720 Juni 1536.
Papst, den Cardinälen und den zu Rom versammelten Sendboten augenscheinlich darzuthun, daß er guteGründe gehabt, so zu verfahren! würde sich zeigen, daß etwas Unbilliges geschehen, so wäre er zum Ersatzbereit. Die Grafschaft Burgund gedenke er nicht anzugreifen, wohl aber rüste er sich, um einem Angriff aufsein Gebiet zu begegnen.
Zu e. 1) Der Vortrag der savoyischen Botschaft. Vor Kurzem habe der König von Frankreich ausvermessenem und frevlem Willen, wider Billigkeit und Recht den Herzog von Savoyen aller seiner Lande „de-spolirt" und vertrieben und des alten Herzogthums Lande und Lehenschaften eingenommen. Umsonst habeihn der Herzog an die Blutsfreundschaft erinnert, welche so lange das Haus Savoyen mit der Krone Frank-reich verbunden hatte und noch verbinde; umsonst ihn aufgefordert, ihm anzuzeigen, was er für Anspruchs-rechte auf seine Länder besitze, umsonst sich erboten, solche Ansprachen durch unparteiische Leute austragen zulassen; anstatt hierauf einzugehen habe ihm der König durch seine Botschaft einfach alle Lande, Städte,Schlösser und Festungen des Fürstenthums Piemont („Bemunds") abgefordert, ohne zu sagen, warum odergegen wen er sich derselben bedienen wolle. Alle freundliche Antwort vermochte nicht den Zorn des Königszu brechen; er zwang den Herzog sammt der Herzogin und ihren kleinen Kindern zu fliehen, drohte, ihnzum ärmsten Fürsten der Christenheit zu machen, und behandelte ihn zum Erbarmen ohne Rücksicht ans diegegenseitige Verwandtschaft und den alten Namen und Stamm des Geschlechts von Savoyen und der KronePortugal, von der die gnädige Frau abstammt, vergessend der Dienste, die seit alten Zeiten der Herzog demKönig mit Darstreckung von Land und Leuten bei vielen Zügen nach Italien erwiesen hat. Solcher Artwisse der Herzog nur zu Gott und seinen Freunden und Verbündeten Zuflucht zu nehmen, vorab zum röm.König als seinem natürlichen Lehensherrn, der die Pflicht habe, ihn als Glied des röm. Reiches zu schirmenund sein nächster Freund sei; und dann zu den Eidgenossen als semen Freunden und Bundesgenossen nnddie auch Glieder des heiligen röm. Reichs nnd Liebhaber der Gerechtigkeit seien. Kraft des zwischen ihnen nnddem Herzog bestehenden Bundes bitte er nnterthänig, ihm das abgedrungene Land wieder erwerben zu helfenund zu erstatten, was ein Bundesgenosse dem andern schuldig ist. Man betrachte den großen Schaden durchRaub und Brand, der geschehen und noch fortwährend von des Königs Kriegsleuten verübt werde, das Weg-führen von Weibern und Kindern, „ungeschont aller jungfrowenschaft und des heiligen eelichen stands." DerHerzog könnte sich wohl beklagen, daß ein Theil seines Landes diesseits des Gebirges von denen von Bernund andern Eidgenossen eingenommen worden sei; aber in Betracht der Liebe, Freundschaft, Nachbarschaft unddes Bündnisses wolle er diese Sache jetzt nicht weiter äffern, guter Hoffnung, sie werde gütlich beigelegt unddie von Bern werden sich herbeilassen, dem Herzog das ihm abgenommene Land wieder zuzustellen. Der Herzogbitte, daß sich die Eidgenossen dieses Handels annehmen und denselben gütlich zu vertragen suchen. (Unterzeichnet:Der Gubernator zu „Vertzel.") St.A.Luccrn: Msch. N2. r.572. — St.A.Ziirich: Bd.rs, r. 55.—St. A.Bern: Allg. Absch.a».
S. 303. Auch beim Basler und Freibuvger Abschied.
Dieser Vortrag schließt im Berner Exemplar mit der Bemerkung: „Hab auch von s. d. bevelch ein an-sang des Handels mit denen von Bern zu machen, des ich dann willig bin, ist es inen gelegen und geliebt,mir ein sicher geleit zu geben gen Bern und dannen zereyten." Der Vortrag ist hier unterzeichnet: derGubernator von (? unklar) D. Bonvillard.
2) 1536, 15. Juli (Samstag Margareten Tag). Zürich an Bern. Durch die Gesandten von Zürichund den jüngsten Abschied von Baden habe man vernommen, daß vielleicht der Kaiser und einige Orte derEidgenossenschaft vorhaben, zwischen dem Herzog von Savoyen und denen zu Bern freundlich zu unterhandeln.Da man dafür halte, daß der gegenwärtige Zeitpunkt der geeignete hiefür sei, so bitte man die von Bern,die Sache zu betrachten, zu bedenken, was erfolgen könnte, wenn der Kaiser in Piemont siegreich würde, unddaher allfällige bezügliche Anträge willfährig anzuhören und auf den nächsten Tag zu Baden eine zum Ver-mitteln dienende Antwort zu crtheilen. St.A. Zürich: Misswenbuch wgo, e. »2.
Zu I». 1536, 1. Juli. Bern an die Gesandten der X Orte (ohne Bern, Glarus, Schaffhausen) zu Baden.Ihr Schreiben, daß man denen, die wider das Verbot ihrer Obrigkeit zum König von Frankreich ziehen.