Druckschrift 
Rainer Maria Rilke
Entstehung
Seite
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man ihn nicht, d. h. einherzugehn wie in erborgteroder täuschender Kleidung. Wenigstens beschützt diessein Alleinsein, zwingt ihm kein Gebaren auf, dasihn sich selbst entfremdet. Das wurde für ihn einvon Jahr zu Jahr typischeres Erlebnis: Mißverständ-nissegeschehen lassen, um sich hinter ihnen unkennt-lich zu erhalten. Er wußte es schon früh; er schreibtschon 1905 (am Dreikönigstage aus Oberneuland):

Wo andere sich aufgenommen fühlen und aufge-hoben, fühle ich mich vorzeitig hinausgezerrt ausirgendeinem Versteck."

Er empfand auch das so, was man Ruhm nennt;nie reagierte jemand wissender, uneitler darauf. Aberandererseits enthielt auch der Ruhm, der breitere Rufder Bekanntheit, eine ähnlich erleichternde Neben-wirkung wie die erwähnten Mißverständnisse über-haupt: auch er war eine bequem bereitgehaltene Form,ein bloß überzuwerfendes Kleid. Öfters sprach erdavon, wie mühselig und kraftzehrend es ihm im Be-ginn gewesen sei, sich zu geben, zu äußern, ohneTrug und Mißlingen; denn, um das in naiver Unwill- }kürlichkeit geschehen zu lassen, dazu fühlte er denjeweiligen Zustand zu sehr als den eines Augenblicksund scheute (vor fremdern) Augen etwa ähnlich davor,wie er sich gescheut hätte, eine Beobachtung, eineErzählung, eine Bemerkung, in allzu zufälliger, schlecht-sitzender Form von sich zu geben. Das war das ein-

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