kömmling, der Kunst, nichts ist als Ausdrucksmittel,zu Diensten des Stärksten in uns, des Ungenügsam-sten am Vorhandenen. Immer ist sie die unablässigneu geschlagene Brücke zwischen - um bei des Dich-ters Bezeichnungen zu bleiben - dem uns „Säglichen"und dem uns „Unsäglichen"; immer die unabweis-bare Ergänzungsmethode am Realen und Rationalen,als stamme alle Phantasie aus einem breitern Wissen,bei dem Logik und Praktik des Daseins nur nichtexakt genug mittun können. Nun kann ihr Abkömm-ling, die Kunst, darin zu weit gehen, statt bloßer Brückeden weiterreichenden Weg selber darstellen wollen:sie kann entweder das Kunstwerk schädigen, indemdie realen Lebensinhalte sich einseitig dessen be-mächtigen, oder sie kann, umgekehrt, dem bewußtenMenschenleben nicht genugtun, indem sie seine In-halte zu sehr entleert in die symbolhaften Hinweiseihrer Formungen. Entweder also erdreistet das „Säg-liche" sich in ihr, mehr sein zu wollen als das sin-nenfällige Bild und Zeichen für den Ausdruck unse-rer stummsten, stillsten Eindrücke, und setzt sichstatt dessen lärmend an deren Stelle, oder wir über-sehen, daß „künstlerische Formung" als solche bereitsdes Unsäglichen Inhalt entspricht, und verselbstän-digen sie zu äußerlicher Form, zur bloßen Artistik.Alle Kunst steht in der Gefahr, zwischen Tendenzund Artistik um ihren vermittelnden Sinn gebracht
116