12 I. Otloh« Gebet
Otlohs deutsches Gebet wird als beweisendes Beispielfür die bayrische Mundart im 11. Jhdt. angeführt.Mir scheint in der sprachlichen Bewertung des Denk-mals äusserste Vorsicht geboten. Ein Mann wieOtloh, der schon in entscheidenden Jugendjahrenin nichtbayrische Umgebung gekommen, der inseinem Werdegang nach so vielen Teilen Deutsch-lands verschlagen worden ist, wird seine bayrischeMuttermundart, selbst wenn man annimmt, dass manzu Otlohs Zeit noch zäher am Mutterdialekt festge-halten hat als jetzt, nicht rein bewahrt haben. Vgl.F. Vogt a. a. 0. 265.
Literarisches: Da Otloh selbst sehr rührig für dieAusbreitung seines tat. Gebetes bemüht war, ist esäusserst wahrscheinlich, dass er auch für die Weiter-verbreitung des deutschen Textes in gleicher Weisegesorgt hat. Die Annahme, dass von dem deutschenGebet nur das eine uns erhaltene Exemplar existierthat, dürfte daher irrig sein. Wir dürfen sogar ver-muten, dass die verlorenen Exemplare des deutschenTextes untereinander in dem Masse abwichen, wie A,C, D und E des tat. Gebets. Es ist ja offenbar eineEigentümlichkeit Otlohscher Arbeitsweise gewesen,durch Korrekturen immer wieder zu feilen. Trotzalledem kann von einer literarischen Wirkung derGebetsfassungen nicht gesprochen werden.
Erläuterungen: 3 Lieber Trohtin als Anrede vonGott, G. Ehrismann, ZfdW. 1 (1901) 145. Vgl. fernerZU Nr. XXVII 7. — 5 inluihta = inluihti, Umlautvon iu. — 6 Ich habe die ausradierten i nach u inden Text aufgenommen, da sich kaum sicher nachweisenlassen wird, dass die Rasur von Otloh herrührt, Otlohaber jedenfalls dieses die Aussprache des Wortes ver-ratende i einmal geschrieben hat. Vgl. S. Singer,PBB. 11 (1886) 292; W. Braune, Ahd. Gr. 3 § 32 Anm. 4.J. Schatz, Abair. Gr. § 30. — 12. Dem Dara nah 12;17; 21; 25; 37; 42; 46; 48; 53; 57; 66; 77; 80; 82;87; 90; 93, 95 stehen fünf deinde im tat. Gebet Agegenüber 5,3; 7,19; 7,23; 8, 8; 9,13. — 27. burt selten,s. Graff Sprachschatz III 159. — 34. Vgl. K- Tomanetz,