Juni 1536. 719
Gott gelobt, daß es ihm so ergangen; als er über seine Befreiung unterhandelt, habe der Herzog eine Bot-schaft nach Spanien geschickt, um heimlich den Kaiser gegen die Freilassung einzunehmen, später von diesemdie Herrschaft Asti für sich gefordert, die doch bekanntlich dem König und seinen Söhnen zustehe; die Beweiseseien noch vorhanden ; man sehe daraus wohl, ob der Herzog wie ein Freund gehandelt habe.
Die Botschaft des Herzogs fordere von den Eidgenossen Beistand, indem sie sich auf ein angeblichesBttndniß berufe; der König hoffe aber, daß sie sich dessen nicht belade», sondern bedenken, daß er immerwider sie gekriegt und sich als Feind erzeigt habe.
Die Boten des Kaisers muthen den VII Orten zu, die Ihrigen nicht in des Königs Dienst laufen zulassen, und berühmcn sich offen/ daß es ihnen zugesagt worden; auch sage man es überall in des KaisersLanden; allein der König halte sie für so ehrbar, daß er nicht zweifle, sie werden ihm Briefe und Siegeltreulich halten, indem diese für sie vortheilhaftcr seien als für ihn; wenn sie von einem Fürsten in ihre»Landen angegriffen würden, so sei er schuldig, ihnen alle Fronfastcn 50,000 Franken, auch 200 Kürisser und12 Stück Büchsen zu schicken, während sie nur sollen laufen lassen, wer gern diene, und in seinen Kosten;dazu habe er die großen Pensionen für den gemeinen Sckcl und für einzelne Personen, seit zehn Jahrenüber 500,000 Kronen, seit neun Monaten 150,000 Kronen bezahlt. Die Eidgenossen können wohl erwägen,daß sie so große Gutthaten von dem Kaiser, dem Herzog von Savoyen oder andern Herren nicht empfangenund die Verträge mit jenen nicht so vielen Nutzen gewähren; sie sollen dies betrachten und um kleiner Vor-theile willen nicht ihre Ehre verletzen, also den Ihrige» nicht verwehren, dem König freiwillig zu dienen.
Die beiden Fürsten haben einander noch nicht abgesagt, wiewohl sie große Rüstungen machen, so daßein guter Friede vielleicht noch möglich wäre; wenn aber der Krieg ausbreche und es dem König, weil dieEidgenossen ihm Briefe und Siegel nicht halten, etwa mißlinge, so haben sie zu erwarten, daß sie die erstensein werden, die darunter leiden müssen; den freien Stand, den sie erobert, werden sie verlieren und ingrößere Knechtschaft gerathen als vormals; das hätten sie dann ihnen selbst zuzuschreiben; aber fast dünkeihn, den Gesandten, daß der König mehr Eifer habe, ihre Freiheit zu erhalte», als sie selbst. Er bitte, diesnicht übel zu deuten.
Sie haben einen Hauptmann von Rotwcil gefangen, der ihm eine Anzahl von Knechten zugesagt unddas nöthige Geld dafür empfangen habe; warum dies geschehen, wisse er nicht; er bitte im Namen desKönigs, den Rotwciler ledig zu lassen und der Vereinung gemäß das Geld herauszugeben, zumal derselbenicht Unterthan der Eidgenossen sei. Etliche Hauptlcute, welche Pensionen genießen, haben ihm Dienst aner-boten, wenn die Obern es gestatten; er habe sie angenommen, damit sie sich rüsten könnten, und bitte nun,des Königs Lage zu bedenken und freundlichen Bescheid zu geben.
St. A.Lucern: Absch.u. 2, r.58«. — St.A. Zürich: Absch.Bd. IS, k. 57.—St.A.Bern: Allg.cidgen.
Absch. 66.302; auch beim Basier, Freiburger und Schaffhauser Abschied.
2) In der Lucerner Sammlun g, S. 565 befindet sich ein Vortrag, der französische» Botschaft, denCysat ohne erkennbaren Grund auf den 26. Juni datirte; die Schrift ist die des Lucerner Stadtschreibcrs;nach Erwägung aller Momente muß er zwischen den 6. und den 26. Juni fallen. Er geht dahin:
Der König vernehme, daß seine Ehre hier zu Stadt und Land verletzt werde, und erachte für »öthig,sich zu erklären. Daß er nicht lutherisch sei, könne man genugsam aus den Strafen erkennen, die er täglichüber diejenigen verhänge, welche solcher Meinung anhangen und deßhalb täglich aus seinem Lande weichen.Die Gesandten des Kaisers dürften sich dagegen erinner», daß ihr Meister ohne Strafe in deutschen Landenjeden in dem Glauben leben lasse, der ihn gut dünke, bloß damit sie ihm dazu helfen, daß er ein großerHerr werde; es sei ja wohl bekannt, daß der Prädicant des Herzogs von Würtembcrg in Wien öffentlichgepredigt und zudem, daß der Kaiser größtenthcils Lutherische im Dienste habe. Seine Anwälte haben keinenGrund zu behaupten, daß der König mit dem Türken verbunden sei; denn er habe sich erboten, selbst gegendiesen zu ziehen, samint seinem Bundesgenossen, dein König von England, was der Kaiser aber nicht ange-nommen; dann sei er allein in die Berbcrci gezogen, wo er einen Türken vertrieben und einen andern fürihn eingesetzt habe. Betreffend den Handel mit dem Herzog von Savoyen erbiete sich der König, vor dem