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Einige Predigten über das Buch Ruth
Entstehung
Seite
311
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3¹¹5Festigkeit ihres Charakters. Von Wan-kelmuth und Halsstarrigkeit ist sie gleich weit ent-fernt. Das, was sie will, will sie nicht aus Ei-gensinn, darum, weil sie es will; sondern sie läßtsich rathen und leiten, sie nimmt den Rath ihrerMutter mit Bescheidenheit an, und thut, was sieihr sagt. Aber eben so wenig ist sie, wie Manchees sind, ohne allen eigenen Willen. Es giebtnemlich Menſchen, die ohne eigene Ueberlegungund ohne eigenes Nachdenken zu Werke gehen, diemit ihren Gedanken nur in die Gedanken Anderereintreten, von Anderen beschließen lassen, wassie beginnen sollen, die nichts anordnen und zuStande bringen, als wozu ihnen Andere dieAnleitung geben. Solche unbeſtimmte Menſchenverfahren ohne alle Selbstständigkeit und habendeswegen keinen beſtimmten eigenen Character, ſiezeigen sich zu der einen Zeit so, und zu der andernZeit wieder anders. Was sie heute wollen, wollensie vielleicht morgen nicht mehr. In ihrem Thunund Lassen ist deswegen gar kein Plan, keine Re-gelmäßigkeit; sie haben kein bestimmtes festes Ziel,worauf sie hinstreben. Dieser ihr Character ist eineArt von Geistesschwäche, die freylich zuweilen dieFolge ihrer natürlichen Anlagen ſeyn mag, gemei-niglich aber vom Mangel an Nachdenken und Ueber-legung und vom Mangel an Uebung in Geſchäften