unter Umständen sogar ein Wort anwendbar würdewie „Laster" und „Ausschweifung". Daß uns das zufremdartig klingt, daß wir darunter lediglich geist-und gemütlose Verschleuderungen verstehen, die unsmoralistisch ins Unrecht setzen, beweist lediglich, auseiner wie großen Instinktunsicherheit wir leben, wiewenig beraten von unserer eigenen Lebendigkeit.
Allerdings gibt es auch noch ein anderes Verhaltenzu diesen Dingen, das hier nicht berücksichtigt wor-den ist. Das findet man weit hinter aller Kunst undden komplizierteren Äußerungsformen der Phantasie:in der Tatsache selbst, daß ein jeder unter uns, vonseinem primitivsten bis zum gesteigertesten Erleben,von seinen wachsten Oedanken bis zu den verträum-testen seiner Nächte, eine Phantasie-Existenz führt.Sogar je weiter ab vom kontrollierenden Bewußtsein,je eingetauchter in das, was uns aus dem seelischenDunkel überkommt, desto mehr, können wir uns dieÜberzeugung holen vom Poeten in uns, vom Poetenin jedermann. Der, freilich, läßt sich nicht aus demMittelpunkt seiner Wirksamkeit verjagen, der ducktsich nur noch dunkler, wenn man an ihn heran will,und birgt sich nur um so wirkungsvoller im Heimlichenseines Tuns. Zwischen dem Verstand, zu dem wiruns mit Recht immer klarer erziehen, und dem, wor-auf die verstandlosen Lebewesen unmittelbar beruhen,läßt er allein seine Brücken nicht einstürzen, und auch
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