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[2] (1916) Kommentar. Hälfte 1
Entstehung
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78
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78 K. Alcuin« Traktat de virtutibua et vitiia

Der Uebersetzei war ein Alemanne. Ihn für einenBayern zu halten, war Scherer wohl durch die Tat-sache veranlasst, dass die Hs. aus Indersdorf stammt.Sie gehört, wie wir sahen, möglicherweise zum ältestennachweisbaren Bestand der Indersdorfer Klosterbiblio-thek (vgl. oben S. 70 f.). Das aber gerade würde die Exi-stenz eines alemannischen Textes in Indersdorf er-klären: Die ersten Augustinerchorherren des Inders-dorfer Stiftes stammten ausMarbach bei Basel" *),sie haben auch die drei ersten Pröbste des Stiftesgestellt (vgl. E. Graf v. Fugger, Geschichte des KlostersIndersdorf, München 1883 S. 18 bis 21). Die Hs.könnte also sehr wohl aus Marbach mitgebracht wordensein, oder auf einer Marbacher Vorlage beruhen. Wiedem auch sei, die Wiege des Uebersetzers stand inder Gegend, die durch die Städte St. Gallen-Konstanz-Basel-Kolmar gekennzeichnet wird.

Literarisches: Die Uebersetzungstechnik ist teil-weise recht frei, teilweise aber auch wieder ziemlich skla-visch. Das Kapitel de Lectionif ftudio fehlt in der Ueber-setzung, ob absichtlich oder infolge von Verderbnis,lässt sich nicht entscheiden. In der vorliegenden Ueber-lieferung ist das Stück Fragment. Ob Alcuins Irak-tat vollständig verdeutscht war, können wir daher nichtwissen. Beliebt war er, wie die allenglische Bearbeitungzeigt (vgl. M. Förster, Herrigs Archiv 122 [1909]257 f.)

Erläuterungen'. 4. Diese Bibelstelle ein beliebtesZitat; Vgl. Winsbecke 5, 5: ez fprach hie vor einwifer man, daz dirre werlte wifheit fi vor gote ein tor-heit funder wan. Berthold v. Regensburg I 2, 29: alsder wile man fprichet: dirre werlte wif heit ift vorgote eintorheit. Man beachte übrigens die dem Nhd. ent-sprechende Bedeutung von tumbheit. 8. Vgl. zu 115, 7. 17. des gotes: der Artikel bei got ist hier ebenso-sehr auffällig (vgl. J. Grimm D. Gr. 4, 394; 404. ),

') So die Indersdorfer Geschichtschreibung. Es handeltsich um die noch heute in Ruinen erhaltene Abtei Marbachim Kreise Kolmar. Vgl. Das Reichsland Elsass-Lothringen.Strassburg 1901-1903 111 618. Das Stift gehörte zur DiözeseBasel, s. A. Hauck, Kirchengeschichte Deutschlands IV (1913)365 Anm. 5.