Druckschrift 
Rainer Maria Rilke
Entstehung
Seite
84
Einzelbild herunterladen
 

immer wieder alle Kunst aufgefaßt als dasjenige, wor-auf die Dinge warten, um an ihrfertig zu werden",wahrhaftigerwirklich" zu werden, als sie sonst sind.(18Q8:Die Kunst ist der dunkle Wunsch aller Dinge.Sie wollen alle Bilder unserer Geheimnisse sein.

-----------Verschwiegen und verratend zugleich. -

Tiefe, vom Künstler selbst nicht erkannte Zusammen-hänge schließen sie fest aneinander. Sie sind einanderähnlich geworden") Jetzt und in dem Maße, wie ihmseine Leiblichkeit das innere Erleben verschlug, ge-wann künstlerisch Angeschautes eine Leibhaftigkeitüber die der Kunst hinaus, strahlte an einem Punktunter den Dingen auf in mehr als irdischem Licht.Und langsam erstrahlt der Engel.

Der Welt Fülle und Helle begann sich daran zuverdächtigen, daß dem alltäglichen Blick gerade dortnur Dunkel und Undurchsichtigkeit sich zeigt:

Und ob uns diese heitern Monde auch die reinsteWeltsonne widerstrahlen, es war doch vielleicht ihreimmer abgekehrte Seite, durch die wir mit dem un-endlichen Raum dahinter in Beziehung standen",- schrieb er 1919 aus seiner letzten Wohnung inDeutschland (Ainmillerstraße, München, im Januar),wo er mich nochmals zu einem gemeinschaftlichenWinter erwartete.

Dieser leise Zug zum Entirdischen dessen, dem erzuschritt, dies Ergebnis des Nichteinvernehmens sei-

84