jhdts. dem tat. Alcuintext des Clm. 7637 Bl. 48v vorgeschriebenen Worte: Incipiunt Sermonef Nortperti prefpiteri verleitet, Norbert als den Verfasser des 72 IX. Alcuins Traktat de virtutibus et vitiis Alcuinschen Werkes anzusehen. Diese Bemerkung der Hand des 15. Jhdts. ist keineswegs aufs Geradewohl gemacht, sondern beruht auf einer Angabe des Clm. 7637 selbst. Der Schreiber des 12. Jhdts. bezeichnete nämlich Bl. 65r fälschlich Alcuins Kap. XXXVI, die Peroratio operif, (Frobenius II 145) als Sermo Nortperti (Bl. 65 r). Interessant ist hiebet nur die Tatsache, dass man sich schon um die Mitte des 12. Jhdts. über Norberts schriftstellerische Tätigkeit nicht mehr klar war, also knapp zwanzig Jahre nach Norberts Tode! Ich lasse jetzt die ersten neun Kapitel des tat. Textes von Alcuin folgen. DE SAPIENTIA. 1 ) PRIMO OMNIVM querendum eft homini • que fit uera fcientia • ueraque fapientia ' quia 'fapientia huiuf feculi ftulticia eft apud deum'. 8 ) Scientia uera eft' ä diaboli 5 feruicio ■ quod funt peccata recedere. Et fapientia perfecta eft • deum colere fecundum mandatorum illiuf ueri- tatem. Et in hif duobuf uita beata acquiritur ' f icut pfal- mifta ait. 'Diuerte ä malo et fac bonum'. 3 ) Nee etiam fufficit cuiquam mala non facere ' nif i etiam et bona faciat • 10 nee bona facere ' nifi etiam mala amittat. Omnif ergo qui fic fapienf eft ■ proeul dubio beatus erit in eternum. Beata quidem uita eft cognitio diuinitatif ■ uirtus boni operis ' fruetus eft eterne beatitudinis. DE FIDE. 15 SED h§c cognitio diuinitatif et fcientia ueritatif per fidem difeenda eft catholicam ' quia 'fine fide inpoffibile eftdeo placere'. 4 ) Vere beatuf eft • qui et recte credendo bene uiuit ■ et bene uiuendo fidem reetam cuftodit. Igitur ficut otiofa eft fidef fine operibuf bonif' ita nihil profi- 20 ciunt bona opera fine fide reeta. Vnde et beatuf Iacobuf apoftolus dicit. 'Quid proderit fratres mei fi fidem quis dicat fe habere opera autem bona non habeat f Num- quid poterit fidef falüare eum 5 )-f 'fi fidef fine operibuf l ) =s Sermo CCCII 1 im Appendix zu den Sermones Augustini. MSL. 39, 2323f. a ) /. Cor. 3, 19. ') Ps. 33, 15. «) Hebr. 11, 6. ■>) Jac. 2, 14. IX. Alcuins Traktat de virtutibus et vitiis 73 ociofa eft. 171 'Sicut enim corpuf fine fpiritu mortuum eft' ita fidef fine operibuf mortua eft'. 1 ) De cuiuf excellentia alteriuf eft temporif difputare ■ quia breuiarium quod de mandatif dei tibi petifti ftricto fermone fieri ■ profundif- fimaf de fide catholica rationef explicare non poterit. 5 DE CARITATE. In preceptif uero dei caritaf obtinet principatum " fine cuiuf perfectione nihil deo placere pofie. Pauluf teftatur apoftolus • qui nee martyrium ■ nee feculi contemptum ■ nee elemofinarum largitionem fine caritatif officio quic- 10 quam proficere pofie oftendit. Ut ipfe dnf ä quodam feriba interrogatus quod effet maximum mandatum re- fpondit. 'Diligef dnm deum tuum ex toto corde tuo • et ex tota anima tua ' et ex tota mente tua'. s ) Ad- didit quoque 'feeundum fimile huic. Diligef proximum 15 tuum ficut te ipfum. In hif duobuf mandatif' tota lex pendet et prophete'. 8 ) Quod uero ait ex toto corde et tota anima ' et tota mente ' ideft toto irttellectu ' tota uo- luntate et ex omni memoria deum efie diligendum. Dei uero dilectio in obferuatione mandatorum eivs tota con- 20 fiftit • ficut alibi ait. 'Si quif diligit me ■ fermonef meof feruat' 4 ) Vnde ipfa ueritaf alibi ait. 'In hoc cognofeent omnef quia mei difeipuli eftif' fi dilectionem habueritif ad inuicem' 6 ). Item apoftoluf ait. 'Plenitudo legif eft dilectio'. °) Item et Iohannes euangelifta. 'Hoc manda- 35 tum habemuf a deo • ut qui diligit deum. diligat et proximum'. 7 ) Si forte quilibetquerat quif fit proximuf • feiatom- nem xpanum recte dici proximum • quia omnef in baptifmo filii dei facrificamur ' ut fratres fimvs fpiritaliter in cari- tate perfecta. Nobilior quidem eft generatio fpiritalif 30 quam carnalis. De qua in euangelio ipfa ueritaf ait. 'Nifi quif renatuf fuerit ex aqua et fpu fco ■ non poteft in- troire in regnum dei'. 8 ) Difcat homo que fint preeepta dei' et cuftodiat ea quantum ualet ■ et fic fe agnofeat habere caritatem dei. Horum uero preeeptorum aliqua 35 tug dilectififime fili deuotioni oftendere nominatim curabo * ut paueif intellectis faciliuf aliorum uirtutef intelligere ualeaf. ») Jac. 2, 17. ') Matth. 22, 37. «) Matth. 22, 39 f. *) loh. 14, 23. *)Joh. 13,35. •) Rom. 13, 10. 7 ) l.Joh. 4, 21. ")Joh.3, 5. 74 IX. Alcuins Traktat de virtutibus et vitlls DE SPE. 'TRIA qu§dam propofuit anim§ noftr§ neceffaria egre- giuf gentium doctor dicenf. 'Spef ■ fidef ■ caritaf • tria hgc funt • maior autem hif eft Caritas'. x ) Nemo igitur quamuif 5 ingenti peccatorum pondere prematur ' de bonitate diuin§ pietatif defperare debet ■ fed fpe certa mifericordi§ ■ illiuf indulgentiam fibi cottidianif deprecari lacrimif. Quam qui- dem recte fperare poffunt ■ qui ab actione praui operis ceffabunt. Nee ideo tarnen propter fpem ueni§ perfeue- 10 ranter peccare debemuf' neque quia deus iufte peccata punit • ueniam defperare debemuf. Sed utroque periculo euitato et a malo declinemuf ■ et de pietate dei ueniam fperemuf. Similiter et in omni tribulationum anguftia ad folacium fpe fuperne pietatif currendum eft ■ quia in illo 15 folo omnif fpef et faluf fine dubio confiftit. Dicente pro- pheta. 'In deo falutare meum et gloria mea • deus auxi- lium mei et fpef mea in deo eft'.*) De Lectionif ftudio. 8 ) SCARV lectio feripturarum ■ diuin§ eft cognitio beati- 20 tudinis. In hif enim quafi in quodam fpeculo homo fe ipfum confiderare poteft ■ quid fit • uel quo tendat. Lectio affidua purificat animam ■ ti'tnoremineutit gehennfj ; adgaudia fuperna cor inftigat legentif. Quiuult cumdeofempereffe* frequenter debet orare. frequenter legere. Nam cum oramvs • ipfi cum 25 deo loquirnur ' cum uero legimuf' deuf nobifeum loquitur. Geminum confert donum feärum lectio feripturarum; fiue quia intellectum mentif erudit • fiue, quod ä. mundi uani- tatibuf hominem abftractum ad amorem dei perducit. Labor honeftuf eft lectionis ftudium; et multum ad emun- 30 dationem anim§ proficit. Sicut enim ex carnalibuf efeii alitur caro • ita ex diuinif eloquüf interior homo nutritur ac pafeitur ■ fi'cut pfalmifta ait. 'Quam dulcia faueibuf meif eloquia tua dne ' fuper mel et fauum ori meo.'*) Sed ille quidem beatiffimuf eft • qui diuinaf legenf feripturaf • uerba 35 uertit in opera. Omni'suerofcä feriptura ad noftram feripta eft falutem; ut proficiamuf in eif in cognitione ueritatis. Sepiuf cecuf offendit quam uidenf; fic ignoranf legem ') /. Cor. 13, 13. •) Ps. 61, 8. *)= Sermo CCC112 in dem Appendix zu der Sermones Augustini MSL. 39, 2324. *) Ps. 118, 103. IX. Alcuins Traktat de virtutibus et vitUs 75 dei. Sepiuf ignoranf peccat' quam ille qui feit. Sic etiam c§cuf fine duetore ' fic homo fine doctore * uiam ui'x gra- ditur reetam. DE PACE. Saluator nofter ad patrem redienf • fpeciale munuf 5 difeipulif preeepta paeif dedit dicenf. 'Pacem meam do uobif; pacem relinquo uobif.' 1 ) In pace uof dimifi; in pace uof inueniam, Proficifcenf uoluit dare ' quod redienf defiderabat in omnibuf inuenire. Cuiuf paeif orna- menta alio loco oftendit dicens. 'Beati paeifici; quoniam 10 filii dei uocabuntur'. 2 ) En filius dei uocari ineipit' qui paci- fieuf efle iam caei<; -/.od upö? ta<; ev zolc, ö^O-aXjioti; 8^ uTtepo^dc? xal x<& tpuXc!)(iaxa xaJ (fXuxxawa; TeXXet, vuxl xa? pifeii xöv uu.evwv auvayet. In der Uebersetzung vonjoh. Dantz von Ast, Frankfurt a. M. 1546 Bl. 180v: Er wehret vnd trücket hinder fich / »lies was in den äugen vnna- türliches außwechfet / den treublin blättern der äugen wehret er / darzü auch hcfftet er die zerbrochene heutlein derfeligen zufamen. 1 ) Die Stelle stand auch einst in der alten lateinischen Uebersetzung. Vgl. Rom. Forsch. 13,239. Marbod 4: Tollit et ex oculif fordef. Arnold 69: tollit ex oculif fordef illinituf lacte. Ueber die Verwechslung mit dem Lapis lazuli V. Rose 409, J.Ruska 153. Albertus V 44b. ThomasClm.6908Bl.55rb. «) Stricker, Kleine Gedichte, hg. K A. Hahn XI 179: fwer eine blatern hat, fwa fi an finem libe ftat, fi fagent hint er den faphir dar, diu blater diu zebrefte gar. Dazu Epiphanias versio antiqua ÄfSG. 43, 333 B: Pellit enim doloref, nara l i teratur cum lacte medela fcabiofif et ulcerofif efficitur linituf fuper loca, quae fuerint rulneribuf afperata (vgl. J. Strzygowski, Byzantinisches Archiv 2, 50). X. Prüler Steinbuch 85 Megenberg 457 f. Volmar V. 133 bis 154. St. Florianer Steinbuch V. 474 bis 531. Heinrich von Mägeln bei H. Lambel S. 129; Alem. 26, 203. Vgl. Nd. Jb. V 66. — 38, 44. cinche Leukom, daher wohl vel Glaukom. 45—47. Weder bei Marbod noch Arnold Entsprechendes (V. Rose 403; 441). Desgl. Albertus V 42ab. Thomas Clm. 6908 Bl. 54vb: valet contra fcabiem, facief dealbificat. Oculo infirmo. ut dicitur appofituf fponte fua quafi ref fenfata intrat f ine lef ione et circuit ocu- lutn et penetrat interiuf omnef partef quoufque eiuf contra- riof humoref prorfuf excufferit. Megenberg 454: der ftain ift für die räudichait oder für daz krazen guot und macht daz antlütz weiz .... wer in leg in ain fiechez aug, fo ge er hin ein in daz aug inwendig an allen fmerzen und umbge daz aug überal, unz er die poefen fauchten dar auz pringt. Volmar V. 249 bis 258. St. Florianer Steinbuch V. 238 bis 261. B. H. Brockes 9, 75: In Gefchwüren unfrer Augen Soll der Onyx fonderlich Als ein gutes Mittel taugen. Säure führt er ab mit fich, Wenn wir ihn zu unferm Frommen, Klein zerrieben, eingenommen. 48—50. Aristoteles bei Vincentius 9 (8) 105=Arnold de. virt. un. 8, 9: cum ponitur fuper uulnuf hominif ceffapit fanguif . eft aliud genuf: fupra rem bullientem ceffant eiuf ampulle. Marbod 13: Alteriuf puro color eft vicinior auro.....Ferventef etiam compefcere dicitur undaf. Arnold 75 (446): uniuf color fimilif eft puro auro .... et ferventef undaf compefcit et bullire eaf prohibet. Stricker, K. A. Hahn Kl. Gedichte 11, 165 bis 176. Albertus V46b, Thomas Clm. 6908Bl. 56rb. Megenberg 464 f. Volmar V. 85 bis 102, dazu die Abweichungen des Erfurter Druckes bei H. Lambel S. 78: Welch menfch gefchwolen fey, Ift im der fteine bey, Er wirt wyder gefund .... Eytter gifft er vertreipt. St. Florianer Steinbuch V. 107 bis 136. Heinrich von Mügeln bei H. Lambel S. 133. C. H. Brockes 9, 76: Noch wird der Topaf gefunden, den man Chryfolith auch nennt .... Wenn wir Bauch- und Blutfluß fpüren, Stopft er fie, und dämpft die Säur. 51/52. Marbod 11: Auro Chryfolituf micat et fcin- tillat ut ignif. Arnold 22 (433): color aureuf, fcintillanf 86 X. Prüler Steinbuch . . . . melancoliam depellit et ftulticiam et fa- pienciam confert. Damigeron (vulgo Euax) J. B. Pitra Spicilegium Solesmense 3, 335b: Eft enim fuper ipfof quafi turturif oculuf. Eft autem et cupidinif et amorif et iuftitiae adjutor. Facit autem et bene fufceptum et eloquentem et gratiofum et amabilem effe et amicabilem ab hif qui eum vident. Thetel bei Vincentius 9 (8) 60: quod quando inuenitur in chrifolito femina habenf in vna manu auem et in alia pifcem valet ad negociandum. — 38, 51 lihtfare keineswegs sichere Konjectur, nur Notbehelf, s. Lexer HWB. 2, 921 unter f ihtvar. Megenberg 442, 15 darf hier nicht zur Erklärung herangezogen werden. 53—55. Vgl. oben X, 7. Damigeron 3, 334: amorem conjungit et maiorem omnium facit. Marbod 12: Hie eft conjugii geftare refertur amorem, Et fe portantem perhibetur magnificare. Arnold 11 (431): virtuf eiuf contra pericula hoftium et contra lites, et invic- tum reddit et mitem et ingenium bonum adhibet, et valet contra pigriciam.....et magnificat ho- minem et coniugium generat. Danach Albertus V 32b; Thomas Clm. 6908 Bl. 51 rb. Megenberg 436. Volmar, Abweichungen des Erfurter Druckes bei H. Lambel S. 77: Treckt in bey im ein man, Defz red wirt lobefan, Vnd wa der ftein ift, Da mag zu keiner frift Der arge teüffel fyn. — 38, 55 zum ph in tiphele siehe J. Schatz altbair. Gr. § 77 und H. Polzer-van Kol, Priester Arnolds Gedicht von der Siebenzahl S. 66. 56. Marbod 8: Albuf in hif nigro, rubeuf fupereminet albo. Arnold 70 (444): huiuf color niger et albuf et rubeuf, fed rubeuf fupereminet magif .... luxuriam depellit et hominem reddit et caftum et pudicum. Danach Albertus V 45a, Thomas Clm. 6908 Bl. 55 vb und Megenberg 460 f. St. Florianer Steinbuch V. 202 bis 225. 57/58. Vgl. oben X 6. Weder bei Damigeron 3, 335; Marbod 10 noch Arnold 71 (444) Entsprechendes. Desgl. bei Albertus, Thomas, Megenberg, Volmar und St. Florianer Steinbuch. 59—61. Vgl. X 8; Marbod 15: Quaf habeat viref potui cognofeere nondum; Arnold 21 (433): nam vi- X. Prüler Steinbuch 87 fum clarificat et avariciam pellit et dat perfe- veranciam in bonif omnibuf. Voltnar 661 bis 668: ein diep der da wsere gevangen und folde werden erhangen, daz er verteilet waure, oder ein roubsere den man enthaupten wolde alf man ze rehte folde: nsmer den ftein in f inen munt, er wurde ledec an der ftunt. Heinrich von Miigeln bei H. Lambel S. 131 f. 62--65. Vgl. X 10; Aristoteles bei Vincentius 9 (8) 44-= Arnold de virt. uni. 8, 28: fi pofuerif fuper tarum i. umbilicum, vaporem vini prohibet et ebrietatem foluit et a contagio hominem liberat. Marbod 16: Pur- pureus color ac violaceus est amethysto, Vel quasi gutta meri solet aut rosa munda videri.....Hie facilis sculpi, contrarius ebrietati . . Ainold 8 (430): color purpureus ut rosa .... [huic] mollicies ad sculpendum inest et virtus eius est contra ebrietatem, et facit vigilem et malam cogitationem repellit et bonum confert intellectum. Ebenso Albertus V 31 b, Thomas Clm. 6908 Bl. 50va, Megenberg 431 f. Volmar V. 215 bis 228, St. Florianer Steinbuch V. 33 bis 64, Heini ich von Mügeln beiH. Lambel S. 132. J. J. Woyt* 39: dienet, ausser dem Aberglauben, wider die Trunckenheit und böse Gedancken. B. H. Brockes 9, 74: Wie sie von den Steinen schreiben Soll derselben starke Kraft Bald den Rausch vom Wein vertreiben; Aber diese Eigenschaft Ist nicht wahr, ob sie den Namen Vom Entrauschen gleich bekamen. Doch, als alkalisch, bekämpft Er die Säure, die er dämpft. (Vgl. Plinius n. h. 37, 124: Magorum vanitas ebrietati eas resistere promittit et inde appellatas). — 39, 63 : rurtranch passt nicht. Die Kon- jeetur beiPetzet-Glauning ist nicht möglich, weil in Verbindung mit ruore mhd. nur siech stehen kann. Meine Konjektur soll die Richtung der Verderbnis andeuten. Die uralte, antike Ueberlieferung, dass der Amethyst gegen Trunkenheit schützt, lässt eine Zusammensetzung der Wurzel trink/trank mit ur- in der alten Bedeutung, wie oben VIII 54; 69; Himelriche (A. Leitzmann, Kl. Gedichte) 27, 19: urchuole; Tatian 222, 3 urfurgi (s. PBB. 39 [1913] 15), vermuten; vgl. übertranc (s. PBB. 39 [1913] 9), was sowohl die Bedeutung des übermässigen Trinkens als auch der da- 88 XI. Das Insbrucker Arzeneibuch durch verursachten Trunkenheit umfasst. urtranc wäre das Gegenteil von übertranc, d. h. es könnte sowohl ein moralisches Gefeitsein gegen das Trinken, als auch ein Gefeitsein gegen die Trunkenheit überhaupt bedeuten. Doch ist vielleicht eine noch tiefgreifendere Aenderung am zweiten Bestandteil des Wortes notwendig. XI. DAS INSBRUCKER ARZENEIBUCH. Ueberlieferung: Ms. 652 der Universitätsbibliothek zu Insbruck (aus dem Kloster Stams). Bl. 76 v bis 78 r. von einer Hand des 12. Jhdts. Da die Hs. ein Sammelband aus Lagenfragmenten verschiedener Hss. ist, lässt sich auch das Rubrum auf Bl. 58 r: Incipit libelluf de librif dni Rödberti tuicenfif abbatif • quof paulo antequam obirct de meditatione mortif componere cepit nee perfecit zur Datierung nicht verwenden. Unserem Stück gehen unmittelbar voraus die Dicta Hippokratis (vgl. zu XXV 231 f.) und folgt Nr. XU, beides von gleicher Hand wie Nr. XI. Literatur: F.J. Mone Anzeiger f. Kde. d. teutschen Vorzeit 7 (1838) 608 bis 611. — Jv. Zingerle, Germ. 12 (1867) 463 bis 469. — P. Piper Nachträge z. alt. deutschen Literatur von Kürschners National-Litera- tur S. 262 bis 265. Vgl. ferner Nr. XU. Aeusserlichkeiten des hslichen Textes: Für das S von S wemo Z. 2 ist Raum gelassen, um vom Rubri- kator eingefügt zu werden. Dadurch sollte unser Stück von den vorhergehenden Dicta Hippokratis abgetrennt werden. Von Nr. XII wird es deutlich abgetrennt durch Freilassen des Zeilenendes der letzten Zeile auf Bl. 78 r nach binden Z. 119, also durch deutlichen Schlussabsatz. Der Schreiber hat das Bestreben, die Rezeptanfänge, die in meiner Ausgabe als Absätze erscheinen, durch Capitalis rustica wiederzugeben. Er ist aber nicht konsequent, so dass es sich nicht immer sicher entscheiden lässt, ob es sich um eine cura oder mehrere handelt. XI. Das Insbrucker Arzeneibuch g9 Akzente: 3' und 4". Interpunktion: Auch hier ist das Bestreben, grossen Buchstaben für Satzanfang zu verwenden, Punkt zur Trennung von Satzgliedern. Quellenfrage: Dass dem Stück ein entsprechendes lateinisches als Quelle diente, steht ausser Zweifel, und dass die Rezepte in hohem Ansehen standen, beweisen die im Anhang zu Nr. XI mitgeteilten Ueber- setzungen aus dem 14. Jhdt. Anhang Nr. I zeigt die engen Beziehungen zu dem Kräuterbuch (Nr. XII), Nr. II, der dieses Kräuterbuch zweimal bringt, die Plan- und Sorglosigkeit, mit der Receptsammlungen angelegt wurden. Es ist daher überhaupt nicht gut möglich, wie J. Haupt ZfdA 23 (1879) 353 f. meinte, festzustellen, aus welchem medizinischen Werk die verschiedenen Fassungen geschöpft haben. Es kann bloss gesagt werden, dass sehr ähnliche und untereinander verwandte Receptgruppen den einzelnen Fassungen zu gründe liegen. Und diese können ihrer Herkunft nach charakterisiert werden. Da ergibt sich denn, dass wir es im Wesentlichen mit antikem Gut zu tun haben. Auch die christlichen Besprechungen XI 20 f. 82 f. ändern daran nichts. Marcellus hat solches pa- ganes Zeug in sein De medicamentis liber ebenfalls aufgenommen. In vielen Fällen waren wohl Plinius und Dioskorides Endquellen, desgleichen Placidus. Auffällig ist, dass der auch in der Li eberlieferung mit Placidus eng verknüpfte Pseudo-Apuleius so gut wie kein Vergleichsmaterial liefert. Im übrigen verweise ich auf die Erläuterungen und das unter Quellenfrage zur Nr. XII und XXV Gesagte. Heimat und Verfasser: Die Sprache kann nur als „Oberdeutsch" bezeichnet werden, eine genauere Fixierung ist nicht möglich. Der Verfasser war ein Lateinkundiger. Literarisches: Von dem Stück gilt das Gleiche wie von Nr. VI. Erläuterungen: 1 ) 2—4. MBU 33 v: Ad caput. doloris. Accipe plantaginem et tere cum vino et caput laua. Vgl. Anhang 11. >) M=Cgm, 92; L — Cod Linz. ms. Cc. 1115 membr.; W Cod. Vindob. 2532 (vgl. Ev. Steinmeyers ahd. Gl. IV 648 f.) 90 XI. Da» Insbrucker Arzeneibuch 5 — 7. L Bl. 193 v: Sucum edere . et oleum . et ace- tum . fimul mifce et calefactum unge nares et caput. Vgl XXV 14—18; Anhang I 2. 8/9. M Bl. 33 v: Ad occulos. Fei leporis mifce cum melle et vngns occulos. Antik; vgl. Placidus Papyrien- sis 2, 9 (beiAckermann S. 10): Ad occulorum caligi- nem. Leporis fei cum melle mixtum facit claritatem occulorum et imminentem caliginem discutit. Vgl. Plin. n. h. 28, 172. Anhang I 3. 10/11. W Bl. 42v: Rute ///// expreffi fuci . II . partes . III . mellis oculos unge. Vgl. Anhang I 4. 12 — 14 sind 2 Recepte. M. Bl. 34 v: Contra aurium dolorem. Sucum mente tepefactum in aurem mitte . ex- pertum eft. L Bl. 194 r: Ad aures. Sucum tepefactum mente mitte in aures. W Bl. 76r: Ad grauem au- ditum. Oua formicarum trita . per linteum colata . et in aures infufa . antiquiffimum auditum furdif reftituent. M Bl. 32 r: Ad grauem auditum. Ova formicarum trita furdarum aurium infirmitatem quamvis vetuftiffima fit fanabitur. Vgl. Plin. n. h. 29, 133: utuntur et per se ovis formicarum, namque et huic animali eft medicina, constatque ursos aegros hoc cibo sanari. Vgl. Anhang 1 5. 15 — 17. W Bl. 122 r: Ad dentium dolorem. Piper tritum cum uino ueteri. et calefactum in ore contine op- time prodeft. Item Acetum calidum in ore contine . dolor fedat. res certa eft. M Bl. 33 v: Ad Dentes. Piper sinapim et acetum commifce . ponens super dentes. Vgl. Anhang 1 6. 18/19. Vgl. L Bl. 194 r: Si quis cottidie mane ieivnus habeat fub lingua falis granum donec liquefcat. proderit. S. Gallensis877S. 36 (medicinalis ars Ypocratis); Granum falif marini in dentef cauo mittif . ftatim uermef occidit et dolorem tollit. Vgl. Anhang 1 7. 20—22. Ueber dieses Stück s. MSD. IP 275 f; 282; 298 f. Martin Müller, Ueber die Stilform der altdeutschen Zaubersprüche bis 1300 (Kieler Dissertation) Gotha 1901 S. 13 f. u. ö. O. Ebermann, Palaestra 24 (1903) 42 f. und unten zu Nr. XVIII und XXII. 23—25. Vgl. unten Nr. XXV 98—101 und 353 f. Zeile 23 ist verderbt. Sicher dürfte sein, dass für einef zu lesen ist eief oder eiief. Das Deferruit reiten XT. Das Insbrucker Aneneibuch 91 würde dann dem de qua (unde) pulli (pili) excluduntur oder einem quibus pulli se eruperiwt (W. Bl. 46v) entsprechen. Def wäre leicht als Artikel vor einem attributiv gebrauchten Part. Per/, abzutrennen. Def erhackten oder erhecketen, bezw. erbröten oder erbruiteten? Vgl. L. Diefenbach Gl. lat. germ. s. vv.: erumpere, excludere und excubare. 26—28. Das Rezept kann sich auf geschwollne Mandeln, Diphtherie, Mums und Scropheln beziehen. Danach ist die Deutung verschieden. Die Anwendung von Harn gegen Diphtherie und Bräune ist altes Volksmittel, das noch heute angewandt wird. Unter chifeling kann man verschiedenes verstehen: 1. den Kieselstein, der angewärmt aufgelegt wird, um die Hitze der angeschwollenen Stelle zu mildern, oder 2. das Hagelkorn. Das letztere liefe auf unser Eisschlucken heraus. duhen lässt sich mit beiden Möglichkeiten vereinen. 29—31. Vgl. Apollonius de stercore im Clm. 14851 Bl. 45 V. : Stercus porci fanat apostema, quod vocatur fcrovella (vgl. L. Diefenbach, Gl. lat. germ. 264 b: Glandula i. schrofula). Cod. S. Gallensis 44 S. 359: Ad ftrumas uel scrofas . stercus porcino ex aceto uehementi coquif faciaf inde uelut medicamen et fuper inlinif fanat. Plin. n. h. 28, 234: ad tumores fimum suillum sub testo calefactum tritumque cum oleo. Vgl. daselbst 241. Anhang I 8. 32—34. Zwei curaef M Bl. 33v. Ad pulmonem. Cerui lingwam puluera comedens fepe et puleigium in vino bibe. Vgl. Cod. S. Gallensis 44 S. 362: Pulegio trito cum uino et mel bibat. Anhang II 29. 35. M Bl. 30r: Ad dolorem cordis pocio. Rutam tritam cum aceto teras et capiti inpone. Puleium ieiunus manducet. L Bl. 194 r: pro dolore cordis. Rutam tritam cum aceto teras et capiti impone . et polegium ieivnus manducet. Vgl. Anhang 1 9 und XXV, 114, auch XII 7. 36—39. Zerfällt in zwei Recepte: 36/37. Lieber den Gebrauch von Menschenurin bei Hautausschlägen Vgl. Plin. n. h. 28, 67 (urina) ..... nitro addito ul- cera capitum, porrigines, nonias praecipue genitalium (curari pronuntiauit obstetricum nobilitas); daselbst 20, 224. Hovorka-Kronfeld II 721; 725. 37-39. Dios 92 XI. Das Insbrucker Arzeneibuch korides 2, 114 (*=Rom.F. 10,218): De lappatio. La- pati duo genera . . . radix eorum cocta et cruda cata- plafmif adibita leprofif et fernif medicatur et unguibuf leprofif fimiliter prodeft. ante maxime nitru et acetu loca ipfa fricare debef. elixatura eiuf fomento adibita aut in balneif fricata pluriginem corporif tollit. Vgl. Plin. n. h. 20, 234: radice lichcnaf et lepraf curant; Marcellus 19, 28; Gargilius 8: radicef ex aceto coctae et inpofitae duritiam lienif infringunt, scabrof unguef le- vigant. — menewem = menewen ««serMengelwurz s. Erik BjÖrkmann ZfdW. 3 (1902) 272. Die entsprechenden lateinischen Worte sind armoratia und lapatum {vgl. L. Diefenbach, Gloss. lat.-germ. s. vv. c). Interessant ist nun, dass die beiden Worte auch mit Mer- rettich, Kren, glossiert werden, so dass unter Weglassung von Rutam folgendes Rezept aus der Ars Hippocratis (S. Gallensis 877 S. 37) hieher passt: Rutam et ra- dicem tritam cum oleo et aceto fi totum corpuf perunguef excepto capo mox pedulci necantur. (s. Gargilius 1.). — lieber Heilung von Flechte im Allgemeinen Plin. n. h. 26, 21 f. 40/41. Unter dem Titel AD fplenem, der auf ein Kapitel AD uocem clarificandam folgt, findet sich in W Bl. 40r: Corticem fraxini . exquoque in uino . et bene fonat, was sich wohl nicht gut auf die Milz beziehen kann. Dieses selbe Mittel gegen Zahnschmerzen WBl. 85 v und XXV 105 f. 42/43. füren s. M. Höfer S. 651 unter Sir. Dios- korides 2, 181 (= Rom F. 10, 245), 245, A?(Chelidonia maior): folia eiuf cum uino ut cataplasma adibita maculaf detergit. 245, 25 (Chelidonia minor): unguef leprofaf excludet. 44—48. Die Abgrenzung der einzelnen curae kaum recht durchführbar, besonders da der entsprechende lateinische Text noch fehlt. Vgl. Plin. n. h. 20, 244: Marubium .... stomachum et exfcreationef pectorif purgat (s. dazu unten zu 106 f.). Marcellus 20, 58: Marrubii viridif fafciculum decoquef ex aceti sex- tariif tribuf ufque ad heminam usw. Liber Dynamidorum 2, 91: Sucuf eiuf (marubii) cum vino datuf, dolorem fto- machi tollit. — Ueber wiswurz s. ZfdW. 3(1902) 303 XI. Dns Insbrucker Arzeneibuch 93 und Lexer HWb. s. v. Etwas Entsprechendes habe ich nicht gefunden. Plin. n. h. 27, 46 (absin thium): ftomachum conroborat, et ob hoc fapor eiuf in vina tranf- f ertur, ut diximuf. (14, 109). Dioskorides 3, 112 (= Rom. F. X 425, 28) bibentibuf uenena fubuenit. Marcellus 20, 42; 57; 83: Sucum absinthi, . . . avellanac magni- tudine in aquae calidae quartario bibendum da ieiuno. 49—52. Wohl nur zwei curae. 49—51. Dioskorides 2. 116 (=Rom. F. X 217) bei Vincentius Bellovacen- sis XI 127: ydropicif ac fpleneticis in modum cataplafme impofitum fubuenit. Vgl. ZU XXV 140—146; — 51/52. Vgl. Anhang I 10. ancfmero = aenten tmerweü 53/54. Vincentius XII 85: Isaak (ben Amram): Sue (milium) tarnen gratia ficcitatif confortat ftomachum et alia membra corporif ventremque conftipat. Dyafcoridef (2, 100 — Rom F. X 211) dicit: milium efie diureticum . affatur ad tortionem doloremque ventrif fuppositum calidum valet. Vgl. Plin. n. h. 22, 130. Das gerade Gegenteil in der Berner Oribasiusübersetzung (H. Hagen, Berner Rektoratsprogr. 1875 S. 2). 55—57. Vgl. oben zu 44 f.; ferner Plin. n. h. 20, 243: potum alvom solvit cum fale et aceto. 58—61. Plin. n. h. 25,153: (cicuta) mifcetur colly- riif et alias omnif rheumatifmof cohibet. 26, 101: poda- gras refrigerat . . . cicuta cum lithargyro aut axungia; 122; 28,74 — timul ist schwer zu deuten. Ist es eine Erklärung von eiterwrz oder ein ausgelassener und deshalb nachgetragener Pflanzenname (Wolfsmilch, titimallium; s. ZfdW. 6 (1904\05) 196 timila)? — Leinsamen für Pflaster Dioskorides 2, 106 ( = Rom F. X 212, 27f.) — Plin. n. h. 20, 104 f.: (bulbi) ad fudo- rem tunfi inlinuntur . nervif utilef, ideo et paralyticil dantur. luxata in pedibuf qui funt rufi ex hif citiffime fanant cum melle et fale. Dioskorides 2, 121 (•— Rom. F X 239, 10 f.) : cataplasmis adibiti luxationibuf et dolori- buf, iuncturif et podagricif preftant effectum. 62—66. urfun vgl. Schmeller-Frommann 1 141; II 67; M. Höfler528 b. s. Dioskorides 2,152; Plin. n. h. 20,55: alium . . . lepraf, lichenaf, lentiginef exulcerat fanatque cum origano. — fnite swf. „Schnitte", ist Subject zu tangat? Weniger wahrscheinlich ist ille als Subjekt. — gelichi 94 XI. Das Insbrucker Arzeneibuch zimo wird man zunächst als geliche zc imo fassen; dann ist aber e bis vol varn nicht ganz verständlich. Ist gelichi zimo = gelücke ez im? — Für ia braucht man nicht iar einzusetzen, denn der Schwund des r im Auslaut ist lautgesetzlich. 67—70. Ein oder zwei curae? Aehnlich /*. Pfeiffei WSB. 42 (1863) 137, 27 f.: So du den ubelgetanen nagel fchiere wilt vertriben, so nim honicseim unde auri- pigmentum unde ein wahs unde bint daz über den nagel, fchab ine mit einem fchnidegen mezer, daz er beginne bluoten, fo wirt der nagel fchone, der da nah wahfet. 71—76 sind 2 oder 3 Recepte. 71—74. Placidus Papyriensis 2, 12 (bei Ackermann. S. 11): Leporis sanguinem et pellem in latere crudo combures, vt in cinerem conuertatur, et in aqua calida potui dabis coch- learium vnum ieiuno, mox deliquefcet lapis, quem de- franget et eiiciet. W Bl. 119 r.: Ad calculos frangen- dos. et qui urinam non poffunt emittere . fed guttatim mingunt. ref uera et a peritif medicis experta. Sume radicem uerbene. et fernen faxifrice equali menfura et aprehende leporem uiuum . et guttur eius incide . et de illo fanguine totam eius pellem illine . tunc abftrahe pellem ita fanguineam . et ficca eam ad folem. et poftea com- bure eam fuper feruentem tegulam . et de illo puluere mifce cum fupradictis rebus equali menfura . contere fi- mul ornnia et illum puluerem cum uino tepido bibe . per VII dies . fine mora fanaberis. Vgl. Nd. Jb., 4, 18; 15, 134; B. H. Brockes, Irdisches Vergnügen, 9, 254 : Auch sein Balg, das Herz, die Lunge, seine Nieren, seine Geilen Sollen in den Arzeneyen manchem Kranken Hülf' ertheilen, Haare, Blut und Balg sind nützlich. Aehnliches bei S. Hahnemann Apothekerlex. 1, 398, doch als überholt bezeichnet. Als Hausmittel gebräuchlich, s. O. v. Hovorka-A. Kronfeld II 147. —n\7S.MBl.30v: Petrofilinum in pocione datum veficam curat et petram de ea eicit. W Bl. 31 r: Ad lapidem frangen- dum. Accipe petrofilinum cum fuis radicibus . et bullire fac in uino ufque ad medietatem . frequenter homo bibat ieiunus . et fanabitur. W Bl. 81 r: Ad dolorem uefice: Petrofilinum cum fuis radicibus tolle et in aqua coque . et uinum admifce . et bibe . multum valet. Vgl. Anhang XI. Das Insbrucker Arzeneibuch 95 1 53; II 24. — 75/76. Diesen Gebrauch der Rasura Eboris kann ich nicht nachweisen. S. auch J, J. Woyt* 305 und H. Hahnemanns Apothekerlexicon 1, 251. 77—79. Vergleichsmaterial fehlt mir. 80/81. Vgl. Anhang I 11. 82—91. Ps. 123, 8: Adiutorium nostrum in nomine Domini, qui fecit caelum et terram. Vgl. M. Müller (s. oben zu 20 f.) S. 23 passim. und MSD. II* 280 f. — 90. tufen = du difen vgl. X 37, 16. 92—96. Vgl. Placidus Papyriensis 34, 4 (bei Ackermann S. 76): Ad caducos. Hirundines comestae caducos sanant. Clm. 13076 Bl. 24 r: Contra caducum morbum Accipe pellem (!) yrundinis et capita abfcide et fume fanguinem earum et adte (!) thus vüü (?) et contere totum fimul donec fpiffum fuerit ficut fermentum et fac parti- culas paruas et da ei per tres dies comedere et fi. ce- ciderit tunc mifce cum aqua benedicta et ftilla in os per tres dies et multum valet. IV. Bl. 83v: Ad fanandam paralifin (Lähmung) Sume pullos hirundinum ante quam tangant humum et inpof itos in nouam ollam combure. et puluerem cum melle . et farina quantum nummo poteril leuare . et exinde . III . tortos confice et per . III dies dabis egroto manducare. 5. ferner Plin. n. h. 30, 91. Bei Marcellus 8,138 ein ähnlich zusammengesetztes callible- pharon. Schwalbennestasche ist Mittel gegen Epilepsie in Oberbayern s. v. Hovorka-Kronfeld 2, 218. Vgl. unten zu XXV 227 f. 97—103. Zwei curae. 97—100. Oao von Meudon (Pseudo-Macer) V 119: Urtica. Hec folet yctericoi cum uino fumpta iuuarc. Vgl. Anhang 112. — 100—103. Lieber den Gebrauch der lacerta in der Medizin s. z. B. Plin. n. h. 30, 135 f. Hovorka-Kronfeld I 144; Marcellus 8, 49; 8, 50; 8, 80; 8, 178. 104/105. L 195r: Polegium tritum . cyatos . II . ex aceto tepefacto in linteo lineo . ad nares eius pone . fta- tim loquitur. 106/107. Vgl. Plin. n. h. 20, 244: ipsa herba (sc. marrubiutn) stomachum et exscreationes pectoris purgat, cum iride et melle urinam ciet, cavenda tarnen exulce- ratae vesicae et renium vitiis. Nach purgat hat das Komma zu stehen statt nach melle, wie G. Grosse 96 XI. Das Insbrucker Arzneibuch schon in seiner Uebersetzung (Frankfurt a. M. 1785) 6, 119 die Stelle auffasst (gegen L. Janas). Nach P. A. Matthiolus, Compendium de plantis (Venetiis, In Officina Valgrisiana MDLXXI) S. I rechnete Avi- cenna die Iris zu den urintreibenden Pflanzen. Bei Dioskorides 1, I fehlt ein direkter Hinweis auf diese Eigenschaft. Ebenso kennt Platearius die Iris als Mittel contra opilationem . . . vefice, Ausgabe von 1525 fol. CCXXXIXra. 108— 112. Vergleichsmaterial fehlt. 113—115. Jedes der einzelnen Kräuter wird wohl als die Verdauung fördernd in der lat. Literatur genannt, aber ein genau entsprechendes Rezept fehlt bis jetzt. 1)6—119. Zwei curae, wie sich aus Anhang I 16117 ergibt. Vgl. Marcellus 8, 106: Herbae cheli- doniae sucum, feniculi sucum ad quartarios singulos misce cum mellis optimi quartariis quattuor et oculos gravedine et aspritudine laborantes inunge, mire proderit. 5. noch Anhang I 56; II 26 ; ZfdPh. 12(1881) 150, aus einer Papierhs. des 14. Jhdts., welche u. a. Collegienhefte aus Montpellier enthält: Contra caliginem oculorum . nym scheleworz, crut unde worzeln, unde venkel, unde stoz daz met wyne, unde met honyge, unde du dazu wifzin pheffer, de cleyne gestozen sy, unde wring daz dorch eynen tuch, unde salbe de ougen uzwendich mete; daz heilet sere. Auch W Bl. 74 r hat ein ähnliches, aber viel ausführlicheres Rezept. Anhang I (Clin. 14851 Bl. 115v bis H9r). 1. »Swem daz höbet we tv^ . der mvle wegrich mit win . vfi netze daz höbet da mit vfi tv daz dikche fo wirt im baz. 2. Er fol öch den ephich mvlen mit wine vfi öle vfi mit ezich.vn fide daz zefamne.vfi falbe daz höbet da mit. 3. Swcm daz div ögen we tun . der falbe fi mit hafen galle vn mit honige . fo vlihet daz gefvht. 4. Dem div ögen zseheren . der f ihe rvten faf dvr ein tvch vfi honich . vfi falbe da mit div ögen. 5. Dem div oren fuhtich fin . der nem die wizen maden die vnder den amaizen fint. vn tröfe fi in daz ore. XI. Das Insbrucker Arzeneibuc-h g7 6. Dem di zend we tvn . der nem pfepher vil senif vii ezich . vn mifeche daz zefamne . vn lege dar in den mvnte. 7. Der div wange beftrichet mit falze vfi mit faiphen . daz ift öch gvt. 8. Brat den fweinmift vil wol vii wint in danne in ein wollin t^ch vn lege in vber die zene . vfi tv daz diche fo wirt dir baz. 9. Dem daz herze we tv der eze poleien vn pibenel- len . fo wirt im baz. 10. Dem in den rippen we f i . der nrvle wegrich . vii bint in vber den wen . vii falfZ?/. 116r)be l ) fich mit senten fmerwe . vn mit honige . vii mit faltze. //. Swelhem roffe die würme werren . dem pint eines toden roffes pein an den hälfe . fo fterbent fi. 12. Fvr dl gelfuht . fivt habernezel vii ir würze . vn gib ez dem f iechen ze trinchen nivn tage . alle tage einef lofels mere. 13. Wil d'V' daz din antlvtze fchön f! • fo nim waitzein mel . vii ezich vii öl . vii beftrich daz antlvtze da mit. 14. F'vT dl fprecheln . nim einef wizen fchafes netze vR blaich ez an der lvnne vnze ez trvchen werde . fo nim f in ein wenich in die hant . vii mifche ez mit wazer . vii dwahe daz antlvtze da mit. 15. Sivt chölen würze . vn dwahe din höbet da mit daz werte graewe. 16. Dem div Ögen we t^n . der fiede venichel vii mifche honich darzv . vii falbe div ögen da mit. 17. Dem div ögen zaherent . der fiede fchellewürtze in win . vii lege daz def nahtef vber div ögen. 18. Swer die poleien geftozzen öfe den nabel pindet . fwaz im wirret in dem böche def wirt im bvz. 19. Agrimonia ift gvt vür den milze wen der fi izzet. 20. Dem daz höbet we tv . der nem vcltmagen . vfi ftözze in mit ezich . vii binde daz vber daz höbet. 21. Der niht flafen mach . der nrv~le veltmagen mit öle . vfi falbe daz höbet da mit. ') Am unteren Rand nachgetr.: Ff r dl fchvfce dem we an den ögen od an den zenden ift Nim pfefer. wiroch vü brantbon. v& nrf1 daz vfi temper ez mit wizen einef aief. vn tf daz an ein irch. vfi leg ez f ber daz tf nwenge. Münchener Ttxte VIII, B. 7 98 XI. Das Insbrucker Arzeneibuch 22. Dem div nafe fmeche . der m^le batonien . vn glze fi in di nafe. 23. Dem di zene smechen . der dwahe fi dikche in rinnvndem wazzer . mit merfaltze. 24. Dem daz höbet we tv . der ezze wegrich. 25. Daz faltze daz der briefter wihet an dem fvnn- tage . daz ift gvt ze dem höbet vn zv den zenen . vn zv den ögen. vn vor di haften . vn machet den mvnt wolgefmach . der ez alle tage izzet. 26. Der den riten hat. der ftozze {Bl. I16v) wegrich mit wine vfi trinche daz nvter. 27. Ez ift öch gvte vür di treiben vli lvr der natern biz. 28. Dem daz gemath we tu der trinche Wegerich faf gefoten. 29. Der Wegerich sivdet mit ezzich vn in leit vber ein gefwlft fi zerget. 30. Dem der bvch we tv der trinche petrofilio faf. 31. Dem die vuzze we tvn der ezze bvchelnwürze mit honige. 32. Swelich wip . welle einen fun tragen . div mule hafengeil vn ezze fi. 33. Swer daz antlvtze dwehet mit hafen blute . der vertribet die engeringe. 34. Dwach din havbet mit pharen plüte fo fterbent die nizze vfi die milwen. 35. Dem daz gut vbel werre . lege dri vinger dar vf vfi fprich deuf meuf . deus meuf . deuf meuf. oC. orbi . 7 ofta . conforbi . blaf i. 7 vltpeta . trinitet . 7 tritae . con- circat 7 trite confiftat. in nomine patrif et filii. 7 f pc fei. amen . daz fprich driftunt. 36. Für den ovgen we nim ruten vfi lege fi in wizzen win . dri tage vfi ftoz fi danne mit dem felben wine vfi falbe div ögen da mit. 37. pharen blute vertribet die fprecheln der fich da mit beftrichet. 38. Der ein herte hut habe der nem pharen vnfelit. vfi harz milche daz ze famne vfi beftrich fich da mit. 39. Der finiv ovgen mit efeliner milche falbet dem werdent div ovgen lieht. 40. Den div nater bizzc der trinche gazzine milche . fi ift ovch g^t {Bl. 117f) für daz dwanch. XI. Das Insbrucker Arzeneibuch 99 W41. Der dl h^ndef leber bi im hat . den enbillet dehein hvnt an . noch enbizzet in niht. 42. Der vnfinnige . fo der mane waefeht . der habe pioniam an dem hälfe. 43. Der niht gehaern mvge . der nem gachheil faf. vn trinche cz mit ezich. 44. Jfopus ift gvt dem wibe . in der ein chint erftirbet. div trinche ifopum mit warmen wazzer . Ovch ift dem gvt . dem der mage fwirt. od daz milze . trinche ifop mit warmem wine. 45. Dem der fteche werre der niezsse fin wrze mit warmem trinchen. 46. Pibinella ift gut für die huften vfi ze allen arbeiten def hercen ob man fi mit ezzich fivdet vn fo nivzet. 47. Potentilla ift dem gut den plut durchvert . fied fi mit altem wine vn trinche fi fehs tage. 48. Swelich wip der alp trivget der beftriche fich bibervvrze vn mit fchellcwrze fo entüt er ire nith. 49. Der fenif ift dem gut dem fich div hvt erhevet temper in mit honige vn beftriche fich da mit. 50. Ein chrut heizzet policritum vn wahfet in den fteinen . daz ift dem gut der def haref nith enhat lege def chrutef fiben gebvndel in wazzer dri tage vn niwe ez danne vii f iede ez mit öl. vn cholgrafen vfi mit gen- f inem fmerwe . vfi mifche daz allez zefamne . vfi falb ez warmez an daz har. 51. Epfich ift dem wibe gvt . vor den widermvt. (Bl. 117v) trinche finen famen geftozzen mit altem wine . vfi tv daz nivn tage . Gip ez dem zornigen manne ze trinchen . ez geftillet finen zorne. 