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Neu-entdeckte Gedichte Ossians
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188
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Morgenlied188Ich sehe dich, o Sonne, du steigest in dem Stol-ze deiner feurigen Strahlen empor, du schreitestwie ein Rieß, mächtig, und stark aus den Tiefendes Meers. Unnennbarer Glanz gehet deinenSchritten vor. Die Himmel zeigen die Pracht dei-ner Herrlichkeit. Die Erde verkündet die Gütedeiner wohlthätigen Hitze. Aber, was bist du,grenzloses Meer? Was seid ihr blauligten Him-mel! Was bist du, o flammende Sonne mit demAllmaͤchtigen verglichen!Ihr seid nur die Wirkung seines Willens. Erbefahl euch zu sein, und ihr ward. Keinen Urstoffbrauchte seine schaffende Hand. Alles schuf er ausnichts. Wer kann Unendlichkeit fassen? WerAllmacht begreifen? Schöpfer, und Herr! wasist vor deinem Gesichte der Mensch? Unwissenheitbenebelt seine Begriffe; Schwäche begleitet ihn aufseiner Bahn. Zergänglichkeit ist auf sein Wesengeprägt, und Fäulniß zermalmt mit unbemerktenBissen die Säulen seines Gebäudes. Heute rauschter, wie eine stattliche Fichte, jubelt, und tanzt, undhebt sich voll blähenden Stolzes. Morgen ist ernicht mehr. Ganze Geschlechter der Menschen glei-ten hinweg, wie Schatten über die Ebne, derkeine Spuren hinterläßt.