VIII. Himmel und Hölle 61
Im 1. dagegen viel öfter, aber kaum als Bezeichnungeines Satzanfangs, sondern einer Sinneseinheit, dievielleicht der Strophe der tat. Quelle entspricht.Sonst wird der Punkt verwandt, nur am Schluss desGanzen das Semikolon.
Quellenfrage: Weber die Quellen dieses rätselhaftestenStückes der älteren deutschen Literatur ist bis jetztnoch nichts Sicheres ermittelt. Fest steht nur soviel,dass für die Schilderung der Himmelsfreuden Apo-kalypse Kapitel 21 Endquelle war. J. Kelle hat einenHymnus als Quelle vermutet und druckt zwei demPetrus Damianus zugeschriebene Hymnen (U. Cheva-lier Repert. hymol. Nr. 229, 13500 = MSL 145,980 A).zum Vergleich ab. Aber nur der erste, die Para-dieseswonne besingende, zeigt auffällige Uebereinstim-mungen mit dem deutschen Text. Der Stoff wurde inHymnen des Mittelalters öfters besungen z. B. Ana-lecta hymnica VII 134 ; XXXIII 303; XL VI 229f.; XL VIII;476—478; 484; 485; 492; L 411; 489; 499. Für eineoder zwei Hymnen würde der häufige Gebrauch derAnapher sprechen (vgl. Diu... bürg 2; 5; Sin 11; 14; 17;Da 18; 21; 22; 23; 24; 26; 28; 29; 32; 34; 35; 36;37; 39), wobei zu beachten ist, dass diese Stilformnur im ersten Teil 2—45 auftritt. Doch bedient sichauch die Predigt ihrer, besonders die griechisch-orien-talische. Der im frühen Mittelalter viel benutzte undbeliebte Syrer Effrem hat das Thema von Himmelund Hölle oft behandelt und unter seinen nicht ge-druckten Schriften in lateinischer Uebersetzung könntesich wohl ähnliches finden. 1 ) Auch Luppes Hinweisauf die Visionenliteratur (S. 8) war keineswegs sotöricht, wie MSD. seine Arbeit hinstellen; gerade inden Visionen werden Hölle und Himmel vergleichs-weise behandelt. Wenn sich in dem von C. Pritsche RF2(1886) 247 f. gesammeltem Material Entsprechendesnicht findet, so ist trotzdem die Möglichkeit nicht aus-geschlossen, dass eine Visionsschilderung dem deutschenText zugrunde liegt. Eine grosse Zahl unbekannter
l ) Vgl. auch Haymo MSL. 118, 881 f.