52. Der f iech f i in dem magen . der trinche epfich in dem pade. 53. Peterfile ift gvt ze der fiechen platerne . ez wirfet den ftein dar vz ob man ez mit ezzich fivdet. vfi ez diche trinchet. 54. Polipodium . ftainvarme . ift dem gvt . dem dl lanchen fwerent. ob f is geniwet mit brote nizent. 55. Ovch ift ez gut den wiben den we ift after div fe fi genefent nemen die felben wrze mit centhavria in dem wine gefotten . gibirz nach dem pade aht tage vfi fiden win die wile miden. 7« 1 00 XI. Das Insbrucker Arzeneibuch 56. Celidonia ift g^t den tvncheln ovgen dem daz wizze oder die vleche werrent der nem die wrze fchone ge[l]wafchen vn niwe fi vn nem des faffef drl eier fchal volle . vii ezzichef vier honigef eine vn fehzich pheffer- chorn vii vier phenninch gewage oles vii fivd daz allez zefamne vii wol vii la ez danne mit einer veder in dev ovgen. 57. Diapencia wahfet in dem walde vfi ift den gvt die zebleich fint ob fis mit altem witie genuwen niezzent drizzich tage. 58. Den der wrm gebizzet mvle die felben wrze vii [vii] lazze daz faf in den biz . Ez vertribet ovch(Z?/. 118v) dem trophen obman ez mit wine vii pheffer izzet doch drizzich tage. 59. Latvch nivzzet den ein wip div tetten fol ir meret daz fpvnne er machet ovch die rvre vii ift fin faf gvt fvr daz wilde fiwer. 60. Nim def wegerichef bleter vii ftoz fiv mit fwi- ninem fmerwe . vn falbe daz fere da mit ez heilet la. 61. Dem div wampe herte ift der ftoze wegerich fwininen fmerwe vn pint ez vber den bvche ez hilfet in. 62. Ein wip der div brvft fwer div lege dar vber ez ift ir gilt. 63. Artimefia ift für daz fieber gvt der ir fal mit de mifchet vii falbet den f ieche damit. vber al doch dri tage. 64. Ob ein wip nit genefen mach pint ir fi vmbe den lip fi genifet fa . fo aver fi genefen fi fo nim ez vii balde wider abe . oder ez get allez daz in ir ift. 65. Rvta ift ein gvt chrvt dem die vuzze zeblset fin der nem rvten geftozen mit honige vii mit falze vii lege ez an die gefwlft fi entfwillet fa. 66. Die anfwammen oder anchrut ezzent daz fi ane finne fint den gib rutenfamen ze trinchen vii givz in daz nafloch fo gewinnent fi ir finne. 67. Der daz vieber habe andern vierden tage der nem der wrze nivn (Bl. 118v) gebvndel vii verfiede fi vii wol vii trinche daz driftvnt fo def dürft fi. 68. Obe dir din hovbet we tu fo lege rofen in ein glafvaz vii habe [vii habe] ez ane die fvnne vnze ez fich wol getemper fo ftoz rvten dar zv vii beftrich din hovbet da mit fo wirt dir baz. XI. Dai lmbrucker Arzeneibuch 101 69. Gvnderebe ift dem gvt dem vergeben ift nim fin zwelf bleter geftozzen mit morazze vfi trinche daz in dem fweizbade daz ift im gvt. Ob dir indem magen die flexma werre oder inder lvngel fo nim der bleter faf vfi trinche diche in niwem pire. 70. *ini'cion ift gut für die blatern der ez mit fwininem fmerwe vn lege ez dar vf leit. 71. Ez ift ovch gvt fvr den ftechen der ez mit wawine vn mit pherfichcherne vn mit pheffer trinchet. 72. Anagal' ift vil gvt ze dem peinbrvche niwe fi mit wine vn mit pheffer vn trinche ez nivn tage. 73. Celidivf ift heilfam dem daz maz leidet vfi diche wllet ezze daz chrvn zeriben in eiern. 74. Marubivm ist gvt fvr die herzechlvfte der div bleter vn die wrze fivdet in wazzer vfi ez alfo trinchet. 75. Ditamne ift dem gvt der algahef erftummet ob man f i tempert mit wine vfi mit wazzer vfi dem fiechen in den mvnt givzzet er fprichet (Bl. 119r) fa. 76. Celidius ift dem wibe gvt dev dem manot ver- giht ift gib ir daz felbe in allem dem daz fi nivzet. 77. Prefirica ift dem manne gvt di wrm indem bvche habent vfi dehein rav indem bvche habent lege daz felbe chrvt in honich vfi gib ez dem fiechen zeniezzen. Ift ez danne der wintwrm fo nim def chrvtef wrze einef dvmen lanch vn alf groz vfi fnit daz zedvnnen fchlben vfi fivt daz in honige vfi la ez ften einen tach darnach gib ez dem fiechen zetrinchen inwarmem wazzer vfi in ole der wrm ver von im fa. 78. Nimphea wahfet bidem wazzer vfi ift gvt den wiben die ze vil minnent obman fi pvlvert vier vnze dem wibe indem ezzen git, Anhang II. (Cod. Vindob. 1118 Bl. 79v bis 81 v). DE uirtutibuf quarundam herbarum uel radicum. /. Yfope ift gut ob div geburt ftirbet indem wibe. Trinch fi mit warmen wazzer fo vert iz uon ir. vfi ift gut uon dem ftechen vfi uur den magefere. 2. Pibenelle ift gut vor den herzefere der fi in dem ezzifche fiudet vfi trinchet. 3. Genciana ift gut vfi hemer tobenden mit ezziche gefoten. 1 02 *'• ,,as Insbruckcr Arzcnübuch 4. Stainweran mit prote genozzen ift gut vor den lanchfere. 5. Shelwrz ift gut vor den öchferen mit wine vfi oleo vfi mit wizen ingiber getemperot. 6. Biboz ift gut vor dem zandefweren vfi den wiben wr ir geburt. 7. Seniph mit (Bl. 81 r.) honige gewech . ift gut vor den rüden. 8. Minze ift gut vor daz hvor. 9. Eboumef fvch ift gut zv trinchen vvr den tropphen. 10. Epphich getrunken in dem babe (ßc!) ift gut vvr den zorn. 11. Louch vvr den buchfveren ift gut. 12. Hauiswrz ift gut di vbele gehorent der fi in daz höre tropphet . mit huner fmalz gemifchet. 13. Galgan ift gut den der munt ftinchet . vfi zv minnen. 14. Citewar fterchet den magen vfi uertribet daz aither . i. uenenum 15. Ingeber ift alten leuten gut iz fventet allen fichtum. 16. Perchtram fvent rooz . vfi den muntlvern. 17. Mufkat ift warm . iz fterchet den mennifk . vfi machchet gut chuffen. der leberen vn def milzef svern vertribet iz. 18. Beonu ift gut der wibe nature . fi tvinget daz blut. vfi uertribet di gefuulft. 19. Liquarizia ift gut. wr den hüften . vfi zv dembruft- fwern. 20. Brionen puluer mit honege gemifchet legiz ober den grint iz hilfet. 21. Ob du vifche welleft vahen . Puluere diie wrze vfi wirf fi in daz wazzer fvelich vifch ir imbeizet . er ftirbet fa . vfi fwebet obe. 22. Alliz daz blint erworfen wirt daz mach man mit den chrute erblentem ob man in iz ze ezzen git. Ovch gibet fi varwe der fi fiudet mit ftarchem wine vfi alfo trinchet . vfi mifchet aloe ufi falz in iz hilfet. 23. Contra tumorem. fimum columbinum cum anx- fugia ueteri mifce quo inpofito detumefcit. 24. Qui urinam non facit. fume petrofilinum apium faxifrigiam . bafilicam . feniculum verbenam . et mifce . ac per triduum ieiunuf bibe. XI. Das Insbrucker Arzeneibuch 103 25. Cui ftecho nocet. Bibat trifolium cum uino et pipere et medulla perfici. 26. Ad oculof. Celidonie fucum cum radicibuf et feni- culum tere cum uino et melie et oculof forinfecuf unge 27. Ad infenfatof, Genaanam cum aceto bibe et irritä hec reuocat fenfum. 28. Item, femina que priufquam genuerit egrotat fumat eandem cum Reumatica et de uino temperata bibat. 29. Ad pulfum pectorif. Puleium tritum cum aceto et melle mixtum bibatur. 30. Ad cordis dolorem. Bacaf iuniperi tere ac mixto uino ante noctem et mane per linteum colato triduo bibe et curaberis. 31. Anthidotum quod medici de piretro ad ref multaf habent. non facile ueritatem eiuf cuiquam indicant quamuif faciliuf plurimum accquiratur. eft enirn res aptiifima ad tociuf corporif falutem. Piretri libram diligenter contun- daf et difcretuf et puluerem factum reponas in buxa Cornea vel in doleo uitreo, cum opuf fuerit ad omne uicium mittef coclearia tria in mulfa . cyatof. II . da bibere et fanat. Paraliticis ftomaticis. Colo laborantibuf medi- cina mulierum . lateris et renum dolori qui fubito ex- pauefcunt. Ebriofis lunaticis hijs omnibuf reftitit. Hoc medicamento qui ufus fuerit fanuf fit. Bonum colorem reddit crudelitas pellit . digefti- (Bl. 81 v) onem facit. corpuf ficcat. nullam finit infirmitatem in homine morari. 32. So dem wibe ir nature niht rechte enchumet . fo fide fi den miftel mit wazzer . vfi fidze fi dar auf fo fiz aller haizef erliden mugc driftunt in den tage fo chumet iz ir rechte. 33. V^r daz rechchen . der marrubium gemult vfi gefoten mit honige vfi gemifchet mit gelichem wine vfi daz trinchet iz hilfet. 34. Vvr di uulen wnden. Marrubii pleter mit geliehen honige . VÖ lege auf di uulen uunden fo hailent f i fa. 35. Mulle de hufeszungen pleter . vfi fued fi mit wine . vfi trinch iz . daz lofet den harn vfi prichet den ftain . inder plater. 36. Ob daz wip zv getlof fi . gib ir ze trinchen be- tonicam mit ezzich . fo gedultit fi ir fa. 104 XII. Kräuterbuch 37. Den der flange gebize, der trinche fi mit wine der alt f i vn mit ole . fo ift er genefen. 38. Yfope ift gut ob du geburt inden wibe irftirbet fo trinche yfopum mit warmen wazzer, 39. Dem der mage fwirt oder daz milze. der trinche yfopum mit warmen wine er ift fa genefen. 40. Dem der ftech werre, der trinche fi mit warm wazzer. 41. Bibinelle ift gut zv der huften . vn ze aller flachte arbaite des herzen ob man fi mit ezziche fiudet. 42. Dem fich dev hut ebulet oder ewlet der neme den fenif mit honige getemperet vn ftrich an fich fo wirt im baz. 43. Enciana vn hemer. di wahfent vn ift gut di dehainer widze vn ir finne nehabent gib in die hemern iz bringet fiv wider. 44. Dem fin wip nah der geburte fichet. div neme hemern vn tempere fi mit wine fo ift fi genefen. 45. Deme ze lanchen we fi mulle ftaiwarm mit dem brode daz ift gut. 46. Violu ift gut dem daz gebaine zebroften ift gib fi genowen vnd getemperet mit wine iz wirfet di wlen abe vn wahfet iz zefamene. 47. Ob div nafe ftinchet fo nim violen vn derre fi vii newe fi gemifchet mit cinemine vn plafe fi indi nafe der ftanc gelovbet fich fa. 48. Ifran ift gut ze dem chropphe . ob man f i newet mit anchfmer . vnd dar an gebindet. 49. Di ifram ift gut ovch den div fpinne gebizet. nev fi vn fved fi . danne mit wine vn gib im zetrinchen vii nev div pleter vn lege über div wnden. 50. Petrofilinum ift gut der fiech ift an der plater ob man fi fiudet mit ezze . vii enzeclichen drinchet . fi wirfeit im den ftain vz der plater. XII. KRÄUTERBUCH. Ueberlieferung: 1. Präler Fassung: Clm.536Bl.86r bis 87 r. Von drei verschiedenen Händen geschrieben. (I , die gleiche die Nr. X schrieb, Zeile 3 — 27; XII. Kr*ut«rb»ch 105 //, sehr klobig Zeile 28 bis 48; III, den Rest). Alle drei Hände aus der Zeit um 1150. Vgl. Nr. X-~. 2) Insbrucker Ms. Nr. 652 Bl. 78 v bis 79 r. von der gleichen Hand wie Nr. XL Literatur: s. Nrr. X und XI. Aeusserlichkeiten des hslichen Textes: 1. P. Die Absätze 3; 7; 9 und 13 sind durch rote Initiale gekennzeichnet, die übrigen durch grossen Buchstaben. Man erkennt deutlich, dass sie et st nach der Niederschrift eingefügt worden sind. Zu beachten ist, dass der Anfang des Stückes mit Capitalis rusiica beginnt. — 2. /. Ausser zu 48 und 55 sind die Stellen für die Anfangsbuchstaben der Absätze leer gelassen, um später vom Rubrikator ausgefüllt zu werden, was aber nicht geschah, Heber die Selbständigkeil des Stückes s. zur Quellenfrage. Akzente: P einen *'; / einen ' und einen*. Interpunktion: In P und I wird nur der Punkt verwandt. Grosse Initiale nur für Absatz. Quellenfrage: Dass wir es in Nr. XII mit einem selbständigen Stück zu tun haben beweist I. die Prüler Fassung, der unmittelbar vorher Bl, 86v bis 86r ein grosses Stück aus dem Dekret Bonifatii IV. vom römischen Konzil 610 (= Mansi 10, 5041505) voraufgeht und wie in I eine Anzahl lat. Rezepte folgt (Z. 47 f.). 2. Die Anordnung nach Pflanzen und nicht nach Krankheiten. 3. Der durchweg deutsche Text, dem keine lat. Worte eingestreut sind. Die nahe Verwandtschaft von I und P zeigt sich sogar in orthographischen Dingen. Sie stellen eine Ueberlieferung dar. Die Quelle des Stückes war natürlich lateinisch und diese wohl ein Excerpt aus einem grösseren lateinischen Werk; man wird zunächst an den alphabetisch umgeordneten Dioskorides denken, der dem Conslantinus Africanus zugeschrieben wird; aber was ich in Hss. davon zu sehen bekommen habe, hat diese Erwartungen nicht erfüllt. Auch Oribasius hat ähnlich angeordnete Pflanzenverzeichnisse, doch ebenfalls nichts Entsprechendes. Auffällig ist und bleibt, dass der deutsche Text in manchen Punkten der Schrift ] 06 XXL Kräuterbuch Constantins de gradibus nahe steht. Jedenfalls handelt es sich letzten Endes um antikes Material. Chronologische Schlüsse möchte ich noch nicht ziehen, besonders da wir uns über den Umfang des deutschen Textes nicht klar werden können. Die Möglichkeit ist zuzugeben, dass PI eine Verkürzung bieten und dass ein oder das andere Kräuterrezept der in den Anhängen I und II zu Nr. XI mitgeteilten Stücke auch in einer besseren Fassung von Nr. XII gestanden haben kann. Ich möchte nur auf die auffällige Ueber- einstimmung von Anhang II Nr. 21\22 mit Ruodlieb II 1 f. und 27 f. hinweisen, die nur teilweise im Dios- korides Entsprechendes findet (s. Rom F., XI 43, 3 f. 11 f. Das Uebrige geben die Erläuterungen, die bestrebt sind, die Fäden aufzudecken, durch die das Kräuterbuch mit der Antike zusammenhängt. Heimat und Verfasser: Bayern: ai für ei P7; I 6; P 32; neben der Dualform dei P 33; I 32. Literarisches: Nr. XII ist das erste Kräuterbuch in deutscher Sprache. Der Ausdruck ist oft von medizinischer Kürze. Erläuterungen: 3 f. Dioskorides 3, 27 = R. For. X, 389, 7: elixa cum caricis et melle et ruta adibita peripleumonicis prodest, catarron mitigat, ortopnicis utilis accepta . . . humores uentris deponit . . . cum caricis uiride comeditur ad uentrem molliendum .... cum uino bibitus tumores omnes sparget. Ferner R. For. XIII 192, 8f.: facit uero ad torace et lateris causas, rleumone et tussim antiquam conpescet, asmaticis et dysuriis et tortioni- bus prestolatur, frigora periodica proibet, menstruis im- perat. Plin. n. h. 23, 122: coctae {sc. fici) cum hysopo pectus purgant, pituitam, tussim veterem, cum vino autem sedem et tumores maxillarum. Aehnlich 26, 29; 31 : Hysopi fasciculus cum quadrante mellis decoquitur ad tussim, lateris, pectoris dolores. 34 .' item hysopum et asth- maticis, ferner 54; 160: Hysopum suffocationes (sc. mulierum) laxat. Ferner steht 28, 246. — Dynami- dorum lib. II 26: Hyssopus calefacit et phlegma de- ducit. Constantin de gradibus I 370: Cuius apozema cum ficubus siccis et melle et ruta coctum et bibitum apostema pulmonis et anhclitum curat. DiuturnaB tusses XII. Kräuterbuch ]07 et catarrhum de capite ad gulam pectusque descendentem mundat. . . . ventositatem placat. Avicenna catl. II 2, 364: Issopus humida (= Oesypo) .... Resoluit duri- ties, quae sunt in partibus vesicae et matricis et con- fert frigiditati earum et frigiditati renum. 365: Issopus sicca: confert pectori et pulmoni patientibus asthma et tussim antiquam et eius decoctio cum ficubus et melle sil'r et apreatibus duris et anhelitui dilatationis. Odo von Meudon (Pseudo-Macer) V. 1504 f.: Eius decoctio facta Sic ut cocta simul sint mel, ficus quoque sicca, Prodest non modicum, patientibus hausta catarrhum, Subvenit et voci raucae versata palato Et prodest cunctis pulmonum sumpta querelis .... In pectus capitis si destil- latio riat, Quod persaepe solet tussim phthisimque creare, Prodest haec eadem decoctio sumpta frequenter . . . Con- trito viridi si iungitur oxymel Uli, Sicque datur bibitum, stipatum molliet alvum, Cum vento nocuo viscosum flegma repelleus. Cardama si iungas his, solves fortius alvum. - Vgl. Nd. Jb. XV 141. — Nr. XI Anhang I 44; 45; II 1; 38; 39; 40. 5 die Lesart steche swm. (vgl. E. v. Steinmeyer ahd. Gl. IV b, 649, 22: Ad telum . i. stecheden) ist nach den medizinischen Parallelen vorzuziehen. Ferner A. Fleckeisens Jahrbücher f. class. Philol. 19. Supple- mentbd. 893 S. 552: Ad stekethon coniuratio; Ad pustellam quae stechetho vocatur. 7 f. Dioskorldes 4, 137 (R. Forsch. 11, 62), Plin. n. h. 27, 121. Dynamidorum lib. II 21 und 35: Sucus eius cum pusca potatus sanguinem reicientes sanat .... cum calda potatus dysentericos stringit. L. Bl. 194 V Omnia. que circa corsunt. sanat bibynella. L. Bl. 195 r Herba pybinella in una hora liberat hominem omnes de fendit malicias a corpore et spleneticos curat et ad tussim siccam cum aceto sumpta prodest. Nullus homi- num precium pybinelle potest scire. Ähnliches findet Sich in M. Bl. 30r: Item ad omnia que circa cor sunt, pibnella sanat (rot). Ad serpentis morsum. Bethonieam cum vino veteri et oleo bibat. Discutit venenum. Item pipinella cum vino potione facta da bibere. Aut rutam tritam super morsum ponas . atque bibas statim eicit. Item (bis sanat rot) ad pociones venenatas pibnella sanat. 108 XH. Kräuterbuch Herba pibnelle in vna horat (!) liberat hominem demonivm, cxpellit sine mora omnes defendit. malicia a corpore eius et spleneticos curat, et ad tussim siccat cum aceto sumpta prodest. Nullus precium pipinelle potest invenire. Vgl. Nr. XI Anhang I 46; II 2; 41. 9 f. Dioskorides 3, 3 = R, For. X 376, 25: cuius radiz . Z. ii. cum piper et ruta et uino accepta morsi- bus uenenatis occuret. Plin. n. h. 25, 100: Gentiana praecipue adversus anguis duabus drachmis cum pipere et ruta, vini cyathis sex sive viridis sive sicca. Aehnlich wie Plin. Dynamidorum lib. II 5. Constantin de gradi- btlS I 367: Duobus scrupulis de ea temperatis cum melle et aqua calida et potui datis aut cataplasmata morsum serpentis curat. Avicenna can. II 2, 288: Est ultima medicina puncturae scorpionis et pondus . 3 . // ex ea cum vino confert puncturae omnium vermium venenoforum et morsui canis rabiosi et morsui omnium animalium rapacium. Bartholomeus (S. de Renzi Collectio Salernitana Napoli 1856 IV, 358): De. signis (cura) morsus canis rabidi: Item gentiana cum bono vino potatam, idem prestat. L. Bl. 195r: Gencianam cum aceto et mel et rutam da bibere . sensum reddit. Vgl. Nr. XI Anhg. II 3: 27; 43. 11 f. Dioskorides 4, 131 — R. For. XI 60, 13: uir- tus est foliis ipsius elixis et aqua ipsa bibita asmaticis et disnoicis medicari, ictericis et disuriis medicari, Plate- arius, Avicenna und Constantinus Afric. bei Vincen- HusX 122 kennen das polypodium als Purgationsmittel (vgl. unten zu Nr. XXV, 147 f.). Vgl.Nr. XI. Anhang 1 54; II 4; 45. 13 f. Dioskorides 2, 182, = R. For. X 245, 9 f.: sucus eius melle addito et coctum sine rame super car- bones caligines oculis detergit. Plin. n. h. 25, 90: sucus florentibus exprimitur, et in aereo vase cum melle Attico leniter cinere ferventi decoquitur, singulari re- medio contra caligines oculorum . utuntur et per se suco in collyriis quae chelidiona appelantur ab ea. Apul. 73,1: herbat chelidonise radicem pistabis cum uino uetre et melle Attico et pipere albo, l ) et cum inuicem bene con- ') Vgl. das Zitat aus Constantin de gradibus unten unter ingiber s. 113. XII. Kräuterbuch 109 tritum fuerit, inunges deintus, caliginem difcutit: ipsi ex- perti sumus. Quidam de succo eius oculos sibi inun- gunt, darauf die oben aus Plinius zitierte Stelle fast wörtlich. Dynamidorum Hb. II 36 bringt ähnliches wie Plin. und Apul., nur verbreitert. Ferner steht Marcellus 8, 106. Constantin de gradibus I 381: Succus eius uisum mundat et acuit grossosque humores in eo existentes desiccat. Avicenna can. II 2, 199: Membrana oculi. Quando bullitur succus eius fuper pru- nas donec ad medietatem deueniat, acuit uisum. 738: Succus earum bonus est in acuendo visum et abstergendo, quod est coram pupilla de aqua et albugine. Odo von Meudon (Pseudo-Macer). V. 1702: Utilius nullum dicunt oculis medicamen, Quos caligo nocet, si sint hoc saepe peruncti. Vgl. Nr. XI. Anhang I 56; 115. 16 f. Dioskorides 3, 121 = R. For. X 429, 3 f.: elixatura eius mulierum causas mitigat, menstruis imperat, secundas excludet, mortuos infantes in utero deponet, constrictiones matricis resoluet, omnes tumores sparget. . . erba ipsa tusa et in u/wuilico posita menstruis imperat . sucus eius murre mixtus et matrici suppositus omnia supra- scripta facere novit. Dynamidorum lib. II 47: Artemisiae, hoc est zygiberis, genera sunt III, monoglossa, tagantes, lep- taphyllos .... Leptaphyllos trita cum vino potui data matricis dolorem tollit: cocta in aqua cum absynthio ad vaporem eius, matricis causas a partu dolores intestinorum pondere tollit. Sucus eius pectini superpositus menstrua movet: decoctio sive sucus eins, aut pulvis ex ipsa, in aqua calida si bi- batur, eadem praestat. Plinius bei Vincentius spec. nat. 10, 39 (s. n. h. 26, 152): Eiufdem quoque radix pota intantum purgat ut partus enecatos extrahat. Avicenna can. II 2, 86: prouocat menstrua sedendo in eius de- coctione et confert vlceribus eius et ejicit secundinam et foetum et confert coadunationi oris matricis, et aperit ipsum, et duritiei eius bibita et more emplastri superposita et potatur ex ea usque ad drachmas V. Odo von Meudon (Pseudo-Macer) V. 7 f.: Praecipue morbis mulie- bribus ista medetur; Menstrua deducit eius decoctio sumpta, Hocque facit, matrix si saepe fovetur eadem, Vel si cruda mero sociata terendo bibatur Aut si trita virens super alvum nocte ligetur; Pellit abortivum potu vel subdita HO XII. Kräuterbuch tantum, Duritias solvit stericas pellitque tumores. W. Bl. 29: Ut mulier cito pariat. Artemesiam finiftro lateri illius appone. Et ubi peperit aufer cito ne matrix fequatur. L. Bl. 195r: Mulieri partu laboranti . artemefia circum- ligata prodeft. W. Bl. 78v : Ad partum mulieris. Arte- mefiam femori finiftro fufpende . et cum peperit cito herba rapiatur . ne inteftina sequantur. — Nr. XI Anhang I 63; 64; II 6. — «S. Hahnemann 1, 166: gegen Hysterie und daher rührende Zurückhaltung der Monatreinigung. Man beachte die sich geradezu widersprechenden Angaben in P. 18 f. und J. 17 f. 20 f. Dioskorides 2, 154: uralmia al'peo aüv (xeXoxt 9j aiiom y) xrjpwx^ . aüv ö£et Sfe 7tpö? Xercpaq y.ix.1 Xet^va? dypious TcepiyptetaL = R. For. X 231,7: sed melle et ab- sungiae mixtus ulnera suprascripta cerotalis utiliter mis- cetur. cum aceto mixtus leprosis et sernosis subuenit. In der Uebersetzung Joh. Dantzens von Ast, Frankfurt 1546 Bl. 56v: Senf mit honig oder fchmaltz / oder mit wachs vnnd öl durch eynander zerfchmeltzt / vermifcht / vertreibt die blutigen ftreychmafen / Mit effig vermifcht / wirdt er nützlich angeftrichen / widder die raude vnd böfen flechten. Plin. n. h. 20, 240: inlinitur et livoribus suggillatisque cum melle et adipe anserino, aut Cera Cypria. Odo von Meudon (Pseudo-Macer) Bl. 24 v : Semen contritum melli coniunge uel uncto, Illud alopecias iuuat unguen saepe fricando. — Nr. XI Anhang I 49; II 7; 42. — uzgebüuhten wird man zu bliuwan stellen müssen (s. Grimm DWB. 2, 111) und nicht zu blüejen. 22 f. Dioskorides 3, 38 = RFor. X 393, 9: sucus eius bibitus . . . uenerem stimulat. Plin. n. h. 20, 147: data in aqua aut mulso eadem vi resistere et generationi creditur cohibendo genitalia denseri. Dynamidorum lib. I 22: quam qui frequenter comederit, privabitur semine minusque valebit. Constantin de gradibus 1 159: libi- dinem äuget. Avicenna can. II 2, 495: Adiuuat ad coitum propter inflationem, quae est in ipsa, et humidi- datem hortulanam, qu§ non est in mentastro et oppilat vasa spermatis . . Odo von Meudon {Pseudo-Macer) V. 1581 f.: Matrici succus si subditur illius ante Quam fiat coitus, mulier non concipit inde. Vgl. Nr. XI Anhang II 8. XII. Kräuterbuch 11 \ 23. Ebom = lat. ebenus, daneben auch hedera (s. ZfdW. 2, 226), deren virtutes aber nicht hieher passen. — Dloskorides 1, 98: dvSpixös 81 nowl xa! izpbt; xa TtaXaia ^eujxaxa xa! epXuxxtöa?. d Se xiq 7ror/)aa£ ££ aüxfjg dx6vtov xpfy XQ &k xa xoXXiipia, ßeXxtovIevepyTfjaei. xaxepydsexai 8k etg xa öq>fraX|juxa xöv xopveuuaxwv yj p^vrjudxwv ßpe- youivtov iv ot'vq) Xc'to i£ 6 xexauuivog \i61$8oq. apjio^eo 5e Vj xotaüxrj npbq cpwpocp'iraXuias xa! ^pocpfraXu^a;. Derselbe im Zitat bei Vincentius sp. n. 13, 62: Virtus etiam ei purgatoria eft iöque caliginem oculorum ac reumatifmum detergit et prohibet. Puluis etiam in cacabo crudo bene munito combuftuf ad oculorum claritatem facit. Vgl. Nr. XI Anhang II 9. — tropfe daher nicht in der Bedeutung apoplexia zu nehmen, sondern auf eine Erkrankung der Augen zu beziehen. Vgl. M. Höfler s. V. 752 f. 24 f. Dioskorides 3, 71 — RFor. X 406, 20 f.: esti- gationem stomachi conpescet . . . elixatura radicis eius bibita uenenis occurrit {vgl. oben XII 9f), uomitum proibet, uentrem stringit . cuius seinen . . . uentum et inflationes stomachi tollet. Plin. n. h. 20, 191: Dalion herbarius parturientibus ex eo (sc. aneso) cataplasma in- posuit cum apio, item volvarum dolori, deditque bibendum cum aneto parturientibus . phreneticis quoque inlinunt vel recens cum polenta. Constantin de gradibus I 379: Semen eius uentrem constipat .... Est et aliud genus apii, quod uulgus cerefolium dicit . . Quod melle potui datum urinam et menstrua prouocat, lateris dolorem, renum et uescig placat. Ventris torsiones de grossa uen- tositate mitigat. Stomachi uentositatem et epatis et om- nium uiscerum dissoluit et oppilationem aperit. Est et aliud genus apii, quod dicunt petroselinum . . . Semen eius . . . uentositatem et inflationem dissoluit . . . Ven- tositatem colic§ passionis dissoluit. Avicenna can. II 2, 56: confert hepati et spleni, monet eructuationem propter resolutionem suam et non est velocis digestionis et descensionis. Odo von Meudon (Pseudo-Macer) V. 345f.: Sedat feruorem stomachi pellitque tumorem. Et quiequid uenti creat includitue nociui Desiccans poris as- 1 12 XII. Kräuterbuch sumpta repellit apertis .... Ventrem constringit, uomitum potata coercet. W. Bl. 67 v: Ad hominem iracundum. Apium frequenter bibat iram tollit. letitiam adducit. Ad calculum. Apium in panno calidum bibat. urinam soluit. stomachum calefacit. Vgl. Nr. XI Anhang I 51' \52; II 10. 26 f. Plin. n. h. 15, 263f.: eaedem capitis doloribus medentur suco vel folio temporibus inlitis .... medentur et aurium dolori. — Vgl. Nr. XI. Anhang II 12. 28 f. Dioskorides 1, 2: ötpeXei xal axpayYouptövxac, {hjpioÖTfjxTous. 1, 4: ßo^S-ei 8h %aX axopraoroX^XTOtfi Con- stantin de gradibus I 372: Galanga calida et sicca est in tertio gradu. Stomachum phlegmaticum corroborat, uim digestiüam adiuuat, uentositatem dissoluit, os odori- ferum reddit, colicam curat, renes calefacit et libidinem augmentat. Avicenna can. II 2, 46: Et apud Galenum eius odor non est nisi bonus. Et secundum quod nos sentimus non bonus. Odo von Meudon (Pseudo-Macer) Bl. 45 r: Flegmonem stomachi sumptum galanga resoluit. Et si flegmaticus fuerit, corroborat ipsum. Inclusum uentum sumptum fugat interiorem. Vim digestiüam iuuat hoc colicisque medetur. Oris non modicum mansum commen- dat odorem, Augmentat sumptum ueneris renumque ca- lorem. — Vgl. Nd. Jb. XV 129. Wesentlich dasselbe noch in S. Hahnemanns Apothekerlexikon 1, 327. Vgl. Nr. XI Anhang II 13. 31 f. Constantinus de gradibus I 374: Zedoar calidum in tertio gradu, siccum in primo. Est contra ue- nenum et morsus reptilium. Inflationem et grossam uentositatem dissoluit, stomachum confortat, appetitum irritat, putorem oiis propter allia amputat, si post alia zedoar accipiatur. Similiter et uini odorem ab ore aufert. Avicenna can. II 2, 745: Et theriaca venenosorum om- nium viperae et napelli et aliorum. Odo von Meudon (Pseudo-Macer) V. 2131 f. : Adprime sumptum zeduar obstare uenenis Äff irmant et reptilium morsus leuat haustum. Sumptum confortat stomachum ructusque salubres Commo- net et crebro fastidia reprimit usu. Antiquum stomachi dicunt curare dolorem. Illud patiens ieiuno masticet ore. Et sie infeetam sensim uoret ille saliuam. Lumbricos uentris depellere dicitur haustum. Allia quem faciunt foetorem pellit ab ore. Et nimium bibiti uini depellit XII. Kräuterbuch 113 odorem. — Vgl. Nd. Jb. XV 130. — Nr. XI Anhang II 14. — di hechune der aiterwurmei (-vt urme.M)= gegen Schlangen und Insektenstich. Vgl. oben S. 83 zu X38,15. 34 f. Dioskorides 2, 161 = R. For. X 234, 7 f.: ma- xime ad öibere et ad manducare adibetur.....uirtus est ei termantica, malaptica uentris, eustomaca. Con- stantin de gradibus I 367: Zingiber cal. in tertio gradu, hum . in primo. Epar de frigido et humido oppilatum aperit. Grossam stomachi et intestini uentositatem dis- soluit, uentrem humefacit. Dua; drach. zingiberis et duae facchari cum calida aqua acceptse uiscosos humores purgant. Conditum libidinem augmentat, stomachum calefacit et cibum digerit. Superfluam etiam stomachi humiditatem de piscibus uel fructibus desiccat. Quo non inuento piper album uel longum pro eo poni potest. Avicenna can. II 2, 746: Calidum est .... Digerit et conuenit frigidi- tati hepatis et stomachi et exiccat humorositatem stomachi . . . Excitat coitum nutritum et non nutritum et leuit ventrem leviter. Odo von Meudon, Floridus V. 2109 f. : Zinziber atque piper aequales in medicina dicunt, hac causa taceo de uiribus eius. — Vgl- Nd. Jb. XV 130. — Vgl. noch S. Hahnemanns Apothekerlexikon, 1, 444. — Nr. XI Anhang II 15. 37 f. Dioskorides 3, 82 = R.for.X 410, 16/.: ac- cepta fleuma deponit, unde et dentium dolorem compescit, si cum aceto fuerit cocta et gargarismo adibita. masti- cata supererrante capiti fleuma deponit, cum oleo uncta sudores prouocat, frigora tipica prohibet et a rigore aeris tuta corpora seruat. Constantin de gradibus I 381: Linguam enim urit et nimium phlegma attrahit. Ideoque dentibus de frigiditate et humiditate dolentibus ualet, si calefactum dentibus imponatur aut gargarizetur. Guttur et uuam de phlegmatico humore mundificat. Linguam frigiditate et humiditate grauatam alleuiat. Avicenna can. II 2, 554: Vehementer aperit oppilationes cola- torij et constrictionem narium et eius decoctio confert dolori dentium et proprie frigido. Odo von Meudon (Pseudo-Macer) V. 2088f.: excruciat dentes si frigidus humor Masticet hoc patiens teneatque diutius ore. Et iuuat admixto si gargarizetur aceto. Hocque modo tu- midam reprimit de flegmate linguam. Sic uuam releuat Münchener Texte VIII, B. 8 114 XII. Kräuterbuch humoris pondere pressam. Et multis aliis uitiis sie sub uenit oris. — Dasselbe noch bei S. Hahnemann 1, 110 f. — Nr. XI Anhang II 16. 39 f. Constantin de gradibus I 355: Nux muscata cal. et sie. in 2. gra. Ori foetido odorem bonum reddit, digestiuam uim adiuuat, uentositatem expellit, epar et spien confort^t, uentrem constipat. Gal. Nux muscata, inquit, cutem ab impetigine, lentigine et scabie mundificat. Splenis et epatis tumorem dissoluit. — Vgl. Nd. Jb. X V 129. — S. Hahnemann 2, 114. —Nr. XI Anhang II 17. 42 f. Dioskofides 3, 149 = R. For. X 439, 9: datur uero ista mulieribus post partum, facile purgare possint; in modum amigdale dari debet. cum uino bibita dolorem uentris conpescit . ictericis et neufreticis et dolori uessice uino elixa et bibita prodest, uentrem abstinet. Plin. n. h. 26, 152: Muliebi ibus morbis medetur maxume in Universum Paeoniae herbae semen nigrum ex aqua mulsa. eadem et in radice vis menses ciet. Apul. 64, 2 (= Dy- namidorutn Hb. II 117): Ad ischiaticos. Herbau Pjeoni§ radicis partem alligabis lino eumque, qui patitur circum- cinges, res est saluberrinia. Constantin de gradibus I 358: Hoc itaque cum melle bibita menstrua prouocat, epatis et splenis oppilationem cum suo acumine aperiens, sua stipticitate lyenteriam constipat. Ideoque cum melle potata diarrhiam curat. Avicenna Can. II 2, 561: con- fert radix eius icteritice et aperit oppilationem, qua est in hepate .... Et quando bibitur cum vino et prouo- cantibus mouet menstrua .... Et quando in potu datur fortis de radice eius quantitas amygdale mundificet eas a fuperfluitatibus partus prouocatione educente superflui- tates et confert de radice eius quantitas auellan» dolori renum et vesic» et decoctio eius cum vino stringit ventrem et prouocat. Odo von Meudon (Pseudo-Macer) V. 1608 f.: Si iungatur ei uiolenter amygdala trita, Menstrua sie purgat et fluxum detinet alui. Illius in uino decoctio saepius hausta, Vesicae duros sedat sie sumpta dolores. Et scotosim sie illa iuuat stomachique dolorem. — Nr. XI Anhang II 18. 45 f.: Dioskorides 3, 5 = R. For. X 378, 19: sueus ipse aspredine arteriarum dislenit, sed diu sub lingua re- tentus gluttire debet. Constantin de gradibus I 347: XIII. Frauengeheimnisse 115 ualet tussientibus, pectus, guttur et canales pulmonis hu- mectat sitim mitigat. Apozema eius decoctionis cum penidijs mixtum in modum electuarij compositum pectora mundat. Cocta in aqua cum recens fuerit et succus extractus ab ea desiccatus, succus liquiritiae uocatur. Qui optimus est asperis canalibus pulmonis et stomacho perusto. Vniversaliter, liquiritia pectori et Spiritus instrumentis congruit. Avicenna can. II 2, 445: Lenit cannam pulmonis et mundificat eam, ut confert pulmoni et gutturi et clarificat vocem, Platearius bei Vincentius sp. n. XI 86: contra omnia pectoris uicia eius decoctio in aqua et pleuresi ac peripleumonie . vinum decoctionis eius ualet contra tussim. — Vgl. Nd. Jb. XV 129. — Noch heute gegen die gleichen Beschwerden angewandt. — Nr. XI Anhang II 19. 54 f. Constanlin de gradibus I 386: Mixta (sc. Ruta) cum succo marathri et melle et collyrio ex eo composito ualet oculorum obscuritati et incipientibus catarrhactis. XIII. FRAUENGEHEIMNISSE. Ueberlieferung: Nr. 652 der Universitätsbibliothek Zu Insbruck Bl. 79v auf die Probatio alexandri magni ad matrem fuam olimpiam folgend. Literatur: s. zu Nr. XI. Aeusserlichkeiten des hslichen Textes: Eingang in Capitalis rustica. Sonst dieselben Gepflogenheiten wie bei Nr. XII (].); s. daselbst. Akzente: fehlen. Interpunktion: s. zu Nr. XI und XII. Quellenfrage: s. z. Nr. XI und XII. Erläuterungen: 1—6. Placidus Papiriensis I 15 (Ackermann S. 6): Ad concubitum excitandum. Cerui tefticulorum ficcorum aliqua pars pota : concubitum excitat. Sed hoc non agit, nifi voluntas sibi praeueniat. — Z. 2 Druckfehler. — 5 aie ist mir unverständlich. 15—17, Vgl. das Zitat bei Vincentius sp. n. 10, 116: Ex herbario: peonia in fummitate habet mali granati 8» 116 XIV. Schwäbische Trauformel magnitudinem . que noctu lucet quafi lucerna . et habet granum cocci fimilem. Noctu a pastoribus inuenitur; res eft faluberrima. 5. auch Plin. n. h. 25, 29. XIV. SCHWÄBISCHE TRAUFORMEL. Ueberlieferung: Clm. 2. XU.Jhdt. Bl. 38 v von einer Hand des 12. Jhdts. nachträglich eingeschrieben. Die Hs. scheint aus Augsburg zu stammen. — Faksimile bei E. Petzet-0. Glauning, Deutsche Schrifttafeln Taf. XX. Literatur; H. F. Massmann, Rhein. Museum f. Jurisprudenz 3 (1829) 279 bis 283. — Ders. Abschwö- rungs. . . .formein (1839) Nr. 64. — IV. Wackernagel ZfdA. 2 (1842) 548 bis 555. — Ders. Deutsches Lb. 1 (1859) 187 bis 190. — MG. LL. III (1851) 150\151. — K. Roth, Beitr. z. deutschen Sprach-, Geschichts- und Ortsforschung 3 (1862) 237\38. - R. Schröder, Geschichte des ehelichen Güterrechtes in Deutschland I (1868) 71172. - MSD. Nr. XCIX. - R. Sohm, Das Recht der Eheschliessung 1875 S. 101 f.; 319 f. — 0. Holder-Egger NA. 9 (1884) 392. Aeusserlichheiten des hslichen Textes: Die einzelnen Phasen der Handlung durch Majuskel und teilweise nicht sehr deutlich vergrösserte Minuskel gekennzeichnet. Akzente: 4 ' und 9 *. Interpunktion: Verwandt werden der Punkt und ', ohne dass ein Unterschied im Gebrauch ersichtlich wäre. Quellenfrage: Von einer eigentlichen Quelle kann bei diesem Stück nicht die Rede sein. Die Quelle ist die Rechtsüberlieferung. Ich lasse die wichtigsten Trauformeln zum Vergleich folgen und verweise noch auf Ruodlieb Fragment 14 (Seiler 15), Meier Helmbrecht V. 1503f. und Wittenweilers Ring V. 140, 39 f. XIV. Schwäbische Trauformel 117 Formel zum Edikt Rotharis 162 {MG. LL IV 333, 25/.) Domne comes, date huic Mariae tutorem. — Dato, die: domne comes, hoc dicit Maria cum Petro tutore suo, quod plures vices reclamavit se ad vos de Alberto suo cognato et suo mundoaldo, qui denegat suam volun- tatem, et maritum, quem habet electum, non vult sibi dare; unde vos plures vices illi mandastis missos et epistolas, ut ad vestrum placitum veniret et sibi iusti- tiam faceret, et ille venire noluit. — Dicis tu ita, Maria ? — Sic dico. — Et tu, suus tutor, dicis ita? — Sic dico. — Et vos, domne comes, recordamini sie? — Sic recordor. — Et vos iudices? — Sic recordamur. — Dicite, vos iudices, quod commandat lex? — Tunc de- bent dicere: 'Si quis flliam suam aut quamlibet parentem in coniugio alii dederit' usque ad: 'parentes proximos, qui prius eam ad maritum dederint'. — Cum dieta fuerit lex: interroga eum, qui vult ipsam feminam: vis aeeipere ad coniugium legitimum eam? — Volo, Deo volente. — Et tu, mulier, vis eum aeeipere ad legitimum coniugium ? — Volo Deo volente. — Et tunc die: es tu paratus ad dandam medietatem de meta heredi prioris mariti? — Sum; C soldos dedit, ecce L. — Post die: Si a Deo est factum, pro hoc venit Martinus, quod vult sponsare Mariam riliam Petri. — Venisti propter hoc? — Veni. — Da wadiam, quod facias ei quartam portionem de quanto tu habes aut inantea acquirere potueris, tarn de re mo- bili, quamque immobili, seu familiis, et si te subtraxeris, componas libras C. Et per istam spatam et istum wan- tonem sponso tibi Mariam meam filiam. — Et aeeipe tu eam sponsario nomine. Et commenda eam ei usque ad terminum talem. Tu pater feminae, da vadiam ei, quod tu des ei eam ad uxorem, et mittas sub mundio; et tu vadiam da, quod eam aeeipias; et qualis se sub- tr axerit, componat solidos M. — Cum venerit ad ter- m mum, f5 an t cartulae leetae et fiat femina tradita per m anum. — Propter hoc dat, Petre, hanc crosnam, ut m ittas eam sub mundium cum omnibus rebus mobilibus et immobilibus seu familiis, quae ad eam per legem per- tment, et mundium et crosnam tradas sibi ad proprium. üa ei launechild. — Precipite fieri noticiam, donne comes. 