Druckschrift 
Neu-entdeckte Gedichte Ossians
Entstehung
Seite
111
Einzelbild herunterladen
 

111Ein Gedicht.der Jahre vertrieben. Ihr schneller Lauf verlöschtdie Spuren eurer Pfade, und die Erinnerungvergangener Thaten wird dunkel im Gemüte. Soschwimmt der graue Nebel über die Ebene von Le-na, er bedeckt die buschigten Thäler, und verbirgtin seinen Falten die Gipfel von Mora. Aber dasLicht des Lieds strahlt aufs neue in meiner Seele.Oßian horch meine Töne. Sie fließen von meinenSaiten für dich.Einst bestieg ich die Gipfel von Glandre, dieHöhle von Karbre zu besuchen. Sein waldigtesHaupt war mit Wolken bedeckt: auf seiner Seitescholl das Brüllen der Wässer. BlauschäumendeStröme rauschten in verschiedenen Ritzen längsseinen felsigten Klüften herab. Ungeheure Eichen,halb von Blitzen verzehrt, lagen über seine mitDornen verwachsenen Felsen verstreut. Mansagte, die Geister verstorbener Helden unterredensich dort in mitternächtlichen Stunden, und diesanfte Musik ihrer Lieder ergötze das Ohr. Icherreichte beim Abend die rauhe Spitze des Berges,und saß dort die ganze Nacht in stiller Erwar-tung. Doch vernahm ich nichts, als der Eule Ge-schrei, und das Bellen der heulenden Füchse.