718 Juni 1536.
Zu e. Im K. A. Freiburg liegt die Abschrift eines Briefes des Kaisers ä. ä. „Asst" 7. Juni 1536,worin die Eidgenossen ermahnt werden, gemäß ihrem Versprechen, die Ihrigen nicht dem König zuziehen zulassen, die in dessen Dienst Befindlichen heimzumahnen, die Ungehorsamen zu bestrafen und neutral zu bleiben.Anderseits verspricht der Kaiser, die zwischen den Eidgenossen und den beiden Hänsern Oesterreich und Bur-gund bestehenden Verträge zu halten, zu erneuern und wenn die Eidgenossen dieselben zu mehren, zu erläuternoder darin etwas zu ändern wünschen, sich so zu erzeigen, daß man seinen gnädigen Willen für gemeine Eid-genossenschaft erkennen werde. K, A. Freiburg: Url. Nr. sog.
Zu «I. 1.) „Fürtrag des Herren von Boisrigault M-us Frankrych Rhat und Botschafft vor gemeinerEydtgnoschafft Ratsbotcn zu Baden in Ergöw gethan uf den leisten Tag Juni Anno Dom. w. xxxvj."
Nachdem er die eilf in der Vereinung stehenden Orte einzeln um eine Anzahl Knechte ersucht, und mitden VII Orten zu Lucern schon öfter deßhalb unterhandelt, aber noch immer keine willfahrende Antwort vonihnen erhalten habe, während Glarus, Schaffhausen und Appenzell ihre tractatmäßigen Pflichten erfüllt, aucheinige Hauptleute dem König ihre Dienste angeboten haben, und gegenwärtig in der Eidgenossenschaft alleUnruhen gestillt seien, bitte er die VIl Orte nochmals mit allem Ernst, ihrem guten Bundesgenossen undGevatter die schuldige Hülfe zu schicken.
Er habe wohl bemerkt, daß die Botschaften des Kaisers und des Herzogs von Savoycn ihnen anliegen,daß sie dem König nicht entsprechen sollen, da sonst nach ihren: Vorgeben die Erbeinung verletzt würde. DieErbeinung könne sie aber nicht hindern, Bündnisse zu machen, mit wem es ihnen gefalle; denn hätten siesich soweit darin verpflichtet, so wäre ihr „freier Stand und Wesen" vergeben worden. Allein sie wissenselbst, daß dem nicht also sei, und wie die Kaiserlichen oft gegen sie gehandelt, wie die Landsknechte undBurgunder sich jetzt betragen; denn der Anstand, den der König auf die Fürbitte der Eidgenossen der Graf-schaft bewilligt, sei von ihr vielfach gebrochen und dadurch entkräftet worden. Da der Kaiser in großer Rüstungbegriffen sei, um deu König in seinen: eigenen Lande anzugreifen, so könne die Eidgenossen nicht unbilligdünken, daß er Hinwider den Feind in seinem Gebiete schädigen wolle; wenn aber der Kaiser von seinemUnternehmen abstehe und die Burgunder aus seinem Lager heimziehen, so würde der König an ihnen denAnstand wohl halten, obschon derselbe gebrochen sei.
Ferner tragen des Kaisers und des Herzogs Gesandte allerlei Klagen vor, wie der König das LandSavoyen und anderes unbillig, ohne Ursache eingenommen habe. Da die Eidgenossen darüber großes Be-dauern zeigen, so sei es nöthig, die Sachen etwas näher anzusehen. Seit dem Absterben der Mutter desKönigs und seiner Großmutter, des Herzogs Schwester, habe man Briefe, Testamente und andere Ver-schreibungeu aufgefunden, welche Savoyen betreffen, woran also der König eine rechtmäßige Forderung habe;er habe zwar lange in guter Meinung den Herzog nicht darum angesprochen, weil er gehofft, daß dieser sichals Verwandter und Freund in diesen: und andern: nachgiebig zeigen werde. Seit er aber vernommen, daßdie Herren von Bern den Herzog überfallen — ohne daß er die Ursache davon gewußt — habe der König ihneilig in das Lager der Berner geschickt, mit der Bitte, daß sie stillestehen und ihm die Ursache des Kriegesanzeigen wollen, damit die Sache an Schiedleute gewiesen und vertragen würde, ihn: auch Befehl gegeben,mit Schiedboten von den Eidgenossen darin zu arbeiten; die Hauptleute von Bern haben ihn an ihre Herrengewiesen, diese dann bewilligt, nicht weiter zu fahre:: und einen Vertrag vermitteln zu lassen; allein die ver-suchte gütliche Unterhandlung sei fruchtlos geblieben, weil sich von Seiten des Herzogs niemand seines Handelsangenommen. Unterdessen habe der König vernommen, wie sich derselbe an den Kaiser hänge und diesemsein Land anbiete, nur um Frankreich zu schädigen; dennoch habe er nochmals einen Boten mit freundlichenAnträgen zu ihm geschickt, aber nichts als leere trügerische Worte erhalten; in Anbetracht aller feindlichenUmtriebe, die derselbe gemacht, habe dann der König gefunden, er dürfe mit Gott und aller Billigkeit dasSeinige wohl zu Händen nehmen und es nicht in fremde Hände kommen lassen, dem Herzog abgesagt undihm den Krieg verkündet. Dabei wolle er (Boisrigault) zeigen, was für feine Stücke der Herzog getrieben.Als der König zu Pavia gefangen worden, habe der Herzog in einen: Brief an den König von England