118 XIV. Schwäbische Trauformel Formel zum Edikt Rotharis 195 (MG. LL. IV 341,47 f.) Donne comes, date huic Mariae tutorem. — Dato, die: Donne comes, ita dicit Maria insimul cum Petro suo tutore, quod iam per plures vices est ipsa vobis lamen- tata de Paulo de tali loco suo mundoaldo, quod misit ei crimen, quod adulterasset, aut insidiatus est in animam ipsius, aut voluit eam invitam ad maritum tradere, unde vos iam per plures vices ei mandastis per brevem aut per epistolam, quod ad placitum vestrum venisset, et ei iustitiam fecisset, et ipse noluit venire. — Maria, dicis tu ita ? — Dico. — Et Petre, qui es suus tutor, dicis tu ita? — Sic dico. — Donne comes, recordamini vos ita? — Sic facio. — Et vos iudices dicitis sie? — Sic dieimus. — Tunc debet interrogare comes iudices: dicite, quod pre- cipit lex. Tunc iudices debent dicere legem. Tunc postea comes debet interrogare ipsam mulierem, et debet ei ita dicere: in cuius mundio vis esse? — lpsa debet, si non habeat parentes, si vult, respondere: in mundio palacii. Tunc debet dicere unus iudicum pro eo qui vult eam aeeipere uxorem: senior comes, si a Deo est factum, pro hoc venit Martinus, quod ipse vult sponsare Mariam mundoaldam de palatio. —■ Venis propter hoc? — Sic facio. — Dona comiti vadiam quod tu fatias ei Mariae quartam portionem, de quanto nunc habes aut inantea adquirere potueris, tarn de re mobili, quamque inmobili seu de familia, et si te subtraxeris, ut componas solidos mille. — Per istam spatam et istum wantonem ego sponso tibi Mariam mundoaldam de palatio, et ego vobis commendo eam usque modo. — Donne comes, dona ei vadiam, quod tu des ei ad legitimum coniugium Mariam mundoaldam de palatio, et mittas sub mundio cum Omnibus rebus mobilibus et inmobilibus seu familiis; et tu Martine, dona ei vadiam quod tu aeeipias eam, et qualis ex vobis se subtraxerit, componat solidos M. — Fiat scripta quarta et fiat tradita ad feminam. — Senior comes, aeeipite illam mundoaldam de palatio et donate Martino ad legitimam uxorem ad habendum. — Sic facio. — Senior comes, propter hoc donat Martinus istam crosnam et istam lanceam et istum scutum ad habendum a domno imperatore per mundium Mariae XIV. Schwäbische Trauformel 119 mundoaldae de palatio, ut mittas eam sub mundium cum Omnibus rebus mobilibus et immobilibus seu familiis, quae ad eam per legem pertinent, et retento scuto et lancea, tradas ei hanc crosnam et mundium ad proprium. — Retinentur enim illa duo a comite. — Donne corties, precipite fieri noticiam. Langobardische Trauung. {MG. LL. IV 599, 33/.) Qualiter vidua Salicha desponsetur; nam de puella fit ut de ceteris. Comite missove regis cum Septem iudicibus in iudicio residentibus, tongino vel centenario placitum banniente, femina vidua Salicha tali tenore et tali conditione sponsetur. Et adsint novem homines, quorum tres sunt actores et tres rei, et tres ut testes huius omnis rei, et solidorum III et unius denarii eque pensancium; ita ut hi actores utantur tribus accionibus, quarum due semper quasi iure- iurando indigeant terminari, veluti controversia de via antestetura et de consilio mortis, tercia vero accio semper duello gaudet examinari, actore de clipeo et baculo pre- parato ut de furto supra VI solidos et de deposito XX solidorum et ultra. Et factis accionibus et iure pro his datis vadimoniis a reis, actores baculos vadimonii reis restituant. Hoc facto et a sponsuro precio suprädicto repario dato, debet mulier inquiri, an eligat eum virum de quo sit placitum sibi. Quod cum mulier affirmaverit, tunc debet pater sponsuri interrogari, si filio suo con- sentit; et post orator incipiat: 'Notum sit vobis, Quirites, si a Deo factum ornatumque fuerit, quod Fabius venerat, ut sibi Sempronia, relicta quondam coniux Thersitis, et que est ex genere Francorum, filia Ciceronis, vobis pre- sentibus Fabio spondeatur a Seneca suo repario.' Quo a Fabio confirmato, Seneca ab oratore interrogatus re- spondeat: 'sponso sibi'; et post orator interroget Fabium, qua lege vivendo utatur. Si dixerit verbi gratia: 'Salicha', tunc orator dicat: 'O Fabi, da Senece vadimo- nium, ut facias Semproniae, que defensione Senece re- gitur, iure tuo securitatem scriptualem tercie portionis omnium rerum quas nunc habes vel adquisieres, tarn rnobilium quamque immobilium seu familie, et si hoc 120 XIV - Schwäbische Trauformel non feceris, ut componas decem libras auri.' Quo wa- dibus firmato, tunc gladius cum clamide et cirotheca tenebitur a Seneca et orator dicat: 'per illum gladium et clamidem sponsa Fabio Semproniam tuam repariam, que est ex genere Francorum' Quod cum Seneca firmaverit tunc orator dicat ad Fabium accipientem eundem gladium cum clamide dicat et: 'O Fabio, tu per eumdem gladium et clamidem conmenda eam sibi, donec fuit inter te et illum conventio.' Quo facto, tunc Seneca det Fabio wadimo- nium, quod dederit Semproniam ei ad legitimum con- iugium et mittet eam sub mundio cum omnibus rebus mobilibus et immobilibus seu familiis que ei legibus per- tinent, et Fabius det Senece wadimonium eam recipi- endi; et si quis eorum se subtraxerit, componat x libras auri. Quo facto tunc Fabius eam subarret annulo, et post tradantur cartule donationis et dotis, vel Scripte ibi le- gantur, et post Seneca det coniugem Semproniam Fabio, et Fabius Semproniae cartas. Hoc facto pro mundio det Fabius Senece crosnam unam valentem xx solidos, et orator dicat: 'O Seneca, tu per hanc crosnam mitte sub mundio hanc cum omnibus rebus mobilibus et immobilibus seu familiis, que ei legibus pertinent, et mundium et crosnam trade ad proprium Fabio.' Quo facto tunc Fabius cum Sempronia iam sua uxore launechild Senece tribuat. Altenglische Formel (F. Liebermann, Die Gesetze der Angelsachsen I 442f.) Be wifmannes beweddunge.^/W^ 1 ) Gif man msedan odde wif weddian wille, 7 hit fwa hire 7 freondan gelicige, donne is riht, daet fe brydguma aefter Godes rihte 7 aefter woroldgerynfhum sereft behate 7 on wedde fylle dam, a ) de hire forsprecan synd, 3 ) paet he on da wifan hire geornige, det he hy aefter Godes rihte healdan wille, fwa wser his wif fceal; 7 aborgian his frind daet. iEfter dam is to 4 ) witanne, hwam daet fofterlean gebyrige; weddige fe brydguma eft paes; 7 hit aborgian his frynd. ') = Hu man mseden weddian fceal; 7 hwylce forewarde bjer aghon to beone B. *) Danach m B. *) fyn B. 4 ) to /. //. XIV. Schwäbische Traufoimel 121 Donne fyddan cy|)e fe brydguma, hwaes he hire geunge, wid j)am det 1 ) heo his willan geceofe, 7 hwaes he hire geunge, gif heo laeng fy donne he. Gif hit fwa geforword bid, J)onne is riht, dset heo fy healfes yrfes*) wyrde — 7 ealles, gif hy cild gemsene habban —, bute heo eft waer ceofe. Trymme he eal mid wedde paet J)set he behate; 7 aborgian frynd |)set. Gif hy honne selces pinges fammaele beon, donne fon magas to 7 weddian heora magan to wife 7 to rihtlife dam de hire girnde; 7 fo to J)am borge fe de daes weddes waldend fy. Gif hy man donne ut of lande lsedan wille on odres pegnes land, donne bid hire raed, dset frynd da forword habban, daet hire man nan woh to ne do, 7 gif heo gylt gewyrce, dset hy moton beon böte nyhft, gif heo naefd, of hwam heo bete. Mt pam giftan fceal mseffepreot beon mid rihte, fe fceal mid Godes bletfunge heora gefomnunge gederian an ealre gefundfulneffe. Wel is eac to warnianne, 3 ) dset man wite, daet hy durh maegfibbe to gelsenge ne beon, de laes de man eft twaeme, daet man 4 ) aer awoh tofomne gedydan. Kölnische Formel (Ferd. Wallraf Beilräge z. Gesch. d. Stadt Köln 1818 S. 159/.) So wer yrre zwen zosamen geuen sali zo der Ee, de sali dese wort sprechen de herna steent: Item zome yrsten sali he vragen den man: bistu he, dat due Beylgen, off we sy heyst — den namen sali man nennen, — zo eyme elygen wyue ind zo eyme bed- genoyssen hauen woult. So sali der brudegem sagen: Ja ich. So sali he de bruyt vragen myt yrme namen: bistu he, dat du Heynrich, off we sich der brudegam noempt, hauen wult zo eyme mumber ind beddgenoussen etc. So sali sy sagen: Ja ich. So sali der brudgam dan den rynck nemen ind stechen dan den 5 ) rynck der bruyt in yren vynger neyst dem kleynen vynger etc. ') de B. ») orfes B. ') werianne B. *) m Item . Canta hunc uerf um: Vox drTi fuper aquas . d's. it° . d . f. a . m . (= Ps. 18,3) und Mang Seutter, Ein vaft Schönes vnd Nutzliches Buech von der Roß- artzney etc. Augsburg 1588 Kap. 32, S. 78 : Von dem Mord. DIfes ist ain seltzame Kranckhait / das nämlich ein Roß gählingen auff ain mal nider feltt / als wenn es gleich sterben wolt / darumb sie dann auch disen Namen hat / usw. — 2, fafef, am ersten f ist korrigiert, doch kann man nicht sagen, ob 1 oder i das ursprüngliche war. Vielleicht sollte in Faref gebessert werden, vgl. das biblische Phares filius Iuda. — Nach fvn wohl etwas ausgefallen. — do = dö. 5—10. intufus, derselbe Ausdruck J. Grimm, Deutsche Myth." III 494 Nr. VI und Abhandl. d. k. sächs. Gesellschaft d. Wiss. VIII 677 Anm. Es ist von den lat. Stellen auszugehen, in denen das Wort die Bedeutung „betrunken" hat. Dem entspricht der deutsche, wie es scheint südlich des Mains nicht übliche Ausdruck „verfangen". Vgl. K. Adelung Wb. d. hd. Mda. 4, 1030; Mnd. Wb. V 484, 22b; Nd. Jahrb. VI (1880) 77 f.; 95; 97. — 6 f lüthere, vielleicht kommt man doch mit schluder (DWB. 9, 807) durch. — 7 Die Genitive bezeichnen vermutlich Pferdekrankheiten, ouerväggenef = verfangen, vgl. G. Lasch mnd. Gram. § 344. — gerays — gereizes? oder gersehes? — wämbfzigef wohl, wie Artikel und Interpunktion andeuten, ein Übel für sich; die erste Componente des Wortes wird zu as. warn zu stellen sein, und W. Scherer vergleicht vielleicht mit Recht das Wamapis in dem Pariset Segen Ad vora- citatem equorum BSB. 1885 II 580. Vielleicht ist aber auch hierherzuziehen, was im mnd. Wb. 5, 582 unter wamsel steht. Vgl. ferner as. wliti - warn bei J. H. Galle'e, Vorstudien z. ein. as. Wb. S- 392. — fcathene erklären MSD. = scathende nach F. Bech, Progr. des XVII. Pariser Wurmsegen — XVIII. Bamberger Blutsegen 127 Stifts-Gymnasiums in Zeitz 1882 S. 4. Doch lässt sich eine Worltrennung denken fcathe nefi. Die Schwierigkeit der Stelle liegt m. E. in dem the. — Zu dem ganzen Stück vergleiche man noch die interessanten Ausführungen Seutters a. a. O. S. 187 f. über den Wirrwarr in der Bezeichnung der Pferde- wurmkrankheiten. XVII. PARISER WURMSEGEN. Ueberlieferung: Cod. nouv. acquis. 229 der Pariser Nationalbibliolhek Bl. 9v bis 10 r. Die Hs., dem 12. Jhdt. angehörig, war früher im Besitz des Erzbischofs von Narbonne, Charles Legoux de la Berchere (f 1719). Der Inhalt der Hs. teilweise medizinisch. Literatur: A. Morel-Fatio ZfdA. 23 (1879) 435 bis 437. - MSD. IP 281—. — W. Scherer BSB. 1885 II 580 f. — Martin Müller a. a. O. (Nr. XVI) S. 23. Akzente: Ein Circumflex. Interpunktion: Satzanfänge haben Majuskel. Im übrigen wird der Punkt angewandt. Heimat: Oberdeutsch. Südfränkisch? XVIII. BAMBERGER BLUTSEGEN. Ueberlieferung: Cod. L III 9 der Bamberger Bibliothek Bl. 139vb. Vgl. F. Leitschuh Katalog der Hss. der k. Bibliothek zu Bamberg I 2, 433 bis 435. Die Hs. aus dem 13. Jhdt. enthält nur Medizinisches. Unserem Stück geht voraus: Bl. 139vb. Ad idem.Cure de libro pauperum. Item ad item . fumpta de medicinali pauperum. Stet quicunque uelis fanguif qui naribus exit. Sanguinem tymporibus fit uerfus fronte refcriptus Gobus . ceffa gobus . beronuf. cum beroriffa Item ad fluium fanguinif. 128 XVIII. Bamberger Blutsegen Sanguinem draconis inpuluerizatum naribus infuffla . hanc femper repetens orationem. Zacharias occifus est in templo . et obduratus eft fanguis in petris'. 1 ) Ds qui fixisti solem 2 ) in gabaon . et lunam iuxta elom . fige fanguinem iftum . et fifte per fidem ueroen fanguif iftiuf fluxum. Scribe in dextra fpatula patientif de ipfo fanguine . AU'a ter . Et iftud die ter . Max . Nax . Pax Accipe ramum croffum sambuci . femipedis longvm et fiflb per medium . feribe in utrifque . Pax fuperas . fine furgat. Et conuinetum fufpende in Collum fluxum patientif. VT die ter Stringe uenam murmur . lunam cefla . amen . Pater nofter Unserm Stück folgt: Bl. 139vb. Crift wart hi erden wnt. daz wart da ze himele chunt. izne blötete . noch ne fvar . noch nechein eiter ne bar. taz was eio file göte ftunte. heil fis lu wnte . In nomine ih'u xpi . daz dir ze bvze . Pater nofter . ter . Et addenf hoc item . Ich befuere dich bi den heiligen füf wnten . heil fis tu wnde . et Per pfatrem . et fi- lif um . et fpiritum-j- sem . fiat . fiat . Amen. Literatur: F. Leitschuh AfdA. 15 (1889) 216; — MSD. IP 275. — R. Kögel, Geschichte der deutschen Literatur 1 (1894) 262 f. — F. Detter PBB 19 (1894) 511. — Martin Müller a. a. 0. (Nr. XVII) S. 26. — O. Ebermann, Palaestra 24 (1903) 44 f. — A. Jacoby ZfdA. 54 (1913) 200 bis 209. Aeusserlichkeiten des hslichen Textes: C in Crist rot. Die Majuskel in So Z. 4 leitet den zweiten Teil ein; vgl. M. Müller S. 28 f. Akzente: Vier * und 3 Interpunktion: Als Interpunktion dient der Punkt. Quellenfrage: Wir haben es bei dem unter Ueber- lieferung beschriebenen Komplex mit einem Exzerpt aus einem Buch zu tun, das sich ähnlich wie späte/ der Thesaurus pauperum nannte über pauperum. Dieser Komplex, in dem der Spruch überliefert ist, ist jüdischchristlich. Reste alten germanischen Heidentums in l ) 2. Par. 24, 20 f.; Matth. 23,35. ») Jos. 10, 3; 12. BlBLtGTHrlK ; AXiSSKLDOU! j XXI. Münchener llalsentzündungssegen~~.___.....-429 dem Spruch zu erblicken, lehne ich ab. Jacoby bringt eine interessante Parallele aus dem Evangelium in- fantiae arabicum nach Tischendorfs Uebersetzung in den Evangelia apocrypha* (1876) 199f.: Alia ibidem (d. i. in Betlehem) mulier degebat, cuius filius a satana vexabatur. Hie, Judas nomine, quotiescumque satanas ille cum corripiebat, omnes qui ad eum appropinquabant tnordebat, atque si neminem iuxta se inveniebat, suas ipse manus et caetera membra mordebat. Audiens ergo mater huius miseri famam herse Mariae et filii eius Jesu surrexit ac filium suum Judam secum ad dominam Mariam deduxit. Interim Jacobus et Joses dominum Jesum infantem abduxerant, ut cum eseteris infantibus luderet; ac domo egressi consederant, et cum eis dominus Jesus. Accessit Judas dsemoniacus et ad dexteram Jesu consedit; tum a satana, ut fieri solebat, intestatus dominum Jesum mordere voluit, sed non potuit, tarnen latus Jesu dextrum percus- ait, unde hie flere coepit. Extemplo exivit ex puero illo satanas fugiens, cani rabido similis. Hie autem puer, qui Jesum percussit et ex quo satanas forma canis exivit, erat Judas Ischariotes, qui illum Judaeis prodidit; et idem eius latus, in quo percusserat eum Judas, Judaei lancea confixerunt. Wiewohl dieser Passus nicht Quelle sein kann, so zeigt er doch die Richtung an, wo diese zu suchen ist. Heimat: Ost fränkisch: vordühta = verduhta. Vgl. J. Franck, Afrk. Gram. § 65,4. Literarisches: Müller hat richtig erkannt, dass das von Leitschuh veröffentlichte Stück in einen Prosasegen und in einen poetischen Segen zerfällt. Die Ms. deutet das auch ganz sinnfällig wie bei den einzelnen Rezepten durch rote Anfangsinitialen an. Nur in dem Prosastück finden sich Akzente, auch ist seine ■Sprache altertümlicher, sie weist in die Zeit Willirams. XIX. MÜNCHENER HALSENTZÜNDUNGSSEGEN. Ueberlieferung: Clm. 23390 (ZZ) Bl. 59 b. Die «W. gehört dem 13. Jhdt. an. Münchner Tote VIII B. » 130 XX. Grazer Hagelsegen. Literatur: G. Roethe AfdA. 25 (1899) 220)21. — A. Franz, Benediktionen I 459. Heimat: Oberdeutschland. Erläuterung: Vgl. Nd.Jb. 5 (1879) 77 .-Wedder de wedage des halfes roep an fanctum blafium, dat he dy to hulpe käme, vnde drink wyt hundeshaer, nüchteren vnde myt bere, vnde lat in der medianen edder vnder der tungen, dat ys ghud. — ZfdA. 13 (1867) 216: item bona oratio contra squinanciam. domine J. Chr., vere deus noster, pro virtute tui sancti nominis Jesu et pro oratione beati Blasii, servi tui, liberare digneris hunc N famulum tuum vel famulam, ab Omnibus infirmitatibui gulae et gutturjs et vuule {sie!) et aliorum membrorum suorum, qui vivis et regnas deus per omnia ssec. s»cu- lorum . amen . hoc die ter. dicat et ter Patern, et Ave maria. XX. GRAZER HAGELSEGEN. Ueberlieferung: Perghs. 41112 in Quart der Grazer Universitätsbibliothek, letztes Bl. Versoseite von einer Hand des 12. Jhdts. Literatur: A. Schönbach, ZfdA. 18 (1875) 79. — J. Grimm Mythologie* 530f.; Nachtr. 182f. — A. Franz, Die kirchlichen Benediktionen im Mittelalter II 66 f. — M. Müller a. a. O. (Nr. XVII) S. 23; 78. Aeusserlichkeiten des hslichen Textes: Nur mit Mühe lesbar und durch Reagenzien noch unleserlicher geworden. Akzente: Fehlen. Interpunktion: Als Interpunktion wird der Punkt verwandt. Die Majuskel dagegen wird nicht mit Regelmäßigkeit gebraucht. Quellenfrage: Hier wohl tatsächlich ein nur äusser- lich verchristlichter Überrest niederer Mythologie. Heimat: Bayerisch-österreichisches Sprachgebiet, wahrscheinlich Gebirgsgegend. Literarisches: Ni. XX ist der älteste bis jetzt bekannte Hagelsegen in deutscher Sprache. Erläuterungen: 2 Ivie riffe unklar; riffe = rüefe? — b wize fteine Hagelkörner — daz = daz s — 9 hart XXI. Gothaer Fiebersegen. 131 Fels, auch gefrorener Schnee ; vgl. Schmeller-Frommann I 1168. — isege kann wohl nichts anderes sein als eine unter Reimzwang gebildete Form zu iagen. Soll das heissen: Oben auf dem Berg lagst du und jagtest die Engel (d. h. die guten Geisler) die Christus mit feiner Schar vor den bösen Hageldämonen beschützt t — 10 me getar, vielleicht ne getares. XXI. GOTHAER FIEBER SEGEN. Ueberlieferung: Cod Membr. Nr. I der Gothaer Hofbibliolhek fol. 407va und 414vb. von einer etwas jüngeren Hand als die war, die die Hs. schrieb. Die Hs. ist auf Veranlassung des Abtes Reginbert von Epternach von einem Ruotpert geschrieben. Vgl. Fr. Jacobs und F. A. Ukert, Beiträge z. älteren Literatur II (1836) 11 bis 13. Sie war wohl noch 1247 in Epternach, wie aus dem Eintrag einer aus diesem Jahre stammenden Bulle für Epternach von Innocenz IV. auf Bl. 414 hervorzugehen scheint. Literatur: K Regel ZfdPh. 6 (1875) 94 bis 98. — M. Müller a. a. O. S. 26. — Hier nach freundliche! Vergleichung R. Ehwalds. — A. Franz, Die kirchlichen Benediktionen im MA II 474 f. Aeusserlichkeiten des hslichen Textes: Dei Schreiber hat auf einem „leergebliebenen Raum der ersten Spalte von fol. 407 zu schreiben begonnen und als er sah, dass der Platz hier nicht vollständig ausreichte, mit den Worten: Quere aliam partem in ultimo folio iftius libri auf die Fortsetzung verwiesen, welche er am Schlüsse des Werkes in der vierten Spalte von fol. 414 hinzugefügt hat, indem er auch, damit keinem Leser des Buches der erste Teil seiner Aufzeichnung entgehen möchte, zuletzt wider mit den Worten: Quere octauam commemorationem fcarum reli- quiarum et inuenies primam partem huius benedictionis auf den Anfang des von ihm in die Hs. eingeschmuggelten Stückes zurück verweist." Akzente: Ein Akut. 9* 132 XXII. Münchener Wundsegen. Interpunktion: Die Majuskel wird unregelmässig febraucht, desgleichen der Punkt. Einmal wird die r irgel angewandt. Quellenfrage'. Die lateinischen Verweisungen, in denen das Wort Benedictio erscheint, deuten auf kirchlichen Charakter. Das Stück ist offenbar eine Anweisung für den Priester, wie et in Fieberfällen sich dem Kranken und um Beistand Bittenden gegenübet verhalten soll. Die entspt eckende Formel ist noch zu suchen. An irgendwelche heidnischen Ueberreste ist nicht zu denken. Heimat: Wahrscheinlich Epternach selbst. Die Mundart des Stückes ist jedenfalls moselfränkisch. Erläuterungen; 4 zu wille s. Nr. VIII 17. — 15 f. Das Kursivgedruckte sind Ergänzungen von Regel; von ihnen „ist eigentlich nur gelaze (derelinquat) ganz willkürlich nach dem Sinn ohne allen Anhalt an einen Buchstabenrest geraten." — 19. Hier macht sich wohl der Einfluss eines Gebärsegens geltend: Vgl. R. Heim in A. Fleckeisens Jahrbüchern für klass. Philologie 19. Supplementband, 1893, S. 550: Ad difficultatem paricndi probatum. Elisabet peperit prae- cursorem, sancta Maria genuit salvatorem . sive masculus sis sive femina, veni foras, salvator revocat te und die dort in der Anm. zitierte Literatut. XXII. MÜNCHENER WUNDSEGEN. Ueberlieferung: Clm. 23374 (ZZ374) Bl. löva, nach alter Paginierung S. 218a, von einer Hand aus der 2. Hälfte des 12. Jhdts. geschrieben. Literatur: ZfdA. 15 (1872) 454. — R. Köhler, Kleine Schriften, 3,552 bis 558. — MSD IP275; 281 f. 0. Ebermann, Palaestra 24 (1903) 24 bis 64. — A. Franz, Benediktionen a. a. O. II 511\512. Aeusserlichkeiten des hslichen Textes: Die fett- fedruckten Buchslaben rot. — Z. 15. Absatz durch Teberdenrandrücken des D gekennzeichnet. — Z. 22 kein äusseres Kennzeichen eines Absatzes. XXII. Münchener Wundsegen. 133 Akzente: Zwei Akute über i. Interpunktion: Die Majuskel wird ganz unregelmässig gebraucht, im übrigen der Punkt verwandt. Quellenfrage: Vielleicht lateinische Vorlage (vgl. R. Köhler l. c. 555.) Fast gleichlautende lateinische Formeln sind aus dem 13. Jhdt. erhalten: Eine aus St. Florian, abgedruckt Germ. 18 (1873) 234: In nomine patris et filii et Spiritus sancti. Tres boni fratres per unam viam ambulabant et interrogabat eos dominus: Tres boni fratres, quo ibitis? Responderunt et dixerunt ei: Domine, ut videamus herbam donationis et percus- sionis et ceptionis. Dixit eis Dominus: Jurate mihi in crucifixi Christi et intactae virginis quod in abscondito neque eatis neque mercedem accipiatis et accedite in montem oliveti et accipite oleum purum et lanam ovis et ponite in omni datione,' dicite: In nomine patris et filii et Spiritus sancti. Neque collectero neque putredo fiat amen. Dominus erit in adjutorium et sicut Hebreus Longinus lancea fixit in ******i) domini nostri Jesu Christi, non ancavit, non flammavit, non putredinem fecit, ita fiat. Plaga non flammet, non ardet, non putredinem faciat. In nomine patris et filii et Spiritus sancti. Pater noster ter die faciens crucem ad quamque dictionem. Eine andere aus Leipzig, abgedruckt Altdeutsche Blätter II 323 = Germ. 13 (1868) 184f.: Tres boni fratres ambulabant per unam viam et oecurrit Ulis dominus Jhesus Christus et ait: Tres boni fratres, quo itis? Dicunt ei: Domine, imus ad montem colligere herbas plagationis, percussionis et doloris. Et dicit dominus: Venite mecum et iurate mihi per crueifixum et per lac beate Virginis, ut non in abscondito dicatis nee mercedem indc accipiatis . Sed ite ad montem oliveti et tollite inde oleum olive, intingite in eo lanam ovis et ponite super plagam et sie dicite: Sicut Longinus miles latus salvatoris aperuit, non diu sanguinauit, non rancauit, non doluit, non tumuit, non putruit, nee ardorem tempestatis habuit, sie plaga ista, quam carmino, non sanguinet, non rancet, non doleat, non tumeat, non putreat, nee ardorem tempestatis habeat. In nomine patris et filii et spiiritus sancti. Amen. Die *) Abgerieben. 134 XXIII. Cambridger Augensegen. ter et dominicam ter orationem et: Ne nos inducas in temptationem, sed libera famulum ab hoc malo et ab omni malo. Amen. Fetner im Clm. 19440 S. 282 (vgl. E. Steinmeyer Ahd. Gl. IV 572,20) von einer Hand des 12\13. Jhdts. eingetragen: In nomine patrif et f. et f. s. Tref boni fratref per unam uiam ambulabant et obuiam eif dnf nofter ihc. * et interrogauit eof dicenf. Tref boni fratres quo itif et dixerunt. Dne nol imuf ad »untern oliueti colligere herbaf plagationif et percuffionii. Dixit eif dnf nofter ihc \. Tref boni fratref [quo itif] uenite poft me et iurate mihi per crucifixum et per lac beate marie ut non in abfcondito dicatif nee mercedem aeeipiatif • fed afeendite ad montem oliueti et aeeipite oleum oliue et lanam ouif et mittite ad plagam et dicite fic . die helje longinuf lanceam fixit in latere dni noftri ihn ,' nee diu fanguinauit nee ranclauit nee tumuit nee tempe- tatem ardorif habuit. Sic nee diu fanguinet nee ranclet uec tempeftatem ardorif habeat wlnus iftud. In nomine p. et f et f. Heimat: Bayrisch. Erläuterungen: 10 cruce guten muss als crueegote» gefasst werden. 19 enhatter = enaiter. 20 gefent = gefegenet. XXIII. CAMBRIDGER AUGENSEGEN. Uebertieferung: Homiliarium des 12. Jhdts. B 1.219 b der Cambridger Library of Peterhouse, beschriebe» bei M. R. James Descriptive Catalogue of the Manu- Scripts in the Library of Peterhouse, Cambridge 1899, S. 158 unter Nr. 130. Ueberschrift von anderer Hand: Notum fit omnibus in Chrifto fidelibus. Literatur: M. R. James a. a. O. (mir nicht zugänglich) — K. Weinhold Zs. f. deutsche Volkskunde 11 (1901) 79 bis 82; 226. — Hier nach Weinhold, der den Text nach einer zeilengetreuen Abschrift K. Breuls gibt. — A. Franz, Benediktionen a. a. O. II 486 f. — Oben Nr. V. Akzente: Fehlen. XXIV. Rezept gegen Stein. 135 Interpunktion: Vermutlich getreu wiedergegeben. Demnach wird nur der Punkt verwandt, für Satzanfang Majuskel. Quellenfrage: Vermutlich lateinische Vorlage (vgl. A. Franz l. c.) Heimat: Baiern oder Schwaben. Erläuterungen:2 Weinhold verweistauf MsF30,13: Crift fich ze marterenne gap (AC); martevnne = marter- onne in einem schwäbischen oder bayrischen Denkmal dieser Zeit wohl möglich, vgl. AGr. § 370; BGr. § 304. Wahrscheinlicher ist mir nn als Schreibung für ng; s. oben zu II und BGr. § 170. -4 alle entweder allez oder aller (omne humanuni genus oder genus om- nium hominum) zu bessern. — 8 E. Steinmeyer - Ahd. Gl. III 476,30 f. Ordioluf eft paruiffima et purulent* collectio in pilis palpebrarum constituta in medio lata, ex ex utroque conducta. ordei granum fimulans hertprat. — 10 fich winnende: Weinhold vermutet fwinnende; die Entstehung der Verderbnis ist mir aber nicht klar, selbst wenn man ein fewinende für die Vorlage annimmt. Vielleicht zu E. Steinmeyer Ahd. Gl. 115, 24 Depafcit frizit uel uuinit (vgl. Graff, Sprachschatz 1 882) zustellen und dann ein Abspringen des Schreibers von einem fi auf ein späteres anzunehmen. — 11 £ Diese Reime sind wohl Gemeingut gewesen, wie etwa die bekannte Schlussformel, deus qui regnat in saecula saeculorum etc. Vgl. MSD.XLVII. 4,92: des helfe diu wihe min frouwe sant Marie. Jedenfalls darf aus diesem Reimschluss nicht auf eine reimende Quelle des deutschen Segens geschlossen werden (s. Weinhold S. 80). XXIV. REZEPT GEGEN STEIN. Uebertieferung: Codex Falkensteinensis Bl. 40 v von *iner Hand des ausgehenden 12. Jhdts. eingetragen. Literatur: Drei bayerische 1 raditionsbücher aus dem 12. Jahrhundert. Festschrift zum 700jährigen Jubiläum der Witteisbacher Thronbesteigung, hg. von H. Petz, Dr. H. Grauert, J. Mayerhofer, München 1880, S. 43J44. — Vgl. Nr. XXXIX. 136 XXIV. Rezept gegen Segen. Aeusserlichkeiten des hslichen Textes: Sehr blasse Schrift. Akzente: Fehlen. Interpunktion: Fehlt. Quellenfrage: Quelle unbekannt. Heimat: Südbayern, Grafschaft Valkenstein. Erläuterungen: 3 wan = man gewöhnlich alemannisch, doch hie und da auch bayrisch, w für m vgl. Weinhold BGr. § 136 (wo aber die mittelalterlichen Zeugnisse nicht ganz sicher sind) und J. A. Schmeller, die Mundarten Bayerns S. 118; ferner Cod. Falkensteinensis Niumburch fol. 26a. — testralac ein Pflanzenname, den ich nicht nachweisen kann. — 4 swertellac, wohl gladiola; zusammengesetzt aus swer- tele und dem Kollektivsuffix lach? (vgl. Weinhold BGr. § 245, A Gr. § 263) c für x erscheint in unserem Text Z. 8 in wegeric. In dem Cod. Falkensteinensis selbst z. B in Büc fol. 22a. — 7. enhopelot wird zu Hoppe, lloppel zu stellen sein (s. H. v. Fischer, Schwab. Wb. 3, 1807f.). Demnach wäre zu übersetzen: „Die Wurzeln, die dicht aneinanderhängen und alle rauh und knollig sind" ? — 8. sagsifervm = saxifraga Steinbreche — 11 wehedorn = mlat. bedegar, s. L. Diefen- bach, Gl. lal.-germ. 70c; s. ferner G. Pritzel-C. Jessen, Die deutschen Volksnamen der Pflanzen unter Rosa rubiginosa. Das gar nicht so seltene Wort fehlt merkwürdigerweise in den mhd. Wbb. — 12 eimcrut nach G. Pritzel-C. Jessen für Stratiotes aloides gebraucht bei Altluneberg (vgl. auch H. L. Gerth van Wij'k, A. Dictionary of Plant-names II 1296 Ni. 329). Aeltere hd. Benennungen der Pflanze scheinen zu fehlen. Sie kommt aber in Bayern in Seen und Altwässern vor. s. Bavaria I 1, 181 und G. Hegi Illustrierte Flora von Mittel-Europa I 162. 1 ) Wenn es sich um diese Pflanze handelt, muss aber Z12 für wege wage ') Die Dioskorides-Uebersetzung von Johan Danz von Ast kennt für Potamios stratiotes keinen deutschen Namen. Stratiotes chiliophyllos übersetzt sie Tausentblat / Garb / Schaffgarb, also = millefolium (= Plin. n. h. 24, 152). G. Grosse in seiner Lebersetzung der Naturgeschichte des Plinius (1735) behält n. h. 24, 169 stratiotes bei. XXV. Züricher Arzeneibuch. 137 gelesen werden. — Die Aenderung ein crut ist seht verlockend, die undeutliche Angabe fände in Z. 7 etwas Entsprechendes. xxv. ZÜRICHER ARZENEIBUCH. Ueberlieferung: Hs. C 581275 der Stadtbibliothek zu Zürich (XI1\X11I. Jhdt.) Bl. 44va bis 47rb. Ausführlichste Beschreibung der Hs. bei J. Werner, Beiträge zur Kunde der latein. Literatur des M-A* Aarau 1905 S. 1 bis 151 und 197 bis 206. Ferner W. Wackernagel Alldeutsche Predigten und Gebete Basel 187b S. 253 bis 55 und E. Steinmeyer Ahd Gl. IV b 673 bis 77. Die Herkunft der Hs. nicht ermittelt. Literatur: E. G. Graff, Diutiska 11 (1827) 269 bis 273. — W. Wackernagel, ZfdA. 3 (1843) 41 und 6 (1848) 279 = Kl. Sehr. 1,106. — F. Pfeiffer, WSB. phil.-hist. Kl. 42 (1863) 111 bis 114 und 118 bis 127. — MSD. II 3 302. — C. Hoff mann MSB. 1870.phil. Ct. 1,511 bis 526. — P. Piper ZfdPh. 13 (1882) 466 bis 476. — J. Werner a. a. O. S. 99. — /. Haupt WSB. phil.- hist. Kl. 71 (1872) 451 bis 566, dessen weil über das Ziel hinausschiessenden Angriffe auf F. Pfeiffer missverstanden übergegangen sind in H. Haeser, Lehrb. der Gesch. der Medicin P 664 und M. Neuburger u. J. Paget, Handb. der Gesch. der Medizin 1,646. Aeusserlichkeiten des hslichen Textes: Zweispaltig geschrieben mit sehr unklarer Absatzeinteilung. Die roten Initialen sind prinziplos angebracht und haben keine andere Bedeutung als die rot gestrichelten Majuskeln. Die „Ueb er Schriften" sind rot unterstrichen. Die roten Initialen sind in unserem Text fett gedruckt, die rot gestrichelten nicht. Beide Arten von Initialen sind als Absatzbezeichnung anzusehen, so dass immer da Absätze zu machen gewesen sind, wo eine der beiden Sorten von Initialen vorkommt. Abweichungen von dieser Regel sind im kritischen Apparat verzeichnet. Das Rotunterstrichene ist gesperrt gedruckt worden. Nur einmal ist ein 138 XXV. Züricher Arzeneibuch. schärferer Einschnitt durch den Rubtikator angegeben, nachZ. 258 findet sich eine rote Linie von der Form sssssssss. Akzente: 2 Akute und 5 Circumftexe. Interpunktion; Vgl. oben S. 137 übet den Gebrauch der Majuskel. Als Interpunktionszeichen wird nur der Punkt verwandt. Selten ist die Abkürzung v. für vnd. Quellenfrage: Ueber den Titel s. zu Z. 3f. und 231 f. Die für die einzelnen Recepte gegebenen Quellennachweise zeigen, dass wir es mit einer Uebersetzung zu tun haben. Fraglich kann nur sein, ob sie einheitlich ist oder, ob der Uebersetzer von verschiedenen Seiten sich den Stoff zusammentrug, ob er ursprünglich, wie C. Hofmann meint, eine Medicinalis ars a capite ad calcem zu schreiben die Absicht hatte, dann aber den Plan verliess, einen Abschnitt über Pf lastet und Salben anfügte und schliesslich auch Veterinär- medicin aufnahm. Es ist nicht zu leugnen, dass das Züricher Arzeneibuch inhaltlich einen wenig einheitlichen Eindruck macht. Doch wird — das ist für den, der mit medizinischen Hss. des Mittelalters vertraut ist, klat — die geringe Einheitlichkeit der Quelle zur Last fallen, die selbst, wie z. B. der Cod. Vin- dob. 2532, ein Konglomerat aus verschiedenen medizinischen Schriften war. Als ursprünglich selbständiges Stück heben sich die Dicta Hippokratis heraus. Die rote Linie nach Z. 258 (s. oben) wird daher in der üeberlieferung der Quelle begründet sein. Selbständig ist wohl auch einmal der Abschnitt über Pflaster und Salben, Z. 259 — 327, gewesen, der in seiner inneren Anordnung, genau wie der Abschnitt 6 — 226 antiken Einteilungsprinzipien entspricht. Z. 347- 403 werden durch die Sprache zusammengehalten, wobei eine Scheidung in Medizin und Vetrinärkunde möglich und vielleicht auch beabsichtigt war. Dieser Teil gehörte von Haus aus kaum zu dem deutschen Text. Eine lateinische Vorlage, die denselben Inhalt und Umfang und die gleiche Anordnung aufweist wie das deutsche Arzeneibuch, habe ich nicht aufgefunden, XXV. Züricher Arzeneibuch. 139 doch schliesst das nicht aus, däss sie noch gefunden werden kann. Aus medizinischen Hss. des 12. und 13. Jhdts. lässt sich zeigen, dass die Rezepte des Züricher Arzeneibuches diesen Zeiten allgemein geläufig waren. Es wird auffallen, dass in dem zum Vergleich herangezogenen Hss. sich oft Rezeptgruppen in ähnlicher oder gleicher Anordnung finden wie in dem Züricher Arzeneibuch 1 ) Doch darf das nicht zu voreiligen Schlüssen, bezüglich der Rezeptanordnung nach der einen oder anderen Seite hin führen. Die Ueberlieferungsverhältnisse sind so kompliziert, dass erst jahrelange Durchforschung der lat. med. Hss. und deren Veröffentlichung durch den Druck einigermassen Licht in die Zusammenhänge bringen werden. Das Rezept nimmt in der med. Literatur des Mittelalters eine ähnliche Stellung ein wie das Kirchenväterzitat in der geistlichen. Aber während dieses einmal aus dem Zusammenhang herausgerissen und von seinem Ausgangspunkt, etwa einer Sammlung dicta patrum gelöst, in der Ueberlieferung frei umherschwirrt, ist dem Rezept infolge seiner Marke der Weg vorgeschrieben, der es sogar oft zu seinem Ausgangspunkt zurückführt. Die Anlage und die Anordnung der mittelalterlichen Arzeneibücher wird, sofern sie nicht Lehrbücher waren, vielfach auf Zufall beruhen. Ihre Entstehung wird vielfach der bei unseren Hausfrauen gebräuchlichen hslichen Kochbüchern ähnlich gewesen sein. Sie enstanden allmählich. Lernte man ein neues Rezept kennen, und schien es brauchbar, so schrieb man es zu den andern. Bei Anlage der Kladde wird man nach dem seit über 1500 Jahren üblichen Schema * capite ad calcem Unterabteilungen mit Raum für Nachträge gemacht haben. Reichte der Raum nicht mehr aus, so schrieb man an anderer Stelle weiter. So kam Unordnung in die ursprüngliche Ordnung, die dann beim Abschreiben weiter überliefert und verbreitet wurde. Oder aber: entschloss man sich zu erneuter, erweiterter Anlage des Arzeneibuches, dann ') Meine Blattzitate lassen das deutlich erkennen. 140 XXV. Züricher Arzeneibuch. konnte man leicht umordnen; einem Rezept ad aures, das aus Mangel an Raum zur Rubrik ad renes gestellt worden war, konnte man den ihm gehörigen Platz anweisen. Dieses aus der Antike festgewurzelte med. Anordnungsprinzip einerseits und der Schutz des Einzelrezeptes durch seine Kopfmarke andererseits sind häufig der Grund, weshalb wir in den verschiedensten lat. und deutschen Arzeneibilchern ähnliche Rezeptgruppen finden, die keineswegs unmittelbar untereinander überlieferungsgeschichtlich zusammenhängen müssen. Heimat und Verfasser: Die Heimat des Ueber- setzers ist in Südwestdeutschland zu suchen, in einem Gebiet, wo das Deminutivsuffix-W üblich war (vgl. Z. 99; 201; 204; und ei in ai überzugehen begann (Z. 214; 329; 331; 338). Weiter kommt für die Heimatbestimmung in Betracht das k mit dem Lautwert x in ezzik (Z. 47 ; 58; 63; 90; 106; 162), und die Form nen = nemen (Z. 239). Vereinzelt sind aie Formen gevz = givz (Z. 63) und geift = gaft (Z. 65). J. Klappet (vgl. zu IX 36) hat zwar das südwestdeutsche Gebiet für ai erst für das ausgehende 13. Jhdt. umschreiben können, doch liegt das an dem spärlichen urkundlichen Material. In St. Gallen ist ai urkundlich schon früher zu belegen als um 1285, so 1210 Sataines (Urkb. von St. Gallen Nr. 840 III 57) 1225 Hainrico, Adelhaida, Staineggc, Ailgou (ib. Nr. 858 III 71), noch ältere St. Gallner Urkunden mit ai sind leider nur in Abschrift erhalten; aber wenn man auch vorsichtigerweise diese Abschriften hier nicht verwenden darf, so darf doch umgekehrt nicht ohne weiteres geschlossen werden, dass die Abschriften systematisch ei in ai umschrieben, NB. Abschriften von lateinischen Urkunden! ai ist auch in Füssen um 1200 üblich (vgl. Nr. XL). Das St. Trudperter Hohelied, dessen Entstehung in St. Trudpert T. Hayner in PBB. 3, (1876) 491 f. so wahrscheinlich wie nur möglich gemacht hat, weist ohne Unterschied ei und ai oft dicht beieinander auf. Der Versuch V. Müllers das Trudperter Hohe Lied als ein bayrisches Denkmal zu erweisen und W. Scherers Ansicht zu retten, XXV. Züricher Arzeneibuch. 141 scheint mir in sprachlicher wie geschichtlicher Hinsicht missglückt. W. Wackernagel glaubte, die Hs. sei in Schaffhausen entstanden, P. Piper dachte an St. Gallen. Ich möchte keinen bestimmten Ort angeben, aber auch ich glaube, dass unser Text in das von]. Klapper beschriebene südwestliche ai-Gebiet, in die „Konstanzer Ecke" gehört. Literarisches: Die Abfassungszeit des Züricher Arzeneibuches ist nicht bekannt. Die grosse Zahl der noch erhaltenen vollen Endvokale wäre selbst bei einem alemanischen Denkmal aus der letzten Hälfte des 13. Jhdts. nicht auffällig. Erläuterungen 1 ): 3—5 Ueber die Bezeichnung arzin- böch ypocratif vgl. unten zu 231 f. Eine ähnliche Angabe in der Basler Hs. B. XL 8, s. MM. 2 (1914) 365; Vgl. F. Pf ister Wochenschr. f. klass. Philol. 31 (1914) 1406. Derartige Quellenberufungen, die dem von mir in den fabulistischen Quellenangaben PBB. 32 (1908) 286 f. behandelten Typus entsprechen, finden sich in der medizinischen Literatur noch öfter z. B. imSangallensis Nr.44 S. 228: IncipiuntprognosticaDemo- crito sumo philossopo. Quod in tabulaf eburneai" fcrip- fit et in fuo ponere fepulchrum quem cefar iuenit et fuof tradidit medicof. quod illi de greco in latino tranf- tulerunt. Ueber die Wertschätzung der antiken Medi- zinergrössen im Mittelalter gibt lsidor Etym. IV 3,4 (W. Bl. 3v)Aufschluss: Prologus (rot) jWEDICINE artif auctor ac repertor apud greco fperhibetur apollo. Hanc filius eius efculapiuf laude uel opere ampliauit. Sed poftquam fulminif ictu efculapius interiit interdicta fertur medendi cura . et arf fimul cum auctore defecit . latuit- que per annos multof ufque ad tempuf artarxerfif regif perfarum. Tunc eam reuocauit in lucem ypocraf afclepio patre genitus in infula choo. Hi itaque tref uiri totidem herefef inuenerunt (Bl. 3v.) Prima meta inuenta eft ab a polline que remedia fectatur et carmina. Secunda en- perira id eft experientiffima inuenta eft ab efcolapio . qu^i n °n indiciorum fignif fed folif conftat experimentif. Tercia logica "i- rationalis inuenta eft ab ypocrate. Ifte l ) Ueber die angewandten Abkürzungen s. S. 89 Anm. 142 XXV. Züricher Arrenelbuch. enim di/cuffif etatum regionum uel egritudinum qualita- tibus artif curam rationabiliter perfcrutatus eft. Enperici experientiam folam feetantur. Logici experientig rationem adiungunt. Metodici nee elementorum rationem obferuant nee tempora nee etatef nee caufaf. fed folaf morborum fubftantias. Dann rot: Explicit prologus. In nomine dm ineipit liber diete. 6—9. W. Bl. 26r: Ad dolorem capitis. Accipe ab- finthium . rutam . Ederam terreftrem . tere . adde mel. et album ouorum in linteo induc et capiti impone. W. Bl. 85 r\ Ad dolorem capitis. Tolle abfinthium . Rutam. hederam . terreftrem . et ifta fimul contere . et mel ad- mifee . et albuginem ouorum adde . et panno fimul omni« inponens capiti illiga. L. Bl. 193 r: Abfyntbium . et rutam et ederam terreftrem teras addasque mel. et album ouorum . et linteo inducens . capiti inponas. 10—13. M. Bl. 34 v: Nucibus perficorum cum oleo et aceto tritis frontem linies remedium eft. Vgl. L Bl. 194r: Ad aures .... Item . Folia perfyci contundag . et fueum eorum exprime . acetum acre admifeeas et fic infunde. 