VIII. Himmel und Hölle 67
habe. Das Parhomoeon, wie det mittelalterliche Aus-druck lautet, wurde in dem Kapitel De fchematibufbei den Grammatikern gelehrt (vgl. H. Keil, Gram,tat. IV 398, 20; V 303, 28; VI 458, 29) und zwarunmittelbar vor dem Homoeoteleuton. In der lateini-schen Dichtung des Mittelalters wurde auch dieserSchmuck angewandt, ich erinnere an Aldhelm, anden wahrscheinlich von Alcuin stammenden HymnusSancte fator (Chevalier Rep. hymnol. 18506; MSD.LXI) und an die Spielerei Hugbalds in seiner Eglocade calvif in qua habetur paranomoeon uerfuum CXXXV1(MG. PL. IV 267f. Vgl. ferner P. v. Winterfeld Mrot-sv ithae opera S. XVI; R. Kopke, Ottonische Studien II151; K. Bartsch, die tat. Sequenzen des MittelaltersS. 240). In der lateinischen Prosa tritt das Parho-moeon ebenfalls auf: Schon beiFortunatus (s. W. Meyer,Gesammelte Abhandl. z. mlat. Rhythmik II 366 f.), inWillibalds Bonifatiusvita (hg. W. Levison S. 1, 1; 13,14 ; 17, 10 und in Hrotsviths Dramen (z. B. 107, 13 f.;141, 7; 174, 19). Virtuos ist seine Verwendung in denGesta Servatii (vgl. F. Wilhelm St. Servatius 3, 1 f.)Auf eine deutsche alliterierende Quelle kann also ausdiesem Grunde nicht geschlossen werden. Gleichesgilt von der Variation; sie ist nicht einmal bloss ger-manisch (vgl. R. Heinzel QF. 10, 10; P. PachalyDie Var. im He Hand u. i. d. as. Genesis S. 2 f.). Ichverweise hier nur auf die herrliche mit unserem Stückungefähr gleichzeitige Vita Heinrici IV. imperaloris,in der es von Variationen nur so wimmelt. Dazukommt, dass die Reste vorliterarischer deutscherAlliterations- und Variationsformeln, verschmolzenmit ähnlichen, aus der antiken Rhetorik und Prosodieüberkommenen Formen, bereits bei Notker als schul-mässige Stilmittel für die deutsche Prosa verwandtwerden (vgl. H. Naumann QF. 121, 86 bis 103); ansich könnte also der Verfasser von Himmel und Höllevon selbst unbeeinflusst von seiner tat. Vorlage darauf
fekommensein, Alliteration und Variation anzuwenden.Inter den von Morgan aufgezählten altertümlichenWorten schliesslich findet sich kein einziges, das fürdie deutsche Alliterationspoesie charakteristisch wäre.