752 August 1530.
Städte so stark besetzt, daß der Kaiser nicht ohne Gefahr weiter vordringen, in Aix aber, wegen Mangel anSpeise, auch nicht lange mehr bleiben könne; in Turin sei es den Kriegsleuteu des Königs wohl ergangen;das in der Picardie verlorene Städtchen werde er bald wieder gewinnen; mit der Hülfe Gottes und seinerguten Freunde hoffe er überall siegreich den Kaiser zurückzuweisen. 6. Über das begehrte Geleit haben dieBoten noch keinen Bescheid erhalten. Sie bitten nm eine freundliche Autwort auf nächsten Tag. — Obwohlman keine besondern Vollmachten hat, wird ihnen doch sofort erwiedert: (Zu 2.) Man vernehme eine solcheErklärung mit großem Befremden, da der Friedeustractat unter Anderm bestimme, daß den ergangenen Ur-theilen nachgelebt werden solle (es folgen noch weitere Citate); zudem brauche der König nicht erst Richterherauszusenden, um über die Ansprachen zu entscheiden, da die Gesandten dazu verständig genug seien; manerwarte über diesen Punkt auf dem nächsten Tag eine andere Antwort, und müßte sich im Fall des Ab-schlags vorbehalten, den Ansprechen! andere Wege zu öffnen, um ihren Schaden zu ersetzen. (Zürich ver-weist auf seine Reformation, kraft deren es Aufwiegler, die es in seinem Gebiet beträte, nach den bestehendenOrdnungen bestrafen würde). (Zu 3.) Die Gesandten sagen freilich, daß einige „Häupter" den König schmähenund schädigen und deßhalb verwiesen werden sollten; dagegen bestimme die Erbeiuuug mit dem Kaiser ingleicher Weise, daß man dessen Feinde nicht dulden solle; man gewärtige nun, ob sie aus ihrer Forderungdennoch beharren wollen. (Für Zürich.) Die Boten wissen, daß die Herren von Bern bewilligt haben,sich nicht zu söndern, wenn der Handel wegen Arbon in ein Recht käme. x.. Der Gesandte des Herzogs vonSavoyen, Herr von „Massier" (Mezieres?), zeigt mündlich an, er habe seit dem letzten Tage den Fürsten persönlichberichten wollen, zu Genua die Herzogin angetroffen und von ihr vernommen, derselbe sei in des KaisersLager zu Marseille; er habe vaun Alles dahin geschrieben und um Antwort hieher gebeten, die noch fehle,aber in 5—6 Tagen wohl anlangen werde; deßhalb bitte er die Eidgenossen, nicht nachzulassen, bis derFriede mit Bern gemacht und die alte Freundschaft wieder hergestellt sei. Darauf hat man ihm geantwortet,wenn er die Antwort des Herzogs in 8—14 Tagen erhalte und die Schiedorte, die vordem in der Sacheauch gehandelt, neben den Anwälten des Kaisers auch als Vermittler annehme, so möge er es letztern an-zeigen, die dann eine gelegene Malstatt bezeichnen, dieselbe Bern verkünden und die Schiedorte durch Zürichdahin laden können, jedoch in des Herzogs Kosten; käme aber dessen Antwort nicht binnen vierzehn Tagen,so soll die Sache anstehen bis zum nächsten Tage.
5 Es waltet ein Span zwischen den Alt- und Neugläubigen zu Franenfeld in Betreff Aufrichtung einesFrohnaltars in der obern Kirche zu Frauenfeld, Haltung der Blesse und Taufen in der Leonhardscapelle,worüber jetzt erkennt wird, es dürfe die Partei des alten Glaubens in der obern Kirche wohl einen Frohn-altar errichten und an Werktagen Messe haben bei Begräbnissen, Jahrzeiten :c., doch soll sie nach Beendigungder Messe die Kirchengeräthe ab dem Altar entfernen und in der Sakristei behalten; die Neugläubigen dürfenin der Capelle zu St. Leonhard ihre Kinder taufen, doch sollen sie, wie sich's gebührt, die Capelle sauber
und in Ehren halten. St. A. Lucern ^ A. Thurgau, besiegelt de» SS. August vom Landvogt zu Baden, Benedict Schild don Bern.
Vor den sechs Orten (den VII Orten ohne Glarns) eröffnen Wilhelm von Payern, Vogt zu Gott-lieben, und Joachim von Rappenstein, genannt Möttelin, zu Pfyn, als Anwälte gemeiner Gerichtsherren undEdelleute der Grafschaft Thurgau, Folgendes: 1. Vor einiger Zeit habe der Landvogt Christof von Sonnenberg,des Raths zu Lucern, dem edlen Christof Giel von Gielsberg zuerst bei zehn Gulden und dann beim Eidgeboten, einem Urtheile, das ihn zur Abtragung einiger Schulden verfällte, nachzukommen, und als dieserdennoch sämnig war, habe der Vogt ihn deßwegen bestrafen wollen. Hiefür aber habe Giel dem Vogt die