14—18. W. Bl. 26r: Item fi caput findi uideatur. Ederam tunde et tunsam oleo infunde. lintheo mundo impone . et exprime . et ex eo exprefferis timpora et frontem linito. = Marcellus 1,40. Quod si dolore medium caput findi videbitur, hederam contunde ac fueum eius oleo rosaceo misce et eum linteolo mundo fronti inducito, tempora quoque ex eo et nares perunge; quod si gravior dolor fuerit, etiam cerebro superfunde. — 17. Lies furhöbet (Druckfehler). 19/20. W. Bl. 26v: Rofam . celidoniam tere . cum aceto miiee . frontem lini. Bl. 85r: Accipe rofam et celidoniam . et cum aceto tere . et anteriorem partem capitis inunge. Vgl. Pseudo-Apuleius 73,5: Herbam chelidoniam ex aceto contritam illinito fronti et capiti. 21/22. W. Bl. 85r: Accipe fernen urtice et caput inunge. 25/26. W.B1.91V.: Ut non cadant (sc. capilli). Lini fernen conbuftum cum oleo mifee et caput unge. Vgl. Nd. Jb. V 71. XXV. Züricher Arzeneibuch. 143 27/28. W. Bl. 125v/ Ad capillos cadentcs. Cornu arietis uratur. cinisque oleo conteratur . et fic Caput un- guatur. Das Rezept ist antik. Plin. n. h. 28, 165: caprini cornus farina vel cinis, magisque hircini, addito nitro et tamaricis semine et butyro oleoque, prius capite raso, mire continent . . . fluentem capillum. Placidus Papyriensis XVI 7 (Ackermann S. 44): Ad capillos fluentes de capite. Cornu capri puluis mixtus cum oleo myrtino et illitus capillos fluentes retinet et crescere co- git. Vgl. Nd. Jb. V. 71. 29/30. W. Bl. 91 v: Ad capillos nutriendos. Agri- moniam tritam cum lacte impones. 31—38. W. Bl. 26v: Ad emigraneum et timporum dolorem . Allii caput. piperif grana XI . baccas lauri. V Mente ficc§ puluerem . coclear. I . argill§ que in furno eft. pulueris coclearia . II . ifta omnia mifce bene in morta- rio . adde acetum . et fuper frontem et timpora pone . et obferua ne ros in oculos uenial. — 32 lies einchnobe- löchif mit der Hs. 39—41. IV. Bl. 28r: Ad aurium dolorem. Simpho- niace x ) candidioris fucum tepefactum . in aurem mitte . etiam fi uermes habuerit. necantur. Ebenso L 195r. Aehnlich in S. Gallensis 44 S. 360 (gegen Zahnschmerz.) 42/43. 5. Gallensis 217. S. 268: herbe canapis feminis uiridis fucus inftillatur, dolorem tollit. W. Bl. 76v: De canapis femine uiridi fucum auribus ftilla. = Mar- cellus 9, 27 und 9,78. — 42 lies uzzir mit der Hs. — 43 haneflamen kein Druckfehler 1 44. W. Bl. 76 V. Adeps anferinus infufus remedium est. Bl. 108 r: Adeps anferinus cum fuco ceparum in- milfus auribus prodeft. Vgl. Plin. n. h. 20, 53; 28, 174175; 29,133; Placidus Papyriensis XXXI 1 2 (bei Ackermann S. 74); Cassius Felix 45,7. 45—65. Mir fehlt die Quelle. — 63 lies ftöfif mit der Hs. . l ) Am Rand von gleicher Hand: bllfe, vgl. E. Steinmeyer A nd. Gl. 4 b, 649,3. 144 XXV. Züricher Arzeneibuch. 67—69. W. 85 r: Ad dolorem oculorum. Collige folia apii. et tere cum nouo cafeo . et inpone oculis. L. Bl. 193v: Apij folia cum recenti cafeo trita oculos impone. Das Rezept ist antik. Placidus Papyriensis XVI 12 (Ackermann S. 45): Ad punctiones et dolores oculorum. Ca- seus caprinus recens impositus omnes dolores et punctiones oculorum scdat. 70—72. Die lateinische Vorlage fehlt noch. — 71 nebeta = nepeta, vgl. L.Diefenbach Gl. lat.-germ. 378 b. Zum ganzen vgl. W. Bl. 43r: Ad caliginem oculorum. Auripigmenti puluis cum melle inmiffus mirifice fanat. 73—75. W. Bl. 28r: Ad lippitudinem oculorum. Atra- mentum . mel. album ouorum ex equo mifce . et fuper oculos, danach Ras. Bl. 85 r. Ad. 1. o. Tolle atramentum et albuginem ouorum et addito melle omnia commifce . et oculif fuper pone. L. Bl. 193v: Ad. 1. o. Atramentum . mel. et album ouorum eque commifce et oculis impone uel liga desuper. Aehnliches bei Plin. n. h 28, 168f.; 29,39 f. Placidus Papyriensis XXXI 1 (bei Ackermann S. 70) und unlen 336 f. 76—82. M. Bl. 43v: Ad claritatem occulorum pro- batum . Tolle Cinamomum et caffar . et fac puluerum et tolle fucum apii et modicum albumen ovi et mel modi- cum . mifce omnia fimvl et tritica diucius insimvl. et cola pannum post hec cum fumitate penne extillis de medicamine in oculum et tebad (?) comedit. 83—92. Dieses collyrium hab ich nicht auffinden können, doch macht es durchaus den Eindruck eines auf antike Tradition zurückgehenden. Aehnliche Zusammensetzungen Marcellus 8, 216 f. — 88 famene sie (8, 69; 8, 118; 8, 207; 8, 215; 8,217) aqua pluviali col- liges haec entsprechend. —89. Lieber die Verwendung der Frauenmilch in der antiken Medicin s. Plinius n. h. 28, 72 — 75; besonders 28, 72: super que in omni usu efficacius eius (sc. lac) quae marem enixa sit multoque efficacissimum eius quae geminos maris et si vino ipsa cibisque acrioribus abstineat. Mixto praeterea ovorum candido liquore madidaque lana frontibus inpositum fluc- tiones oculorum suspendit. Vgl. ferner Plin. n. h. 20,40; XXV. Züricher Arzeneibuch. 145 Marcellus 8, 136: MelAtticum et stercus infantis, quod primum dimittit, statim ex lacte mulieris, quae puerum allactat, permiscebis et sie inungues. 8, 177; 8, 213. Auch in W. Bl. 74 vf. stehen zwei Rezepte, die die heilende Wirkung der Milch einer Frau, die einen Knaben nährt, hervorheben: Ad albuginem oculorum. Sucum exprime de prunis filuaticis ideft flen . et per Hnteum cola et in oculos mitte mane et fero furfum uer- fof et paruo interuallo tranfacto poft lacrimas . lac mulieris que puerum nutrit intromitte . et fi pupille fane fuerint quam cecus fit deo propitio fanabitur. Item. In autumpni tempore ipfaf prunas filuaticas antequam ma- turefeant collige. detraetaque cute et eiectis lapidibus medium contere . et f ac colliridos paruos in modum un- gule minine (!) ita ut rotundum fit et fpiffum in fole uel aere deficca . et quando uolueris uti lacte mulieris que puerum nutrit. madefactos per linteum cola et utere. — 89. Zu gehalten = „behalten" s. Schweizer Idiotikon 2, 1235 und H. Fischer Atlas z. Geographie derschwäb. Mda. Karte 25. 93—97. L. Bl. 193v: Fei perdicis et ueficulam ipsam quidquid habuerit comifees cum balfamo . et idem oculos tinges . et licet non uideat prorfus . tarnen fi pupillam habet integram fine dubio curabitur. Das Rezept ist antik. Placidus Papyriensis XXVII 2 (bei Ackermann S. 65): Ad caliginem ineipientem suffusionem et glau- comata. Haec est compositio vera et vehemens et quam frequentius tentauimus. Perdicis fei, vesicula ipsa quidquid habuerit, opobalfami cyathum unum in se mixtum conteres diligenter et repones in pyxide ftannea siue ar- gentea et inde inunges; miraberis effectum. Et licet quis prorsus non videat, sed tarnen pupillam integram habeat, sine difficultate curabitur. Hoc nos ipfi frequenter tentauimus. Das Rezept galt als hippokratisch; Plin. n - h. 29, 125: fei perdicum cum mellis aequo pondere, per se vero ad claritatem . ex Hippocratis putant auetori- tate adici quod in argentea pyxide id servari iubent. Aehnlich wie Placidus und Plinius, Marcellus 8, 154. Gargilms Martialis S. 158,22f. Die x°M) rc£p8cxo; als Heilmittel für die Augen erwähnen auch Dioskorides " 78 (82), und der S. Gallensis 217 S. 269. M&nthMtr T«it VIII, B. 10 146 XXV. Züricher Arzeneibuch. 98—101. W. Bl. 28r: Ad narium fluxum. Testa ouorum unde pili (!) excluduntur in puluerem redacta . per fiftulam naribus infufflata ftatim fiftit. Vgl. unten 353f. Das selbe Mittel getrunken, als Arzenei gegen Dysenterie empfohlen in W. Bl. 72v. 102. W. 28r: Ruta olfacta ftagnat. Bl. 85v. Tolle rutam et naribus imprime. Vgl. unten 356. = Mar- cellus 10,38 und 10,65. Vgl. ferner Plin. n. h. 20, 137. 103. W.Bl. 28r: Radix urtice capiti imponatur= Mar- cellus 10, 39. 105—107. W. Bl. 85v: Ad dolorem dentium. Corti- cem fraxini cum aceto tere . et ori inpone. Aehnlich in S. Gallensis 44 S. 360. 108—110. W. Bl. 28r: Ad glandulas. Lenticula cocta et in aceto trita imponatur. Vgl.Marcellus 18, 14 (gegen Nackenschmerzen) und Plin. n. h. 22, 142 — 144. 111. W.Bl. 28 r: Muftela uftulata . et cinif eius mix- tuf. qui fe exinde linierit fanabitur. Antik. Vgl. Placi- dus Papyriensis XX 1 (Ackermann S. 59): Ad ele- phantiacos. Mustelam incinerabis et eiusdem sanguine cinerem miscebis et laborantem inde linies. Aehnlich Plin. n. h. 30, 34. 112/13. W. Bl. 28v: Fimum caprinum cum aceto tere et fuperpone. Zu geizzebone vgl. Schweiz. Idiotikon, 4, 1312; Das kaat der geissen, bönle oder wie es mag genamset werden und die dort zitierten Scherz- verse. 114—117. W. Bl. 28v: Ad cordif et pectorif dolorem. Ruta ex uino cocta bibatur. Poleium iunctum uino et melle bibatur. Bl. 85 V. Ad dolorem pectoris: Rutam cum uino coque . et da bibere. Item Pulegium tolle et mel adde et fac ficeram ex iftis . et da bibere. L. 194 r: Pro dolore cordis. Rutam tritam cum aceto teras et capiti inpone . et polegium ieivnus manducet. 118—121. W. Bl. 28v: Rutam braffium. Item . Aabro- tanum equis ponderbius tere et ex uino bibe. Animus gaudenf etatem floridam facit. fpiritus triftis exficcat offa. Bl.85 v: Rutam marrubium .abrotanum. equalimenfura tolle XXV. Züricher Arzeneibuch. 147 et tere et da bibere. L. Bl. 194v: Rutam marrubium abro- tanum tritum et melle mixtum . ieiunus fepe manduca. 122—132 sind mir die Quellen nicht bekannt. 133—137. In dem Bamberger Bruchstück ist dieses Rezept überschrieben: Wider def magen ioch des herzes claga. Die Abweichungen werden wohl am besten durch Pseudo-Plinius medicina ed. V. Rose 43, 15 erläutert: In Universum praecordia appellantur quae aliqui in plura vocabula dividunt, vocantes modo ftomachum, interdum iecur, interdum praecordia, WOZU noch Plin. n. h. 30, 42 zu vergleichen ist. — 134. Vgl. Plin. n. h. 22, 144: Propter dissolutionem stomachi triginta grana lentis devorantur (vgl. auch n. h. 26, 32). — Ueber die Verwendung von Quendel bei Erbrechen und Leibschneiden s. Plin. n. h. 20, 246; JJ. Woyt* 860. — 136. Vgl. Plin. n. h. 28, 124: alvos maxume solvitur bubulo und 28, 196. — 137. Für fvermagen hat das Bamberger Bruchstück: fwerenden magen = stomachus exulcera- tus wie die Pliniusstellen zeigen. 139. 5. Gallensis 877 S. 41. Ars medicinalis Ipocratis (vgl. oben S. 92 Anm.) Addolorem stomachi: Item: Feno- greci puluerif in uino uel calda dabis ieiunium calicem I. 140—146: W. Bl. 84 v: Ad eos qui cibum non delec- tant(!) et amare ructant. Centauriam cum aqua calida per triduum bibat. Ad renum dolorem. Centauriam cum aqua frigida bibat. Ad sltim tollendam. Centauriam cum aqua bibat . fitim tollit . pectus . ftomachum purgat. W Bl. 120 r: Ad fplenis dolorem. Centauria in uino et potui data multuni prpdeft. L. Bl. 194 v: Centauria in uino decocta et potui data splenem fanat . expertum eft . et fuper ipsum latus iaceat, quod dolet. M. Bl. 30 V: Quos cibus non deletet. Fei terre . i . Centauriam da bibere per triduum cum aqua calida prodeft ftomachum purgat. Ad fitim tollendam. Eandem herbam cum aqua tepida da bibere prodeft et pectus purgat. Clm. 13076 Bl. 23vb: Quando cibus non delectat tunc aeeipe cen- thauriam cum vino decoetam et bibe illam de mane jeiuno ftomacho et tunc deambula per campos ufque ad duas horas diei et tunc acquiris appetitum comedendi et illud continuabis per tres diei (!) uel 4° r . Marcellus 10» 148 XXV. Züricher Arzeneibuch. 20, 82. — 141 roffezönge, man beachte den Verlust des n, wie 148 in fteivarn. 147—151. W. Bl.87 r. Ad fagittamreuocandam de corpore. Polipodium 1 ) cumueteri anxugia tunde . etfuper uulnus liga et fagitta redit. Si uis probare liga ex altera parte uul- neris . et fagetta ibi exit; F. Pfeiffer WSB. XLII 142, 30. 152 —154. Vgl. W. Bl. 115r: Ad quecumque uulnera. Bulbus cum melle tribus . et millefolium permixtum cum ueteri anxugia. fuperponatur. 155—163 sind mir die Vorlagen nicht bekannt. 164—172. Das lateinische Rezept ist mir nicht bekannt. Vgl. unten 347. — 166. Pulver von Hechtgräten wird innerlich und äusserlich bei Geschwüren angewandt; W. Bl. 78r: Contra ficum. Tolle offa lucü pifcis . et conbure in puluerem . mifce cum fale . in ouo cum pane manduca; Alem. 10 (1882) 226 : Den der wurm isset . . . oder bulfer von hechedenbeine (vgl. Marcel- lus 15, 85). Krebsschale bei Cancer verwandt bei Avi- cenna Kanon 112, 150\151. JJ. Woyt empfiehlt noch in seiner Schatzkammer ein Cataplasma aus Schnecken und lebendigen Krebsen, Theriaca und Opium. 173 —177. W.Bl. 87r: Ad prouocandam urinam. In augusto epar hircinum tolle. vnde fulcez (vgl. E. Steinmeyer Ahd. Gl. 4b, 649,16) . et da cottidie laboranti buccellam inde ut comedat. et calculo fi laborat melius habebit. 178—180. Vgl. W.Bl. 141v: Si mulier mingere nort poteft. Oleum liliatum . et thus contritum conmifces el calefactum ponel in lanam et fuperponef in pectinem. Vgl. Dioskorides 1, 52; JJ. Woyt* 500. 181 — 183. W. Bl. 87 r: Ad difficultatem urin§. Saxi- fragam tunde . et immulfa da bibere multum ualet. 184—186. W. Bl. 87v: Item. Lupifticum ut in aqua ad ignem bulliat. et da bibere multum ualet. 187—191. Die lateinische Vorlage ist mir nicht bekannt. Ueber die urintreibende Wirkung des allium s. Plin. n. h. 20, 57; Dioskorides 2, 154 (= Rom. V Vgl. W. Bl. 86v: folia pollpodii. i. fteinfarn (= E. Steinmeyer Ahd. Gl. 4b, 649, 15). XXV. Züricher Arzeneibuch. 149 Forsch. X 230, 5): urinam prouocat; (230, 19 f.) : multi aleu et oliua conterunt et manducant; urinam sie prouocat et anoftomatica eft, hydropieif prodeft. — 190 zvin Analogieform nach drin, vgl. K. Weinhold A. Gr. § 326. Anm. 2. S. 306. 193/94 wrde = wurde trotz 337; 206 steht welleft in der Hs. (gegen C. Hofmann S. 513). Die lateinische Vorlage ist bis jezt noch nicht gefunden. 195—204. Das lateinische Rezept noch nicht wieder gefunden. Lieber die Anwendung der plantago bei Durchfall s. Plin. n. h. 26, 44 == Ps. Plin. medicina hg. V. Rose 48, 18. Ferner Marcellus 27, 49; 21, 10; 27, 16; 27, 19; 27, 24. — 203. K. Hofmann S. 514 will triez in rit ez ändern, doch ist wohl eher an tribez zu denken, vgl. oben 160; 163. 205—226. Ich kann nur Aehnliches nachweisen in dei Pseudo-demokriiischen Schrift über die J. Heeg PseudodemokrilischenSludien,Abhandl. der kgl.preuss. Akademie der Wissenschaften 1913 Nr. 4 gehandelt hat. Meine Zitate beruhen auf Clm. 23535. Vgl. auch Heeg S. 58: 1 ) de diabate.....et bibant alfitam et sueum ordei aeeipiant. Clm. 23535 ßl. 48r: de ydro- pic etcura. Ydropic uero de spelt§ farina cum fapa et tan- tum fueum eboli coquef et hoc per dief Villi, facief hoc experimentatum eft. In einem Rezept gegen Wassersucht des Clm. 19428 Bl. 47 v wird ebenfalls farina ordei empfohlen. — 226. F. Pfeiffer ergänzt vor def: dem. 227—230. lieber diesen Schwalbenstein und seine Anwendung in der Medizin vgl. Plin. n. h. 30, 91 ; Placidus 34, 4 (bei Ackermann S. 76); Konr. v. Megen- berg Buch der Natur 200, 33f. und 440, 14 f.; JJ. WoyP 426 und oben zu XI 92 f. 231—258. W.Bl. 87v—88r: Potio plurimum ualens. 1 ) Hec clara potio quam plurimum ualet et fuperfluos humores affidue ufa omnino deponit. et hominem inco- lomem reddit. Sic facies eam. ') Die Schrift ist auch bruchstückweise ins Deutsche übersetzt worden; z. B. im Cod. Ms. 691 4" der Münchener Universitätsbibliothek Bl. 23 rv. *) Diese Zeile rot. 150 XXV. Züricher Arzeneibuch. In menfe martio . tolle partem unam Saluie . II . partes piperis . et piretri. f imiliter . II . partes gingeberes . vnam partem fpicati. III . parte» Bete . et fufficienter cocti mel- lif.triginta peccarios uini fortissimi. Hec omnia puluerizentur fubtiliter . et diftemperentur et. ponantur poftea ut pura fiant . ut fumi potione poffint. Sumenda eft autem a ieiuno . et poft cenam cottidie in hoc mense. In aprili fupradictum omne . abf inthium adde . et eadem potione utere. In Maia fupradictis omnibus . lupifticum adde . et eadem potione utere. In Junio fupradictis omnibus betoniam adde . et eadem potione utere. In Jvlio gamandream adde. In AvGusto agrimoniam adde. In Octobre finh adde. In Novembre millefolium adde. In Decembre adde mala que crefcunt in arbore. In Januario feuinuna et pulegium adde. In FeBRuario coltum et baccas lauri adde. Qui hac cl:ira potione frequentcr utitur fanus efficitur. Dieses in W unter dem Titel Potio plurimum ualens siehende Stück ist hslich in den verschiedensten Fassungen verbreitet. Gewöhnlich wird es als Dicta Hippo- kratis bezeichnet und beginnt mit dem Monat Januar (vgl. Clm. 14506 Bl. 68 r; Insbrucker Hs. Nr. 652 Bl. 76 v == Piper Nachtr. 262, Zingerle Germ. 12, 463; Cod. Vindob. 1118. Bl. 79r. [vgl. obenS. 124] ; Cgm. 92. Bl. 32; Nd. Ib. 15, 136 und wahrscheinlich auch die bei J. Werner S. 99 zitierten S. Galt. 378 und Zürich, Stiftsbibl. C. 176); mit dem März beginnen auch die in der Confectio potionis sonst abweichenden Dicta im Cgm. 92, Bl. 32 v. f. Es ist möglich, dass in diesem Teil der Grund zum hslichen Titel des Züricher Arze- neibuches zu suchen ist. Doch darf auch darauf hingewiesen werden, dass sich im Züricher Arzeneibuch ein Rezept findet (vgl. oben S. 145), das für Plinius hippokratischgalt. Die Dicta Hippokratis sind übrigens gewiss der Anlass gewesen, dass der Ciaret hippocraz XXV. Züricher Arzeneibuch. 151 genannt wird (vgl. W. Wackernagel Kl. Sehr. 1, 102). S. ferner E. Sieper zu Lydgates Reson and Sensual- lyte (E. E. T., 84 u. 89) 3398. — 239 nen ist gegen C. Hofmann beizubehalten, wie XXX 66 irfchin in einer zweifellos dem 12. Jhdt. ungehörigen alem. Hs. beweist. Vgl. ferner zu Nr. XXIX unter Heimat. 259—290. Die lateinischen Vorlagen sind mir nicht bekannt geworden. — 260. den nicht dem wie C. Hofmann S. 513 angibt. — 265. uel] lies V mit der Hs. ~ 276. Verderbt. — 286. Vgl. C. Hofmann. S. 515. — 281. flaphintin vgl. zu XIV 12 und St. Gallener Urkundenbuch III 52 Nr. 837 : Schaphusensem. — 287. Git nicht in gitwrz mit C. Hof mann zu ergänzen; es ist vielmehr das lat. Wort gith Schwarzkümmel, (s. Georges lat. Hwb. s. v. f Marcellus 10, 77.) — 289. lectuariü die Hs. — 290. dannez in danne er ZU ändern halte ich nicht für unbedingt notwendig. 290—301. W. 88 r: Vnguentum iacobi catifticum. Omnibus infirmitatibus fubuenit. podagrieif. et omnibus tumoribus prodeft . hifquoque doloribus qui infra medul- lam dilabuntur remedium eft. Recipit hec. Veteris an- xugie penfum untie . duarum untiarum. Penfum de cera. Salts untias duas . olei quod de bacis lauri conficitur. penfum duarum untiarum. Hec omnia in unum confice et fortiter diltempera . et locif dolentibus inunge. C. Hofmann S. 515 vermutet für Jacobi calisticum drcoxauo«x6v oder dtTCoxAuaTixov. Es handelt sich vielmehr um ein xaTc&7tXaaua x a ^ aaxiX( ^ v > das ein Jakobus erfunden hat: ein Mittel gegen Gicht, Gichtknoten und (Gelenk)- rheumatismus. 302—319. W. 88v: Unguentum grecum. Dolori capitis . et omnibus infirmitatibus fubuenit. Recipit hec. Rute manipulum • I • aizon manipulum • I • Apii mani- Pulum • I • Folia lauri manipulum • I • fcozwrce manipulum • I • Hec omnia cum aceto fortiter tere et per pannum cola. et in uafe §reo repone et poftea utere. Vnguentum uiride. Tolle uas cupreum . uel eneum . et ,n funde eminam olei. et tantum aceti fortiffimi ac per * HI . dies terre infoffum . iterum refume . et ad uulnus et a d dolorem capitis. porro ad omnef infirmitates utere. 152 XXV. Züricher Arzeneibuch. Vgl. Nd. Jahrb. 5 (1880) 84. — 304 bederman vgl. Z. 313. — 306. Zu arzeinten s. Ph. Strauch ZfdPh. 30 (1898) 222 und unten Z. 317. 320—327. Die lateinische Vorlage wurde mir nicht bekannt. Die Bezeichnung unguentum album findet sich öfters, z. B. im Bamberger Cod. L. III 9 Bl. 112va; im Dispensarium des Nicolaus Prepositus (Exemplar der Münchener Universitätsbibliothek 4° Med. 344., Bl. 90 v), wo zugleich auf die wechselnde Zubereitung hingewiesen wird. Wirouch und Mastix werden auch in dem Vnguentum album der Strassburger Hs. L. germ. 196 Seite 446 erwähnt. — 325. Der Verbesserungsvorschlag C. Hofmanns 516 schon deshalb wenig wahrscheinlich, weil er die Rasur ausser acht lässt. 328—331. Vgl. Thesaurus pauperum (Ausgabe von 1525) fol. CCLXlXva: Agrimonia potata cum vino mire contra antracem morfum ferpentis, canis et bois . und: Tefta oui plena fucco agrimonie data potui omne venenum per os potentiffime pellit. Endquelle istDios- korides 4, 41. 332—334. Vgl. Thesaurus pauperum (Ausgabe von 1525) fol. CCLXVra: Si marubium album cum recenti axungia tritum et calidum apponatur, omnes dolores fedat et tumores foluit. Vgl. Plin. n. h. 20, 241: huius (sc. marubii) folia femenque contrita prosunt contra serpentis, pectorum et lateris dolores. Aehnlich W. Bl. 45r; Ad mamillas dolentes. Quinquefolium cum anxugia tritum in linteo tritum et fuper mamillam pone. 335—342. Vgl. W.Bl. 46r: Ad pannos oculorum rumpendos. Accipe teftas ouorum quibus pulli fe eru- peri/zt. et redige in puluerem et fupra pannos pone. Vgl. oben zu Z. 73f. 347—349. Vgl. Cgm. 722 Bl. 62v unter den Mitteln gegen di drufe ader veitzblatteren: faule quitten vnde prenne die zcu pulueren vnde ftrawe es dar auf vnde njm ein fcharlach fleckelen ader fuft von gutem gewande vii werme es lege das dar vber. 350/51. W.Bl. 124r: Ad ferpentem qui uiuus intrat hominem. Locium equi bibat calidum ftatim exit. 352—356. Vgl. oben zu 98—102. XXVI. Züricher Gebet. 153 357 — 360. Matth. 9, 20f.: Et ecce mulier, quae sanguinis fluxum patiebatur duodecim annos, accessit retro, et tetigit fimbriam vestimenti eius. Dicebat enim intra •se: Si tetigero tantum vestimentum eius, salva ero. 361/62. Vgl. Cgm. 92 Bl. 29v: Ad »ingultum... Aceti parum guftat, cessabit. W. BL 47 r: Ad f ingultum. Acelum acrum olfactum bibat. mox def init. 363/64. L.Bl. 195r: Diptamnum dabis bibere cum vino et aqua . ftatim loquitur. 367/68. Vgl. Plitl. n. h. 22, 32: Urtica . sanguinem trita naribus indita sistit et magis radice. 376. Lies incenfatur mit der Hs. 379—383. Ueber diese Johannigebrauche A. Franz, Benedictionen II 129 bis 134 ;P. Sartori, Sitte und Brauch 3 (1914) 227. Dazu noch die Benedicüo porcorum W. Bl. 129r: In nomine dni ifti porci, qui enumcrati funt. -|- Scs iohannes baptifta uideat illos amen -|- et ex- pafcat illos amen -)- ab omni malo . amen . alau . fugau. faladdiel. 384—392. Ich verweise auf die gegenüber C. Hofmanns Vermutungen sehr skeptischen Worte in MSDIP 302f. 395. frafin = fraifin, vgl. M. Höfler, Deutsches Krankheitsnamen-Buch 165 a. XXVI. ZÜRICHER GEBET. Ueberlieferung: In derselben Hs. überliefert, wie Nr. XXV. Bl. 78 ra, s. daselbst. Literatur: W. Wackernagel, Alldeutsche Predigten und Gebete aus Hss. Basel 1S76, S. 216, Ni. 75; 253 f., 285. Vgl. zu Nr. XXV. Aeusserlichkeiten des hslichen Textes: Keine Absätze. O Z. 2 rot durchstrichen, H Z. 5 rot; gelefin Z- 4 rot unterstrichen. Akzente: Fehlen. Interpunktion: s. zu Nr. XXV. 154 XXVII. Kheinauer Gebete. Quellenfrage: Jedenfalls lateinische Quelle anzunehmen. Heimat: Alemannisch; vgl. Z. 5 dura XXVII. RHEINAUER GEBETE. Ueberlieferung: Zwei Doppelbll. von 15 cm Höhe und 10 cm Breite der Züricher Kantonalsbibliothek, die auf Veranlassung des Entdeckers, A. Bachmann, von dem Deckel des Rheinauer cod. pgm. 176 losgelöst wurden. Bis auf die Seiten 1 cd ist alles gut erhalten. Bachmann setzte die Bit. an die Wende des 11\12. Jhdts. Mir scheint dieser Ansatz zu früh. Ich stelle die BIL in die Zeit 1150—1170 auf Grund der Schrift. Literatur: A. Bachmann ZfdA. 32 (1888) 50 bis 57. Aeusserlichkeiten des hslichen Textes: Das Anfangswort jeder Bitte ist mit einer roten Initiale versehen (im Text fett gedruckt). Bemerkenswert ist der ausgedehnte Gebrauch der Ligatur d e . Akzente: Fehlen. Interpunktion: Das Prinzip ist, jeden Satz, der mit einer Bitte zusammenfällt, mit grosser Initiale zu beginnen und mit Punkt zu schliessen. Eigennamen werden mit grossem, nicht roten Anfangsbuchstaben geschrieben. Quellenfrage: Auch bei diesem Stück wird es sich um eine lateinische Quelle handeln, die bis jetzt aber noch nicht gefunden ist. Weiteres s.unter,Literarisches'. Heimat und Verfasser; Der Sprache nach gehört unser Denkmal nach Alemannien. k wird für den Lautwert % verwandt: 25; 33; 36; 50; 51; 55; 73; 78; 113; 127; 128; 158; 162; i fällt im Anlaut ab: 25. Der je- Optativ wird gebraucht 123, mif für minif 16; 18; 19; 42; 164. Hierhin ist auch die 1. Pers. Sg. Praes. der Schwachen Verba II auf-n zu rechnen und die Form dur für durh. Zu alledem kommt die weitgehende Erhaltung der Vollvokale in den End- und Mittelsilben. XXVII. Rheinauer Gebete. 15 5. Aus dem Umstand, dass das Stück einer Frau in den Mund gelegt ist, darf noch, nicht geschlossen werden, dass es auch eine Frau verfasste. Vgl. zu Nr. XXVUI. Literarisches: In der Anordnung der Blätter bin ich Bachmann gefolgt. Den Titel „Gebete" habe ich weniger der Möglichkeit halber, dass Z. 145 f. eine andere Prex beginnen könnte, gewählt, als vielmehr der Form des ganzen halber. Die prex ist abgefasst in der Form der „Mahnungen", die besonders im 13. u nd 14. Jhdt. beliebt waren und wohl auch auf die Form des Rosenkranzgebets einen gewissen Einfluss gehabt haben (vgl. Cgm. 73 Bl. 25 v bis 36r; Cgm. 139 Bl. 6rf.). Jeder mit roter Majuskel beginnende Passus in unserem Stück ist eine solche „Mahnung". In späterer Zeit tritt dafür der Ausdruck gesetze auf und es entwickelt sich der Brauch, ein jedes Gesetz fnit einem Amen zu schliessen und zwischen dieses Amen und das folgende Gesetz ein Pater noster ein- z uschieben. Es ist zu vermuten, dass unserem Stück vielleicht als Rubrum ein Passus vorher ging, der über Gebrauch und Zeremoniell der Prex genauere Angaben machte, wie dies z. B. nur nicht rubriziert XXVIII 130 f.; XXIX 12f.; 28f.; 42f.; XXXII B 3; 9 5; XXXIII 70f.; 88; 95/.; 103; 107; 112; 117 und XXXIV der Fall ist. Die roten Buchstaben können a lso noch eine tiefere liturgische Bedeutung haben. Jedenfalls bildet unser Stück zu der beschriebenen s päteren Form einen Uebergang. Anlass zu jenem Gebrauch gab übrigens die im Gebet so beliebte und oben schon bei Otloh beobachtete Figur der Anapher ', die auch in unserem Stück ausgiebig angewandt ist. Unser Stück hat viel Aehnlichkeit mit der Oratio pro Peccatis im Gebetbuch der hl. Elisabeth von Schönau (!/g- v. FWE. Roth, Augsburg 1886) S. 25 f., nur ist das deutsche Stück kunstvollei im Aufbau und inbrünstiger in der Sprache. Erläuterungen: 1. Nicht alle biblischeu Anspie- tungen sind deutlich erkennbar; Luc. 5, 12f. f ■ 2 manon, zum Ausdruck vgl. Kaiser ehr. 3036; 156 XXVIII. Vaticanische Gebete. 13085; 13533; Rol 2, 9. — 7. Luc. 23,39f. — Ueber Herro als Anrede von Gott s. G. Ehrismann ZfdW. 1 (1901) 145. — 12 Matth. 20, 29/.; Marc. 10, 46; Luc. IS, 35f. — 21. Joh. 6, lf.; 25. Luc. 10, 36 f.; Joh. 11, lf. — 27. Luc. 7, lf. — 29. Luc. 7, 11 f. — 32f. Joh. 11, 31; Luc. 19, 41 f. — 35f. Dan. 13, 42. — 39 f. Tob. 8, 6f. — 46. Marc. 7, 26f. — 54. Matth. 9,21 f. — 56. Joh. 5,1 f.; das weitere bezieht sich auf die Kreuzholzlegende, nach der das Kreuzholz den Tümpel Bethsaida, als es hineingeworfen wurde, in ein Heilwasser verwandelte; daher auch die in der Anm. gegebene Besserung von anderer Hand richtig. Vgl. Wilh. Meyer, Abhandl. d. bayr. Akad. d. Wiss. XVI 2, 108f., 147f. Heinr. v. Freiberg Kreuz- holzleg. V. 788f.; Helwic V. 541 f. — 90. Wo steht das? — 100. Joh. 20, 19f. — 103 f. bedarf noch seht der Besserung. — 115 f. Vgl. MM 1 (1912) 24 — 121.. Lies mit Bachmann die«. — 165. bifvle vgl. zu XXIX 228. — Joh. 19, 26f.; XXXI 2. — 181. ingi- fide Rol 115, 1; 222, 18; Kaiserchr. 7424; Wernh. Mar. 162,30; Trudp. H. Lied. 22, 22; 22, 24; 89,19. — 183 trurot stm. sonst nicht beleat. — 188. Vol. Osea 13, 14. _ XXVIII. VAT1CANISCHE GEBETE. Ueberlieferung: Kod. Vatic.Lat.4763. l.=Bi. 107t bis 107v. 2. — BL 109rbisll0r. 3. = Bl. Ulvbisll2r. 4. = 112vbisll3r. 5. = Bl. 124vbis 128v. „Das Ganze ist ein Breviarium pro monialibus und scheint einem Frauenkloster angehört zu haben, welches die Edlen von Randeken als seine besonderen Wohltäter verehrte." (Greith.) Vgl. H. Ehrensberger, Libri Liturgici Biblio- thecae apostolicae vaticanae manuscripti. Friburgii Br. 1897, S. 376J77. C. Greith setzt die Hs. in das XIV. Jhdt. und ihm folgt Ehrensberger, aber schon W. Wackernagel zog Greiths Datierung wegen der Sprache der deutschen Gebete in Zweifel. Dem eigentlichen Brevier geht Bl. I bis 7 ein Mainzer Kalendat voraus, das dem 14. Jhdt. angehört und in das Nekrologien der Geschlechter von Randecke und XXVIII, Vaticanische Gebete. 157 Boland von späteren Händen eingetragen sind. Die Blätter — und das gilt wahrscheinlich von dem ganzen Brevier — auf denen die Gebete stehen, sind von ganz anderer Hand geschrieben, welche sehr wohl dem 12. Jhdt. angehören kann. Die verzierten Initialen können etwas jünger sein. „Die Rückseite des Bl. 6 [also im Mainzer Kalendar] enthält ein zierliches Gemälde auf Goldgrund gezeichnet, welches aus zwei Teilen besteht. Im obern Teile erscheint in der Mitte die heilige Jungfrau auf dem Throne mit dem Kindlein Jesu auf dem Schoosse, zu ihrer Rechten die heil. Katharina, zur Linken die heilige Margaretha mit den Palmen des Martyriums. In der untern Hälfte ist der heilige Petrus vorgestellt, die Himmelsschlüssel in der Rechten, das Evangelium in der Linken haltend, auf seiner rechten Seite die heilige Elisabeth, auf der Unken der heil. Nikolaus." Aus dem oberen Teil des Bildes wird wenig zu schliessen sein: die hll. Maria, Katharina und Margaretha sind die Schutzheiligen der Jungfräulichkeit. Dagegen lässt der untere Teil des Bildes allerhand Schlüsse zu. Der hl. Petrus ist durch die Mittelstellung besonders hervorgehoben. Ei w ird demnach mit der hl. Jungfrau Schutzpatron der Nonnen gewesen sein, denen das Brevier gehörte. Da kommt aber in Hinblick auf das Mainzer Kalendar u nd die Sprache der Gebete nur ein Frauenkloster der Mainzer Diözese in Betracht: Hane am Donnersberg beiKirchheimbolanden, dessen Kirche dem hl.Petrus geweiht war. Die seit 1129 dort ansässigen Augustiner- Chorherren siedelten 1164nachRothenkirchen über und die in Rothenkirchen ansässigen Prämonstraten- s et innen zogen in Hane ein. Vgl. A. Hauck, Kirchengeschichte Deutschlands IV S 975, 977; Jaffe-Watten- b ach Regesta 14 644 ; 15219 a S. 768. Erzbischof Kon- r ud I. bestätigt am 10. II. 1189 „die Uebersiedelung der Mönche von Hane (Bolanden) nach Rothenkirchen Un d die mit den Nonnen zu Hane vorgenommene Güterteilung" und noch im selben Jahr „beurkundet er die jjftauschung der Nonnen zu Rothenkirchen mit den Mönchen zu Boland, welche von Werner II. von Bo- l 3 bis 375. Herre fce petre, din gnade fuchich funtf/giv; dines gewaigedes unt dines gedinges bitich unwirdige umbe die not unt umbe. die angeft, da ich bin mit beuangen. Genüge wol, herre fce petre, der gnaden, die unfer herre über dich tet, do er dich uon erde ze mennefchen bildot, fam er uns fundigen hat getan, daz du mir gnadeft, als dir unfer herre gnadete, do er dich im felbem nande muter unt fweste/" unt dar nach friunt. Hilf mir herre fce petre, uon allen minen noten, uon allen minen nngeften, alf du den gwalt enphangen haft uon w/zferme herren dem almehtigen gote. Gehuge wol, herre fce petre, der gnaden die unfer herre ubir dich tet, darnach do du fin uir\ovgnetes eines nahtes driftunt unt dar nach din herze mit fere unt mit fmerzen beuienge umbe den tivren tot unfers herren unt umbe die funte, die du an im getan hete, wie er dir do gnadete in allen dinen angeften Unt in allen rfinen noten . alfo hilf du mir, herre fce petre, flfurch minne des heiligen cruces unfers herren des almehtigen gotes, uon den noten unt uon den angiften, da ich mit beuangen bin. Gehu^e, here fce petre, der mandunge do din heili^ez herze mit getroftet wart, do 174 Upsalaer Gebete. unfer herre won dem tode erftunt unt dir daz künden hiez mit den heiligen apl'is, wie er hin in galileam füre, wie er in da gefaehin folde. Herre fce petre, ich bite dich unt belwer dich durch der gnaden der ich gemant han, daz du mir umbe unferen herren helfeft, daz er min fer unt min angeft unt alle mine not gefemfte, da ich nu mit bedangen bin. Ich bite dich, herre fce petre, in wraferes herren namen unt in der minne des heiligen Kriftes, daz du gehügende fift der gnaden, die unfer herre got über dich tet, do dich herodes gebant in f ibin fteten, den dinen uil heiligen lichnamen mit den ifenen keten; Gehuge wol, herre fce petre, wie dich unfer herre entbant und erlofte uon der uiende gewalt. Nu erbite mir uon dem feibin urlofsere, daz er mich erlofe durch fine gnade unt durch dine minne uon den noten da ich mit beuangen bin, alfo dich unfer herre got erlofte uon der uinfterniffe des karckaeres unt uon den gebenden herodis. De gebende waren fibinev: der lach einez umbe den dinen uil heren hals, einez umbe den dinen lichnamen, zwei umbe dinen ellebogen, einez umbe dine hende einez umbe dine füze . uon den gebenden allen famen erlofte dich unfer herre . alfo erlose du mich uon allen mannen unt wiben, die mir dekein not tun ode dekeiner freife uaren. Herre hilf mir umbe alle mine not ******** f£j petri gnade unt der heiligen zwelf boten unt aller gotes heiligen umbe alle die not unt umbe alle die angeft, da ich nu mit beuangen bin. Ich bite dich, herre got, diner gnaden unt aller diner heiligen gewegedes, daz miner uiende wille an mir icht irfullet werde; des bitich alwaltunder got. Heiligeu frowe fcä Maria, ich bitte dich durch die frovde die du hete, do dir fcs gabriel der heiliger enget erfchein, unt durch den gruz * da mite er dich gruzte, do er dir die botefchaft brühte, daz du gotes muter foldeft werdin; du trofte mich in difen notin. Gaude d'i genitrix uirgo immaculata, gaude que gau- dium eterni luminis claritat/s fufcepifti, gaude mater, gaude fca di genitrix, uirgo tu fola mater innupta, te laudat omnis creatura genitricem luminis; fis pro nobis Upsalaer Gebete. 175 gi ***** di e hirte heten an der nacht, do in die enget kunten den fride unt die gnade, div allen mennefken kom ze fride unt ze gnaden uon kristes, geburte; fo erhöre mich unt gefrowe mich in minen angeften. AMeN. Frowe fcä Maria durch die /rovde die du hete, do du dinen trut fun ze dem bethufe brachte, fo getrofte mich a\fam der sselige fymeon getroftet wart und gefront, do er daz heilige kint an finen arm enphiench, des er lange gegert hete; alfo muze ich irhoret werdin und gefrowt in minen noten. Heiligiv frowe fcä Maria, durch die frovde die du hete, do die kunige uon ir lande komen unt die * * * * mich in difen noten Frowe fca Maria, durch die frovde die du hete, do din trut fun uon dem tode erftunt, an des marter din feie gewundit wart, unt als himel unt erde unt alle gotes gefchephede gefrovt wart uon finer urftende; alfo muze ich uon diner helfe gefrovt werdin an difen angeften. Frowe fcä Maria, durch die frovde, die du hete, do din uil liebir fun uon dem tode erftunt mit dem mennefc- Hchen lichnamen, den er uon dir enphangen hete, unt ze himel für; unt do du mit dinen ovgen fsehe, daz div mennefcheit erhöhet wart ubir die köre, die du niün rnanode in dinem libe getragen hete; fo gelichet mir dife angeft unt gefrow mich nach dinen gnaden. Heiligev frowe fcä Maria, durch die frovde die din neilige feie hete, do fie erhöhet wart ubir die köre der heiligen engel; durch die frovde die du hete unt iemir a n ende mit dinem heiligen kinde haben folt, der uon dine magetlichem libe geborn wart, mit dem du iemir folt richfen; du gefrov mich in difie angeften unt in allen minen noten mines libes unt miner feie. Gotes muter, frowe dich umbewollenev maget, du die frovde enphangen haft von dem engel, frowe dich daz dir geborn ift der fchin des ewigen liehtes; frowe dich router, frowe dich ewige maget, gotes muter; du bift ein beflozene muter; dich lobet ellev gotes gefchephede, als v °n rehte eine muter des ewigen libes; du wis uns widir dinen fun ein ewige helferinne. AMeN. Herre ih'u xpe, troft aller der die dich in noten unt J n angeften fuechint, ich armev funterinne bite dich durch 176 Upsalaer Gebete. diner heiligen geburte willen unt durch dine marter unt durch din heiligez cruze. Ich bite dich durch die not unt durch die angeft die du hete do du diner marter nahen- teft. Ich bite dich durch des gebetes willen daz du baete dinen uater, daz er dich der marter ubirhübe, obez fin mohte. Ich bite dich durch den fweiz der in blutes wife uon dir ran unt durch den ruf den du riefe an dem heiligen cruce, do du riefe: herre got, herre got, wie hafte mich (6 uirlazen. Ich bite dich herre durch dinen tot, durch din blut, durch din urftende, durch din ufuart. Ich bite dich durch alle die gnade unt barmunge, die du dem mennefchen erzeiget haft, daz du mich getrofteft unt mir min unfrowde fchiere ze frowden uirwandeleft, unt mir mine not unt min angeft zef üreft, alf du zefurteft die helle Uoz an der nacht, do dine erweiten da uznajme, unt alf du zefurteft die gebende fei petri; alfo bite ich dich herre, daz du durch din underdige min angeft ze- fureft und benemift. Ich bite dich herre durch willen diner heiligen muter miner frowen fee Maerien unt durch willen der heiligen erzengele Michaelis . gabrielis . raphaelis . unt alles engelifchen heres. Ich bite dich herre durch den willen diner heiligen patriarchen unt durch den willen diner heiligen wiffagen . Ich bite dich durch den willen diner heiligen zwelf boten fcl petri. pauli . andree. iohannis . unt aller diner iungeren. Ich bite dich durch den willen diner heiligen marteraere ftephani laurentij: hippoliti. Vincentij . Kyliani . Blafij . Georij . Cofme dami- anj . Viti. Mauricij . Dyonifij pantaleymonis agapitj . xpo- fori. Johannis et pauli . ofwaldi euftachij . Fabiani . Se- baftiani. unt durch aller der willen, die ie dekein marter erliten in dinem namen. Ich bite dich herre durch den willen diner babifte unt mit ir minne niemen mach dine hulde gewinne Di" miferereatur noftri. Pater nofter. Credo in dnü. Sei fpc quefumus domine corda noftra mundeft infufio. et fui roris intima afperfione feeundet. per. Mifericoris dne qui chananeam et publicanum uocafti ad penitentiam et petrum lacrimantem fufeepifti. Du uirgsebe fco petro do er weinde, daz er din het uirlovgent unt dich uirfworn hete. Du uirgebe dem publi- cano alle line funde durch difev wort, die er zu dir fprach : XXX. Engelberger Gebete. . J77 Di propicius efto mihi peccatori . mit den feibin worten fo gnade du mir uil funtigen mennefchen, unt gewer mich miner bete in nomine dni aMen. Herre gedenche an die chananeam, div dich bat umbe ir tohter daz du fi gelunt mahteft. fiv rief zu dir mit difen worten: ih'u fili dauid miferere mei. die erhortiftu do, die gewertes d ***** herre, nu bin ich din uil armev div für dich komen unt han hie für dich braht mine tohter, die mine uil armen feie unt andir min angeft. Nu rufe ich zu dir: Ih'u fili d'i gnade mir: gewer mich miner bet. daz werde war in nomine dni . aMen. Alfo du zir fprseche, alfo fprich du zu mir: deftu gebetin habeft, des fiftu gewert, uade in pace. Herre du gewertes den latronem dines himelriches umbe daz er fprach: Memento mei diie, dum ueneris in regnum tuum. Do antwurteft du im hie mite: Amen dico tibi: hodie mecum eris in paradyfo. Gedenke min, herre, in dinem riche unt gewer mich des ich dich bite . daz werde war in nomine dfii. aMen. Herre, du uirgaebe Marien magdalenen uil michel ir funde . div kom zu dir in des mifelfuhtigen fymonis hus, der dich geladet het ze finer wirtfehefte. Div kom uile fchamende undir die menege * * * * XXX. ENGELBERGER GEBETE. Ueberlieferung: 1) Cod membr. 