21scheiden. — Es hieße eurem Herzen wenig Gefühlzutrauen, meine Theuren, wenn ich euch noch aufdie Schönheit und Liebenswürdigkeit eines solchenCharakters aufmerksam machen und wenn ich eseuch noch beweisen wollte, daß eine solche Freund-schaft diejenige edle Liebe sey, die man von jeherso hoch gepriesen und in Liedern und Lobgesängen sofeurig beſungen hat. „O ſelig, wer ſein Erdenle-ben an solcher Freunde Arm durchwallt;-Lasset uns doch, geliebte Freunde, vor den Ge-stalten solcher edlen treflichen Menschen, wie wirin Ruth, Naemi und Boas kennen gelernt haben,nie anders, als mit inniger Rührung und mit stil-ler Verehrung stehen bleiben. Erwäge es doch jederMann, daß es keine schönere Würde gebe, als sobieder zu denken, so treu zu arbeiten und so recht-lich zu leben, wie Boas. Beherzige es doch jedesWeib, daß eine solche Stille des Geistes, eine sol-che Sanftmuth des Herzens und eine solche religiöseGesinnung, wie wir an Naemi bemerken, ein grö-ßerer Schmuck sey, als Perlen und Seide. Em-pfinde es doch jede Jungfrau, daß man nach demBeyspiel der Ruth auch in den Blüthenjahren derJugend, die Achtung und Liebe Anderer durch nichtssicherer gewinnen könne, als durch anspruchlose Be-scheidenheit, durch eine unschuldsvolle Demuth, durcheine bestimmte und feste Denkungsart, durch unver-Th. II.
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