Druckschrift 
[2] (1916) Kommentar. Hälfte 1
Entstehung
Seite
66
Einzelbild herunterladen
 

66 Vllt. Himmel und Hölle

sehen, also ein deutlicher Schlussabsatz. M. Haupterblickte in dem Stück ein Gedicht, bemerkte aber,dass in den 190 Versennur hin und wieder einReim vernehmbar" werde und, da keine Regel wahr-zunehmen sei, so seiweder Reim noch Allilterationbeabsichtigt." 0. Schade suchte Haupts Konstruktionzu stützen, indem er die alliterationes und die con-sonantias finales zusammenstellte. MSD. brachteneinen Abdruck der Hauptschen Arbeit. Welche Rück-sichten hier mitgespielt haben, entzieht sich der Be-trachtung; Tatsache aber ist, dass Scherer in seine/Geschichte der deutschen Dichtung im 11. und 12.Jhdt.QF 12 das Stück keineswegs mehr ausdrücklich einGedicht nennt, wie er dies noch 1875 QF 7,75 tat.S. 27 heissl es:In der Beschreibung des Himmelsund der Hölle nimmt die begeisterte Rede geradezuregelmässigen Verstact an". Luppe wollte in demStück den Abschluss des uns verlorenen Gedichtesvon den vier Evangelien Ezzos erblicken und stelltedie gänzlich unbeweisbare Hypothese auf, dass dieBamberger Schule" ursprünglichreimlos" gedichtethabe; er kommt demnach, was die Form betrifft, aufHaupts Standpunkt zurück. Auf das Bedenklicheein in unserer Literatur singuläres reimloses Gedicht"zu kreiren, hat E. v. Steinmeyer MSD. II 3 162 f. mit allemNachdruck hingewiesen. Trotzdem ist der Forschungeine neue Hypothese durch Morgan beschert worden.Nach ihm ist unser Stück die Prosabearbeitung einetsehr alten alliterierenden deutschen Dichtung. DasUmsetzen in Prosa gelang dem Verfasset nicht recht;deshalb lassen sich grosse Partien, ohne dass manviel" streicht, mit Sieversschen Typen analysieren des-halb zeigen von 190 Versen 64 Spuren von Varia-tion und deshalb findet sich eine Menge altertüm-licher Wörter in dem Stück, über deren Seltenheitdie Belegzahl bei Lexer entscheiden muss. Aber triftigsind diese Gründe nicht. Die Tatsache der Allitera-tion, die, wie Morgan selbst zugibt,bei gewöhn-lichem Lesen .. einem so gut wie gar nicht auffällt",berechtigt noch nicht zum Schluss, dass dem Ver-fasser ein alliterierendes deutsches Gedicht vorgelegen