140 (olim 6j2I) des Klosters Engelberg in der Schweiz Bl. 1 bis 13, vgl. P. Ben. Gottwald Catalogus codd. manuscript. qui asservantur in bibliotheca monastsrii 0. S. B. Engel- bergensis 1891 S. 142f. — 2) Zeile 34 bis 119 auch im Cod. von Muri (vgl. Nr. XXIX) = Z. 534 bis 616. Literatur: E. G. Graff Diutiska 2 (1827) 288 bis 291 — K. Bartsch Germ. 18 (1873)71. — W. Wackernagel Altd.Predigten u. Gebete Nr. 73\?4. — St. Beissel, Geschichte der Verehrung Marias in Deutschland während des Mittelalters 1909 S. 131132. Aeusserlichkeiten des hslichen Textes: Ueber- schri/ten und N. Z. 3 und E. Z. 34 rot. Eigentümliche Wortzusammenschreibungen, die belassen wurden, da s ie möglicherweise im Dialekt begründet sind. Münchenor Texte VIII, B. 12 178 XXX. Engelberger Gebete. Akzente: Fehlen. Interpunktion: Der Satz beginnt mit Majuskel und schliesst in der Regel mit Punkt. Sonst wird der Punkt nur spärlich verwandt. Quellenfrage: Die vorauszusetzenden lat. Vorlagen sind bis jetzt nicht gefunden. Heimat und Verfasser: Dass die Engelberger Gebete in alemannischer Mundart abgefasst sind, hat schon K. Weinhold bei W. Wackernagel, Altd. Predigten und Gebete S. 459 festgestellt. Ich mache besonders auf die Schreibung k, c mit der Bedeutung x aufmerksam Z. 11; 12; 28; 39; 67; 70; 72; 74; 75; 76; 78; 79; 80; 81; 82; 83; 84; 88; 90; 94; 95; 96; 98; 99; 103; 104; 105; 106; 109; 111; 114; 115; 116; 117; auf die Form weit 9; 48; dien 79 und den Ausfall von intervokalischem h 67; 71; 105. Aus dem umstand, dass die Gebete einer Frau in den Mund gelegt sind, darf noch nicht geschlossen werden, dass sie von einer Frau verfassl wutden . s. zu Nr. XXVIII. Literarisches: Der Wert der Engelberger Gebete besieht in der Tatsache, dass Z. 34f. eine bessere Ueberlieferung bietet als die Hs. von Muri. Erläuterungen: 2 Inter canonem missae. — 14 mit liehe beginnt neue Seite. — der = dir? — einu liehe versteh ich nicht. — 15 du = do? 34 Man beachte den anapherartigen Gebrauch von du da Z. 35; 36; 37 oder daz 57; 59; 60; 61; 62; 103; 104. — 40 under = uii (unde) Muri 540; vgl. aber 78 = Muri 576. — 49 fondes ist zwischen von und def der zite ausgefallen oder liegt Fehler vor? — 56 e = ie Muri 555, letzteres wie dien aus them aufzufassen. — 67 geucht = gehuht und der La höte Muri 564 vorzuziehen. — 79 emizegen, die La. von Muri 576 nur eine Verschlechterung. — 87 begunfte] die La von Muri 585 wohl bloss eine Verderbnis. — — 95 forkte = worte Muri 593 — 98 hellevvark, dies seltene Wort in Muri 595 wohl geändert. — 99 Muri gönlichi alemannisch; vgl. Trudp. Hl. 12,12 günlike und M. Lexer mhd. Hwb. I 1123. — 104 Ein sicherer Entscheid, ob die La. der Hs. von Engelberg oder der XXXI. Kölner Morgensegen. 179 von Muri 602 vorzuziehen ist, könnte nur der tat. Grundtext geben. Im Text von Muri ist auf jeden Fall nach daz ih zu ergänzen, welches vielleicht auch ursprünglich in der Engelberger Ms. nicht stand. — 109 anklich, die La von Muri 607 wohl Aenderung. — 115 Hilfi zur Form K. Weinhold, A. Gr. § 349; mhd. Gr. 2 § 371. XXXI. KÖLNER MORGENSEGEN. Uebertieferung: 1) Hs. Nr. 81 der kgl. öffentl. Bibliothek zu Hannover 12\13. Jhdt. Bl. 133r bis 134 r. Vgl. E. Bodemann: Die Hss. der k. öff. Bibliothek z. Hannover 1,14; W. Grimm, Wemher vom Niederrhein 1839 S. Ulf.; ZfdA. 10 (1855) 133f.; K. Köhn, Schriften z. germ. Philol. hg. von M. Rödiger VI (1891) VII f. Die Hs. gehörte zuletzt der 1334 gegründeten Karthause St. Barbara zu Köln. — 2) Hs. von Muri = XXIX 617 bis 658: vgl. oben S. 160. Literatur: W. Grimm, Altdeutsche Blätter 2(1840) lf. — A. H. Ho ff mann ib. 2, 272. — MSD II S 292 — M. Müller, Ueber die Stilform der altd. Zauberspr. S. 23; 56. — A. Franz, Benediktionen II 261 f. — Aeusserllchheiten des hslichen Textes: Rote Anfangsinitiale. Akzente. 210', von denen alle mit Ausnahme de Z 10 über i stehen. Von ihnen gilt das oben S. 161 Gesagte. Interpunktion: Satzanfang wird durch Majuskel gekennzeichnet. Diese Sätze wären zugleich fähig, einen Gesetzeinschnilt zu bilden. Kleinere syntaktische Gruppen und durch vnd angeschlossene Sätze werden in der Regel durch Punkt geschieden. Quellenfrage: Wie die im Anhang zu dieser Nr. beigegebenen Stücke beweisen, war diese Benedictio sehr beliebt und im ganzen Deutschen Reich verbreitet. Unseren Texten können schon deutsche Stücke als Quelle gedient haben. Vgl. das zu Nr. XXIX 129f. Gesagte. 12« 180 Anhang II. Aus Cgm. 73. Heimat und Verfasser: Wer der Verfasser des Segens war und wo seine Heimal gelegen, lässt sich bei dem viel überlieferten Stück nicht ausmachen. Die Fassung von Muri ist alemannisch, die von Köln mittelfränkisch. Literarisches: Das Stück ist zusammengehalten mit den Anhängenein treffendes Beispiel wie derartige nicht unmittelbar durch die kirchliche Autorität geschützte Texte zerlesen und zerschrieben wurden. Die Kölner Fassung ist vielleicht literarisch älter, als die von Muri, die, wie die Erwähnung der 3 hl. Könige vermuten lässt, nach 1165 niedergeschrieben wurde. Erläuterungen: 3 dat vgl. Anhang II 2. — 7 tru- wen = tröwe Muri 622, sonst truwe. — 8 vnde in wohl fi ausgefallen, doch Hesse sich vnde zur Not auch als vn de (= die) fassen. — 9 f. Vgl. Sacra- ment. Fuld. Nr. 2316: aeterne deus. Qui properantis Jacob itinera direxisti, quique uiae illius curam sollicitu- dinemque dignatus es gerere, qui etiam Tobiae famulo tuo angelum tuum ducem preuiumque prestitisti ... Es erhellt, wie weit sich die deutschen Texte von ihrem Ausgangspunkt entfernt haben, denn sie berichten Unsinn. Gen. 37, 14 wird man nie als Benediclio auffassen können. — 20 gifichtich noch ungifichtich, ebenso Muri 635, aber sonst gifunlichen im ungifunlichen, vgl. zu Muri 134. — 22 giveilde = geverde, vgl. zu 33 — 24 er = erde. — 26 niden avin = nit enhavin. — 33 vir = vil, vgl. K. Weinhold mhd. Gr.* § 212. — 35 wertlich, s. oben su XXIX 17. — 36 vvil = ubil. — Muri 648 cilina = Cilina Mutter des hl. Remigius. Anhang I. Aus Cgm. 73. Ein gut Segen. ICh beuilhe dich hiute . N . dem füzzen vater von hymelreich in die felben genade als er fein liebe müter dem heiligen fand Iohannes beualch do er an dem frönen chneutze hiench. Ich beuilhe dich hiute . N . in die genade als du herre ih'u xpe deinen heiligen geift deinem hymlifchem vater Anhang I. Aus Cgm. 73. 181 beffilhe. in der zeit do du dein leben an dem fronen chraeutze wolteft enden. Durch daz eilende befaelhen fo la dir hiut. N . be- folhen fein in die genade als der gut fand Iacob feinen fun dir befalch . do er in egyptum verchauft wart. Ich beuilhe dich hiut. N . in den grünt der heiligen fümf wunten . den fümf tropphen plütes den drei nageln dem geweichten chraeutze. Ich beuilhe dich hiut . N . vfi immer . N . in den fegen vfi in die wort vnfers herren ih'u xpi . daz hiut noch nimmer mer dehain veint dir gefchaden müge . fichtich noch vnfichtich. Der vil heiligen zefwe vnfers herren . der beuilich Der ich dich hiut. N . vn immer mer deinen leib vfi dein feie vn dein weltleich ere. Nv (Bl. 38r) gefegen dich hiut der füzze vater von himelreich vn daz vil heilige chraeutze vnfers herren iefu xpi daz fei hiut vor dir vn neben dir diu gotes zefwe diu fei hiut ietwederhalb dein. Mit difem fegen fo beuilhe ich dir hiut herre ih'u xpe fein feie vn feinen leip feinen tot vfi fein leben . wort vfi werch vfi alle die zeit allez feines lebens. In dem grünt deines getriwen vseterleichen edeln hertzen. Amen. (Bl. 38 v) Ein gut Segen. IN dem namen des vaters vfi des funs vnd des heiligen geiftes . ich beuilhe mich hiut . N. nu vfi ze allen Zeiten . in den fegen . da mit vnfer frawe diu müter Vnfers herren ih'u xpi gefegent was do fi enphiench vfi gepar im namen des almaihtigen gotes. Amen. Gefegen mich got hiute mit dem fegen da mit er fegent fand Iohannem . vfi mit dem fegen den er fprach Vber den Iordan do er getauft wolte werden von fand lohannes dem tauffer . im namen vnfers herren ih'u xpi. Amen. Gefegen mich got hiute vfi ze allen zeiten mit dem fegen da mit daz heilige chraeutze gefegent wart dar an e r den tot wolde leiden für vns fünder vfi die heilichait die ez von deinem heiligen leichnam enpfangen hat daz e z mein fchilt fei vfi mein befchirmunge wider alle mein v eintfchaft des tiufels vfi pöfer lseute vfi wider alle fraife 182 Anhang I. Aus Cgm. 73. meiner feie vn meines leibes vn für alle vnfaelde . im namen vnfers herren ih'u xpi. amen. Nu ze allen zeiten fei der heilige fegen vber mich den vnfer [den vnfer] herre ih'c xpe fprach vber vnfer frawen fein heüigiu müter vn vber die heiligen zwelf- poten do er hintz hymel für vii als er den fegen be- ftaätiget an in . alfo beftaitige mich fein genade vii par- munge in allem geiftleichem fegen vii genaden . im namen Vnfers herren ih'u xpi . amen, Hiut gefegen mich got mit dem fegen . da mit er fegent fein lunger an feiner vrftende. Herre ih'u xpe du pift fcheppher aller dinge vii pift daz wäre liecht vber alle geschepfte du fiheft alle mein getat. vii alle mein gedajnche innen vii auzzen. Nu pit ich dich aller miltifter vater daz du mich lereft waz ich tun fül . gib mir dein lere vii löfe mich von allem vbel vä beftaitige mich an guten werchen. Ich pit dich gen»diger guter got daz du mich gefegenft mit dem fegen da mit du gefegenteft abel do er fein oppher zu dem (Bl. 39 v) tempel prachte. Nu pit ich dich herre daz du mich gefegenft mit dem fegen . da mit abrahan gefegent was von dir vii da mit er fein geflsechte gefegent. Herre ih'u xpe gefegen mich mit dem fegen da mit du gefegenteft yfaach vii den fegen den er feinem fun lacob gab. Gefegen mich vater vnfers heren ih'u xpi mit dem fegen lacobes da er fein zwelf füne mit fegent. Gefegen mich herre mit dem lacobes 1 ) fegen da mit du in gefegenteft in dem eilende. Gefegen mich herre mit dem fegen hern dauides des weiffagen . da du in mit gefegenteft. Gefegen mich herre himlifcher chünich mit dem fegen da mit du gefegenteft die driu chint in dem prinnenden ofen. Gefegen mich herre mit dem fegen den die heiligen engel prachten ze deiner gepurt. Gefegen mich herre ih'u xpe mit dem fegen der von himel cham auf dich gotes fun ob der tauffe. Gefegen mich herre mit dem fegen da mit dich dein vater gefegent vor der marter dein. 1 ) Von späterer Hand in lobes geändert. Anhang I. Aus Cgm. 73. 183 Gefegen mich herre mit dem fegen . mit dem du nach deinem tode ze hymel füre. Almsechtiger got ich beuilhe mich in die genade . als du enphulhe dein liebe müter {Bl. 40 r) fand Iohannes vnter dem chrteutze. Ich beuilhe mich in die genade als du deinem vater befülhe deinen heiligen geift do du ftürbe an dem chr.-uutze. Ich beuilhe mich herre got in die genade als du dir Vnfer frawen fand mareyen ze einer müter erwelteft. Ich beuilhe mich in die genade als fand Iacob befalch feinen fun do er in egyptum verchauft wart vfi in die genade als der gute Tobias fein fun beualch do er in fante in ein frömdez lant. Ich beuilhe mich in den gewalt vfi in die chraft der heiligen fümf wunden vfi der dreyer nagel vfi in die tilgende des heiligen chrauutzes. Ich beuilhe mich fand Peter vfi allen zwelf poten . vfi beuilhe mich in die beuelhunge als im got feine fchaf beualch. Ich beuilhe mich in die himlifchen chraft vfi genade. Ich beuilhe mich in die genade fand Laurentzen vnd aller martrer. Ich beuilhe mich in die genade fand Nycolaus vfi aller peichtigaer. Ich beuilhe mich fand Iohannes baptiften vfi fand Johannes ewangeliften vfi allen gotes heiligen. Ich beuilhe mich nu vfi ze allen zeiten in die heiligen namen xpi . daz mir chain mein veint offenleich noch haimleich gefchaden müge. (Bl. 40v.) Ich beuilhe mich in die chraft der zefwen des al- niaachtigen gotes . mein feie vfi meinen leib vn mein ere. Nu gefegen mich der almajhtige got. daz heilige chraeutze fei ob mir vnder mir hinder mir vor mir neben rolr vmb mich vfi in mir. Sande Elyfabeth mit irem fun . gefegen mich fände ^elicitas mit iren siben fün . gefegen mich. Nu gefegen mich got mit dem fegen da mit er ge- fegent die drey Chfinige . Cafpar Balthafar Melchior. 184 Anhang II. Aus Cgm. 135. Der heilige Engel fand Gabriel fei hiut mein fcherm vii mein fchilt für alle mein veinde vn behüt mein leib vfi mein feie vor allem vbel. Amen. Anhang 11. Aus Cgm. 135. Ene fonderlinge beuelinge. IC beuele di . N. den almachticghen gode metter feluer ghenaden . dat hi fire moeder marien beual doe hi ande cruce ftont Ende metter feluer ghenaden doe hi linen gheeft finen uader beual doe hi an de cruce zoude fteruen Ende metter feluer ghenaden datti finte marien uercoos hem feluen teere moeder Ende foe hem teenen föne Ende metter zeluer ghenaden dat die goede tobias zinen föne beual. IC beuele di . N . den almach (/?/. 7/v) tighen gode ende finen heiige handen ende den helighen . V . tränen bloets Ende den helighen drie naghelen ende den heiigen cruce ons heren den almachtighen gode onfen he uan hemelrike. IC beuele di heden den trone finte pieters in die zelue ghenaden doe hem de heiige kerft beual zinen uoctftap . entie flotelen uan hemelrike. IC beuele di. N . finte ihanne metter feluer ghenaden doe hi finte ihanne fire moeder beual. IC beuele di. N . heiden ende (Bl. 72 f) emmermeer inden helicghen ureide ons heren ihefum kerfte dat heiden no nv no nemmermeer negheretiere fcande inde te fcaden no ne moghe uleefcelike no geeftelike no dat fi ogen hebben dat fi di. N . mede ghefien enich uernoy te doene ende dat fi den mont niet en moeten hebben daer fi di. N . mede fpreken di te fcadene Ende dat fi niet therte moeten hebben der mede fi dichten dinen liue te cranckene dire ziele no dire ere No dat fi niet moeten hebben (Bl. 72v) de handen te weerkene dat di moghe fcaden no dat fi niet moeten hebben de uoeten di te fcaden metter zeluer beuelinghe des Almachtich gods beuelic dinen name heden ende; emmermeer dijn lijf dine ziele dine ere datte met ghenaden ende met eren moets weder keren ende met urcden in gods namen. Amen. XXXII. Sankt Lambrechter Gebete. 185 Dat helich cruce uoor di fi gods feininghe mede Metter zeluer zeininge moetftu fijn ghefeint daer onfe (Bl. 73f) here god fire moeder mede zeinde doe hi te hemele uoer. Metter zeluer feininge moetftu zijn ghefeint daer finte lifebette hären föne mede zeinde die Almachtich god die de coninge mede zeinde doe die coninc herodes wilde maertelien de helighen föne finte marien . Die zone fi heden ahbeith dijns liues dire ziele ende dire ere Die goede finte michiel die fi heden befcermere dijns liues dire fiele entiere eren. Metter zeluer zeininge moetftu fijn (Bl. 73v) ghefeint daer god onfe here die kinder mede feinde doe de coninc nabugodonofor wilde uerbernen . 1c beuele v here heden den menifche zijn lijf zijn ziele tachterwaien uan al dat hem mach deren In weghe of in fteden emmermeer mach ende fine uerde ende fine behoudeniffe nu ende alle weghe . Amen. Anhang III. Berlin Ms. germ. fol. 736 Nr. 17. A. H. Hoffmanns Fragment (Alt. Bl. 2,272). als her iacob der patriarche synen son beual, do her en fante yn dy werlt vndir dy lute . Ich beuele dich N. hüte in dy felbe gnade, als der gute fente thobias fynen fon beval, do her en sante yn egypten lant . Ich beuele dich hüte in dy gnade der heilegen vumf wunden, der heilegen vumf tropphen, der heilegen dry nagiln, dem gewyten cruce . Ich beuele dich N. hüte dem guten hirren, sente petir vnd in die gnade der czwelf luten, vnd yn die gnade als ym der hylege geift beual fyne fchofe vnd den hemilf loffil gap . Ich beuele dich N. hüte in dv gnade des guten fente laurencien vnde allen gotis merterer. Ich beuele dich N. hüte in dy gnade fente marian mag- dalenen vnd allir gotis wetewen . Ich beuele dich N. hüte In dy gnade fente Margarethen vnd fente M XXXII. SANKT LAMBRECHTER GEBETE. Ueberlieferung: A Pergamenths. Nr. 39\59, 8° der Grazer Universitätsbibliothek Bl. 36r bis 43 b. (Hs. det Litanei, vgl. A. Schönbach ZfdA. 18, 82.) — B Per- 186 XXXII. Sankt Lambrechter Gebete. gatnenths. der Grazer Universitätsbibliothek Nr. 40\7, 8° Bl. 67 r bis 72 v. Beide Hss. stammen aus St. Lam- brecht, sind Breviere und gehören der zweiten Hälfte des XII. Jhdts. an. Literatur: J- Diemer, Deutsche Gedichte des XI. und XII. Jhdts. Wien 1849 S. 379 bis 383 und Anm. S. 95 bis 96 (Abdruck von A). — Derselbe, WSB. 28 (1858) 135 bis 38. - A. Schönbach ZfdA. 20 (1876) 169 bis 173 (Abdruck von B). — M. Roediger ZfdA. 30 (1885) 84185. — /. Kelle L. G. II. 188. — F. Vogt, Pauls Grundriss II* 184. — Vgl. Nr. IV. — F. Wilhelm MM. II (1914) 238. Aeusserlichkeilen des hslichen Textes: A ohne jeden Absatz und rote Buchstaben. Doch ist für letztete teilweise vom Schreiber freier Raum gelassen. Sie sind von mir oder späterer Hand ergänzt (in beiden Fällen cursiv gedruckt). — B. hat rote UeberSchriften (im Text gesperrt gedruckt) und rote Initialen. Ab- salzartiges Einrücken der roten Initiale findet nur nach Rubrum und Amen statt. Ich habe aus ähnlichen wie zu Nr. XXIX angegebenen Gründen den roten Buchstaben von B entsprechend Absätze gemacht, zumal auch in A sich an denselben Stellen gewöhnlich Majuscel befindet. Akzente: A ein Akut über here Z. 68; kein Zir- cumflex. B 41 Akute über i und 12 Zircumflexe. Interpunktion: Ist in beiden Fassungen nicht sorgfältig. A verwendet ausschliesslich und nur spärlich den Punkt. In B wird mit ihm sogar Verschwendung getrieben, daneben noch '. verwandt. Vielleicht darf man für B von diesem Zeichen sagen, dass es keinen Satzschluss andeuten soll, also mehr die Funktion unseres Semikolons hat. Quellenfrage: Die Reihenfolge, in der die St. Lambrechter Gebete überliefert sind, ist offenbar alt und rührt nicht etwa erst vom Uebersetzer her. Den lateinischen Text in derselben Reihenfolge weist das Gebetbuch von M(uri) auf. Nur ist der Text des Gebetbuches von Muri schon Aenderungen unterworfen gewesen. Das erste Gebet A 3 — 47 = B 3—49 ist eines der beliebtesten des 12. Jhdts. und scheint von Anselm XXXII. Sankt Lambrechter Gebete. 187 von Canterbury verfasst zu sein (vgl. MSL. 158,924 A f. = P). Es findet sich noch In der Hs., welche die Fassung A der deutschen Uebersetzung bietet Bl. 31 v bis 33r (= L) und In dem Gebetbuch der hl. Elisabeth von Schönau, hg. von F. W. E. Roth, Augsburg 1886 S. 15116 (z= S). Ich gebe den Text dieses Gebetes nachMLPS. In Einzelheiten war der der deutschen Uebersetzung vorliegende noch etwas anders. Vielleicht findet sich In einem St. Lambrechter Brevier noch die genaue Vorlage. — Das zweite Gebet A 48 bis 73 = B 50 — 74 findet sich ausser In M noch Im Cod. T(reverensls) Nr. 1917 Bl. 38v — 39 r. Der Trierer Text steht sogar der deutschen Uebersetzung etwas näher. In M fehlt der A 65—73 — B 66—74 entsprechende Passus, und da In T der vorhergehende Passus mit Amen schltesst, so Ist es nicht ausgeschlossen, dass A 48—73 = B 50—74 eigentlich zwei Gebete sind. — Für A 74—103 = B 75—112 findet steh In M ebenfalls Entsprechendes, wenn auch die Stellung des Amen abweicht. — Für A 103 — 122 == B 112 — 131 fehlt die lateinische Vorlage. Ich lasse jetzt die Gebetstexte folgen. Die Absätze nach M (vgl. oben S. 160 f.). Oratio ad Euchariftiam. 1 ) Rogo ') te dfie per 3 ) facro fem et 4 ) uiuificum uenerandumque 6 ) mifterium corporif et fanguinif tui . quo cottidie 6 ) pafeimur et 7 ) potamur. abluimur et fcificamur atque uniuf fumme diuinitatif partieipef effieimur. Da mihi uirtutef tuaf feaf quibus repleta 8 ) bona con- feientia ad altare 9 ) tuum accedam ita ut hec celeftia facra- menta efficiantur mihi faluf et uita. Tu enim dixifti ore tuo fclffimo 10 ) . et benedicto. Panif quem ego 11 ) dabo caro mea eft. pro mundi uita. *) Ueberschrift f. L. ad] ante 5. Oratio Sacerdotis ante Corpus et sanguinem Domini Corb. J ) Rogo bis uenerandumque] Ob- secro te domine Jhesu Christe piissime redemptor meus per ip- sum sacrosanetum et vivificum 5. *) per] per ipfum P. (vgl. S.) ) et bis uenerandumque f. P. b ) uenerandumque /. Z. H ') cottidie] c - in ecclesia LPS. ') /. M. *) repletus P. ") altare tuum] altaris tui communionem 5. ,0 ) fco LPS. ") /• S. 188 XXXII. Sankt Lambrechter Gebete. Qui 1 ) manducat me uiuit propter me ipfe manet in me et ego in eo. s ) Si quif manducauerit ex hoc pane uiuet 8 ) in eternum. Panif dulciffime fana palatum cordif mei. ut fentiam fuauitatem amorif tui. 4 ) Sana eum 5 ) ab omni languore ut nullam preter te 6 ) fentiam dulcedinem.- Panif candidiffime 7 ) habenf omne delectamentum et omnem 8 ) fapore/ra qui nof reficis 9 ) et numquam in te de- ficis. 10 ) Conmendat te cor meura 11 ) et dulcedine faporif tui . repleantur uifcera anime me§. Manducat te angelus pleno ore . manducet 12 ) te pere- grinuf homo pro modulo fuo . ne deficiat 13 ) in uia u ) . tali recreetur 15 ) uiatico. Panif fce . panif uiue . panif pulcher 16 ) . panif munde . qui defcendifti 17 ) de celo . et daf uitam mundo. Veni in cor meum et munda me ab omni inquinamento carnif etfpf. intra in 18 ) animam meam . fana et fclfica me 19 ) interiuf et exteriuf. Efto tutamen et continua 20 ) faluf. corporif 21 ) et anime meg. 22 ) Repeile 23 ) a me inf idiantef mihi. hoftef recedant pro- ') Qui bis eo /. P. 2 ) eo] eo Ego fum panif uiuuf qui de coelo defcendi LS, in P unklare Varr.-Angabe. 8 ) viret P. (?) *) fuauitatem amorif tui] te M. 6 ) illud SP. me Val-luc. 6 ) te bis dulcedinem] te dulcedinem fentiat (fent. dul. P.) nulluni preter te querat amorem nullam preter te amet pulchritudinem PS. 7 ) dulciffime 5. B ) omnem faporem] omnem (omnis S) fuauitatis sapo- rem PS. °) reficit M. ,0 ) deficit M. u ) /. M. '») manducat L. 1S ) deficiat] deficere poffit LPS. w uia] uia fua M. 16 ) recretur L., recreatus PS. le ) pulcherrime L. 17 ) de cel. desc. L. ,8 ) in /. M- 19 )/. L. *') conviva 5. M ) animae meae et corporis mei P. aa ) f. L. 28 ) Re- pelle bis Amen] Scio domine et vere sclo, et id ipfum bonitati tue confiteor, quod non sum digna accedere ad tantum misterium propter nimia peccata mea et negligentias meas infinitas, sed scio et credo veraciter ex toto corde et ore confiteor, quia tu potes (Bl. 167v) me facere dignam qui solus potes facere mundum de inmundo conceptum semine, solus de indignis dignos, de pecca- toribui et iniustis iustos et sanctos facis. Per hanc omnipoten- tiam tuam rogo te, concede mihi peccatrici hoc celefte facrificium percipere cum timore et tremore, cum cordis puritate et lacri- rnarum fönte, cum leticia spirituali et celesti gaudio. Qui vivis et regnas (vgl. dazu F. W. E. Roths Anm. 12 auf S. 61) S. XXXII. Sankt Lambrechter Gebete. 189 cul 1 ) a prefentia penitentip 2 ) me§. ut forif interiufque') munita 4 ) per te recto tramite ad regnum 5 ) tuum perue- niam , ubi non misteriif ficut agitur 6 ) in hoc tempore . fed facie ad faciem te uidebimuf. cum tradiderif regnum dö patri . et ds ') eris omnia in omnibus. Tunc enim me de te faciabif. fuauitate 8 ) mirifica . ita ut neque efuriam neque ficiam in eternum . aMen. Agne dl patrif omnipotentif 9 ) qui uenifti redimere 9 ) et 9 ) tollere peccata mundi. tolle iniquitatem meam . ut merear interancillaf 10 ) tuaf dinumerari et fem tuum fumere corpuf. anime mee . non ad iudicium . fed per merita fee MARie et omnium fcorum tuorum ad indulgentiam om- nium criminum meorum 11 ) . pereipere merear propter nomen tuum") fem. Fiat mihi fcä 13 ) dl genitrix maRia cum omni milicia ce- leftis exercituf interuentrix ut 14 ) mihi mifere 15 ) omni cor- ruptione ualde pollute 16 ) hoc corpuf et fanguif dfii noftri ih'u I7 )xpi. 18 ) ad uifeera mifericordie . et ad remedium anime me§ et ad remiffionem omnium peccatorum meorum . pereipere merear AMEN. Panif 19 ) angelorum uiuuf et ueruf lux uera et uita mundi xpe illumina tenebraf meaf . et miferere mei . ut non ad iudicium fed ad remedium anime me§ hoc 20 ) corpuf et fanguinem tuum 21 ) aeeipiam. 22 ) : ) proeul] a proeul M. % ) penitentie mee] potentiae tuae P '= mea L. ') interiufque] et intus LP. *) per te munitus P. ') tuum regnum P- •) in hoc tempore agitur P == hoc tempuf agitur M. 7 ) eris deus L. d's erit M. *)_facietate LP. ») /. 7. I0 ) feruos tuos dinu- rnerare et a tuo icö fpu repntare' et ab eo cuftodiri leum c. t. f. n. ad iud. aie mee 7. ») /. T. >•) fem tuum T. J ») fcä M. d. g. T. ") /. T. ») mifero 7. ie ) polluto T. ") f. 7. ,8 ) /. T. ") Panii] Panif (^5 . panif r. ••) f.M. ,l ) /. 7. *•) aeeipiam Amen T. Darauf folgt entsprechend dem deutschen Text: Dne ih'u xpe faluator Sencium benigniffime mundi redemptor mifericordiffime hominum amator piiffime adque clementiffime qui ptfon (?) eunetis diebus benignus et paciens extitifti . te benedico te rogo et gracias ago tibi et in prefenti neceffitate mea mifericordiam tuam fupliciter 1 mploro vt meritis et interceffionibus h (?) omnium fcorum hoc m >hi tue pietatis concedere digneris beneficium quatenus per hanc angelicam refurrectionem confequi merear optabilis gracie pleni- tudinem et veram vitam eternam . ameN. Dann Salue flos florum (vgl. Chevalier Rep. hymnol. Nr. 40668). Das hierauf in 7 Folgende hat mit den St. Lambrechter Gebeten nichts mehr ? « tun. 190 XXXII. Sankt Lambrechter Gebete. Miferere mei dne ds omnipotens per incarnationem unigeniti tui . ut omnia remittaf facinora . ut per ipf iuf introitum in fcä fcörum omnia anime procul expellaf nociua. Vt per hoc facrum mifterium animam et corpuf meum renouef. Ut per facramentum hoc . confcientiam meam purificef. Vt hoc mifterium terribile non finaf mihi fieri ad iu- dicium. Ut iftud uenerabile facramentum munda fumam mente. Ut indulgentiam omnium peccatorum meorum per hoc confequi merear. Ut per hoc tibi inherere ualeam. Ut per hoc tu in me . et ego in te merear manere. Vt corpuf et fanguinem filii tui. ad exitum anime me§. cum tibi placita deuotione et digna reuerentiam fideliter ac feliciter percipere merear. Salue ara. Salue uictima. O uere digna hoftia per quam fracta sunt tartara. Dne fi uif poteft me mundare . die dne die piiffime . quem admodo lebrofo dixifti. uolo quia euneta in uolun- tate tua funt pofita . die mundare quia uoluntati tue nichil ualet refiftere. Emunda cor et corpuf ab omnibuf uiti'ff et da mihi fidem reetam . fpem firmam . mundiciam cordif et corporif. ut facri corporif et fanguinif partieepf fieri merear . ob memoriam beate paff ionif tue. tibi ad laudem et gloriam mihi ad remiffionem peccatorum meorum . et concede mihi ut in die exituf mei fee communicationil folatio merear muniri. et f pu fco repleri. et ab eo cuftodiri. et angelif feif tibi prefentari gaudenf. Dne uerba uite etiamne habef. et nof uere cognoui- muf. quia tu ef xpe filiuf dei. Calicem falutarif aeeipiam . et nomen dni inuocabo. In hora pereeptionif. Ecce ih'u benigniffime quod coneupiui iam uideo . ecce quod def ideraui iam teneo . hinc quefo tibi iungar in celif. que quamuis indigna fem corpuf et fanguinem tuum . cum omni gaudio fumo in terrif . tue felfTima caro . fumma uite dulcedo . aue celeftif potuf. ante omnia mihi dulcif. XXXII. Sankt Lambrechter Gebete. 191 Poft perceptionem. Corpuf xpi. quo refecta fum . et fanguif quo potata fum . adhereat in uifceribuf meif . et non ueniat ad con- dempnationem mihi . neque ad iudicium . fed proficiat mihi ad falutem et remedium anime me§. Gratias ago tibi clementiffime mundi redemptor xpe . qui pro falute mundi mortem pertulifti et me in com- memorationem angelice refectionif corpore et fanguine tuo fatiafti . cui foli uirtuf et poteftaf decuf et imperium eft in fecula feculorum . aMen. Heimat und Verfasser: Die Heimat der Gebete war bayerisch-österreichisches Sprachgebiet, dafür spricht das Verhalten von A und B gegenüber den gemeingermanischen Diphthongen und den gemeinmhd. Längen I, ü und iu. Wahrscheinlich ist die Ueber- setzung in St. Lambrecht selbst entstanden. Aus dem Umstand, dass die Gebete einer Frau in den Mund gelegt sind, darf noch nicht geschlossen werden, dass wir das Werk einer Uebersetzerin vor uns haben (s. F. A. Specht, Geschichte des Unterrichtswesens in Deutschland, Stuttgart 1885 S. 78/.). Literarisches: A. Schönbach nahm an, dass B unmittelbar aus A geflossen und eine „dritte Hs." anzunehmen unnötig sei. J. Kelle schloss sich ihm an. Manches aber deutet darauf hin, dass nicht B aus A hervorging, sondern beide Fassungen rühren aus gemeinsamer Quelle her. A gibt diese besser wieder als B (vgl. zu A 21, 50; B 79, 88). Erläuterungen: B 4 f. Zur verschiedenen Flexion der Adjektiva vgl. C. v. Kraus, Deutsche Gedichte des 12. Jhdts. zu XI 22. — A 10 = B 11, das mhd. Wb. I 1029, 21b stellt liethteme zu lieht hell, doch scheint e s mir nicht angebracht, die an das Nhd. leichten Herzens erinnernde Bedeutung von leichtem B zu beanstanden. Wie verschiedenartige Bedeutungen liht schon ln mhd. Zeit kaben konnte, zeigen En. 11506: sint ich So lichtes moedes ende so onstade bin, mit schlechtem Nebensinn gegenüber Vrid. 97,8: man mac mit lihten Sl nnen manegen friunt gewinnen, d. h. ohne viel Mühe. — A 12 er statt ez, wohl auf ein lichnam in Gedanken 192 XXXII. Sankt Lambrechter Gebete. bezogen; ein ähnlicher Wechsel A 55. — A 21 = B 22 iv wehten fmeche = iht ensmeche; fmerze in B ist wohl sicher ein Fehler, der auf eine deutsche Vorlage von B schliessen lässt. Vgl. A 22\23 = B 23J24. A 22 = B 23 vgl. Spec. eccl. 152,314. — A 29 = B 30 zeigen, dass die La. L der lat. Quelle dem deutschen Text am nächsten steht. — B 40 vorgige, vgl. K. Weinhold Bair. Gr. § 274 S. 285; mhd. Gr.* § 357 S. 372; H. Polzer- van Kot Priester Arnold S. 92. — A 43 = B 45 wirft == eris. — A 50 = B 51/ inin a = miner = minner nur ein Notbehelf, dessen sich gewiss auch der mittelalterliche Leser von A bediente. In Wirklichkeit ist ' ein Verweiszeichen, welches auf einen Nachtrag am Rand verwies, der aber in A nicht zur Ausführung kam. — B 54 = enphan mfze. - A 53 = B 55 flore vgl. oben VIII 69. — A 55, vgl. ZU A 12. — B 57 enphahen, vgl. K. Wein- hold, Bair. Gram. § 280 S. 289. — A 56 cs/MaRien offenbar Schreibfehler. Man beachte den Reim Merie: herie. Reime kommen in diesen Gebeten öfters vor: vgl. A 94J95 mich: dich; B 99 ift:fuziit; 101 chrift : bift; 103 rainchleichen : ewechleichen; 104 mir: dir; 120 flaifch : geift; 121 raine : ainen ; 123 lichnam : gehorfam; 126 mir : dir; 127 lip : wip ; 129 gen : Jerufalem. M. Rüdiger a. a. 0. nimmt noch eine Anzahl weiterer Assonanzen an. Von den Reimen gilt das zu Nr. III 2,14 und 1X24 Bemerkte. — A 75—77 = B 76—78 fehlt im lat. Text. — B 79 allez ist wohl in A ausgefallen. — brich wird, da es B 114 nochmals vorkommt, schwerlich als Schreibfehler anzusehen sein, sondern eher als eine Art Neubildung zu brahte. Weitere Belege für die Form fehlen. — B 86 Hesse sich allenfalls als i (= ich), euphon. r fassen, vgl. K. Weinhold, Bair. Gr. § 163, W. Braune Ahd. Gr. 3 § 120 Anm. 3. — B 87. von difem enellende Zusatz von B; ist enellende wirklich bloss md., wie M. Lexer mhd. Hwb. I 539 angibt? — B 88 verdinchlichen doch wohl nur entstellt aus wirdichlichen = A 85 — daz fi mir bis 90 her- bergaere wohl Zusatz von B. — A 87 f. = B 92 f. entspricht der lat. Text nicht mehr genau. — Bill fvntaringen, s. K. Weinhold, Bair. Gram. § 170. — XXXIII. Henediktbeurer Ratschläge und Gebete. 193 A 110 menent = B 119 fament, es scheint mir zweifelhaft, ob Diemers Konjektur mendent das Richtige trifft 1 ); man könnte auch an mengen denken, das mit menen vermischt wurde (vgl. Lexer mhd. Wb. I 2099 f. s. VV.) Jedenfalls gibt die La. B. einen ausgezeichneten Sinn. xxxm. BENEDIKTBEURER RATSCHLÄGE UND GEBETE. V eberlieferung: Clm. 4616 (olimBen 116) Bl. 52va bis 54 ra von einer Hand des 12.\13. Jhdts. Faksimile bei E. Petzet-Glauning D. Schrifttaf. Nr. XXIII. Die Hs. stammt aus Benediktbeuren. Literatur: J. A.Schmeller, ZfdA. 8 (1851) 114 f- MSD. Il> 271. Aeusserlichkeiten des hslichen Textes: Das im Text gesperrt Gedruckte rot. Majuskeln meist rot gestrichelt, ebenso daz und vn gern mit roter Slrichelung versehen. Das Z. 98 kursiv Gedruckte auf Rasur; es hat den Anschein als ob etwas Rotgeschriebenes dagestanden hätte. Akzente: 27". Interpunktion: Die rote Slrichelung ist von mir als Absatzansatz verwandt. Sie ist nicht immer konsequent durchgeführt, fehlt z. B. Z. 33 zwai. Auch der Gebrauch der Majuskel ist nicht konsequent; beachtens- wet t ist er bei den Eigennamen. Der Punkt wird für Satzschluss und zur Scheidung kleinerer syntaktischer Gruppen verwandt. Quellenfrage: Vermutlich waren die Quellen lateinisch. Weiteres darüber und über die Abgrenzung der einzelnen Stücke siehe Erläuterungen. Heimat und Verfasser: Das Stück trägt das der Herkunft der Hs. entsprechende sprachliche Gepräge, w ie wohl dadurch keineswegs bewiesen ist, dass die Hs. in Benediktbeuern geschrieben wurde. Hierhin r echne ich das Zusammentreffen von ai für ei, gen, *) Uebrigens würde ich men(n)ent = mendent nicht für ausgeschlossen halten; vgl. Diemer D. Ged. 230,24 genennet «endet; ebenso 243,5. Münchner Texte VIII B 13 13 194 XXXIII. Benediktbeurer Ratschläge und Gebete. sten, ev für iv in devmüte Z 51 und die Schreibung ch für k im Anlaut. Dagegen kommt einer Schreibung wie fi Z. 57; 75 wohl keine lautliche Bedeutung zu. Das Denkmal dürfte also Südwest-bayrisch sein. Literarisches: Der Wert von Nr. XXXIII ist vorwiegend ein volkskundlicher. Erläuterungen: 1—28. Es ist schwer zu sagen, ob dieses Stück mit Z. 23 endigt oder mit 28, ob 24 — 28 ein selbständiger Passus ist oder nicht, oder ob er gar in zwei Einzelstücke 24—26 und 27/28 zerfällt. Jedenfalls enthält Z. 1 — 23 durchweg Apokryphes, kirchlich nicht Anerkanntes. Das Buch He noch, welches das Mittelalter auch in lal. Übersetzung kannte, überliefert eine grössere Anzahl solcher Engelnamen, u. a. auch in unserem Stück vorkommende, z. B. Buch Henoch hg. J. Flemming und L. Rademacher 20,1 f. = S. 48,20): "AyyeXoi, TÖ >v Suvajiewv. OöptfjX 6 dq xöv ctyt'wv ccy- y£X{iäxu)v, oi'xtve; £tc£ xq) 7tve6p.axt <£(iapxivouatv, TaßptrjX 6 ef? xöv <£yi'u>v dyyeXwv, 85 ercl xoö 7TapaSe£aou xac xöv Spaxövxwv xac ^epoußiv. Tsuet^X (6) ef? xöv ayc'wv ayy£Xu>v, 8v ixajjev 6 ■9-eös ercc xöv dvtaxa[iivü>v. Barachiel (BapaxrijX) w/rtf daselbst 6,7 (=■ 24,14) unter den Engeln genannt, welche Menschenfrauen heirateten. 8,3 (= 26,18) wird erzählt, dass er die Sternseher unterrichtete. Taxc*)X daxpoXoyfa?. Die römische Synode von 745 unter Pabst Zacharias verwirft die apokryphen Engelnamen, ausgenommen die drei in der Bibel erwähnten Michael, Gabriel und Raphael. Bei dieser Gelegenheit lernen wir eine Engelsanrufung des Aldebertus kennen: Precor vos et coniuro vos et supplico me ad vos, angele Uriel, angele Raguel, g gele Tubuel, angele Michael, angele XXXIII. Benediktbeurer Ratschläge und Gebete. 195 Inias, angele Tubuas, angele Sabaoc, angele Simiel. (Mansi XII 379). Die Admonilio Generalis Karls des Grossen vom 23. III. 789 (MG. Leg. sect. II. capit. reg. Franc. I 55) erneuert ein ähnliches auf der Synode von Laodikäa ergangenes Verbot (Mansi III 588 c. XXXV). Das Buch von Cerne (hg. von A. B. Kuypers Cambridge 1902) enthält in Gebeten mehrere solche Engelsanrufungen 126,15: et depraecor michahelem archangelum sanctum et gloriosum. gabrihel et raphahel Vrihel. Ut suscipiant annnam meam in nouissimo die. Eine erweiterte Fassung in der Anm. zu dieser Stelle : Michaelem sanctum gloriosum deprecor. Rafael et uriel gabriel et raguel heremiel et azael ut suscipiant animam meam in nouissimo die cum choro angelorum et perducent eam ad amoenitatem paradisi. In einem anderen Gebet heisst es 153,9 f.: Gabrihel esto mihi lurica. Michahel esto mihi baltheus. Raphahel esto mihi scutum. Urihel esto mihi protector. Rumihel esto mihi defensor. Phannihel esto mihi sanitas. Andere Namen nennt eine Notiz des 15. Jhdts. im Clm. 435 Bl. 223v: Nomina Angelorum (rot). Angelorum generatim vocabula permulta funt. ut Haf malim: Haioth: Ophanim: Tharfifim et reliqua. Deinde priuatim non utique pauca: ut Vriel: et Afariel: ut Zuriel: ut Abre: ut Metraton hisque fimilia. Auf irgend eine ähnliche Quelle in tat. Sprache wird unser Passus zurückgehen. — 5 f. 6". XXIX 129f. — 9 f. Wegen Tob. 5,5f. — 24 vers. vgl. XXVIII 7. — 27 mazet zu maz Speise oder mäze Mäßigung} 29—44 = XXIX 315—328, s. daselbst. 45—66 Ein ähnliches Stück wie das vorhergehende. — 62 böte Vgl. F. Wilhelm Deutsche Legenden u. Legendare S. 87 f. 67—124 Wieder ein ähnliches Stück wie die beiden vorhergehenden, aber ausführlicher. Es handelt sich wohl um ein Engelamt mit Almosenspende ; darauf hin deutet die Teilung der Kerze und des Almosens in 9 Teile, vgl. die Explicatio divinorum officiorum cap. 101: Duodecim candelae duodecim exprimunt apostolos. At vero novem humanum genus significant, quod propter peccatum suum a consortio novem ordinum angelorum 13 196 XXXIV. Züricher Gebetsanweisung. semotum est et a vera luce exclusum (A. Franz, Die Messe S. 254; 289.). Dass die 9 Almosen mit einem Gebet zur rechten Hand des Herren dargebracht werden, hat wohl symbolische Bedeutung: die Rechte soll sie gewissermaßen in Empfang nehmen. Nicht klar ist mir die liturgifche Bedeutung von dem Z. 73 bis 76 Erzählten. Bringt der Bittende das Kruzifix mit? oder nimmt er es aus der Sakristei? Beachtenswert sind die auch im Deutschen formelhaften Eingänge und Schlüsse der einzelnen Preces. — 85 ebenwage wohl Übersetzung für compensatio. — 90 Joh. 9,6f. — 96 Vgl. zu XXIX46. — 117 Ps. 104,1. — 123 Vgl. IV3 sf. XXXIV. ZÜRICHER GEBETSANWEISUNG. Ueberliefeut.g: Cod. C. 171 Kl. sedez der Züricher Stadibibliothek Bl. 106 b. von einer Hand des ausgehenden 12. Jhdts. Hier nach einer freundlichen Kollation Jakob Werners. Literatur: M. Heyne, A nzeigerf. Kunde der deutschen Vorzeit 1879 Stück 9 S. 257. — P. Piper, ZfaPh. 13 (1882) 476f. Aeusserlichkeiten des hslichen Textes: Das Stück steht in der Hs. auf einer ausradierten Stelle. Akzente: Fehlen. Interpunktion: Majuskel wird für Satzanfang und Zitatanfang, der Punkt nur spärlich verwandt. Heimat und Verfasser'.Alemannisch. Vgl. Z. briefte, s. oben XXIX 474; 9 da = do; men = man (besonders elsässisch). Literarifch.es: Die Anweisung ist auf das engste verwandt mit XXIX 329 f. und der zur Erläuterung S. i69 zitierten Anweisung aus Cgm. 73. Es handelt sich um dieseUm. Gebetsübung. Interessant ist die Angabe des erwarteten Enderfolges: Die Erfcheinung der Seele, die man durch das Gebet erlöst hat. Damil XXXV. Traditio Kuonradi. • 197 steht das Stück der Mystik sehr nahe. Solche Er- fcheinungen hatten die hl. Gertrud, die beiden Mech- thilden von Helfta, Adelheit Langmann, Margareta Ebner u. a. (vgl. die Zusammenstellungen bei A. Franz, Die Messe 237 f.; 255 f.) XXXV. TRADITIO KUONRADT. V eberlieferung: Clm 3714 (olim. Aug. eccl. 14) Bl. 1 r. von einer Hand des J2.J13. Jhdts. eingetragen. Literatur: J. B. Docen, in I. v. Hormayrs Archiv /• Geographie, Historie, Staats- und Kriegskunst 13 (1822) 280 - W. Wackernagel Alt. Lb. 1 (1835) 101 — J.A. Schmeller Bayr. Wb. 3 (1836) 221 f. = 1F250 f. — H. F. Maßmann, Abschwörungs ... formein (1839) Nr. 73. — K. Roth, Beiträge zur deutschen Sprach- Geschichts- und Ortsforschung 3 (1854) 201 bis 15. — P- Piper, Nachträge S. 241. Acusserlichkeiten des hslichen Textes: Urkunden- schriff, sehr verblasst und schwer zu lesen. Akzente: Ein Ä und ein '. Interpunktion: Als Interpunktion wird der Punkt vet wandt. Für den Gebrauch der Majuskel ist keine Regel erkennbar. Quellenfrage: Wir haben es natürlich mit der Ueber- setzung einer lateinifch ausgefertigten Traditio zu tun, die nicht mehr erhalten ist. Heimat: Augsburg. (?) hiterarifdh.es : Die Tradition geschah unter Embriko v on Augsburg (1064- 1077). Die Uebersetzung dürfte etwa 100 Jahre jünger sein. Trotzdem ist sie der älteste Beleg eines urkundenartigen Stückes in deutscher Sprache für Oberdeutschland. Erläuterungen: 2. In Kuonrat lese ich deutlich K. ~~ haldef hufin verschrieben für bildet hufin, Baldshausen, Drtschaftenverzeichnis des Königreichs Bayern 1904 J»' 1472), wie umgekehrt Z. 9 und 12 bennunhouin für "ennunhouin (Hennhofen, Ortschaftenverz. S. 1563) — 3 Das „neue" Münster St. Moritz war 1019 gegründet 198 XXXVI. Erfurter Judeneid. worden, vgl. G. Leidinger Zs. des historischen Vereins für Schwaben und Neuburg 31 (1904) 97. — 5 den = dem vgl. K. Weinhold A. Gr. § 418 S. 461; mhd. Gr. * § 483. — 6 Adelgoz erscheint in einer Urkunde Embricos vom23. XL 1071 in MB. XXXIII 1,9 (vielleicht auch im fahre 1046 MB. XXXIII 1,5). — 7 bruodernen eine falsche Form! — 8 lere, vgl. Hei. M. 1736; 1834: lereo, oder Verderbnis für mitelere (= mediator) ? — 9 hegiibürch, io lese ich. — 10 Diemar uon tureheim ist das älteste nachweisbare Glied der Familie, aus der der Dichter Ulrich von Türheim stammt. — 15 liebhoun, Roth liest vielleicht richtiger liebheim (Leipheim, Ort- schaftenverz. S. 1434). xxxvi. ERFURTER JUDENEID. LI'eberlief'erung: Originalurkunde im K. preuss. Staatsarchiv zu Magdeburg unter der Signatur: Erfurt A. XLV1I. Nr. 1, von einer Hand des 12. Jhdts. Literatur: L. F. Hof et in W. Dorows Denkmäler alter Sprache und Kunst I 2 (1824) S. IX bis XL — Derselbe, Auswahl der ältesten Urkunden deutscher Sprache im A rchiv zu Berlin 1835 S. 3. — A.Jaraczewsky, Geschichte der Juden in Erfurt (1868) S. 3f. — MSD. Nr. C. — C. Beyer, Urkundenbuch der Stadt Erfurt I (1889) 23 Nr. 51. — P. Piper Nachträge S. 194. Aeusserlichkeiten des hslichen Textes: Feierliche Ausfertigung. Goldene in Rot eingefasste Randlinien und goldene in Rot eingefasste Majuskeln. An rotgrün-gelbseidener Schnur das Siegel mit der Legende: ERFORDIA FIDEL1S EST FIL1A • MOGONTINE • SEDIS. Links und rechts von dem Thron des Heiligen, senkrecht verlaufend s"CS • MAR (Thron) TINVS. Höfers Bemerkung „dass der Endbuchstabe i in der Urkunde immer über sich ein ' hat", bezieht sich auf das y. Es ist der damals beim y allgemein übliche, übergeschriebene Punkt. Akzente: Fehlen. Interpunktion: Der Punkt wird in der sonst üblichen Weise verwandt. Die farbigen Majuskeln sind XXXVII. Pfälzer Judeneid. 199 wohl mehr zum Zierat da, könnten aber auch für den Vorsprecher als Anhaltspunkt dafür gegolten haben, wie er den Tonfall einzurichten hat. Jedenfalls wird jede neue Formel durch Majuskel eingeleitet. Quellenfrage: Zu gründe liegt wohl ein tat. Formular; ein genau entsprechendes ist noch nicht gefunden. Das älteste bis jetzt bekannte lateinifche stammt aus der Karolingerzeit MG. Leg. sect. II, 1 259: Si me Deus adiuuet, ille Deus qui dedit legem Moysi in monte Synai, et si lepra Neaman Siri super me non ueniat sicut fuper illum uenit, et sie terra me non deglutiat sicut deglutivit Dathan et Abiron, de ista causa contra te malum non merui (aus Clm. 3853 Bl. 261 V unter der Ueberschrift De capitulis drü Karoli imperatoris et Hludowici). Dem 10. Jhdt. gehört das daselbst mitgeteilte Formular aus der Wolfenbüttlet Hs. Cod. Blankenb. 130. 52 Bl. 206r an: Juramentum Iudeorum: 'Adiuro te per Deum vivum et verum et in illam legem sanetam quam Dominus dedit ad beatum Moisen in monte Sinai, et per Adonai sanetum, et per pactum Abrae quod Deus dedit filii Israel, et si non lepra Naaman Siro circumdet corpus meus, et si non me vivo degluciat terra sicut fecit Dathan et Abiion, et per arcum foederis qui de celis aparuit ad filios hominis, et ipsum locum sanetum ubi sanetus Moisen stetit et illam sanetum quam beatus Moisen ibi haeeepit, de hac causa eulpabilis non sum.' Weitere Zusammenstellungen MSD 1P 466 f. Heimat und Verfasser: Das Erfurter Formular ist von Erzbischof Konrad I. von Mainz ausgegeben. Selbstverständlich war der Verfasser ein Erfurter Kanzleibeamter und nach dem Siegel zu schließen zur Zeit der Anfertigung des erhaltenen Stücks in Erfurt ansässig. Dafür spricht auch die Form di = der Z. 13, während Dit Z. 12 auch in Mainz möglich wäre. Literarisches: Konrad von Witteisbach war zweimal Erzbischof von Mainz: 1) 1161 bis 1165 und 2) 1183 bis 1200. Der Erlass des Erfurter Judeneides fällt eher in die 2. als in die 1. Periode. Interessant ist die Anwendung des Reims Z. 4 graf: waf und Z. 13. 200 XXXVIII. Verfahren beim Gottesurteil. Cünrat: hat. Doch glaub ich nicht, dass der ganze Text als Gedicht gedacht ist. Erläuterungen: 2 biftur, vgl. zu XXXII B 86. — 4 Vgl. MSD. II* 474. — 5 4. Mos. 16,30 f. — 1.4. Reg. 5,9 bis 27. — 10 steinir = steininir. XXXVII. PFÄLZER JUDENEID. Ueberlieferung: Cod. Vatic. Pal. Lat. 288 Bl. 158 r. von einer Hand des 12.\13. Jhdts. Literatur: K. Bartsch, Die altdeutschen Hss. der Universitätsbibliothek in Heidelberg S. 186 Sp. a. — MSD. IP 467168. Aeusserlichkeiten des hslichen Textes: P. Z. 3 ; M. Z. 4; U. Z. 12 durch ihre Grösse hervorstechende Majuskeln, die wohl auch die starken Einschnitte kenntlich machen sollen. Die übrigen Majuskeln von minderer, gleicher Grösse. Akzente: Ein -*■ und ein ■». Interpunktion: Die Majuskel ist kaum als Interpunktionszeichen zu fassen. Der Punkt wird in ausgiebigstem Masse verwandt, die kleinsten und grössten syntaktifchen Gebilde zu fcheiden. Quellenfrage: S. zu Nr. XXXVI. Heimat und Verfasser: Rheinfranken. Erläuterungen: 7. 2. Mos. 28,38. — 9. f. d. h. die Thora. — 15 f. Wahrfcheinlich wurde von dem Rechtsprechenden die 2. Pers. in die 1. umgesetzt. — 29 gruene vgl. Herbort 8234; Trist. 7797? — 30 f. griez kann hier doch nur die Bedeutung von semen haben; oder wird etwas verächtlich an arena von 1. Mos. 22,17 angeknüpft ? XXXVIII. VERFAHREN BEIM GOTTESURTEIL. Ueberlieferung: Cod Trevirensis Nr. 1917 (olim 744) Bl. 50v von einer Hand des 12.J13. jhdts. Eine ganz it reführende Befchreibung in dem Befchreibenden XXXVIII. Verfahren beim Gottesurteil. 201 Verzeichnis der Hss. der Stadtbibliothek zu Trier VI. Heft 1910 S. 142. Bl. 1 bis 50 ist das Elucidarium des Iionorius (MSL 172, 1109f.) und nicht Guilelmus Coventriensis und Bl. 1 bis 50 stammt nicht aus dem 14. Jhdt., wie dort angegeben ist, sondern aus dem 12.\13>) Erst der angebundene Bl. 51 beginnende Teil stammt aus dem 14. Jhdt. Literatur: F.J. Mone Zs. f. d. Geschichte des Oberrheins 1 (1850) 42f. — K. Zeumer MG. Leg. sect. V Formulae S. 628f. Aeusserlichkeiten des hslichen Textes: Der Text fortlaufend geschrieben, ohne Absätze. Akzente: Fehlen. Interpunktion: Satz- und Zitatanfang wird durch Majuskel gekennzeichnet. Der Punkt ist das Zeichen für Satzschluß und kleinere syntaktifche Einschnitte. Quellenfrage: Siehe Erläuterungen. Heimat: Oberdeutschland. Bayrifch? Literarisches: Aeltesles bis jetzt bekanntes Ordal mit deutschen Formeln. Erläuterungen: Am nächsten verwandt mit diefem Ordal ist das St. Florianer, welches A. Franz, Benediktionen II 369 f. veröffentlicht hat und Iudicium feruentis in der Hs. bezeichnet ist.*) 4 Die vollständige Oratio im St. Florianer Ordal. Da, quesumus, omnipotens deus, sie nos gratiam tuam promereri, ut nostros corrigamus excessus; sie confitentibus felaxare peccata, ut coerceamus in suis prauitatibus obstinatos. Dieselbe Oratio im Sacrament. Gelasianum (L. A. Muratori I 694) und bei M. Gerbert I 188. — 5 = Js. 55,6 f. = St. Florian. — 8 Ps. 16,8 = St. Florian und Ps. 89,1 (St. Florian dagegen Ps. 129,1). — 9 Ein ganz ungenaues Zitat. Es handelt sich nicht l ) Abgesehen von späteren Einträgen, wie das zu Nr. XXXII S. 189 zitierte Gebet Agne dei. a ) Franz fügt ferri igne nach Iudicium ein, vielleicht mit Unrecht. Vielleicht sollte der Ordo sowohl für die Heisseisen- probe wie für die Heisswasserprobe gelten und der Priester hatte die der Lage entsprechenden Worte einzusetzen. 202 XXXVIII. Verfahren beim Gottesurteil. um Lucas, sondern genau wie in St. Florian um Marc. 11,22 f. R = Refpondens löste der Schreiber falsch auf! — 12 = Ps. 129,1 = St. Florian. — 13 = 57. Florian: Ab omni reatu nos, domine, sancta que tractamus absoluant et eadem nos muniant a totius prauitatis [et diabolice inlusionis] incursu (= Sacrament. Gelas. Muratori I 733, wo nur die Worte in [ ] fehlen). — Zwifchen Z. 13 und 14 fügt St. Florian folgende Worte ein: Cum autem ad communionem uenerit, dicat sacerdos ad hominem sceleratum hanc coniurationem: Adiuro uos, homines, per patrem et filium et spiritum sanctum et per sanctam trinitatem et per inuocationem unigeniti filii dei et per uestram christianitatem, quam suscepistis, et per sanctum euangelium et per reliquias, que in ista continentur ecclesia: ut non presumatis ullo modo communicare neque ad altare accedere, si hoc fecistis aut consensistis aut scitis, qui fecerint. ' Deinde sacerdos dans ei corpus et sanguinem domini dicens: Corpus et sanguis domini nostri Jesu Christi sit tibi hodie ad comprobationem. Amen. 14 = Marc. 11,23f. =- St. Florian — 15 = 5/. Florian Complenda: Conspirantes, domine, contra tue plenitudinis firmamcntum dextera tue uirtutis prosterne, ut per huius sacramenti mysterium iusticie non dominetur iniquitas, sed subdatur semper falsitas ueritati. (= Sacra- mentar, Gelas. Muratori I 734, Kollecte aus der Missa contra obloquentes.) — 16 f. Vgl. St. Florian: Finita missa qui discutiendus est in se delinquentibus peccata dimittat. Deinde pergant ad locum, in quo discussio agenda est, et data sibi aqua benedicta dicat sacerdos hec uerba: Hec aqua fiat tibi hodie ad comprobationem. — 20 funnc- ftap; vgl. KvAmira, Abhandl. d. bayr. Akad. d. Wiss. phil.-hist. Cl. XXV Nr. 1 94. — 22-39. In St. Florian wird das Entsprechende durch Orationes und Con- jurationes ausgefüllt. — 41 = Joh. 1,1, ebenso in St. Florian. — 43 t. Vgl. St. Florian : Benedictio dei patris et filii et spiritus sancti descendat et maneat super hoc ignitum ferrum ad discernendum in eo uerum et rectum iudicium dei. Amen. XXXIX. Aus dem Kodex Valkenstcinensis. 203 XXXIX. AUS DEM KODEX VALKENSTEINENSIS. Ueberlieferung: K. bayr. allgemeines Reichsarchiv, Weiarn Klostet-Llteralien Nr. 1. Bl. I3r Zeile 2 bis 12; Bl. 38v Zelle 13 bis 28, um 1195 geschrieben, auf Veranlassung des Grafen Slboto von Falkensteln (geb. 1126). Literatur: Catalogus rellglosorum Weyarenslum ä prima fundatlone sibi succedentlum — conscrlptus a rev. perlllustr. ac ampllss. D. D. Ruperte- II Wayarensls Canonlae Praeposlto dlgnlsslmo anno 1789 typls vero edllusanno 1797. cum Genealogia Comliumde Neubuig et Falkensteln. (wurde nur In 80 Exemplaren gedruckt). — MonumentaBolca VI 1429 f. — /. Ch. v. Are- ttn Beiträge zur Gesch. undLlt. 1 {1803) 2,49 f. — I.A. Schmeller Bayr. Wb. 3 (1836) 221 = IP 251 und I* S. Xa Anm. — M. Petz in: Drei bayrifche Traditionsbücher etc. (genauer Titel s. Nr. XXIV) S. 1 bis 44. Aeusserlichkeiten des hslichen Textes: Zeile 2 bis 12 mit blasserer linte geschrieben als das Uebrige. Z 13f. auf Rasur. Akzente: In Z. 2 bis 12 keine, In Z. 13f. 9 ■*•. Interpunktion: Als Interpunktion für kleinere syntaktische Einschnitte und Satzschluss wird der Punkt verwandt. Der Gebrauch der Majuskel Ist — abgesehen von den Unregelmässigkeiten bei Eigennamen — in Z. 2f. ähnlich wie Z. 13f.: der Satz beginnt mit Majuskel (vfi und oder werden nicht als Satzanfänge genommen). Heimat: Südbayern. Literarisches: Der ursprüngliche Zweck der Hs. war letztwtlllge Verfügung des Grafen Slboto von Falkensteln; sie erweitert sich aber zu einem Salbuch über die gräflichen Besitzungen und einem Traditionsbuch (vgl. HPetz. s. VIII.). S. ferner Anhang. Erläuterungen: 2. gebt kann doch nur Schreibfehler für geben sein. — 5f.er wer? Graf Slbot? — 6 gefach vgl. Edw. Schröder Kalserchronlk S. 36,27f. — 7 daidinge s. K. Weinhold Bair. Gr. § 145. — 204 XXXIX. Aus dem Kodex Valkensteinensis. Anhang. Neben Nr. XXXVII ist Nr. XXXIX der älteste Beleg für ein urkundliches Stück in deutscher Sprache aus Oberdeutschland. Schmeller beklagt den Verlust eines deutschen Salbuches der Falkensteiner, das 1150 oder 1 160 geschrieben und noch von Hund benutzt worden sei. Spuren eines solchen Traditionskodex sind allerdings vorhanden. Bl. 25 r unserer Hs. steht von einer Hand des 16. Jhdts. am rechten Rande neben duello affixo: do er fechten wolt mit dem Beham etc. itä habet vulgare diss salbuochs und Bl. 28v am linken Rand neben in nouissimis diebus eorum: do fy iungft vnd nechft in leben was ita vulgare habet. Talsächlich finden sich auch in Hunds Bayrischem Stammenbuch 1598, in seiner Metropolis Salisburgensis von 1620 und in den Adversarien Aveniins Band 5 = Clm 1202 Auszüge aus einem deutschen Traditionsbuch der Falkensteiner. Besonders Aveniins Auszüge sind sehr flüchtig, hastig auf einer Reise gemacht, können also für philologische Zwecke nur vorsichtig verwandt werden. Dazu kommt, dass Aventin nicht deutlich zwischen dem deutschen und dem lateinischen Salbuch scheidet. Das deutsche Salbuch muss nämlich auch Lateinisches enthalten haben. So schrieb sich Aventin einen lateinischen Brief Ottos VII. von Andechs an die Grafen von Neuburg vom Jahre 1231 ab. Dieser steht nicht in dem erhaltenen lateinischen Salbuch, wird also aus dem deutschen stammen. Dass dieser Brief ein späterer Eintrag gewesen sei, wie H. Petz S. X anzunehmen geneigt ist, lässt sich kaum mehr beweisen. Wahrscheinlich ist es nicht, eben in Hinblick auf die in diesem Salbuch offenbar stark vertretene deutsche Sprache. Schon Petz hat aber auf einen weiteren Unterschied zwischen dem lateinischen und dem deutschen Salbuch hingewiesen, der schlagend beweist, dass das deutsche nach dem lateinischen angelegt wurde. Bl. 2v heisst es in einer Angabe, die vor das Jahr 1174 fällt: Hanclitem ipse comes discreuit; im deutschen Text dagegen steht: daz löfti der alti graui Sibot (vgl. unten S. 206). Hier wird also der Alte XXXIX. Aus dem Kodex Valkensteinensis. 205 Graf, der Veranlasser des lat. Hs., dem jüngeren, seinem Sohn (f 1244) gegenübergestellt. Der deutsche Codex wird demnach dem 13. Jhdt. angehört haben und es steht nichts der Annahme im Wege, dass er zwischen 1231 und 1272 dem Jahr der Ermordung des letzten Falkensteiners angelegt wurde. Die Hs. wäre daher auch jünger als das 1224 geschriebene Urbarium antiquissimum Bayerns. Auch Aventins und Hunds Zitate sprechen für diesen Ansatz. So flüchtig sie auch bei beiden sind, eines geht m. E. sicher aus ihnen hervor: für ei war schon überwiegend ai geschrieben und das mhd. e der Nebensilben wurde durch i wiedergegeben. Die Schrift muss aber so undeutlich gewesen sein, dass zwischen ni und in schwer zu scheiden war. Nur so kann ich mir eine Form wie Schwabni bei Hund erklären. Auch das sowohl bei Aventin wie bei Hund bezeugte guet für gut spricht mindestens für Mitte des 13. Jhdts. Sehr undeutlich sind die Beschreibung und Angaben über den Aufbewahrungsort des lateinischen wie des deutschen Buches in früherer Zeit. Aventin leitet seine Auszüge in den Adversarien mit der Ueberschrift ein: Aus der Grafin von Falkinstein alten buöchern jm Clofter Weyarn verhanden. Im Bayrischen Stammenbuch Hunds heisst es 1,46: das beweißt Graf Sybothen deß andern diß Namens Lateinisch und Teutsch Pergamene Saalbuch fo vmb das Jar 1150. oder 60. be- schriben und S. 49: Permente Teutsche vnd Lateinische vSaal . . . bücher . .. wie die bey dem Clofter Weyarn noch zu finden, in der Metropolis dagegen III 495: über re- dituum horum Comitum, qui etiam nunc in Archivo Ducali Monachii latine et germanice scriptus extat. Als 1758 der lat. Codex für die Monumenta Boica herausgegeben wurde, befand er sich noch in Weyarn und dort fand ihn noch A retin. Von der deutschen Hs. erwähnt dieser ebensowenig wie die MB. etwas. Möglich ist demnach, dass die Notiz in Hunds Metropolis sich richtigerweise bloss auf den deutschen Codex zu beziehen hat. Unerklärlich ist mir der Widerspruch in Schmellers Angaben. Die deutsche Hs. findet sich nicht im kgl. bayr. allgemeinen Reichsarchiv und hat 206 XXXIX. Aus dem Kodex Valkensteinensis. als verschollen zu gelten. Ich lasse jetzt die deutschen Zitate bei Aventin und Hund aus der verlorenen Ms., soweit sie zusammenhängend sind, folgen. Aus Aventins Adversarien V. Bl. 60v: Dri kirchin graui fibot die uf fin vfirn fint giwidimit wer fie bifingin fcul. Der indir altir zi nivvmburc derft gevvihit fanti marien 6ri giwidimit mit lehin daz lit bi fehaim daz lofti der alti graui fibot von dem brobifti von Wiari. Der obir altir in der feibin kirchfi fanti iohänis def toufaris vn fanti Iacob's öri agin ze fteingovvi fculn bifinggin die herrin von wiari. Dizzi fint div burchlehii zi nfvvburc Haggingin hoff Dahshaim huebi Sconftetin II halbi huebi Mittirkirchil Hegilingin vbique 1 halbe hubi Her eggihart liebart Egilolf ortolf. Die dienft ze nivvburg. Vogiteigi zi abilingin zi dienifti gebi fven der graui fibot zuit fin offine tagidinc da hat. Kirchi Valkinfteine ift givvihint fanti lienhartis vnp gilgin eri Gewidimit aigin bi durchufin ift virlazin den herrin vf fanti petirsberc darvmbi daz fi die feibin Kirchin zallir ziti bifingin (danach fvl ausgestrichen). Bl. 61r: Dienift daz da hört zi ualkinfteine von der brobiftaigi zi Vrdorff. Vompi der berg da bey Contili lohberch Prihfinthal Asfcahi Zilrftal von dem murutj Coceno^vj Ca'tinbah Vrnf Cueffftein aigilheim vrlan lbir vilki u. s. w. nur Namen, zu teil ganz unleserlich und ungeordnet. Bl. 61 r: brobift von Urdorff fcol den win allin bilaitin vnd vveren Witiwaldif von Gurlan Rünfec zibozin Campilli •Kellari Mais ifagis vnd ovvi von binzgow . 6Q ,. brihfinthal > ° W Cal1 probiftaigi zi vrdorff 4200 cafi XXXIX. Aus dem Kodex Valkensteinensis. 207 Vogitaigi vbir Kiemiffeer guet in grazzovvet tal vn in Liukintal lie der graff fibot dem Margrauin von crai- burck zi finim libi Gizivc Graui Heinrih von Vrantin- hufin Haitvolc von Velvvin Hademar von Ahufin Sibot von antvvurti babi von eringen Alber zaizheringen Gerunc von ftetiheim Friderich von hefkinnövvi Ruedolf von diepoldifperc Volcmar von Wolvifperc Sibot von mermors Wiebot & Henrich von Torringii Cueni von fnaitfe vnd fin funi Oti vn bruni von craidorff friderih vnd heinrih von griezftetin Sivrid von miruti zi endorff do der rnar- graui virwend Cu6n von fnaitfe vnd fridrichn von efkinowi (vgl. unten Hund). Ebirhart von maifak ag ie wedirin fünf bah mulvvengin vogitaigi vbir die kirchin zi vlinfbah verfatzt gui fibotj vmb vvnzic phunt reginfpurgari gefchehin vor den richt- hern der grafeephti lantagidingi graui fiboti zi laimtehin. Teftes ... Es folgen die Namen. Bl. 61 V. Hantuefti vbir des grauin fiboti vogitaigi der ift ainv vf fanti peters bergi von der vogitaigi zi kiemiffe div hantvefte von der vogitaigi fanti petirsbergi div ift zi Kiemiffe. offin lantagiding bi buechi Graui Dietrichs von wazziburch her Reinhart von vlies Salman Bl. 6Pr: Herzogi Cuenrat von daheowi gab dem graui fibot den ftain fcellinbort E^ihartifdorff Wicherf- hovin onifhufin Weigant von lus Werftirndorff pilgrim zi fcoennovvi. phalzgraui oto gab graui fibotin den herrin Widern von Lollingin. Alhart von brifingin gefchn zi gifilingin. Liutolt von liehtinfteine gab dem graun fiboti lehin die er heti in dem Zilrtal von margravin bertholdi von andehs zue vifhahi gefchehn. Graui Cuerant von bilftein verzeh allir anfprach die er het vf»des grauin fibotin aigii zi oftirrichi das gifach zi ftouzi vndir des hertzogn vann von ofterrichi do er vehtin Wolti mit dem behaim. Gizivc Graui heinrich vn Sigihart von feahah Marquart von flovnz Otti von bolan. 208 XXXIX. Aus dem Kodex Valkensteinensis. Graui chuenrad von bilstain verzech fich allir anfprach vnd clagi die er heti vf vrovn fophigin vnd ir tochtir ivtin aigin zi oftirrichi gifchah vor dem hertzogin heinrichi zi brunfindorff ander wifi. Gizivc des hertzogin fun Liupold vnd henrich Henricus comes de fcalah Sige- hardus Fridericus comes de hohnburch. Bl. 61* V : Vrou fophigi von halvingi fazti dem grauin fiboti zi dem obirn vlinfbah ein hof vmb driv phunt Reginfpurgari vn vmb zehin phunt vnd drizic phennigi Municharj. Hemminhovin Sehaim. Comef fibot Arbiter jnter Chunradfi Archiepiscopum falciburgenfem et famlü von Wiarj prepofito et contvi Comes happins talheim zi wald ain ftatil (oder ftant?) Magihovn biezinow cessit prepofitus phaphin vnd bruder comiti Contil oftirndorff ceflere. das gifchah zi Amninberc in dem chori Aus Hunds Werken. W. Hund, Bayrisch-Stammenbuch I 46: Vnd in dem Teutfchen Saalbuch / fol. 14. fa. 2. ibi. Der Graui Siboti gab zu Niunuruar f inr Ekon vronu Hiltigarü vnd jhr Suni / nach finem libi die Bure zu Herrantiftaine / vnd alles fein aigni ze Oefterrichi vnd schwer ein Ayd / das er deß Gewalt heti ze tuenti / vnd jach er wolti Haimftuiri gebin finr Tochter ainwedir zi Bayren / oder zi Schwabni nach finer Freundi Raht. W. Hund, Metropolis Salisburgensis cum Notis Chr. Gewoldl III (1620) 503: DIE Vogitaigi vber Kiemiffer gueth, in Grazzovvertal, vnd in Luckintal, lie der Graui Sibot dem Margrauin von Craiburc Zi finum libi mit befeadinti redi Sveenni er niht vvari daz fi jn oder jne Suni vvidir an vieli. Des fint gezuic Graui Heinrih von Vrantinhufin, Haituolc von Velvvin, Hadimar von Ahufin, Sibot von Antvvurti, Babi von Eringin, Alber von Zaizheringen, Gerunc von Stetiheim, Friderih von Heskinovvi, Ruedolf von Diepoldisperc, Volemar von Woluisperc, Sigbot von Merinos, Yvvicbot, vna Heinrich von Torringen, (veni von Snaife vnd funi Otii XL. Füssener Sprachproben. 209 vnd Bruni von Craidorf, Friderich vnd Heinrich von Griez ftetin, Siurid von Muruti vnd manic ander man dir des tagis Ziendorfwas, do der Margraui virfuendi Cuem von Snaitse und Friderichin von Eskinobi (vgl. oben Aventin) Der Margraui Pertolt, von Andehs. Der Margraui Engilpreht von Craiburc. Heinricus Comes de Lechsgemunde. XU FÜSSENER SPRACHPROBEN. Ueberlieferung: Cod. 88 der InsbruckerUniversitäts- bibliothek Bl. 58r aus St. Mang in Füssen. Literatur: J. Seemüller, Ferdinandeums-Zeitschrift 3. Folge 44 (1900) 177 bis 185. Aeusserlichkeiten des hslichen Textes: Die Absätze sind dm ch das Zeichen \ oder T vor der Majuskel markiert, teilweise auch durch Nichtausfüllen des Zeilenrestes. Akzente: Im deutschen Text ein "' Z. 29. Interpunktion: Satzanfang wird durch Majuskel kenntlich gemacht, grössere und kleinere syntaktische Gruppen werden durch Punkte geschieden. Quellenfrage: In den dem hier abgedruckten Stück vorhergehenden, ausschliesslich lateinischen Abschnitten heisst es Bl. 57 v b: Hec. funt reditus ad facrarium *ci magni pertinentef a fibotone in fine suo prenotati. 1 hactenus ab eo congregati. Der hier genannte Siboto ist der Z. 49 erwähnte Küster fibot. Die Aufzeichnungen der Insbrucker Hs. beruhen demnach auf einem entweder von Sibot selbst verfassten Verzeichnis oder einem Protokoll über seine Aussagen in der Sterbestunde. Die erhaltenen Nekrologien aus St. Mang überliefern den Namen des Küsters Sibot nicht. Heimat und Verfasser: Ein Angehöriger des Klosters St. Mang zu Füssen. Literarisches: Die Zeit der Abfassung ergibt sich aus Z. 47. Münchner Texte VIII 13 14 210 XU. Von der Bedeutung der Buchstaben. Erläuterungen: 6 fchotic (zu schotte ,Quark' gehörig) und lengizzic, ebenso Z. 16. Beide Worte sind in den Wbb, nicht belegt. Auffallend ist fchotic mit einfachem t. lengizzic ist vielleicht zu lengez Frühling zustellen, längszeln bedeutet nach Schmeller-Frommann Wb. 1 1491 „milder zu werden anfangen". — 27 Tungin = Tung'i'n. — 29 f. muozimi; fomifi; f§timi, mi = man. — 32 D§hfimift vgl. Schmeller Bayr. Wb. 1*482 unter Dächfen. — 33 mofifheuwif d. h. das verfaulende Schilf (Plansee.) XLI. VON DER BEDEUTUNG DER BUCHSTABEN. Ueberlieferung: Cod. Vind. 2245. (Tabulae II 42f.) Bl. 83v. 12. Jhdt. Literatur: W. Grimm, Heber deutsche Runen (1821) S. 3l6f. — E. Steinmeyer ZfdA. 17 (1874) 84. — A. Schönbach ZfdA. 18 (1875) 81. — E. Sievers ZfdA. 18, 297 und 21 (1877) 189. - A. Schönbach ZfdA. 34 (1890) 1 bis 6. Aeusserlichkeiten des hslichen Textes: Sehr abgeschabt. Die fettgedruckten Buchstaben in der Hs. rot. Akzente: Fehlen. Interpunktion: Der Punkt wird ausschliesslich verwandt. Quellenfrage: Unser Stück geht wohl mit dem unten aus der Donaueschinger Hs. 793 abgedruckten Passus auf eine gemeinsame deutsche Quelle zurück, die ihrerseits wieder auf ein unbekanntes lateinisches Glied zurückgehen kann. Mehr zu sagen ist von Uebel, denn jede neugefundene Parallele kann das Bild ändern. Ich lasse Vergleichsmaterial folgen, das in näherem oder entfernterem Zusammenhang mit unserem Stück steht. Donaueschinger Hs. 793 Bl. 42b. (ZfdA. 34, lf.) Ad sompnia. Die primum In nomine domini, deus, in nomine tuo etc. post aperi librum et considera primam litteram prime linee. Si fuerit A gewalt oder lieb B ( gewalt oder urleug. C. D. trubfal oder tod E F edel XLI. Von der Bedeutung der Buchstaben. 211 plut G mannes val H beibes val I irmoge K tupliche freid L ere M meselicher sere N daz du gern siehst oder das dir lib ist O gewalt an seinem leib P alls hail Q gewarheit seins leibs R erhangen oder wunden S freid oder schercz mut T zorn oder fluchen V den tod X er von seinen frewnten V das dir chumpt das dir lib ist Z schalkchait oder laid. Grazer Papierhs. 41185 (vgl. ZfdA. 18, 81). So dir des nachtes icht träum weis tu [du] dez ze ende chömen, so lis des morgens den salm Miserere mei deus. dar nach nim ein salter vnd tu den auf in dem namen des vaters vnd des sun, vnd den ersten püchstab oben an dem plad den solt du merchen. A daz bezaichent langez leben oder grozzen gewalt B michel fräud oder signust gab C siechtum oder tötte D tröbsal oder tode. E edelgeborn oder liebez traut F fraismüt ze allen digne G wand'lung oder eines veintes neid H eins weibes sware oder ir tod I uppigeu freud K reichtum oder michleu ere L lang sorgen oder siechtum M freud überlaud vmb swaz dir lieb ist N grozz huld oder michel ere O den gewald an deinem leib P saeligez leben Q suntleich oder schentleich leben R siechtum oder wunden S manslacht oder grozzen zorn T grozzen toten V du siechst liebn freunt x daz du gerst daz erget Y grozzer streit Z grozz herschaft. Gothaer Cod. chart B 53,8° (vgl. ZfdA. 18, 297). Si quis aliquid sompniauerit, querat librum quemeunque uoluerit et dicat 'in nomine patris et filii et Spiritus saneti. amen', et per primam literam quam scriptam inueniet in prima pagina quando liber aperitur significationem sompni inueniet. A significat prosperum iter et uiam felicem. B domi- naciomem in plebe. C cecitatem cordis. D discordiam e t mortem prineipis. E libertatem hominis. F efusionem sangwinis. G uiri iugilationem. H mortem mulieris. 1 niagnitudinem in populo sine bona uita. K significat in Populo aut bellum uel prineipatum uel diuicias. L aliquid ineidens malum in luxuria et fornicacione. M dolorem e t egritudinem. N allocucionem iuris et fornicationem. 14« 212 XLI. Von der Bedeutung der Buchstaben. O iubilacionem artis musice. P dominacionem pacem et felicitatem. Q epulentiam dierum et uite. R uirum ueneratum et redemitum. S sanitatem mentis. T tristiciam et tedium et infelicem horam. U illa semper mortem significat. V uitam felicem prosperitatem et pacem. X augmentum et diminucionem et pctm sper (?) est. 5. Gallner Hs. 692 S. 491 (ZfdA. 34, If.) Sompnile Joseph quod composuit quando captus fuit a Pharaone. Si sompniaris aliquid quere librum quem- cnnque et prius die dominicam orationem tribus vieibus et antequam librum aperias die In nomine patris et filii et Spiritus saneti Amen. Et quameunque litters minvenispri- mam in acie primi folii versus sinistram talem hie quere in ordine alphabetiet penes eundem reeipies interpretationem. A prosperitatem et felicem vitam B dominacionem in plebe C edurationem cordis D discordiam E gaudium F effusionem sangwinis G dignitatem in multis et pugil- lationem. H mortem patris matris vel parentum 1 damp- num K bellum et dolositatem L vitam longam M magnus dominus N pugnationem O jubilationem et mirifice artes P dominacionem pacis et felicem vitam Q longitudinem dierum vel copulationem viri et mulieris R malos successus S sanitatem mentis vel letum tempus T tristitiam cum fletu V devocionem et humilitatem et felicem vitam X pacem et augmentum Y thesaurum personarum Z signi- ficatur per T Altenglische Fassung (ZfdA. 21, 189). A. He ganged 7 bip his sidfset gefund. B. God pu fintst, gyf du hit onginst 7 pe bid wel. C. Blidnysse getaenap, nis hit on piffum leohte. D. Ne gewealdeft pu paes du wilt ne pu hit sefre fintst. E. Becume bliffe de 7 pu bift fymble gefund. F. Tacnad deap fram deape. on pyssum geare bide god godes. G. pu feealt gedeon be pisse gepohtunge. H. d de ne bip gefeald. penc pu on oder. I. Ongin paet pu wille, poat pe bid geendod. K. Beorh pe paet pu ne gange on frecnysse. L. Hera du god on ealle ti'd pines lifes. M. God pe gemiclad pajt de forp gefpewd psat pu don wilt. N. Hylt pu d to dönne. ne bid feald pinü daedü. O. Ealle fridfumap god on eallü his mihtum. P. Gyf pu riht nimst, nelt pu wifes XLI. Von der Bedeutung der. Buchstaben. • 213 wesan. Q. For foam micel göd is 7 nergendlic fwyde 7 J)u fintft bliffe. R. Forlset alda fyn. S. bu bift hal gyf bu to gode gehwyrfft, fe fit hal 7 mihtig. T. Ne fyrhted ha he on fynnum lyfiad 7 yfel J)encad. U. Blis feo de bib gefeald 7 weg on geweald. X. Busse 7 weg 7 ece li'f. Y. Bycnad fibbe 7 gefynta. Z. Wuldor fy de 7 wurd- mynt, wereda driht, feeder on foldan, fsegre gemaene mid fylfan funu 7 födü gafte. amen. Die Lection des Gottesfreundes (IV. Wackernagel Altd. Predigten und Gebete S. 607). Dif ift ein guot a b c. A Anvang eins rechten götlichen lebens B boefes miden und guotes der für tuon. C. Cimelieh und meffeklich daf mittel halten. D. Demuot inwendig und ufwendig in allen dingen halten. E Eigen willen ze mal laffen in allen dingen F feften fteten ernst an got han und in im ftet beliben G Gehorfam und gewillig fin ze allen guoten dingen H Hinder fich in die weit und in natur niht fich wider kern. I Inwendig in herzen lernen betrachten und gedenken guoter und götlicher dingen. K Kuene und ftark fin zewiderftenne dem fleifch und dem tiuvel und der weit bekorung. L. Lewekeit mit kraft überwinden M Minne ze got und zuo dem ebenmenfchen fol man han. N. Niemans guotes fol man begern ef fi waf ef fi grof oder klein in wel wif es fi. O Ordnieren und kern elliu ding zuo dem beften. P Penitencie fi komen von got oder von der creatur. fol man willeklich enphan. Q Quit fol man alle die fagen die iuch ie leit getaten. R. Reinikeit gemuetes und libef lernen haben. S Senftmuetikeit in allen guoten dingen fol man haben. T triuwe und warheit zuo allen menfchen haben V über maffe in welen weg ef fi daf fol man lernen ab tuon und ablaffen X xpo fim leben und finer lere alle zit andenken und darnach lernen leben Y ynfer frouwen mariam die reinen magt bitten daf man dif buochftaben wol leine Z zemen die natur daf fi lerne in allen dingen frid haben die got tuot. Heimat: Oberdeutsch. Literarisches: Der Wert des Denkmals liegt auf volkskundlichem Gebiet. Vgl. zur Orientierung noch 214 XLII. Windberger Kalendernoten. R. Vian: Ein Mondwahrsagebuch, Halle 1910 S. 56 f. und Dora Ulm, Joh. Hartliebs Buch aller verbotenen Kunst, Halle 1914 S. 28, lf; 31,5f; 33, 25 f; 34,19f. XLII. WINDBERGER KALENDERNOTEN. Ueberlieferung: Cgm. 17 (Windberg 36 = Cim. 342), die bekannte Hs. der Windberger Tnterlinearversion der Psalmen, enthält dieser vorgebunden eine Lage von 8Bl. Bl. lv bis 7r bieten ein Kalendar, das eigens für Windberg geschrieben wurde, denn es ist zum 28. November rot die Dedicatio ecclesiae sanctae Mariae eingetragen. Vgl, MG. SS. XVII 563,15/.: Anno igilur dominicae incarnationis 1167. indictione prima, dedicata est haec basilica in honore beatae et perpetuae virginis Mariae a venerabili et sanctae conversationis viro Johanns aecclesiae Olmucensis antistite 4. Kai. Dezembris. 1^0« demselben Rubricator sind Bl. 2r am unteren Rand Z. 3 bis 7 und Bl. 3r am unteren und äusseren Rand Z. 9 bis 27 eingetragen. Sowohl die schwarze wie die rote Schrift des Kalenders rührt von einer Person her. Bl. 7v sind von anderer Hand Annalen eingetragen und diese entsprechen wortwörtlich den sogenannten älteren Windberger Annalen, die in den MG. SS XIII 752* nach dem Clm. 21201 (Windberg 201) herausgegeben sind. Aber sie stellen eine noch ältere Fassung dar, die bloss Zeile 24 bis 49 des Monumentatextes umfasst und also wohl um 1187 eingetragen wurde. Damit gewinnen wir feste Termini für die Niederschrift des Kalenders. Diese fällt in die Zeit zwischen 1167 und 1187. Diese Datierung gilt aber nicht für die Windberger Psalmen, denn diese sind von anderer Hand geschrieben und erst nach ihrer Vollendung mit dem Kalender vereint worden. Literatur: E. G. Graff, Diuliska 3 (1829) 460/61. Aeusserlichkeiten des hslichen Textes. Ganz in roter Schrift. Das Kursivgedruckte durch Beschneiden des Blrandes verloren gegangen. Akzente: Fehlen. XVII. Windberger Kalendernoten. 215 Interpunktion: Als Interpunktion wird für grössere und kleinere syntaktische Einschnitte der Punkt verwandt. Der Gebrauch der Majuskel ist willkürlich. Quellenfrage: Quelle unbekannt. Heimat und Verfasser: Ein Mönch aus Windberg. Literarisches: Erste komputistische Prosa in deutscher Sprache. Erläuterungen: 7 gewechen, Fehler für gewenchen? ■— 19 lies felbe. — 24 blwowpalmofteren, anders weiss ich das Weggeschnittene nicht zu ergänzen. Die Composita mit bluom — für Palmsonntag scheinen bayrisch-österreichisch zu sein. Vgl. Fontes rer. auslr. II 10, 362 Nr. 370 (1355 März 28) Pluem Oster Abendt; // 16, 134 Nr. 131 (1330 April 1) Pluemoster Abent; 135 Nr. 132 (Wien 1330 April 1); 198 Nr. 193(1346 April 8); 101 Nr. 97 (Wien 1324 April 1) an dem nahsten Svntag vor plvem ostern tag; ZfdA. 20, /öÄpluomhostern f St. Lambrecht), Urkb. d. Landes ob. der Enns 5,504 Nr. 510 (1328 März 28) ze bluem ostern. R. Duellius, Excerptorum geneal-hist. libri II 1725 S. 208 (1366) an dem pluem Oftertag; A. Steyerer Commentarii pro historia Alberti II 1725 Sp. 52 (1344) des nägften Monntags nach dem Pluem Oftertag; Nieder Osler reichisches Urkb. 1, 261 Nr. 218 (Reiz 1322 April 5) des nächsten montags nach dem pluem ostertag (= Duellius Miscell. 1 (1723) 426: Plawem Ostertag verlesen!) Det Ausdruck entspricht dem mlat. Pascha florum und dem franz. Dimanche des Päques fleuries (vgl. F. Rühl, Chronologie des Mittelalters und der Neuzeit S. 94). Eine mit Nr. XL1I ungefähr gleichaltrige komputistische Notiz teilte H. F. Massmann, ZfdA. 2 (1842) 570 aus der Strassburger Hs. cod. Joh. A. 148. 4° perg. Bl. la nach einer Abschrift des Bibliothekars und' Professors Dr. Jung mit. Sie lautet: Wil dv wizzin. wie vil fie vnd'rzwif hen . winnahten vnde vaftvn . fonim difi zale . And'mi erftin iäre . fint nivn wochin . Andemi and'rn iäre fibin wöchin . And'me drittin zehine . And'mi vierd'n iäre nivn wochin . And'mi fivnftin fehfi . And'mi fehftin nivne . And'mi fibindin ahtöwe . And'mi ahtod'n iäre einlive . And'mi nivnd'n iare 216 XLIII. Tegernseer Prognostica. nivn wochin . And'mi zehind'n iäre f ibin wochin . And'mi einliftin iäre cehin wochin . And'mi zwelftin iäre ahte wochin . And'mi dricehind'n iäre fibine . And'mi vierce- hind'n iäre cehin wochin . An demi fivnfcehend'n iäre ahtöwe . And'mi fehcehind'n iäre fibine . And'mi fibince- hind'n iäre nivn wochin . And'mi ahtcehind'n iäre ahte wochin . And'mi nivncehind'n iäre ahte wochin . And'mi nivncehind'n iäre einlif wochin . Bihaltift dv die zale . d'r nivnzehin iäre . fo verirroft dv nimir zeware. XLIII. TEGERNSEER PROGNOSTICA. Ueb erlief er ung: Cgm. 5250126. Ein Stück eines Pergamentbls. in 4°, abgelöst aus der Innenseite des Hinterdeckels des Clm. 19515 (Teg. 1515). Die Schrift stammt aus der Wende des 12.\13. Jhdts. Literatur: F. Keinz, Germ. 24 (1879) 292\93. — P. Piper, Nachträge S. 241f. Mit den Spiegelschriftspuren, die Piper zur Textbesserung heranzog, lässt sich nichts anfangen, und Piper hat allerhand hineingelesen. Äeusserlichkeiten des hslichen Textes: Stark abgerieben und beschnitten. Die einzelnen Lunae beginnen mit roten D (im Text fettgedruckt). Akzente: 14** und 1 *■. Interpunktion: Für Satzbeginn wird Majuskel verwandt. Kleinere syntaktische Einschnitte werden durch Punkt geschieden. Quellenfrage: Die Quelle unseres Stückes war wohl ein lateinisches Lunar. M. Förster hat in Herrigs Archiv 129 (1912) 16 bis 49 eine Anzahl von Geburts- lunaren, Krankheitslunaren, Aderlasslunaren und 7ag- wähllunaren hei ausgegeben und darauf hingewiesen, wie diese Einzellunare miteinander kombiniert worden sind. Eine solche Kombination bot auch die Quelle unseres Stückes. Bei Gelegenheit wird sich der entsprechende lateinische Text finden. Ich lasse zur Erläuterung ein unserem Text nicht ganz entsprechendes kombiniertes Lunar nach dem Kod. Vindob 2245 (XII. Jhdt.) Bl. 60r bis 64v folgen: XLIII. Tegernseer Prognostica. 217 1. Lvna Ia omnibuf rebuf agendif utilif eft . Puer natu! illuftrif erit. aftutuf. fapiens . litturatuf . in aqua periclit- abitur . Si euaferit longeuuf erit. Puella placens . difcer- nenf. in pofteriora §tate in lecto diu recumbens . fignum in ore uel. in fupercilio habebit. Qui recumbit diu languefcit. In fomnif quicquid uiderif non dubiuf fif. q uia neque bonum neque malum tibi erit. aut etiam in gaudium conuertetur fecundum tradicionem pfalmi. Beatul vir qui non abiit . Qui fanguinem minuere uol't (?) ante horam terciam deb' et explere. 2. Lvna IIa omnibuf rebuf agendif utilif eft emere . uendere . nauem afcendere . Puer natuf fapienf. benignuf. aftutuf. felix . Puella nata fimiliter; Qui recumbit cito conualefcit. qui uult fanguinem minuere media die debet explere. 3. Lvna III a a quocunque opere incipiendo oportet abftinere . nifi quod uif ut non renafcätur . ftirpare .ani- malia domare . equos caftrare . hortum ne feraf quia uane herbe nafcuntur . quod furatur cito inuenietur . Qui recumbit cito conualefcit. aut longum periculum fuftinebit. Puer natuf animofuf. cupiduf raro erit fenex . nee morte bona morietur . Puella fimiliter . laboriofa multof uirof cupiet et non erit uetula . fanguinem . minuere . nee die nee nocte expedit. quia periculofum eft . fomnium uanum eft. Tu autem dne fufc. (Ps. 3, 4.) 4. Lvna IUI a. Opera ineipere . Puerof infcolaf mittere utile eft . qui fugit cito inuenietur . Qui recumbit cito morietur . aut uix euadet. qui nafeitur laboriofuf fornicator. annof XII fi euaferit diuef erit . periculum fuftinebit . Puella fimiliter . fanguinem minuere ante horam terciam congruum eft . fomnium fiue bonum fiue malum effectum habet. nichilque nocebit. Et feitote. (Ps. 4, 4.) 5. Lvna Va. Sacramentum dare non eft bonum . fed periculofum . qui fugit mortuuf nunciabitur . uel ligatuf reuertetur . furtum difficile inuenitur . Puer natuf uix euadet. poft annof VI. inutilif moritur. Sömnia fufpenfa erunt . fecundum quod uiderif fiet pectori tuo . caue ne conlilium prodaf. Puella nata . nee bona morte morietur . quia male- fica et herbaria eft. Qui recumbit cito moritur . Sanguinem minuere ante horam terciam bonum eft. 218 XLIII. Tegernsecr Prognostica. 6. Lvna Via. Omni rei incipiende utilif eft . Furtum non inuenitur . Qui recümbit diu languet . Qui nafcitur audax . magnuf. aftutuf. fi annof xxiiij . euaferit fortunatuf erit. f ignum in dextra manu habebit. Puella nata . cafta . uirif accepta . grata in omnibuf. Sanguinem minuere malum eft. fomnium uifum certiffime eft. cautuf efto et deo te commenda . et uerte in confilium . Laboraui ingem. (Ps. 6,7.) 7. Lvna Vlla. Opera peculiaria agere utilif eft. omne genuf medicaminif exercendif ualde bonum eft medicare . caftrare . domare bonum eft. fugitiuuf inuenitur . Puer natu! prudens . memorialif. ftrennvuf . litturatus . uerax . amic- abilis . fignum in fronte habebit . Puella uerbofa . uirif accepta . fignum in fupercilio dextro . uel in mamilla finiftra . Eger medicamentif fanabitur . fanguinem minuere . tota die perutile eft. Somnia uifa certa erunt. tarnen poft multum temporif efficienda. Exurge domine deus. (Ps. 7, 8.) 8. Lvna Villa. Omne genus seminis terre conmittere utile est . Apes mutare de loco in locum . furtum non invenitur. Puer natus . ignotus . strennuvs multum . in aqua periclitabitur. fignum habet in dextro latere . Puella nata . uerecunda . uiro uno non contenta erit. fignum habet in fupercilio dextro. Eger diu languefcet . et moritur . Sanguinem minuere . media die oportet. Somnium uifum cito fiet impletum . fi deo fuerit commendatum . et fi ad trifticiam attingit . fuppliciter exinde deprecare deum . Uolucres celi. (Ps. 8, 9.) 9. Lvna Villi. Omnibus rebus incipiendil et agendif utile eft . hortum facere . qui fugit cito inuenitur . Eger cito conualefcet. Puer natus . graciofuf. aftutuf. feuervf. periclitabitur usque ad annos Villi, fignum in dextra manu habebit. SiXXXta annof uixerit. diuef erit. Puella ftudiosa . grata . utilif . cafta . fignum ut puer habet . Sanguinem minuere nullo modo prefumatur. Quicquid in fomnis uideris. cito apparebif . deo te commenda . ne iniurieris . Et factuf eft d. (Ps. 9,10.) 10. Lvna X. Omnibuf rebuf incipiendif et agendif utile eft . domum nouum intrare. Pueros in fcolaf mittere . Puer natuf negligens . Laboriofuf . in prima etate erit . Puella benigna . lanifica , per etatem fuam melius ac melius aget . Qui recümbit . cito conualefcit . aut cito moritur . XLIII. Tegernseer Prognostica. 219 Sanguinem minuere tota die bonutn eft. Quicquid in fomnif habebis . Uana locuti sunt. (Ps. 11, 3.) 11. Lvna XI. Rei incipiende utile est. Beneficium petere arboref plantare . apef inuadere utile est . Puer natus feruiduf eft. alidus . animofuf. in pofteriora etate meliuf aget. Puella fignum in fronte uel in mamilla ha- bebit . fapiens erit cafta in etate morietur . Eger diu languefcet. uel celeriter furget. Sanguinem minuere tota die bonum eft. Somnium uifum infra dief Illlor apparebit fine periculo . tarnen cautuf efto et ora deum . Quam diu ponit. (Ps. 12, 2 ?) 12. Lvna XII. Omnibuf rebuf incipiendif uel agendum proßcuvm est . Seminare . uxorem ducere . iter pergere bonum eft. Puer natuf. amicabilif. fignum in dextera manu uel in genu habet periculofum . Puella fignum in mamilla habet. fpeciofa erit sed non diuturnam uitam exiget. Eger cito morietur . uel diu languefcet . Qui uult fanguinem minuere . fero debet replere . Somnium uifum cum gaudio fiet fine periculo . Quorum os mal'. (Ps. 13, 3.) 13. Lvna XIII. Periclitatio fit omni rei incipiende. nee cum amieif contendaf. Qui fugit cito inuenitur . Puer natuf. animofuf fignum circa oculof habet. audax. rapax . fuperbuf. fibisoliplacens . cito morietur. Puella nata fignum in ceruice habet. uel in femore . fuperba . animofa . teme- raria in corpore . cum multif uirif cito morietur . Eger cito euadet uel diu languefcet. Sanguinem minuere tota die bonum . Somnia uifa infra dief XIIIj. manifeftabuntur feeundum quod uifa fuerint . Qui ingreditur fn m. (Ps. 14, 2.) 14. Lvna XIIII. Omnibuf bonif rebuf incipiendif bona eft. Mancipia emere . uxorem ducere . puerof in fcolaf mittere . Puer natuf. mercator erit . fignum circa oculof uel in femore habet . fuperbuf fibi foli plancens cito morietur . Puella nata . fignum ceruice habebit. fuperba . temeraria . multol uirof def iderat. Eger fi cito non moritur conualefcet . Sanguinem minuere tota die bonum eft. Somnium uifum infra dief IIIj. uel VII. apparebit. feeundum quod uiderif cognofeef. Benedicam domino qui tribu. (Ps. 15, 7.) 15. Lvna XV. Artificium non est firmum . fundare . aut testamentum dare . Puer natuf. periculofuf. fignum in 220 XLIII. Tegernseer Prognostica. humero finiftro habet. benignus hofpitalif. periculum habet de ferro uel in aqua . Puella uerecunda laboriofa . cafta uirif placens . Eger fi poft triduum non furgit periclitabitur . Sanguinem minuere mane bonum est. Somnium uifum in breui tempore effectum habebit. et nichil nocebit. Pro- basti d' c. (Ps. 16, 3.) 16. Lvna XVI. nullif rebuf incipiendis utilif eft nifi furtif. Qui recumbit mortituf nunciabitur . Puer natuf . fignum habet in facie efficax . hospitalif. ftabilif. in etate melior ac melior erit . Puella fignum habet in latere dextro . aftuta' omnibuf adamata . Eger fi poft triduum uixerit periclitabitur . Sanguinem minuere mane expedit. Somnium uifum poft multum temporif ad emolumentum perueniet. Saturati sunt f. (Ps. 16, 1.4.) 17. Lvna XVII. Nulla felicior est rei incipiende . Serere incipere bonum est. Puerof in fcolaf mittere . et quicquid boni et oportunitatif uoluerif facere . Puer natuf . periculofus . amabilif. aftutul . sapienf. litturatuf. audax et uerax . Puella uerbis docta . in omnibuf rebuf utilif. cafta . diuef. Eger diu egrotabit. Sanguinem minuere tota die bonum eft . Somnium cito fiet manifestum . uel XI. die itifiime apparebit. Et apparuerunt f. (Ps. 17, 16.) 18. Lvna XVIII. Omnibuf rebuf agendif utilif eft. coniugem ducere . Puerof in fcolaf mittere . Puer natuf . inuictuf fignum circa geniculum habet . multiloquax . Puella fignum ut puer habet . cafta . laboriofa . feruatrix . in pofteriora etate melior ac melior erit. Eger qui recumbit cito furgit. Sanginem minuere ante horam terciam oportet. Somnium uifum infra dief X uel XX. erit in bonum explendum . Mittat tibi auxilium. (Ps. 19, 3.) 19. Lvna XIX. Omnibus rebuf agendif utilif . Puer natuf. fignum in supercilio habet. bonuf. fidelif. benignuf . aftutuf. fapienf. crefcendo melior ac melior erit. Puella fimiliter fed uiro uno non erit contenta . Sanguinem minuere nulluf prefumat,, Somnium infra dief III j. uel X. apparebit. Ponef eof. (Ps. 20, 10.) 20. Lvna XX. Omnibuf rebuf uaniffima eft . Puer natuf. agricola aftutuf. Puella fimiliter fed uno uiro non erit contenta . Eger diu languefcet fi non cito moritur . Minuere fero oportet . Somnium certum erit . nee ulli XLIII. Tegernseer Prognostica. 221 reueletur . quoufque impleatur . Sperauit in domino. (Ps. 21, 9.) 21. Lvna XXI. Inutilif omni rei incipiende . Furtum non inuenitur . Somnia uana erunt. Puer natuf laboriofuf erit. Sanguinem minuere non prefumaf. In fomnif quicquid uideris certum erit. Salua me. (Ps, 21, 22.) 22. Lvna XXII. Nee agendi locutionem que fieri bonum eft . Sanguinem minuere bonum eft. Somnia certa erunt. et gaudia obtinebunt . Confundantur omnef iniqua . Puer natuf. laboriofus . Eger cito confortabitur. 23. Lvna XXIII. Omnibuf rebuf agendif utilis eft. Puer natuf popularif. Puella animofa . Eger diu languefeet uel cito moritur . Sanguinem minuere bonum eft. Somnium uifum non aduertendum non ad reuertendum . quia rixaf oftendare uidetur . Quis eft h'o quit. (Ps. 24, 12.) 24. Lvna XXIIlj. Ad ineipiendaf ref utilis eft. Puer natuf pugnax . Puella fortif. Eger cito moritur . Sanguinem ante horam terciam oportet minuere . Somnium uifum aliquid de falute ouium nichilque nocebit. Iudica me domine quoniam e. (Ps. 25, 1.) 25. Lvna XXV venationef exercere utilif eft . Puer natuf cupiduf. Puella cupida . lanifica . Eger infra triduum conualefcet. Sanguinem minuere hora uespertina oportet. Somnium per peregrinos hominef experief. et infra dief VlIIj manifeftabitur. Tibi dixit c. (Ps. 26, 8.) 26. Lvna XXVI. Puer natuf. memorialif. audax . Puella fimiliter . Eger cito moritur . Somnium uifum metum demon- ftrat. ideirco deum ora tibi auxiliari. Signum eiuf tibi fiet infra dief X . Secundum opera mafi. (Ps. 27, 4.) 27. Lvna XXVII . ut XVII . bona eft. Puer natuf pru- dens . Puella honefta fapiens . Eger conualefcet. Sanguinem minuere bonum eft . Somnia non nocebunt . Quoniam ira in indig. (Ps. 29, 6.) 28. Lvna XXVIII . ut XVIIj. Puer natuf. Laboriofuf fed in omnibuf creduluf. Puella obediens . Eger cito conual- efeit. Sanguinem minuere bonum eft. Somnia non nocebunt . fpem aetam fignificat . Efto mihi in deum prot. (Ps. 30, 3.) 29. Lvna XXVIIlj . ut XVIIIj . Puer natuf eminens . Puella fapiens et diuef. Sanguinem minuere mane oportet. 222 XLIV. Die ältesten Lucidariusbruchstücke. Somnium omnes anguftiaf complet . Super omnes inim. (Ps. 30, 12.) 30. Lvna XXX . ut X . Puer natuf felix . benignuf . Puella felix manfueta . Eger laborem patitur . tarnen conualefcit . Sanguinem minuere non expedit . Somnium infra triduum reuelabitur fine periculo. Heimat und Verfasser: Der Sprache nach zu schliessen stammte der Verfasser aus dem bayrischösterreichischen Sprachgebiet. Literarisches: Die Prognostika sind das erste und einzig uns bekannte Stück dieser Art aus dem 12.Jhdt. Es verdient bemerkt zu werden, dass in England im Gegensatz zu Deutschland diese Literatur altenglisch offenbar weit verbreitet war. Erläuterungen: 8 lies manhaft. — 20 gfunt noch Z. 32. — 26 lirnich mhd. nicht belegt. — 28 Das gerade Gegenteil im Wiener Lunar, doch gibt dieser Text eine Erklärung für Z. 30. — 31. Vgl. zu VIII 69. XLIV. DIE ÄLTESTEN LUCIDARIUSBRUCHSTÜCKE. Ueberlieferung: l.M-Sch.,,2 durchschnittene Pergamentblätter ... ungefähr um das Jahr 1 200 geschrieben." Die Bruchstücke, die früher in F. Mones Besitz waren und von diesem veröffentlicht wurden (s. u.) gingen in K. Schorbachs Besitz über, der sie gegenwärtig trotz freundlicher Bemühungen nicht mehr auffinden kann. Ich verweise auf Schot bachs Beschreibung der Fragmente S. 19 f. — 2.G fg.) Cod. theol. 101a der Universitätsbibliothek Göttingen entdeckt von Karl Meyer. Reste von 5 PergamentbU. aus derselben Hs., aus der M-Sch. stammt. Näheres bei Schorbach 269 bis 272. — Faksimile von G bei F. Heidlauf 7af. II. Mein Text von M-Sch. beruht auf Mones Abdruck, offenbare Druckfehler sind stillschweigend verbesset t worden. Für G (g.) wurde das Original benutzt (vgl. meine Anm. 4 auf A. S. 115). Zu den Ergänzungen benutzte ich die Würzburger Hs., den Cgm. 252 und die Erlanger Hs. 1455 fol. XLIV. Die ältesten Lucidariusbruchstücke. 223 Literatur: F. Mone, Anzeigerfür Kunde des deutschen Mittelalters 3 (1834) 311 bis 318. — A. H. Hoffmann, Altdeutsche Blätter 1 (1835) 326 f. — K. Schröder, Germ. 17 (1872) 408 f. — W. Wackernagel, Die altdeutschen Hss. der Basler Universitätsbibliothek 1835 S. 19 f. — W. Scherer QF. 12 il875) 60 f.; 137. — Doberentz, ZfdPh. 12 (1881) 387 f. - K. Schorbach QF. 74 (1894), das Beste, was bis jetzt über den Luci- darius existiert. — J. Kelle, L. G. 2, 224 f. — J. A. Endres, Honorius Augustodunensis, Kempten u. München 1906 S. 18; 25 f.; 45f.; 127f. — F. Heidlauf, Lucidarius aus der Berliner Hs. hg. DTM. XXVI 11 1915. — Derselbe, Das mhd. Volksbuch Lucidarius Berliner Diss. 1915. — E. Rosenstock, Zs. d. Savigny- Stiftung 50 [XXXVII Germ. Abt.] (1916) 498 f. — Edw. Schröder, Nachrichten von der K. Gesell, d. Wiss. zu Göttingen Phil.-hist. Gl. Ig. 1917, S. 153 bis 172. Ausserlichkeitendeshslichen Textes: „Die Schrift ist sehr sorgfältig und deutlich, in den zierlichen Charakteren des ausgehenden 12. Jahrhunderts. Für die einzumalenden roten Buchstaben ist im Text Platz gelassen; die Arbeit des Rubrikators steht noch aus. Der Text ist in fortlaufenden Zeilen ohne Absätze geschrieben." Diese Beschreibung Schorbachs von M-Sch. stimmt auch für die Göttinger Fragmente. Die Hs. hat 40 bis 41 Zeilen auf der Seite. Bemerkenswert sind die Abkürzungen f. für fagte, J. für Junger und M. für Meifter. Dass die Blätter stark zer- und beschnitten und auch abgerieben sind, sei noch einmal im allgemeinen betont. Akzente: Ausser vereinzelten 'über\ fehlen Akzente. Interpunktion: Für Satzanfang wird meist, wenn auch nicht ausschliesslich, Majuskel gebraucht; für kleinere syntaktische Einschnitte der Punkt. Heimat und Verfasser: Ueber den Verfasser s. unter Literarisches. Von der Heimat kann natürlich nur in Bezug auf die Fragmente die Rede sein. Ob die Bearbeitung B, der sie angehören, aus Bayern stammt, wird sich schwerlich je mit Sicherheit ausmachen lassen. Die Bruchstücke sind jedenjalls 224 XLIV. Die ältesten Lucidariusbruchstücke. schwäbisch oder niederalemannisch. Dafür spricht die durchgehende Form weit für werlt, dur/ürdurh, hant 323 als 2. Fers. PI., und das ziemlich häufige Auftreten von Adjektivabstrakten aufi. für Niederalemannisch spricht d für t im Anlaut 17; 116; 327; umgekehrt t für d 360; 361; nach der Grenze des Rheinfränkischen weist das ganz vereinzelte unverschobene p im Anlaut in plege 438 gegenüber durchgehendem ph; z für s im Anlaut 63; 287; mit der Form diu für du 322 steht die Hs. dem Trudperter Hohen Lied (vgl. z. B. 15,32; 16,26 f.; 20,10 uff.) nahe. Eine vollständige Lautlehre der Göttinger Bruchstücke gibt Heidlauf in seiner Diss. S. 34 f. Quellenfrage: Die benutzten Quellen sind noch nicht alle festgestellt. Für einen grossen Teil des Lucidarius waren die Philosophia mundi des Wilhelm von Conches und die Imago mundi nebst dem Eluci- daiium des Honorius Augustodunensis Quelle Diese Quellenschriften sind vereinigt im MSL. 172. Auch die Libri de divinis officiis des Ruppert von Deuz (MSL. 170) haben Material geliefert. Daneben dürften fabulose Reiseberichte herangezogen worden sein. Sicher die Peregrinatio Brendani (vgl. unten zu Z. 289f.). Vielleicht auch eine Fassung der Visio Tungdali. Manches stammt vielleicht aus einem Kommentar zu einem antiken Autor. Soweit die Quellen nachweisbar sind, habe ich sie in den Erläuterungen im Wortlaut angeführt. Lieber die Art, wie die Quellen zusammengetragen wurden, berichtet V. 9. f. der Vorrede des A-iexles (s. Anhang). Man darf daher wohl annehmen, dass, bevor an die Bearbeitung des deutschen Textes herangetreten wurde, Collectanea in lateinischer Sprache zusammengeschrieben wurden und diese ihrerseits die eigentliche Quelle des Luci- darius gebildet haben. Für den Titel war das Eluci- darium des Honorius massgebend und wohl auch für die Dialogform, wie wohl diese seit der Alcuinschen Schulreform die für Elementarbücher übliche war und daher auch noch in anderen Schriften ihr Vor' bild haben konnte. XLIV. Die ältesten Lucidariusbruchstücke. 225 Literarisches: Nach der Vorrede A ist der Luci- darius auf Veranlassung eines Herzogs Heinrich von Braunschweig zu Braunschweig abgefasst, unter dem niemand anders als Heinrich der Löwe (f 1195 VIII. 6) gemeint sein kann. Da Heinrich nur als Herzog von Braunschweig bezeichnet wird, muss der Auftrag zur Abfassung des Lucidarius zwischen dem Spätsommer 1185, von welcher Zeit an Heinrich wieder in Deutschland weilen durfte, und seinem Todestag (vgl. ADB. 11, 599 f.) gegeben worden sein. Wenn auch Braunschweig als Abfassungsort des Lucidarius genannt wird, so braucht der Verfasser keineswegs ein Braunschweiger oder überhaupt ein Mann aus dem niederdeutschen Sprachgebiet gewesen sein. An Heinrichs Hof werden sich auch alte Anhänger aus seinem früheren Wirkungskreis befunden haben, die er mit dem Auftrag zur Abfassung des Werkes betrauen konnte. Die Frage, ob der Lucidarius in niederdeutscher Sprache oder einer Art niederdeutsch-hochdeutscher Schriftsprache abgefasst wurde, wird sich erst nach einer genauen Durchforschung des gesamten hslichen Materials lösen lassen, und vielleicht auch dann nur halb. Dass die Untersuchung des Wortschatzes dabei eine wichtige Rolle spielen muss, ist sicher. Aber P. Kretzschmers Buch über die Wortgeographie der hochdeutschen Umgangssprache hat die Schwierigkeiten, die derartigen Untersuchungen entgegenstehen, für unsere modernen Verhältnisse so einleuchtend dargetan, dass man zweifeln muss, ob für die älteren Sprachperioden mit ihren spärlichen Quellen die Untersuchung zu einem sicheren Ergebnis führen kann. Die Ueberlieferung des Lucidarius hat sich sehr bald in zwei Arme gespalten: in die Bearbeitung A, die dem Original näher zu stehen scheint, und die Bearbeitung B, die in der Mehrzahl der Hss. und Drucke vorliegt. Gekennzeichnet werden diese Bearbeitungen durch die verschiedenen Vorreden (s. Anhang). Eine Mischklasse C aus A und B hat Edw. Schröder S. 166 festgestellt. Die geflissentliche Umgehung des Namens Heinrichs in der Vorrede B deutet wohl darauf hin, dass die Bearbeitung B in Münchner Texte VIII 13 15 226 XLIV. Die ältesten Lucidariusbruchstücke. einem der früher unter Heinrichs Regierung stehenden Lande vorgenommen wurde. Man wird zunächst an Bayern denken. Auch die Rheinpfalz scheint mit keineswegs ausgeschlossen. Verfasst ist das Werk wohl von Einern Mann, und die Kapläne, die nach Vorrede A 12 daran arbeiteten, wird man sich als die Zusammensteller der lateinischen Collectaneen denken müssen. Nach Notker und Williram ist der Verfasser des Lucidarius der bedeutendste deutsche Prosaist, der erst durch Eicke von Repkow in den Schatten gestellt wird. Der literarische Einfluss des Werkes war ein ganz ungeheurer, wie die Bearbeitungen in den Nachbarsprachen beweisen (s. K. Schorbach S. 167f.). Sein Einfluss auf die gleichzeitige Dichtung und die der Folgezeit werden spätere Untersuchungen festzustellen haben. Erläuterungen: Vorbemerkung. Ich sehe davon ab, die teilweise vollständig unrichtigen Ergänzungen Mones zu berichtigen. Das geschieht durch Heidlaufs Text zur Genüge. Sie kennzeichnen sich übrigens häufig durch ihre sprachliche Unmöglichkeit. 7 f. Phil. 44 D: In hac Divinitate omnium condi- trice, et omnia gubernante, dixerunt philosophi inesse potentiam operandi, sapientiam, voluntatem . . . Est ergo in Divinitate potentia, sapientia voluntas, quas sancti tres personas vocant. 13 f. Phil. 53 A.: de chao, id est elementorum con- fusione . . . 54 B: quod aqua et aer, et spissi, et obscuri erant: quod in superioribus stellae non apparebant, voca- verunt chaos, id est confusionem elementorum. 15 f. Imago 121 C: Elementa dicuntur . . . ignis, aer, aqua, terra. 20 f. Imago 165 A: Sathael primus archangelus, signaculum similitudinis Dei, conditus plenus sapientia, et perfectus decore in deliciis coelestis paradisi, non plenam horam mansit, atque ob superbiam, cum univer- sis sibi consentaneis aeternum exilium incidit. und El. 1114A; besonders noch B: D. Quandiu mansit in coelo? M. Non plenam horam. 24 f. El. 1115 A : D. Cum Deus praesciret eos tales fu- turos, quare eos creavit? XLIV. Die ältesten Lucidariusbruchstücke. 227 25. El. II 15 D: Post lapsum illorum mox ita con- firmati sunt, ut nunquam cadere ncc peccare possint. 29. El. 1116 A: Cum enim yiderent Mos malum superbiendo eligere indignati sunt, et summo bono for- titer inhaeserunt: unde continuo in remuneratione confir- mationem acceperunt. 36 f. Imago 133 A: Infernus ideo dicitur internus, quia inferius est positus. Sicut enim terra est in medio aere, ita est infernus in medio terrae. Unde et novis- sima terra dicitur. Est autem locus, igne et sulphure horridus, inferius dilatatus, superius coangustatus. Hie lacus vel terra mortis dicitur, quia animae illuc descen- dentes veraciter moriuntur. Hie et stagnum ignis dicitur, quia ut lapis mari, ita animae Uli immerguntur. Hie terra tenebrosa vocatur, quia fumo et foetorris nebula obscuratur. Hie terra oblivionis nuneupatür, quia sicut ipsi obliti sunt Dei, ita eorum obliviscitur Deus misereri. Hie dicitur Tartarus ab horrore et tremore, quia ibi est fletus et Stridor dentium. Hie et gehenna, id est terra ignis nominatur. Ge enim terra dicitur, cuius ignis noster ignis umbra esse dicitur. Huius profunditas et recessus dicitur Erebus, draconibus et igneis vermibus plenus. Hie patens os dicitur, et barathrum, quasi atra vorago. Huius loca fetorem exhalantia dieuntur Acheronta, id est spira- cula immundos spiritus emittentia. Hie est Styx quod Graece sonat tristitia. Dicitur et Phlegeton, qui est flu- vius infernalis, ob vicinitatem ignis et sulphuris, fetore et ardore horribilis. 70 f. ImagO 133 C: Sunt et alia multa loca, sive in insulis poenalia, aut frigore et vento saeve horrentia, aut igne et sulphure jugiter ferventia. Ignea inferni loca inspeximus, ad refrigerium aquarum confugiamus. 74 f. ImagO 141 C: Superius coelum dicitur firma- mentum und Phil. 65 D: Generalis ergo sententia om- nium philosophorum est, firmamentum ab ortu ad occa- sum volyi, solem vero et alios planetas contrario motu. 78 f. Phil. 66 C: Sed quamvis contra firmamentum deferantur, firmamentum tarnen defert eas secum ad oc- casum et inde ad ortum. 15» 228 XLIV. Die ältesten Lucidariusbruchstücke. 83 f. Phil. 66 B: Cum firmamentum ab ortu in oc- casum volvatur, si planetae similiter moverentur, esset tantus impetus, quod in terra nihil stare vel vivere posset. 88 f. Imago 141D : Est (firmamentum) autem ex aquis instar glaciei in modum chrystalli solidatum; unde et firmamentum dicitur. Dazu Heidlauf in seiner Diss. S. 44. 90 f. Im folgenden sind die ordines daemonum und deren regiones mit dem Sphaeren durcheinander gewürfelt. Imago 146 C. unterscheidet ein Aqueum coe- lum, den Menschen sichtbar, ein Spirituale coelum, den Menschen unsichtbar, und das Coelum coelorum. Dazu vgl. man Phil. 47 B: 1) in aethere . . . id est a firma- mento usque ad lunam. 2) In inferiori . . loco seil, circa superiorem partem aeris vel vicinae lunae . . . und 3) in hac humeeta parte aeris: Phil. D: Isti vero dieuntur cacodemones id est malum scientes. Es ist ihr officium humanitati invidere, ex invidia insidiari (Phil. C), Vgl. Gervasius von Tilbury, Otia ed. F. Liebrecht Cap.1,17. 99 f. Imago 136 B: In hoc (aere) commorantur dae- mones, cum tormento diem iudicii praestolantes. Ex quo sibi corpora sumunt, dum hominibus apparent. 100. Imago 138 A : Ignis . . . a luna usque ad firmamentum extenditur . . . De hoc angeli corpora sumunt, cum ad homines missi veniunt. 103. 5. Heidlauf. Diss. S. 45. 104. El. 1117 C: D. Ubi Adam est creatus? — M. In Hebron, ubi etiam post mortuus est et sepultus, et positus est in paradiso, doch Vgl. unten Z. 133f.! 107 f. El. 1118 A: D. Ubi fuit creata mulier? — M. In paradiso, de latere viri dormientis. 110 f. El. 1117 D: D. Quid est paradisus vel ubi est? — M. Locus amoenissimus in Oriente und Imago 146 C: In hoc (Spirituali coelo) est paradisus paradi- sorum, in quo reeipiuntur animae sanetorum, hoc est in coelum quod in prineipio legitur cum terra creatum und 123 A : Huius prima regio in Oriente e paradiso: locus . . . inadibilis hominibus, qui igneo muro usque ad coelum est cinetus. Vgl. zu 180f.; 206f. 117 f. El. 1119 C: D. Quandiu fuerunt in Paradiso? — M. septem horas. XLIV. Die ältesten Lucidariusbruchstücke. 229 119 f. Die Quelle für das Folgende fehlt. Von den Früchten in der terra repromissionis erzählt die Pere- grinatio sancti Brendani hg. C. Schröder 3, 26 f. , 35,19f. Vgl. unten zu Z. 289 f.; 315 f. 130 f. El. 1118 B: D. Qualiter gignerent, si in para- diso permansissent. — M. Quemadmodum manus manui, ita sine concupiscentia jungerentur, et sicut oculus se levat ad videndum ita sine delectatione illud sensibile membrum suum perageret officium. 134 f. Imago 165 B: Ipfe (sc. Adam) vero post non- gentos et triginta annos in Jerusalem obiit. In loco Calvariae sepultus aliquandiu requievit. Deinde in Hebron translatus in terram, de qua sumptus est, rediit. 138/39. Imago 165 B: Abel filius Adae triginta annorum a fratre Cain apud Damascum occiditur. Vgl. F. Wilhelm, Deutsche Legenden und Legendare S. 151. 139 f. Imago 165 D: Iobel filiuf Lamech reperit ufum tabernaculorum. Cuius frater Iobal inuenit muficam. Illorum frater Tubal inuenit artem fabrilem ferri et aerif. Soror eorum Noema reperit artem uariae texturae. — 145 da, s. Anal. Germ. f. H. Paul S. 140 f. 146 f. Imago 166 A : Sem filiuf Noe ipfe eft idem qui et Melchifedec. uixit DC1I annol. Huiuf tempore diuifum eft genuf humanum in tria: in liberof, militef, feruof. Liberi de Sem, militef de Iaphet, ferui de Cham. 152 f. Imago 121 A: Munduf dicitur quafi undique motuf, eft enim in perpetuo motu. Huiuf figura eft in modum pilae rotunda. Sed inftar oui elementif di- ftincta. Ouum quippe exteriuf tefta undique ambitur, teftae albumen, albumini uitellum, uitello gutta pingue- dinif includitur. Sic munduf undique coelo, ut tefta, circumdatur, coelo vero puruf aether ut album, aetheri turbiduf aer, ut uitellum, aeri terra, ut pinguedinif gutta includitur. Phil. 85 A: Eft ergo terra elementum in medio mundi fitum, atque ideo infimum. Munduf nempe ad fimilitudinem oui eft difpofituf. Narnque terra eft in medio, ut uitelluf in ouo. Circa hanc eft aqua, ut circa uitellum albumen. Circa aquam eft aer, ut panni- culuf continenf albumen. Extra uero concludenf omnia, eft ignif ad modum teftae oui. 230 XLIV. Die ältesten Lucidariusbruchstücke. 157 f. Imago 122 B: Terrae forma eft rotunda, unde et orbif eft dicta. Si enim quif in aere pofituf eam defuper infpiceret, tota enormitaf montium, et concauitas uallium minuf in ea appareret, quam digituf alicuiuf fi pilam praegrandem in manu teneret. Circuituf autem terrae centum et octoginta millibuf ftadiorum menfuratur, quod duodecief mille milliaria, et quinquaginta duo computatur. Haec centrum in medio mundo, ut punctuf in medio circuli aequaliter collocatur, et nullif fulcrif, fed diuina potentia fuftentatur .... Haec in circuitu Oceano, ut limbo cingitur .... Interiuf meatibuf aquarum, ut corpuf uenif fanguinum penetratur, quibuf ariditaf ipfiuf ubique irrigatur. Unde ubicunque terra infoditur, aqua reperitur. 172 f. Imago 122 C: Quinque autem zonif, id eft circulif terra diftinguitur. Quorum duo extremi funt inhabitabilef algore; mediuf enhabitabilif calore, a quo fol nunquam recedit, ad illof nunquam accedit. Medii duo habitabilef, hinc ardore, inde rigore temperati. 175 f. Imago 122 D: Habitabilif zona, quae a nobif incolitur in tref partef Mediterraneo mari dirimitur. Quarum una Afia, altera Europa, tertia Africa dicitur. — 176. Eine vom Verfasser oder Bearbeiter B gewollte Illustration ? Vgl. oben S. 14 Aeusserlichkeiten zu Nr. III. 180 f. Imago 123 A : Afia . . . HuiuJ" prima regio in Oriente e paradifo. Vgl. zu 110f. 183. Imago 123 A: In hoc etiam fonf oritur, qui in quatuor flumina diuiditur. Quae quidem flumina infra paradifum terra conduntur; fed in aliif longe regionibus funduntur. Nam Phyfon qui et Gangef in India de monte Orcobares nafcitur, et contra orientem fluenf Oceano excipitur. Geon, qui et Nilus iuxta montem Athlantem furgenf, mox a terra abforbetur, per quam occulto meatu currenf, in littore Rubri marif denuo funditur, ^Ethiopiam circumienf per jEgyptum labitur, in feptem oftia diuifuf, magnum mare iuxta Alexandriam ingreditur. Tigrif autem et Euphratef in Armenia de monte Barchoatro funduntur, et contra meridiem uer- gentef Mediterraneo mari iunguntur. Poft paradifum XLIV, Die ältesten Lucidariusbruchstücke. 231 funt multa loca deferta et inuia, ob diuerfa ferpentum et ferarum genera. 206 f. Imago 123 A: locus (sc. paradyfus) videlicet omni amoenitate confpicuus, inadibilis hominibus, qui igneo muro usque ad coelum eft cinctus. Vgl. zu 110f. 209 f. Imago 123C : Poft paradifum funt multa loca deferta et inuia, ob diuerfa ferpentium et ferarum genera. 212 f. Imago 123 C: Deinde est India ab Indo flu - mine dicta. Qui ad Septentrionem de monte Caucaso nascitur, et ad meridiem curfum fuum dirigens, a Rubro mari excipitur. Hoc India ab occidente clauditur, et ab hoc Indicus oceanus dicitur. In quo etiam est fita Taprobanes infula, decem ciuitatibus inclyta. 221 f. Imago 125 C: In hac etiam regio Babylonia, a ciuitate Babylone nominata .... Cuius muri latitudo est quinquaginta cubitorum. 224/25. Imago 125 D: In ea et Arabia, quae etiam Saba dicitur, a Saba filio Chus. In hac thus colligitur; in hac est mons Sina, qui et Oreb, in quo lex a Moyfe fcribitur accepta. 226 f. Imago 126 A: Ab Euphrate ufque ad mare mediterraneum eft Syria .... Eft et Phoenicia .... in hac etiam mons est Libanus. 232 f. Imago 126 D : In hac est provincia Thebaida, a civitate Thebe cognominata . . . 233 f. Imago 127 A : Mons Caucasus a Caspio mari orientis attollitur . . . Hunc inhabitabant Amazones feminae videlicet ut viri praeliantes. 235 f. Imago 127 B: Seres est oppidum Orientis . . . Huic conjungitur Hyrcania ab Hyrcana sylva nominata, in qua sunt aves quarum pennae splendent per noctes. .....Cui connectitur Armenia, in qua est mons Arath, super quem arca Noe post diluvium requievit, cuius usque hodie ligna ibi videntur ... Uli vero Cappadocia (copulatur) ... in hac equae a vento concipiunt, sed foetus non amplius triennio vivunt. 240 f. Imago 127 C: Asia minor post hanc con- ftituitur ... In hac est Ephesus . . 241 f. Imago 127 D: Hanc sequitur Phrygia .... In hac est etiam civitas Troja. . . . Huic adjacent Lyca- 232 XLIV. Die ältesten Lueidariusbruchstücke. onia et Caria, ubi fluit Hirnus fluvius aureis arenis famosus. 243 f. Imago 128 A : Euxinus Pontus regio multarum gentium, a qua et Ponticum mare appellatur. In quo Ovidius, est postea Clemens exilio relegantur. 244 f. Imago 128 A : Post decursam Asiam, transe- amus ad Europam. 249 f. Imago 130 B: Sunt in ea sex provinciae: Tarracona, Cartago, Lusitania, Galatia, Betica, Tingui- tania a praecipuis civitatibus dictae. 251 f. Imago 130 B: Contra Hispaniam versus occa- sum sunt in Oceano hae insulae: Britannia, Anglia, Hibernia, Tanatos .... Isole in qua fit solstitium .... Scotia, Chile cuius arbores nunquam folia deponunt, et in qua sex mensibus, videlicet aestivis, est continuus dies, sex hibernis continua nox.... Europam perambula- vimus. Ad Africam transmigremus. 259 f. ImagO 130 C: Africa . . . Haec in Oriente Indii fluminis surgit, et per meridiem vergens in occi- dentem tendit. Huius prima provincia est Libya..... Haec et Pentapolis.....Post hanc Bisace, a duabus urbibus dicta, id est Adromeus et Bizantium. Deinde est Heusis, in qua est magna Carthago .... Post hanc est Getulia. Inde Numidia, in qua regnavit Iugurtha. 266 f. Imago 131 A : Versus meridiem vero est Aethi- opia ... in qua est Saba, de qua fuit illa regina quae ad Salomonem venit . . . Inter quas sunt Garamantes, a Garama civitate dicti. Apud quos est fons tarn fri- gidus diebus, ut non bibatur: tarn fervidus noctibus, ut non tangatur. 270 f. ImagO 131 B: Intra Aethiopiam sunt maxima loca deserta, ob solis ardorem, et diversi generis serpentia hominibus incognita. Deinde est maximus Oceanus, qui solis calore dicitur fervere ut cacabus ... In ipso vero Oceano est mons Atlas altissimus. . . . Atlas autem erat rex Africae, frater Promethei, a quo mons nomen accepit, quia in eo residens, Astrologiam descripsit, unde et coelum sustinere dicitur. Peragratis Africae finibus ad insulas maris accedamus. 280 f. Imago 131 C: In Mediterraneo mari est Cyprus insula .... Creta a Creto rege dicitur .... Coos insula XLIV. Die ältesten Lucidariusbruchstücke. ' 233 Atricae .... Delos in medio Cycladum sita . . . Haec tempore diluvii sub Ogygio facto primum apparuit. 283 f. Imago 132 A : Paron . . . Haec gignit marraor candidissimum, quod Parium dicitur, et Sardium lapidem. 285 f. Imago 132 AB: Sicilia ... In hac est mons Aethna cuius sulfurea exaestuant incendia. In huius freto est Scylla et Charybdis. In hac erant olim cyclopes. In hac inventa est comoedia. Eoliae insulae ab Eolo rege dicta juxta Siciliam positae. Hae et Vulcaniae, quia incendio sunt plenae. Vgl. ferner unten zu Z. 363f. 289 f. Was im Folgenden erzählt "wird, beruht auf antiker Tradition. Üeber die in Betracht kommenden Stellen gibt der Thesaurus totius linguae latinae s. VV. Aetna und Cyclops am besten Aufschluss. Was dort angegeben wird, hat aber nicht unmittelbar vorgelegen. Die Weisheit dürfte aus irgend einem Kommentar (aber nicht Servius, Acro und Porphyrius) stammen. Vgl. Commenta Lucani 7, 145. Die Cyklopen als Teufel aufzufassen ist echt mittelalterlich. Der Verfasser konnte durch die Peregrinatio Brendani ed. C. Schröder 28,1 f. = C.Plummer Vitae sanctorum Hiberniae 1,129 f. da/auf kommen, wo unter den Riesen trotz Schröders Anm. 42 Cyklopen zu verstehen sind. Einige Züge (Vulcanus und seine Schmiede als Teufel) hat wohl auch die Visio Tung- daligeliefert, ed. Wagner30,25f.; V. 1110f.; V. 1070f. Zum Ganzen vgl. noch Anonymus Leidensis hg. M. Ma- nitius22,26f.; 27,5f.: Aethicus, hg.H. WuttkeS.38; 74; Sigbert v. Gembloux MG. SS. VI 353, 55 f.: Illo tempore quidam religiosus ab Hierosolymis rediens in Sicilia re- clusi cuiusdam humanitate aliquamdiu recreatus didicit ab eo inter caetera, quod in illa vicinia essent loca, quae loca vocantur ab incolis ollae Vulcani, in quibus animae reproborum luant diversa pro vitiorum qualitate supplicia, ad ea exequenda deputätis ibi daemonibus; quorum se crebro voces iras et terrores saepe etiam ululatus audisse dicebat plangentium. Gervasius von Tilbury ed. Liebrecht III 17. Diese Vorstellungen sind vermittelt worden durch die Dialogi Gregors 4,30. S. ferner K. Maurer Zs. des Vereins f. Volkskde. IV (1894) 256f.; VIII (1898) 452f. 234 XLIV. Die ältesten Lucidariusbruchstücke. 296 f. Imago 132 C: Sardinia a Sardino rege .... In hac nee ferpentes nee lupi gignuntur. In ea est folifuga animal ut aranea, morsu homines perimens. In ea est et herba similis apiastro, quae comedentibus rictus contrahit, et quasi ridentes interimit. In hac sunt fontes calidi, infirmis medelam, furibus inferentes caeci- tatem . . . 305. Imago 132 C: Ibi et Baleares insulae. In his inventae sunt fundae. 306. Imago 132 D: luxta has Hesperides ... In his oves albis velleribus abundabant, quae ad purpuram optime valebant. 307. Imago 132 D: Inter has fuit illa magna, quae Piatone scribente cum populo est submersa, quae Africam et Europam sua magnitudine vicit, ubi nunc est con- cretum mare. 310 f. Imago 132 D: Meroe insula est in Nilo flu- mine .... In hac est lignum ebenum, juxta quam est civitas Syene, in qua est puteus a philosophus factus, sexaginta cubitorum altus: in cujus fundum splendet sol recto radio, in mense Iunio. 315 f. Imago 132 D : Est quaedam Oceani insula dieta Perdita, amaenitate et fertilitate omnium rerum prae eunetis terris longe praestantissima hominibus ignota. Quae aliquando casu inventa, postea quaesita non est inventa, et ideo dicitur Perdita. Ad hanc fertur Brandanus venisse. Die von det Imago abweichenden Züge finden sich in der Perigrinatio Brendani hg. C. Schröder 5, 11: nam sepe fragrantiam vestimehtorum abbatis nostri XL dierum spatio in revertenti (sc. de terra iepromissionis sanetorum = Perdita) probavimus redo- lentem= C. Plummer, Vitae Sanetorum Hiberniae 1,106. 323 f. Phil. 57 C: Ignis igitur est spatium a luna sursum, quod idem aether dicitur. Ortus vero illius est, quidquid super lunam videtur, scilicet, stellae tarn infixae quam erratice. Sed forte quaeret aliquis utrum aquae congelatae sint ibi, super quas sunt aliae aquae. Dicunt enim quidam super aethera esse aquas congelatas, quae in modum pellis extensae, oecurunt oculis nostris . . . 326 f. Phil. 58 C: Nos neseimus qualiter hoc sit, seimus Deum posse facere. Diesen Einwurf, den der XLIV. Die ältesten Lucidariusbruchstücke. 235 Verfasser der Phil, kommen sieht, kritisiert er: Quid miserius quam dicere istud, eft? 328 f. Phil. 62 C: Dicunt enim quod ignea non sint calida, nisi quae conjuncta sint alicui spissae et humidae naturae, quam in sui substantiam commutenl. Unde, si alicui igneo desit vicinitas spissi humoris, deficit in eo calor. Hoc autem probant per solem, quia in convallibus montium, ubi est aer spissior magnum exercet calorem, in superioribus propter aeris subtilitatem non exercet. Huius rei sunt indicium perpetuae nives existentes. 341 f. Imago 133 D: Aestus Oceani, id est, accessus et recessus lunam sequitur, cuius aspiratione retro trahitur, eius impulsu refunditur. Quotidie autem bis affluere et remeare videtur. Cum luna crescente crescit, cum de- crescente decrescit und Phil. 84 B: unde in primis Septem diebus lunationis fluctus illius decrescant, in aliis Septem crescant, videamus. 345 f. Imago 134 A : Ampotis quoque, id est vorago, in Oceano in exortu lunae maiori aestu fluctus involvit et removit. Haec autem vorago, quae totas aquas et naves absorbet et revomit, hinc fit: est in terra abyssus profundissima .... Et iuxta hanc sunt cavernosa loca, et speluncae late patentes. In his venti de spiramine aquarum concipiuntur, qui et Spiritus procellarum dicuntur. Et hi suo spiramine aquas maris, per patentes terrarum cavernas, in abyssos abstrahunt et ea exundantes iterum magno impetu repellunt und Phil. 80 C: Sunt alii qui dicunt fluctus maris montes subditos mari causam esse. Cum item usque ad ipsos mare pervenit, retro cadit, et ingurgitatur, impleturque retro alveus, sed ante expletur. 352 f. Imago 136 B: De hoc procreantur venti. Ventus enim est aer commotus, et agitatus. Et nihil aliud quam aeris fluctus qui in duodecim dividitur; et quisque proprium vocabulum sortitur, de quibus quatuor sunt cardi- nales illorum collaterales und Phil. 82 B: Sunt qui dicunt cavernas terae causas esse ventorum. Cum enim eas subintrant, partes aeris ex labilitate, una intrante, et alia exire volente, fit conflictus, quo aer commotus, generat ventum. Ferner Imago 134 B: De his ventis fit et terrae motus. Nam venti concavis locis inclusi dum 236 XLIV. Die ältesten Lucidariusbruchstücke. erumpere gestiunt, terram horribili fremöre concutiunt, camque tremere faciunt. 363 f. Imago 134 C: Inde tellus Siciliae, quia caver- nosa, et sulphure et bitumine strata, ventis pene tota et ignibus patet. Spiritu introrsus cum igne concertante, multis saepe locis fumum, vel vapores, vel flammas eructat, vel etiam vento acrius incumbente arenarum lapidumve moles egerit. Inde montis Aethnae ad exemplum ge- hennae ignium tarn diutinum durat incendium, quod in- sularum Aeolidum dicitur undis nutriri, dum aquarum concursus, spiritum in imum profundum secum rapiens, tandiu suffocat, donec venis terrae diffusus fomenta ignis accendat. Huic Scyllaei canes latrare finguntur, dum procul navigantes undarum fremore terrentur, quas sor- bente voragine collidit aestus. Vgl. ZU 285f. 374 f. Imago 134 D: Sicut calor de igni, ita frigus de aqua nascitur. 380 f. Zum Folgenden fehlen wohl die genaueren Quellen. Nur hie und da finden sich Uebereinstim- mungen mit der Imago und der Philosophia mundi. S. darüber Heidlauf in seiner Dissertation S. 54 f. Vermutlich ist ein Computus, wie ein solcher vielen Kaiendaren und Ostertafeln vorherzugehen pflegt, herangezogen worden. 417 f. Zum Folgenden vgl. man W. Gast 2363 f.; Meinauer Naturlehre S. 3. 419 f. Imago 138 C: Luna est primus planetarum et minima stellarum. 421 f. Phil. 62 A: Summus itaque planetarum Saturnus dicitur in peragratione zudiaci, triginta annos consumens. und Imago 155 C: Saturni annus triginta annis com- pletur; Megenberg, Sphära 8,24 ; Buch der Natur 56, 8. 423 f. Phil. 63 C: Venus ... in anno fere zodiacum circuiens und Imago 155 C: Veneris annus trecentis quadraginta octo diebus perficitur. 425 f. Phil. 63 Df.: Quomodo eadem Stella dicatur Lucifer et Hesperus. Lucifer quando ante solem videtur, Hesperus quando post eum in vespere videtur. Unde est quaestio: An in eodem tempore anni possit esse. Lucifer et Hesperus? Dicunt quidam hoc esse non XLIV. Die ältesten Lucidariusbruchstücke. 237 posse .... In uno ergo anni tempore praecedit solem, et tunc est Lucifer: in alio subsequitur, et tunc est Hesperus. Vgl. auch MSL. 172, 111 C und Imago 139 A : Tertius planeta est Venus, Aurorae et Zephali filius, qui et hesperus, lucifer et vesper, rotundus igneus, contra mun- dum nitens. Vgl. auch Martianus Capella 329, 5: Nunc faciens ortum matutinum Lucifer, nunc post occasum Solis effulgens Vesper uel Vesperugo nominatur. 431 f. Phil 64 B: Tertii dicunt Venerem et Mercurium esse fere eiusdem coloris et quantitatis .... Sed, quia unius sunt coloris, et quantitatis, una et eadem Stella reputatae sunt. 432. Phil. 64 A : Dicunt enim stellam illam altiorem esse sole, unde diutius videtur in vespere, etiamsi non subsequatur solem, citius in mane etiamsi illum non antecedat. 436. Phil. 64 B: Quintus est Mercurius, fere in anno cursum suum similiter peragens, cum quo Venus legitur adulterata esse. 439. [mercurius] Fehler von G für Iuppiter. Phil. 63 B: Post Saturnum est Iupiter, in peragratione zodiaci duodecim annos consumens. Imago 155 C .* Iovis annus duodecim annis exftat. Ebenso Imago 158 B und 139 C; Megenberg, Sphära 8, 25; Buch der Natur 57, 20; Martianus Capella 329, 28 f. 441 f. Hraban, Comp. 693 C: Solis ignem dicunt aqua nutriri, multoque hunc luna ampliorem, lunam vero terra esse maiorem, unde et cunctis unius magnitudjnis appareat. 450 f. Für das Folgende sind die Quellen noch nicht gefunden. Wahrscheinlich liegt ein ähnliches Stück zugrunde, wie das, welches Nr. XLIII als Quelle diente, nur mit stärkerem medizinischem Einschlag. Phil. 93 B f. operiert zwar mit den medizinisch-physikalischen Begriffen calidus frigidus, siccus und humidus, ist aber hier nicht Quelle, ebensowenig die Quelle der Phil., die Isagoge des Johannitius, wie sie in den CClm. 168, 187 und 270 vorliegt. Dass hier (Heidlauf Diss. S. 56) eigne Gedankenarbeit des Verfassers vorliegt, ist so gut wie ausgeschlossen. Die zugrunde liegende Quelle wird nicht von grossem Umfang ge- 238 XLIV. Die ältesten Lucidariusbruchstücke. wesen sein. Zu 451 vgl. Manlius, Astronomica 4, 886 f. : an dubium est, habitare deum sub pectore nostro in caelumque redire animas caeloque venire? 476 f. Imago 138 C: Luna est primus planetarum, et minima stellarum. Sed ideo maior caeteris videtur, quia proxima terrae in primo circulo fertur. Vgl. Z. 419. 501 f. Phil. 75 A: Visio unde eclipsis lunae contingat, et quare non in singulis mensibus, de umbra quae semper in medio eius videtur, quid nobis inde videatur, dicamus. Cum luna frigida et humida sit, quamvis a sole illuminetur, aliqua parte sui retinet, quae aliquid obscuritatis natura- liter inibi semper apparet. 507 f. Phil. 73 B: Eclipsis vero lunae est ratio, sole et luna in praedicta ecliptica linea sie dispositis, quod sol est in inferiori hemispherio, luna in superiori, terra vero in medio: sie quod si linea descenderet a medio lunaris corporis, transiret per medium terreni et solaris . . . Inde est quod nunquam deficit nisi in quinta deeima luna, quia tunc est soli opposita, non tarnen in omni quinta deeima luna hoc contingit. — 510 rige = linea; Lexer HWB. 2, 429. Die alte dem Original zukommende La. — 511 ist vielleicht vor der: der erde in der Ueherlieferung ausgefallen. 516 f. Phil. 80 A : De cometa vero quae in mutatione imperii apparet, hoc sentimus quod Stella non est. Hraban 69b B: Cometae quoque sunt stellae flammis crinitae, repente nascentes, regni mutationem aut pestilentiam aut bella aut ventos aestusque portendentes. 521 f. Die Quellen zum Folgenden sind noch nicht gefunden. 586 f. Rupert von Deuz De divinis offieiis 5, 18: Ampulla, antequam veniat ante episcopum ad altare, media eius pars est cooperta, et media nuda. Ampulla cum chrismate quodammodo significat corpus Christi, sumptum ex Virgine corporaliter in se habitans, continens Spiritus saneti plenitudinem. Quod antequam transiret ad altare crucis, aliquo tempore erat coopertum et aliquo nudum. Primaevo tempore erat coopertum, quando ita fugit in jEgyptum .... Ampulla vero postquam bene- dieta fuerit, et ab altari redit, a pontifice et ministris altaris visibiliter et nuda salutatur, hoc significat quod XLIV. Die ältesten Lucidariusbruchstücke. 239 Chriftus, postquam ab altari crucis transivit, praesentiam suam corporalem eis praebuit, quos testes suae'resur- rectionis esse voluit. Quod caeteris invisibilis et operta ad salutandum defertur, significat quod Christus rediens in coelum, invisibilis hominibus factus est. 595 f. Rupert5,19 : Omni quidem tempore illa debent episcopi fungi legatione ad reconciliationem peccatorum . . . Astitit enim hac die vultui Dei pro nobis Christus Pontifex summus in multitudine misericordiae, et sicut supra dictum est: Semel officio sacerdotii functus est, tradens, sacra- mentum corporis et sanguinis sui, statimque sacerdos ipse, qui et hostia, captus et ligatus, ad passionem ductus est. Utquid enim misericordia ligata est, nisi ut miseri- cors peccatores solveret pcenitentes? 597 f. Rupert 5, 20: Quod Dominus et Deus omnium pedes lavit discipulis suis, dupliciter nos videlicet morali pariter atque allegorico sensu instruit..... Per hoc namque quodammodo elocutus est, quia surrexerat a coena, id est a convivio paternae gloriae et posuerat vestimenta sua, semetipsum enim exinanivit, formam servi accipiens et terrena carne nostra, quasi linteo (cuius utique materia nascitur e terra) praecinctus, sanguinem suum effudit velut aquam in pelvim, atque inde quotidie lavat pedes nostros, cum illum in remissionem peccatorum nostrorum sumimus. Pedes quippe nostros, id est actus nostros quotidie necesse habemus lavari, quamvis semel loti per baptismum, toti simus mundi per fidem. Anhang. DIE VORREDEN ZUM LUCIDARIUS. A. B. Diz bflch heizet Lucidarius Diz buch heizet Lucidarius; und ift durch reht geheizen fus, daz wirt geantvriftet alsus: wan ez ift ein luhtere. daz ift ein luhtxre. swer gerne vremde mere an dem buche vindet man zeware von der fchrift vernemen wil, 5 manigiu tougeniu dinc, der mach hie wunders hören vil diu an andern buchen verborgen in defeine deinen buche. fint: man foldez verne ffiche, der underwifet uns diz büchelin. emanezvundeenfamtgeichriben. von der gefchrift gewinnen wir got hat ime den An gegeben, 10 den geiftlichen (in. 240 XLV. Bruchstücke einer deutschen Bearbeitung dem herzogen der ezfchribenliez. diz buch ift ouch genant Aurea sine capellane er hiez gemma, die rede lüchen an den fchriften daz kiut guldine gimme. und bat fie daz sie ez dihten bezeichent ift uns dabi, ane rimen wolden. 15 wie tiure diz buch fi, wände sie enfolden wände swaz diu gefchrift hat niht fchriben wan die warheit, bedecket, als ez ze latine steit. daz hat Lucidarius errecket, daz daden fie willecliche swer diz buch gerne lefen wü, dem herzogen Heinriche, 20 der gewinnet wiftümes vll, der ez in gebot unde bat: der uz den buchen niht lihte zu Brunefwich in der ftat wirt ervarn, wart ez gedihtet und gefchriben. wil er gedenken waz in Luci- ez enwere an dem meifter niht darius geleret habe. beliben, got der ie was und iemer ift an er het ez gerimet ab er folde. 25 ende, der herzöge wolde der fol daz anegenge daz man ez hieze da an difeme buche wefen. Aurea gemma. swer daz gerne welle lefen, doduhteez dem meifter bezzerfus der fol fleh rehte verftan, daz ez hieze Lucidarius, 30 wie ez umbe die fchrift 11 getan, wan ez ein luhtere ift. da der meifter und der junger der heilige geift gab ime die lift: redent wider einander, er was der lerere der daz buch hat ift der vraga;re, und der vragere der heilig geift ift der lera:re: der daz buch dihte. 35 der fol uns an daz ende bringen, man vindet an maneger fchrifte daz wir die rehten warheit er- ein deil gefchriben darinne. vinden der mit ftetem finne umbe alliu diu dinc, die rede rehte merken wil diu an den buchen verborgen fint. dem mag antwurte geben vil, 40 des helfe uns diu ewige wifheit, fwes man ez vraget, daz buch. diu an aller flahte arbeit der himel und erde gefchüf alle dife werlt hat gezieret mit finer gotheite, und uns den ewigen wiftftm hat der neme den herren an fin geleite. geleret. XLV. BRUCHSTÜCKE EINER DEUTSCHEN BEARBEITUNG DER VITA KAROLI MAGNI EINHARTS. Ueberlieferung: Sechs kleine Pergamentfetzen, Reste einer zweispaltig geschriebenen Hs. des 13.Jhdts. auf der Universitätsbibliothek zu Freiburg i. Br. Literatur: F. P]'äff, Alemannia 28(1900) 121 f. Aeusserlichkeiten des hslidien Textes: Die Schrift teilweise abgeschabt. Starke Beschneidungen. Grosse rote Initialen (im Text fett gedruckt). Anfangsbuchstabe der Spaltenzeile fast immer Majuskel. der Vita Karoli Magni Einharts." 241 Akzente: 9 ' über i, 3 *>. Interpunktion: Als Interpunktionsseichen wird ausschliesslich der Punkt verwandt. Quellenfrage: Quelle war Einharts Vita Karoli Magni. 4—11: Kap. 18. Habuit et alias tres filias. Theoderadam et Hiltrudem et Ruodhaidem, duaf de Faftrada uxore, quae de orientalium Francorum, Ger- manorum videlicet, gente erat, tertiam de concubina qua- dam, cuiuf nomen modo memoriae non occurrit. Defuncta Faftrada, Liudgardam Alamannam duxit, — 12—17: Kap. 22: Corpore fuit amplo atque robufto .... apice capitif rotundo, oculif praegrandibuf ac vegetif, nafo paululum mediocritatem excedenti, canitie pulchra, facie laeta et hilari. — 18—22: Kap. 22: Delectabatur etiam vaporibuf aquarum naturaliter calentium, frequenti natatu corpuf exercenf, cuiuf adeo perituf fuit, ut nulluf ei iufte valeat anteferri. Ob hoc etiam Aquifgrani regiam ex- truxit, ibique extremif vitae annif ufque ad obitum perpetim habitauit. Et non folum filiof ad balneum, uerum optimatef et amicof, aliquando etiam fatellitum et cuftodum corporif turbam, inuitauit, ita ut nonnumquam centum vel eo ampliuf hominef una lauarentur. Kap. 23. Vestitu patrio, id eft francifco, utebatur. Ad corpuf camifiam lineam et femi- nalibuf lineif induebatur; deinde tunicam quae limbo ferico ambiebatur, et tibialia; tunc fafciolif crura, et pedef caltiamentif conftringebat, et ex pellibuf lutrinif et murinif thorace confecto humerof ac pectuf hyeme muniebat; fago ueneto amictuf — 23—28: Kap. 23: et gladio femper accinctuf, cuiuf capuluf ac baiteuf aut aureuf aut argenteuf erat. Aliquotief et gemmato enfe utebatur......In f eftiüitatibuf uefte auro texta et calciamentif gemmatif, et fibula aurea fagum adftringente, diademate quoque ex auro et gemmif ornatuf incedebat. — 29—36 Kap. 33: Hae igitur intentione atque propofito omnem fubftantiam atque fupellectilem fuam, quae in auro et argento gemmisque et ornatu regio in illa, ut dictum eft, die in camera eiuf poterat inveniri, primo quidem trina diuifione partituf eft, deinde eafdem partef fubdiuidendo, de duabuf partibuf 20 et unam partem fecit, tertiam integram referuauit. Et duarum quidem partium in 20 et unam partem facta Münchner Texte VIII B 13 16 242 XLV. Bruchstücke einer deutschen Bearbeitung diuifio tali ratione confiftit, ut quia in regno illiuf metro- politanae ciuitatef 20 et una effe nofcuntur, unaquaeque illarum partium ad unamquamque metropolim per manuf heredum etamicorumfuorumelemofinae nomineperueniat.. 37—42. Kap. 33: Capellam, id eft aecclefiafticum mini- fterium, tarn id quod ipfe fecit atque congregauit, quam quod ad eum ex paterna hereditate peruenit, ut integrum effet, neque ulla diuifione fcinderetur, ordinauit. Si qua autem inuenirentur aut uafa aut libri aut alia ornamenta, quae liquido conftaret eidem capellae ab eo conlata non fuifle, haec qui habere vellet, dato iuftae aeftimationif praetio, emeret et haberet. Heimat und Verfasser: Eine Entscheidung, ob der Verfasser ein Schwabe war, oder ein Bayer, lässt sich nicht treffen. Mir ist das erstere wahrscheinlicher. Literarisches: Höchst wahrscheinlich ist die Anordnung der Fragmente nach der Quelle, wie sie von Pf äff, dem ich folgte, gegeben wurde, nicht richtig, sondern Z. 29 — 42 muss zwischen Z. 11 und 12 zu stehen kommen. Der Cgm. 267. vom Jahre 1448 enthält auf Bl. 215 r bis 224 r eine deutsche Karlsvita, die mit dem Rubrum Hie hernach hebet sich an die historia des groffen keifers karolis des groffen keifigen (!) versehen, im wesentlichen aus Einhart kompiliert ist und die durch die Bruchstücke überlieferten Sätze wortwörtlich bietet. Freilich ganz sicher ist es nicht, ob der Cgm. 267 den ursprünglichen Text genau und ungekürzt überliefert. Der Cgm. 287 vom Jahre 1419 enthält nämlich Bl. 91 bis 114 in einem Stück, das teilweise eine Prosaauflösung aus der Chronik des Heinrich von München ist und dem von mir Geschichte der hslichen Überlieferung von Strickers Karl S. 236f. herausgegebenen Passus von Karls Ahnen und Taten entspricht, grosse Partien aus der Karlsvita des Cgm. 267, teilweise in anderer Reihenfolge. Die unseren Fragmenten entsprechenden Sätze erscheinen in der Reihenfolge des Cgm. 267, so dass absolute Klarheit im Hinblick auf den kompilatorischen Charakter des Cgm. 287 nicht zu erhalten ist. Jedenfalls zeigen die CCgm. 267 und 287, dass jede Bearbeitung der Ein- hartsvita des 13. Jhdts. eine nachhaltende literarische der Vita KaroliMagni Einharts. — Älteste deutsche Siegellegende. 243 Wirkung gehabt hat. Leider lässt sich eine genauere Datierung als „13. Jhdts." nicht geben. Ich gebe jetzt die entsprechenden Stellen des Cgm. 267 in der Reihenfolge des Cgm. 267: Bl. 220 V. Die dritt fein weib hiefz faftrada die was Burtig von Ofterlanden do gewan er bey zwo tochter der hiefz eine Theodora die ander hiltrawt Do gewan er bei einer freundin ein tochter die hiefz Rutlintt darnach nam er ein hiefz liugart. Bl. 221 r. Er hett fchon varende gut vnde grofz cleinet difz teylet er alles jn drei teyl. do nam er den Einen teyl herdan vnde teylt das jn ein vnde zwenczig teyl vnde gab die teil ein vnde zwenczig Bifchofen Bl. 221 r. was gutes zu - feiner Cappeln höret das hu fz er gancz lan vnz er fturb. vnd fo er verfure das man fie geb\ gen ache an das munfter Bl. 221 V. er hett ein finbels heupt Seine äugen Brunnen jm albeg Sein nafe zam feinem antlicz wol er hett ein fchon antlitz vnde allezeyt frolich geftalt aller fein leip was Alfo [aller fein leip was alfo] geftalt Bl. 221 V. wann er Badet des tages gab er (Bl. 222r) wirt fchafft das was herlich Karel fpulget vier hant gewant Seins teglichen gewandes Bl. 222r. an einen mantel der hing an fnuren vnde kappen die waren geziert mit golde vnde mit Edelm geftein Etwann von filber Er trug reiche fürfpann vor jm Erläuterungen: 7 lies frivndin — 24 Kappen Übersetzung von capulus, vgl. L. Diefenbach s. v. capulus, capulum, caputium. — 37 capella, in dieser staatsrechtlichen Bedeutung im Deutschen zum erstenmal belegt. XL vi. ÄLTESTE DEUTSCHE SIEGELLEGENDE. Ueberlieferung: Urkunde mit dem Datum: Wien 1197 XII. 9. im Stiftsarchiv zu Heiligkreuz im Wienerwalde. Abgedruckt in Fontes rerum austriacarum II 11,30. Literatur: M. Vancsa, Deutsche Geschichtsblätter 4 (1903) 111. 16» 244 XXV B. Bamberger Arzeneibuch. Nachtrag. XXV B. BAMBERGER ARZENEIBUCH. Seit Veröffentlichung des Textteiles dieser Denkmäler sind durch R. Priebsch (s. u. Literatur) medizinische Fragmente des 12.Jhdts. in deutscher Sprache aus Bamberg veröffentlicht worden. Sie stehen in allerengster Beziehung zu Nr. XXV, so dass sie hier nicht übergangen werden können. Ich lasse daher zunächst den Text folgen. Danach gebe ich gleich die nötigen und mir möglichen Anmerkungen. Was E.v. Steinmeyer, der diese Bruchstücke und Nr. XXV in seinen Ahd. Denkmälern zu veröffentlichen vorhatte, dann aber freundschaftlichst hievon Abstand nahm, zu den Anmerkungen beigesteuert hat, ist durch in () gesetztes St. gekennzeichnet. (2) Bl Ir n****************** alle fine buche lechin in fin grab under fin x ) hübet Dar nach über lanch fuor ein keifer da füre, unde uerwandenen daz m/chel fcaz da inne were. Do hiez er daz grab ofenen 5 unde uuanda dar inne ein buch alle fin arzerfie. do nam er daz buch unde newolde ez niemanne geban neware deme arzede P/?OMODOSIO. Do er daz buch erföchte, do vant er aller ereft dar ane vmbe den höbetfweren in dife wis. 10 Sueder mennifche habet den fweren unde die gefwft in demo antlizze ane den huften. unde ob er die winftere hant diche leget zu dere brufte. unde ob er di nafe diche iuchet. fo ftirbet er in demo -XX-II1 ■ dage. Sue demo manne der der ift freneti'cus. rodent beide 15 die chinne mit dere diche geblafede. unde niwit uerdowtf» mach, so ftirbet er in demo • Villi • dage. Dife paflio habet vile dieche die calden fudoref. unde die kalden oren ioch die kalden zene. Suelin fwerent die haifaderen, unde ob er ift alfo 20 der doub si. unde ove ime wirret der wize vleche ove *) Ueber fin hübet Reste roter Buchstaben, von denen poc noch zu erkennen sind. XXVB. Bamberger Arzeneibuch. 245 mit 1 ) din anderen 2 ) ***chen. unde ober geret def warmen badef ove def B ) fweizef. io ftirbet er in demo • L ■ dage. Incipit Über ypocratis Hie beginnet daz arzebüch ypocratif daz habet ge- fcriben allen den fuhten die der mugen erwaffen in allen 25 den mennifclichen liden. Ad dolorem capitis Ze demo hövbet fweren nim vermude. ebehovwe. daz ander erden vlitet. rutam. unde niv ez al zefamene. vnde mifchez mit honege. unde demo wizzen def eief. unde 30 legez an ein duch unde verbint. daz hovbet mide. Nim die perfichkernen. unde niv fie mit oleo rofeato. oder mit demo einvaldigemo oleo. unde duo daz halbe deil def scarphen ezzigef dare zu. unde fal (4) Bl. 1 V. so uilo sv du mit drin uingerun gehaben 35 mugift. 8 ) unde mifche dare zu ein mez geizener milche, unde gib imo nun dage zedrinkene. ez ift uerfucht. Ad ficum. Dv salt nemen ein gewith. 4 ) cariofilef. daz andera cinamomi. daz drita piper. daz uierda gingebernef. daz 40 funfta cumini. unde salt ez zedriben mit demo niven honege. unde gib ez wider daz fich fuinede demo manne. Ad ftomachum et cor Wider def 5 ) magen ioch def herzef claga. salt du linfi ezzen mit ezzige gefoden. oder drinken die veltquenelun 45 geniven mit demo wine oder diu chugine milch nivenef gemolkena lawe vaftendo. daz ift vile gut ze demo fwerenden magen. Ad ftomachum Nim def pulueref daz man da machet uzer demo 50 maftice. unde daz wiza def eief. unde niwez ze famene. unde lege ez über den magen. ez nimet abe die fiucheda • unde die fuare def magen ') mit sehr unsicher über ove geschrieben. J ) Hier endet die Zeile; vor chen am Rand als. *) Ueber mugift unde Buchstabenreste des Schlusses der vorangehenden Zeile, die auf pulueres zu deuten scheinen. *) gewith auf R. 6 ) def vom Rubrikator nachgetr. 246 XXVB. Bamberger Arzeneibuch. Ad ilia 55 Nim dero gemilwetun centaurie nun leffela uol. unde gib imo dri daga ze drinkene • mit drin becherun winef. ez ift ouch uile gut uor den fitefweren. unde uor den lanche fweren. Ad Sagittam 60 Daz gefcoz zeholene uon demo liebe. Nim den ftein- rarn unde niwen mit demo alden fmere. unde bint den über die wnden fo get daz gefcoz uz. Obe du wilt diz felbe dinc uerfuchen fo bint ez ander II der machint daz die menfchin 65 uerdowent mit genaden daz fie nuzent. Euftomacha heizent die der nuze fint demo 1 ) magin. Stipica heizent die der betwingent die zeloftin deil. Lia heizzint die der feinfte fint. unde die der lihten die scarphe. Obrectica heizzint die der nement demo mennifchen die trahheit 70 unde die ungeluft. Collectica heizzint die der zefamene weillent unde gebindent die zebrochenen unde die zeloften. Diuretica 2 ) heizent die der füre bringent die urinam. Catartica (3.) Bl. 2r. De eodem. 75 Siut die zeginbonun mit demo ezzige. unde bint fie über die drufe. Ad pectoris dolorem. Ze demo bruftfweren fiud die rutun mit demo wine. unde gib fie kedrinkene demo fiechen. so Item, Mache ein luderdranc mit dero poleiun. ioch mit demo honege. unde gib ez zedrinkene. Item. Nim die rutun • marrubium. ftabewrt mit gelicher maze. 85 unde niu fie. ioch gib fie demo fiechen ze drinkene. kumet ez ouch uone demo 3 ) herzefweren fo beftet ime diu fiechheit. *) mo von demo übergeschr. *) Diuretia ^3 u wahrscheinlicher als o. *)demo übergeschr. XXVB. Bamberger Arzeneibuch. 247 Die poftema zeheline nim zwei mez def honegef. ein deil def chumelef. def wirnewinef ein deil. marrubium ein deil. feniculi ein deil. unde fiud fi al zefamene in 90 demo niwen habene zu demo mezlichen viure. biz ez werde zue mez. dar nach fo fige ez durch ein duch. unde mifche dar zu den peffer. unde gib ez demo gebofte- moten fo er uafte zuene leffele ze drinkene. fo er flafen wolle gan after 1 ) merede so gib imo dri zedrinkene. 95 (6.) Ad ftomachum Ze den magen zefterkene nim die gepuluerede nebetun ioch ire famen. unde def epphef famen. dillefamen. minzun famen. poleium. cuminü die wize 2 ) minza. unde niv die zefamene. unde du darzu honec. unde zedribez 100 zelectuarium. unde nuzez wider geblafeda def magen. unde uor den damf edon. ioch wider den poftemon. unde in gegen der fulenden lungun. un wider den fiteffweron, ioch zedere lankefuhte die dir inwertef der menifcho habet. Dieder derre fuhte iwet habent. den gib zwene leffele uol fo 105 fie uaftent. unde gib ez ouch den die dir niwet ezzen. noch dowen ne mugen Ad uentris dolorem Ze demo buche nim daz da heizzet wilde curbiz unde muterwrz. ioch die buccun. unde derre fie in der pannun. 110 oder zedero funnun. unde mache ein puluer dan uz unde temperez mit dere berun gallun. unde legez über den nabel. so uegetet uile harto den buch Ad fplenif dolorem. Die heizent splenetici den der daz milze fwirit. daz 115 der liget in der winftrun fitun. unde iro uarua ift bleich. Zedemo milze fwören mache aller ereft embrocaf mit difen dingen 8 ) mit wermoden Bl. 2\>. ren diu zu demo milze get alfo da gefcriben ift indemo briue der aderlaze. So du imo lazeft in der 120 aderun. so gib imo drinken daz saf dere ueltquenelo. unde tempere epphef wrzelun mit eimo lucelemo deile ') after merede übergefchr. *) wize aus wiza; rad. 8 ) dingen mit wermoden] die untere Hälfte der Buchstaben weggeschnitten. 248 XXV B. Bamberger Arzeneibuch. def ezzigef. unde def honegef. unde gib ez imo ezzen oder drinken. 125 Item. Ze dero heilunge def milzef. ioch dere lungun. nim driu gebundelin marrubii unde vlieht def beneboumef. un dr u mez def winef. unde fiud ez in emo niwen hauene. vn laz ez erkulen. unde gib ez l ) demo fiechen dri daga 130 fo er vafte. unde heiz in fich ergan dar nach. Item ad fplen. Nim die mittelun' rindun dere falewidun eine hant vol unde siud si in einemo niuen hauene mit demo uirnen wine biz zedemo dritten deil e unde drucchez uile wola 135 uz unde gib ez dri daga demo daz milze fuuirit. Obe du diz dar ane wolleft verfuchen. fo gib ez einemo fuui'ne ze drinkene under || (5.) halb in gegen die wnde. daz scoz get dar vz. Ad uulnuf [anandum. 140 Ze dero wndun. Nim die gepuluerete pugnü. unde fage ez über die wndun. so heilet sfu. Diz selbe crut gib demo gewndeden drinken. ob er ez spiet so ftirbet er. Diz ift ein wnderlich puluer ze heline die wndun. Item 145 Nim mirran. wiroch. Maftice. harz pech. orgement. halgalia. aloe. gibs. hirzefhorn. die ariftolotia. rotunda. du der allero gelich. unde mache ein puluer dan uz unde fage 2 ) ez dar ane. Item 150 Nimbli unde brenne ez in dero pannun. unde zedribet mit dero fcinun. biz ez verbrinne, unde duez danne in ein hulzen vaz. unde du dare zu ein luzel oleief unde ezzigef. unde unze iz wiz 8 ) werde, vn salbe ez da mide. De eadam re 155 Nim daz gebranta bli unde attramentum. piper. peretrum. def hefchedef kinnebacchun. def michelen crebefcef bein. Dife alle falt du wegen gelich. unde puluerun. unde ') ez äbergeschr. ') Ueber fage ist feie geschr. s ) Ueber wiz statt Über unze iz steht bizez geschr. XXV B. Bamberger Arzeneibuch. 249 wafche die ftat mit wine derder warm fie aller ereft. unde drukenez mit demo duche. unde falbe ez mit demo honege dar nah fo faige daz puluer dar ane. unde lege 160 der bapelun bleter. oder druchene nezelun dar ubere Ad urine. Ueberlieferung: Hs. Hist. 146 (früher E. VII. 19) der K. Bibliothek zu Bamberg, geschrieben von Schwester Katharina Hof mannin, die 1380 — 82 und 1389 — 93 als Aebtissin des Klosters St. Clara zu Nürnberg nachweisbar ist. Ihren beiden Holzdeckeln dienten die Fragmente des Bamberger Arzeneibuches zum Schutz. Es sind Reste zweier Doppelblätter, geschrieben von einer Hand aus der Mitte des 12. Jhdts. Literatur: F. Leilschuh, Katalog der Hss. der kgl. Bibliothek zu Bamberg I (1895) 2,241. — R. Priebsch, The Modern Language Review 10 (1915) 203 bis 221. Aeusserlichkeiten des hslichen Textes: Rote Rezeptüberschriften und tote Absatz initialen, im Jext- druck durch fetten Satz kenntlich gemacht. Das D Z. 1 und das H Z. 24 überragen die übrigen roten Buchstaben bei weitem an Grösse. Es soll hiemit zum mindesten ein grösserer Inhaltseinschnitt angedeutet werden. Der Schreiber, der offenbar mit dem Pergament sparsam umgehen musste, sah sich genötigt, für die Rubra nur wenig Raum freizulassen. Infolgedessen sind in den Ueberschriften Abkürzungen ausgiebig angewandt worden. Hervorzuheben ist noch der Gebrauch von Capi- talis Rustica im Namen Promodosius Z. 7. Akzente: 5 ' über i; vgl. Priebsch S. 204. Interpunktion: Nur der Punkt wird als Interpunktionszeichen verwandt. Es besteht das Bestreben, den Satzanfang durch grossen Buchstaben kenntlich zu machen. Quellenfrage: Was die Endquellen betrifft, so gilt das in Nr. XXV auf S. 138f. Gesagte auch für unser Stück. Neu treten hinzu UeberSetzungsbruchstücke aus der Capsula eburnea Hippocratis, auch Analogius Hippocratis in den mlat. Hss. genannt, und aus einem 250 XXVB. Bamberger Arzenelbuch. in der Hs. Add. 8928 befindlichen Iraktat mit dem Incipit: Vera hec est dinamis et monstratio omnium medicamentorum . . . Heimat und Verfasser: Die Bruchstücke sind in einer Gegend geschrieben, in der nd. p im Anlaut nicht zu pf verschoben war: perfich Z. 32, peffer Z. 93 und pannun Z. 110; 150. Das spricht für rheinfränkische Heimat. Ein paarmal ist t im Auslaut un- verschoben ftabewrt Z. 84 und et Z. 113; 150. Das deutet vielleicht auf das nördlichere rheinfränkische Sprachgebiet. Einiges weist darauf hin, dass die Bamberger Bruchstücke eine rheinfränkische Umschrift aus oberdeutscher Vorlage sind: so ist XXV 112 geizze- bone in das fränkische zeginbone XXV B 75 umgeändert, aber XXV B 36 geizener beibehalten; auch vereinzelte ch für k, der Schwund des h nach e in swelin XXV B19. Literarijdies: Priebsch bemerkt S. 205: „ Bl. Iv. 23 l ) bricht der Text eines dieser Rezepte mitten im Satz ja mitten im Worte ander | halb ab und fährt erst 2v, 16, mit dem zweiten Teil dieser Zusammensetzung fort. Das kann sich nur aus einem Fehler der Vorlage unseres Schreibers oder der eines Vorgängers erklären, sei's dass eine Lage oder einzelne ihrer Blätter verbunden waren, oder sei's — und dies dünkt mich wahrscheinlicher — dass sie aus Einzelblättern bestand, die in Unordnung geraten waren." In der Tat handelt es sich um eine Blatlversetzung, welche in der Vorlage des Schreibers der Bamberger Bruchstücke stattgefunden hatte und von diesem — man kann es kaum begreifen — wirklich stumpfsinnig herübergenommen wurde. Ordnet man nämlich die Rezeptgruppen, so wie von mir durch die den einzelnen Rezeptgruppen übergeschriebenen Zahlen angedeutet ist, dann erhält 'man eine mit der Reihenfolge des Züricher Arzeneibuches ziemlich übereinstimmende Rezeptfolge, v. Steinmeyer, der Bl. 1 r = 1 v und 1 v = 1 r nimmt und über die Blattversetzung eine Berechnung angestellt hat, argumentiert folgendermassen: Bl. Iv Z. 63, 2r Z.95 und 2v Z. 137 schloss ein Bl. der Vorlage. ') Vgl. oben XXVB 63; 138. XXV B. Bamberger Arzeneibuch. 251 Da nun die von mir mit Nr. 1 u. 2 bezeichneten Rezeptgruppen einerseits und die von mir als Nr. 6 bezeichnete Rezeptgruppe andererseits nahezu gleich viel Zeilen in der Hs. zählen (38 l l» und 36), so können diese Ziffern als Mindestmass eines BFs. der Vorlage angesehen werden. Die 70 Zeilen der Rezeptgruppen Nr. 2 (Z 23 bis34), 4,3 undb der Bamberger Bruchstücke entsprechen 85 Zeilen in der Züricher Hs. Die zwischen Rezeptgruppe 2 und 3 fehlenden Partien, die in der Züricher Hs. 102 Zeilen einnehmen, würden demgemäss 84 Zeilen ausmachen, das wären 2 Bll. zu je 42 Zeilen. Dann hätte die Vorlagebestanden aus I. einemDoppelbl. einer ersten Lage, das auf seiner vorderen Hälfte die Rezeptgruppen 1 und 2, auf seiner rückwärtigen als Schluss Rezeptgruppe 3 enthielt; zwischen beiden Hälften befand sich ein weiteres Doppelbl. mit Z. 14 bis 111 von Nr. XXV (Züricher Hs.). 2. zwei Doppelbll. einer zweiten Lage: ihr erstes würde als Schluss Rezeptgruppe 4, ihr zweites als Anfang Rezeptgruppe 5, ihr viertes Rezeptgruppe 6 befasst haben. Nun wurde das äussere Doppelbl. dieser zweiten Lage versehentlich um die erste Lage geschlagen: so entstand die verkehrte Folge, welche die beiden Bll. von B tatsächlich aufweisen. Allerdings meint v. Steinmeyer, sei Nr. XXV 181 bis 230 der Züricher Hs. mit 60 Zeilen, welche 50 von den Bamberger Fragmenten gleichzusetzen wären, etwas grösser, als für den Umfang des dritten Bl. der zweiten Lage sich annehmen Hesse. Aber dieser Abschnitt könne sehr wohl auf der Rückseite des zweiten Bis. begonnen haben. Soweit der Inhalt der schaff sinnigen Argumentation Steinmeyers. Ich habe mich nicht entschliessen können, die Umstellung selbst vorzunehmen, sondern sie durch Num- merierung der Rezeptgruppen angedeutet. Sollen doch diese Denkmäler vor allem ein möglichst getreues Bild der Ueberlieferung geben und zugleich zeigen, mit welchen Mängeln des Textes und seiner Ausstattung der mittelalterliche Lesersich abzufinden hatte. Eine Entscheidung, ob die Differenzen zwischen dem Züricher Arzeneibuch und den Bamberger Bruchstücken in den gemeinsam überliefetten Rezepten auf 252 XXV B. Bamberger Arzeneibuch. dem Weg mechanischer Schreibüberlieferung entstanden sind, oder ob nicht doch zwei verschiedene Ueber- setzungen vorliegen, nage ich nach dem gegenwärtigen Ueberlieferungsstand nicht zu treffen. Erläuterungen; 1—22 stammt aus der Capsula eburnea oder Analogius betitelten Schrift; mein Zitat nach Priebsch 217: Peritissimus omnium domeftica sapientia in Omnibus corporibus iusserat Yppocrates ut in sepulcro suo poneretur sub capite ipsius analogius. positus erat, ubi corpus Yppocratis iacebat. et transit inde Cesar post multum tempus • et vidit rnonumentum et putavit in eo esse thesaurum • iussit illud aperire secrettm ■ et invenit analo- gium sub capite illius positum, ubi omnia secreta artis medicine erant . tulit et nulli iussit dari nisi medico Proamodosio quo scrutato invenerunt ibi primum ad capitis dolorem . Si habuerit dolorem vel tumorem in facie sine tusse et si sinistram manum tenuerit ad pectus et si sibi nares assidue scalpit • XXIII. die morietur . Item freneticus. si amba genua rubea habuerit solida cum inflatione et non digestione stomachi, in nono die morietur. Hec ualitudo incipit habere sudores frigidos, aures frigidas, dentes frigidas . si in labore fuerint in collo veneque sunt extense • et si quasi surdus fuerit et si papulas super ipsas venas habuerit, ubi una alba nata fuerit, et si in egritudine vaporem aut lavacrum desideraverit calidum in • L • die morietur. Vgl. dazu Philologus 42 (1883) 121f.; V. Rose, Verzeichnis der Lat. Hss. der Kgl. Bibliothek zu Berlin XU. Bd. (= Lat. Hss. Bd. I) 1893 S. 373f. und 461a und jetzt besonders K- Sudhoff, Archiv f. Gesch. der Medizin 9 (1915) 79f. 24—26 == XXV 3—5. 27—31 = XXV 6—9, auch Coli. Säleritana 4,193 (St.) — 29: vlitet, so die Hs. Nach Steinmeyer — vlihtet, vgl. DWB 3,1740. 32—34 = XX V10—13. Vgl. noch Coli. Sal. 4,194' Item nucleos perficorum et medullam eius cum oleo terens frontem illinies, mire medicabis und Mülinen'sche Rotel Z. 027f: Ex nucibus perficorum medullam cum oleo roseo mixtam illinis fronte, miraberis effectum (St.) XXV B. Bamberger Arzeneibuch. 253 38—42 = XXV 129—32: fuinede stellt Steinmeyer zu nhd. Schwinde „Ausschlag" vgl. DWB 9,2653. 43—48 = XXV 133—37: Iheodorus Priscianus hg. V. Rose 325, 24f: lenticulam in aceto coctam edat .... fatureiam cum vino tritam potui dato . . . lac bubulum mox mulctum sie tepidum ieiunus bibat. (St.) 49—53: Theodorus 325, 28/.: item maftices pulvis et albumen ovi si contritum in panno induetum stomacho imponatur. (St.) 54—58 = XXV 143—46 : Theodorus S. 326: Ad sto- machi dolorem et ruetus amaros quos nee potio nee eibi iuvant. centauriae tritae scrip Villi in vini cyathis III per triduum bibat • hoc et lumborum et lateri dolori pro- deft. (St.) 59—63 = XXV 147—51. 64—73: Analogius: Sunt autem genera nominum effectum eorum h^c: Innoctica, qug somnum vel soporem faciunt • Pecticas, qu§ digestionem faciunt . Customathas apta stomacho • Stipticas, qu§ stringunt partes relaxatas • Lios lenia, qu§ liniunt asperitudinem • Obtrecticas sunt, qu§ fastidium auferunt • Collecticas glutinatoria, que om- nia soluta vel fluxa gluttinant, alligant. Dioreticas, qu§ urinam provocant. Catarticas, qu£ ventrem vel vulvera solvent et purgant. 74—76 = XXV 112/13: Rotulus Mülin. 94: Item (rf. h. Ad Glandulas) Fimum caprinum cum aceto tere et superpone (St.). — Zu zeginbonun vgl. C. G. Pfeffel, Fabeln, Basel 1783 S. 27: Neun frische Ziegenbohnen Im Vollmond angehängt ziehn alle Seuchen an. 77—82 = XXV 114—17: Rotulus Mülin. 706: Rutam ex uino decoetam bibat. dolorem sedat. (St.) 83-87 = XXV 118—21: Collectio Salernitana 4, 222: Item ad pectus de ruta aprothano et marubio ana pulverem f acit et per triduum cum vino bibat. Rotulus Mülin. 711 f. '• Ruta prassium. abrotanum equis ponderi- bus teras. et ex uino des (St.) 88—95 = XXV 122—28: Collectio Salernitana 4, 231: Cura ad omnia supradieta apostemata pariter cu- randa. Hoc est medicamen probatum. mellis ffll, butyri ff I, vini veteris ffl, marubii fasciculum I, fei terre fasci- 254 XXV B. Bamberger Arzeneibuch. culum I, betonice fasciculum I; hec omnia mite (!) in olla rudi, et lento igne coque, ubi ad ff II veniat; et cum refrigeraverit, sie tepidum per lintheum extorque; adde piperis pulverem -?- I. Exinde aeeipiat qui patitur ieiunus coclear V aut VI; post cenam autem III. (St.) 96 f.: Anklänge bei Cassius Felix ed. V. Rose 101,14 f.; 104,3 f.; Marcellus 20,40; 101; 120. 108 f.: Vgl. Pseudo-Plinius ed. V. Rose 4b, 17. 114 f.: Vgl. Cassius Felix 105,13f. 131—37: Rotulus Mülin. 364 bis 369: Ad splene- ticos. Salicis inferiorem corticem manum plenam collige. et in olla rüde, cum uino ueteri decoque usque ad tercias. expressoque diligenter da potionem. illi qui dolorem splenis patitur. et hoc per triduum aeeipiat. Manc potionem si probare uis. da porco et post triduum. uel biduum oeeide illum. et spien illius non inuenies. hoc uerum. et pro- batum est (St.) 138 = XXV 151; vgl. Z. 63. 139—41 = XXV 152—54. 144— 48= XXV 155—59. 149—53 = XXV 161—63: Vgl. Rotulus Mülin. 175/.: Ad scabiem corporis. Plumbum in testa liquefactum et diu agitatum donec uertatur in puluerem adiectoque oleo et aceto teratur usque dum spissetur in modum mellis et exinde unguatur. dum sanetur. (St.) 154—61 =XXV 164—72. 162 = XXVI 73 f STADT BUCHBINDERE DÜSSElßORF